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Nach Dresden wurde an den Oberst v. Mertens telegraphirt, 50 dorthin dirigirte schwere Geschütze so bereit zu halten, daß sie, sobald es befohlen würde, ohne Zeitverlust auf der Eisenbahn abgesendet werden könnten. -

Auf österreichischer Seite hatte man die Nothwendigkeit erkannt, ein neues Heer in der Gegend von Wien zusammen zu bringen und es begannen am 14. Juli auch die Truppen-Transporte von Italien dorthin, wie sie von Olmüş her fortgesett wurden. Aus legterem Ort sollten heute das IV. Korps Kojetein, das II. Korps Tobitschau am rechten March - Ufer erreichen. Dem ersteren war das Gros (12 Eskadrons), dem legteren 1 Regiment, das 3. der sächsischen Reiterei beigegeben, und beide wurden angewiesen, ihren Marsch in der rechten Flanke durch eine Brigade zu decken. Die großen Trains waren am (inken Ufer über Brerau nach Moschtienig dirigirt.

Diese Rechts - Entsendung einer Brigade konnte ein Korps auf einer Etappe sichern, nicht aber den Marsch der Armee auf längere Dauer, sobald man in der Flanke durch mehr als bloße Spigen des Gegners in Gefechte verwickelt wurde.

Am rechten Ufer der March Göding zu erreichen, war mit einiger Sicherheit wohl nur zu hoffen, wenn man sich durch starke Kräfte gegen die II. Armee erst Luft zu machen vermochte, also zunächst offensiv gegen diese vorging und sie in westlicher Richtung zurüddrängte.

Allerdings erreichten am 14. von der preußischen II. Armee das VI. Korps erst Mährisch - Trübau, das Garde-Rorps Dpatowiß und Jaromierziz, dagegen befanden sich das V. Rorps bereits im Vormarsch auf Laschkau und Neustift, das I. korps gegen Proßnitz.

Die auf Kosteletz voraus dirigirte Cavallerie-Division bes merkte von der Höhe von Hluchow sehr langgedehnte Staubwolken, welche auf den Marsch größerer Truppenförper schließen ließen ob diesseits oder jenseits der March, war nicht zu erkennen. — Einige gegen Proßnitz vorgegangene Patrouillen stießen auf ein feindliches Ravallerie-Regiment, als aber um 114/2 Uhr General v. Þartmann selbst diesen Ort erreichte, war nichts mehr vom Gegner zu sehen, und es wurden Rekognoszirungen in verschiedenen Richtungen abgeschickt. Das Gros der Division hatte bei Rostelet Halt gemacht.

Bericht hierüber war um 98/4 Uhr beim V. Armee-Rorps eingegangen, und General v. Steinmet befahl, daß die Kavalleries Division bis Proßnig vorrücken, auch im Laufe des Tages ein möglichst starkes Detachement nach Prerau schicken solte, um zu erfahren, ob und was auf Tobitschau oder Prerau oder dahinter marschire, ferner sich der Telegraphen- und Eisenbahn-Stationen zu bemächtigen, überhaupt dem Feinde jeden möglichen Schaden zuzufügen.

Bald nach Abgang dieses Befehls lief beim General-Kommando V. Armee-Korps fernere Mittheilung aus Proßnitz ein:

„,124/4 Uhr. Ich habe Meldung von Ollschann und von weit südlich Proßnig. Ueberall ist nichts mehr vom Feinde zu entdecken. In Broßnitz sind heute Morgen ein österreichisches Husarenund ein fächsisches Reiter - Regiment gewesen. Jeßt sollen Österreichische Truppen in Tobitschau lagern. Ich behalte meine Avantgarde vorwärts Kostelet, schiebe Vorposten gegen Broßnig einerseits, gegen Ollschann andererseits vor, beziehe mit dem Gros, soweit es angeht, Marsch-Quartiere in und unweit Kosteleß.

(gez.) v. Hartmann. P.S. Ich poussire -eine Refognoszirung gegen Tobitschau.“ Im Laufe des Nachmittags meldete der General noch von

lojte letz aus, daß:

1. das Leib-Husaren-Regiment von Drahanowitz heute Morgen

Marsch - Rolonnen aus allen Waffen auf der Straße von tittau nach Olmüş beobachtet habe und daß Gefangene aussagten, wie die Truppen in Begriff wären, über Prerau nach Wien abzumarschiren. Ein Offizier des Leib-HusarenRegiments habe von den Höhen bei Rittberg aus, auf einer der von Olmütz nach Süden führenden Straßen bedeutende

Marsch-Rolonnen beobachtet. 2. Der Adjutant der Division, Premier-Lieutenant v. Rojens

berg, meldete von Wrahowitz aus: Ollschann und Dubau seien vom Feinde nicht beseßt, dagegen in Wrbatek Infanterie; sechs Züge Kavallerie zögen sich auf Hrdiborzit. Eine von ihm aufgehobene Patrouille des 3. sächsischen ReiterRegiments fage aus, daß die Armee im Rückmarsch auf Wien begriffen, die Marsch - Disziplin sehr gelockert sei.

Lieutenant v. Rosenberg beobachte den Feind noch weiter. 3. Der Generalstabs-Offizier der Division, Hauptmann v. Vers

sen, melde: In Kralit habe er keinen Feind getroffen, doch sei nach verschiedenen Aussagen der Einwohner als sicher anzunehmen, daß 1 Regiment fächsischer Reiterei, 2 Regimenter österreichischer Infanterie und 1 österreichisches Jäger- Bataillon heute früh Fralitz passirt haben und zwar in der Richtung auf Rojetein. Die Marsch - Direktion sou für die zurückgehenden Truppen Kremsier sein. Die Rekognos

zirung auf Tobitschau werde fortgesegt. General v. Hartmann fügte hinzu:

„Aus allen Beobachtungen geht hervor, daß der Feind im Rückmarsch nach dem Süden ist

. Ich bitte um die Er: laubniß, mich entweder über Dub auf seine Rüczugslinie unweit Krzmann oder Rofor, oder über Tobitschau auf Prerau werfen zu dürfen. Ich bitte zu dem Ende um Unter: stüßung von Infanterie und da das Leib-Husaren-Regiment in Drahanowitz abfommandirt ist, um ein Leichtes Kas vallerie-Regiment."

Da der Befehl, welcher zu diesem Vorgehen ermächtigte, noch nicht eingetroffen war, so verfügte General v. Hartmann sich persönlich nach Neustift, um beim General v. Steinmet das Unternehmen zu betreiben.

Die gesammten Meldungen wurden dem Ober - Rommando mit folgendem Schreiben des Generals v. Steinmet nach Ronit überfandt, wohin das Þauptquartier verlegt war.

,, Reider steht das V. Armee-Korps nicht nahe genug, um
den General v. Hartmann mit Infanterie unterstützen zu
können, es wäre gut, wenn dies dem I. Armee - Korps
aufgegeben würde. Ichtheile ganz die Ansicht, daß die

*
Desterreicher im Abmarsch von Olmiit nach Wien sind.
Bei der Verfassung, in der dies geschieht, halte ich ein
schleuniges Folgen und Angreifen, wo man sie findet, für
geboten und sehe davon gute Erfolge voraus; ich habe Ge-
neral v. Hartmann autorisirt, gegen Prerau vorzustoßen.
Haupt-Quartier Neustift, den 14. Juli 1866.

(gez.) v. Steinmetz.“

Bereits hatte das I. Armee-Rorps mit dem Gros Plumenau, mit der Avantgarde Leschau und der Reserve Ptin erreicht, das De: tachement des Generalmajors v. Buddenbrock ward nach Proßnig borgeschoben, woselbst es um 4 Uhr Nachmittags eintraf und mur circa 1 Meile von Rralig und Biskupitz entfernt stand.

Da in der Richtung über Wrahowit starke Staubwolken sichts bar waren, so erhielt das der 2. Division zuigetheilte 1. Leib-õufaren-Regiment den Befehl, in jener Richtung eine Eskadron vorgehen zu lassen und mit dem Rest des Regiments zu folgen. Eine Eskadron war bereits nach Kosteletz detachirt. Der vorgegangenen 2. Eskadron unter Rittmeister v. Winters Rencontre bei

Araliß. feld fam Lieutenant v. Rosenberg mit der Nachricht entgegen, daß fich die bereits früher von ihm gemeldeten sechs Ziige sächsischer Reiter näherten, auch Jagd auf ihn gemacht hätten. Ebenso fand sich Hauptmann v. Verjen bei der Eskadron ein.

Raum war gegen 47 Uhr Nachmittags Wrahowit pafsirt, als der Flankeurziig auf feindliche Plänkler stieß, gegen Kralitz hin wurden zwei Eskadrons bemerkt, Anfangs im Zurücfziehen, dann aber Front machend. Die Husaren - Eskadron entwickelte sich östlich Wrahowitz, ihr 4. Zug in der rechten Flanke, und ging so zur Attade vor. Der Gegner er

wartete diesen Angriff stehenden Fußes und mit einer Salve, unweit des Kirchhofes von Kralitz, wurde jedoch durchbrochen und im Þandgemenge auf Kralitz zurückgetrieben. Da er hier zwischen zwei Mauern eingedrängt wurde und somit in eine sehr ungünstige Situation gerathen konnte, sammelte Rittmeister v. Winterfeld circa zwei Züge und warf sich mit ihnen in Flanke und Rücken des Gegners; es entspann sich ein nochmaliges heftiges Handgemenge, während dessen sich der Feind aus seiner schwierigen Lage loswickelte und sich rückwärts des Dorfes sammelte. Die Auflösung, in welche die Husarens Eskadron durch das Gefecht gerathen war, machte auch ihrerseits ein Halten nothwendig, doch gelang es dem Rittmeister v. Winterfeld mit den zuerst wieder gejammelten circa 40 Husaren den Feind noch einmal zu werfen und gegen Biskupitz zurückzutreiben, wo Artillerieund Infanterie-Feuer, sowie eine in der Ferne sichtbar werdende neue feindliche Eskadron und die Ermüdung der eigenen Pferde der Verfolgung Schranken setzten.

Die der Eskadron Winterfeld folgenden 11/2 Eskadrons des Regiments stießen vor Bisfupitz hinzu, ebenso Oberst - Lieutenant v. Barneko w mit der aus Proßnitz herbeigeeilten 4. Eskadron des Ulanen-Regiments Nr. 10.

Das feindliche Artilleriefeuer verursachte hier einige Verluste. Das Husaren - Regiment büßte 2 Mann todt, 2 Offiziere und 18 Mann Verwundete ein und hatte 25 Pferde außer Gefecht, welche Verluste zum größten Theil die Eskadron Winterfeld trafen. Die Sachsen ließen vom 3. Reiter - Regiment 1 Offizier, 18 Mann, 13 Pferde auf dem Platze zurück.

Hauptmann v. Versen meldete aus Kralig um 78/4 Uhr Abends das vorgefallene Gefecht; ferner, daß zwei Bataillons und Artillerie von Tobitschau vorgegangen wären, sowie, daß die Einwohner behaupteten, es ständen hinter Tobitschau noch starke Truppenmassen.

In der Absicht, dem General v. Steinmetz den ihm von Sr. Majestät den König verliehenen Schwarzen Adler-Orden selbst zu übergeben, war der Kronprinz, nur von einem persönlichen Adjutanten begleitet, am Nachmittag nach Neustift geritten. Unterweges

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