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zurüdziehen zu können. Indessen glaubte der Feldzeugmeister auch jetzt noch, die Brigade Piret des I. Armee-Korps zur Unterstüßung seines linfen Flügels nach Problus und vorerst nur eine Brigade dieses Korps für den rechten Flügel auf Chlum dirigiren zu dürfen.

Beim VI. Korps wurde man durch die in die kolonnen einschlagenden preußischen Granaten ganz von selbst zu Gegenmaßregeln aufgefordert

Ob die noch in der Front an der Bistrit fechtenden Korps einen bestimmten Befehl des Feldzeugmeisters zum Rüdzug erhielten, ist nicht bekannt. Die Verhältnisse lagen aber so, daß die Kommandirenden ihre Entschlüsse bald selbstständig fassen mußten. Dagegen wurde ein derartiger Befehl an die auf dem linken Flügel fechtenden Korps ertheilt.

Ueber die Fortschritte, welche beide preußischen Flügel in Flanke und Rücken der österreichischen Stellung machten, konnten Meldungen nur auf weiten Umwegen also erst spät zur Kenntniß des OberRommandos auf dem Roskos-Berg gelangen.

Das Aufblitzen der Geschütze neben den von dort aus sichtbaren Bäumen auf der Höhe von Horenowes hatte zuerst die Annäherung des Kronprinzen vermuthen lassen, sodann erkannte man seine Marschkolonnen selbst am Abhang des Berges. Erst später wurde auch in der Front theils eine Abnahme, theils eine veränderte Richtung der feindlichen Batterien bemerkt. Nur diese waren in der österreichischen Hauptstellung sichtbar, die Infanterie des III. und X. Korps blieb hinter den sie schützenden Terrainwellen bis zum legten Augenblick der Einsicht entzogen. Unbemerkt scheint diese legtere spätestens wohl schon um 3 Uhr den Rückzug angetreten zu haben, welchen die Artillerie in aufopfernder Thätigkeit verbarg und sicherte. Aus der allmähligen Abnahme des Feuers hatte man jedoch auf dem linken Flügel der I. Armeeum 3 Uhr auf den beginnenden Abzug des Gegners geschlossen und um 34/2 Uhr befahlen Se. Majestät der König das Vorgehen der ganzen Linie.

Wie später gezeigt werden wird, hatte dasselbe auf einigen Punkten bereits begonnen, dagegen war es noch nicht möglich gewesen, jenseits der Bistrit Raum für den Aufmarsch der Kavallerie zu gewinnen. Es kam jeßt darauf an, ihr Defiliren möglichst zu beschleunigen, um den Gegner bei dem Vorsprunge, den er erlangt hatte, wieder einzuholen.

Bevor in dieser Weise das Vorrücken des preußischen Centrums wirksam werden konnte, hatten aber die Flügel noch schwere Kämpfe zu bestehen.

Wir haben die 1. Garde Division um 3 Uhr verlassen. Ihre avancirte Stellung bei Chlum und Rosberig war von zahlreichen feindlichen Batterien unter Feuer genommen, welche eine nach der andern in dem weiten Bogen von Wsestar bis Langenhof einrüdten. Mehr als hundert Geschütze überschütteten die Dörfer und die þöhe zwischen beiden mit einem Hagel von Granaten, während die eigene Artillerie noch nicht zu folgen vermocht hatte.

Gegen die Front jener avancirten Stellung rüdten jetzt frische Streitkräfte aus der feindlichen Reserve heran; außerdem blieb die rechte Flanke bedroht, wo der Wald von lipa durch die Brigade Benedef des III. Korps stark besett war und wohin sich Theile des IV. Korps nach dem Gefecht gegen Generalv. Franjecky gezogen hatten. Diese Truppen unterhielten von dort aus ein lebhaftes Feuer gegen die Westseite von Chlum und drohten zur Offensive überzugehen. Der Prinz von Württemberg jah sich daher genöthigt, die 2. Garde-Division, welche bisher in ihrem Verhältniß als linkes Flügel-Echellon gefolgt war, nach rechts herüber z11 ziehen; doch war das Gros derselben zur Zeit noch bei Maslowed zurück.

Zunächst konnte daher nur, vom General v. Hiller dazu aufgefordert, General v. Blonski den Oberst v. Britzel wiz mit der Avantgarde der 2. Garde-Division an das Garde-Füsilier-Regiment heranrücken lassen, während dasselbe bereits im Gefecht mit der Brigade Fleischhader stand. Von diesem Regiment waren dem weichenden Feinde das 2. Bataillon, wie erwähnt auf Cistowes, die Schüßen der 2. Kompagnie, lieutenant v. Oberniß, die 1. und 4. Kompagnie, Lieutenants v. Redern und v. Butliß, sowie die aus Chlum vorbrechende

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1. Garde-Jäger-Kompagnie, Hauptmann Graf v. Carmer, nach dem nördlichen tief gelegenen Theile des Waldes gefolgt, während die 3. und das Soutien der 2. Garde-Füsilier-Kompagnie zwischen Chlum und dem Walde die Höhe erstiegen. Hierdurch entstanden zwei Lüden in der Frontlinie; in die rechte rückte die Avantgarde der 2. Garde-Division auf die nördliche Lisiere des Waldes, in die linke der Oberst-Lieutenant v. Neumann mit der 3. Garde-JägerKompagnie, Hauptmann V. Arnim, dem 2. und 1. Bataillon 2. Garde-Regiments, Majors v. Reuß und v. Petery, theils nördlich um Chlum, theils durch das Dorf gegen den südlichen hochgelegenen Waldtheil, und formirte zum Angriff desselben sechs kompagnien in einem Treffen.

Das 1. Bataillon 2. Garde-Regiments hatte bereits auf dem Marsche von südlich Maslowed nach der Ost-Lisiere von Chlum ein feindliches Bataillon entwaffnet, welches aus dem Walde von Lipa durch das Dorf vorbrechend, auf die Reserve-Artillerie der Garde stieß, mit welcher Prinz Þohenlohe eben im Ersteigen der ziemlich steilen Höhe östlich Chlum begriffen war. Die Reserve-Artillerie wurde hierbei zur Umkehr gezwungen und erlitt somit einen neuen Aufenthalt in ihren Bemühungen, die Infanterie zu unterstüßen.

Alle diese einzelnen Infanterie - Abtheilungen, auf dem (infen Flügel unter der Leitung des General v. Alvensleben strebten eifrig vorwärts, und schon um 3/4 Uhr erlag die Vertheidigung des Waldes dem von allen Seiten umfassenden Angriff. Trop des beftigen Feuers vom Saume aus, wurde dieser genommen. Noch im Innern leistete der Gegner hartnäckigen Widerstand, erlitt aber schwere Verluste und mußte, unter Zurücklassung von 1600 Gefangenen, auf Lipa und Langenhof zurücweichen; der verwundete Brigade- Kommandeur, Oberst v. Benedek, begab sich nach legterem Orte.

Auf preußischer Seite war der Verlust verhältnißmäßig gering gewesen; es waren jedoch Major v. Reuß an der Spige seines Bataillons gefallen, Lieutenant Vogelen vom Garde-Füsilier-Regi: ment schon vorher tödtlich verwundet.

Raum aber war das Gehölz genommen, als die Oesterreicher verjuchten, sich mit stürmender Hand wieder in den Besitz der verlorenen Höhe westlich von Chluin zu seßen. Die dicht geschlossenen Kolonnen, anscheinend einer Brigade, ihre Schüßen auf wenige Schritte vor der Front, überschritten die Chaussee zwischen Rosberitz und Lipa und stiegen mit großer Entschlossenheit den Abhang zum Plateau hinauf, ohne das Schüßenfeuer zu beachten, welches aus Rosberit, sowie von der westlich des Dorfes stehenden Rompagnie Goerne (9. des 2. Garde-Regiments) und von dem Bataillon Walderjee auf sie gerichtet wurde. Diesem gewaltigen Vorstoße konnten auf der Höhe von Chlum die Obersten v. Pape und v. Werder mur die 1., 4. und Theile der 7. Compagnie 2. Garde-Regiments, die 3. und einen Zug des Garde-Füsilier-Regiments und eine halbe Rompagnie des 1. Garde-Regiments, Hauptmann 0. Leipziger, entgegen stellen, für welche als einzige Reserve zwei Züge der 3. Rompagnie 2. Garde-Regiments vorhanden waren. Der Hauptstoß traf die erstgenannten beiden Kompagnien, Premier-lieutenants Freiherr b. Cynder und v. Froreich; sie sparten daher das Feuer ihrer ichwachen Linie bis auf die entscheidendste Nähe auf. Erst als die feindlichen Massen bis auf 100 Schritt herangerückt waren, erfolgten zunächst zwei Salven, dann ein Schnellfeuer von außerordentlicher Wirkung. Der Gegner machte einen Augenblick Halt und wich demnädst, unter enormen Verlusten, durch das seinen Rückzug begleitende Feuer, wieder über die Chaussee zurück.

Zu den drei Kompagnien, mit welchen Oberst-Lieutenant v. Anejebed gegen Cistowes vorging, waren auch einzelne Abtheilungen der 7. Division gestoßen, welche den Wald von Maslowed so lange vertheidigt hatten. Das Dorf wurde genommen und der Gegner büßte dabei 200 Gefangene ein.

Um die eben verlorenen Stellungen wieder zu nehmen, blieben dem III. Rorps feine intakten Kräfte mehr. Die Brigade Appiano war bei Chlum geschlagen, Brigade Kirchsberg nach dem verunglüdten Angriffe auf den Wald von Sadowa südlich zurückgenommen worden, Brigade Brohazka, welche bei Langenhof in Reserve ge

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standen hatte, befand sich bereits auf dem Abmarsch und die Brigade Benedek war jetzt durch das Waldgefecht auseinander gesprengt; dagegen behauptete die Artillerie des Korps größtentheils noch immer die Position, welche sie von Anfang der Schlacht an inne gehabt hatte und setzte das Feuer gegen die I. Armee, trotz des Rückzugs der Infanterie, lebhaft fort.

Während die Garde-Füsiliere dem weichenden Feinde zur Rechten und Linken des Oberst v. Britzelwitz folgten, nahm dieser mit der Avantgarde die vor ihm liegenden Waldparzellen und rückte gegen das nördliche, die 3. Jäger-Kompagnie aber gegen das südliche Ende von Lipa vor.

Das Dorf wurde durch das 3. Feld-Jäger-Bataillon vertheidigt, welchem sich verschiedene versprengte Abtheilungen angeschlossen hatten. Nicht ohne erheblichen Verlust gelang es den Garde-Schüßen, die Umfassung zu nehmen; sie fanden aber im Innern lebhaften Widerstand, wo mehrere Geschüße die breite Dorfgasse mit Kartätschen bestrichen. Hauptmann v. Laue wurde hier schwer verwundet, dem Major v. Bejjer das Pferd erschossen. Inzwischen drangen aber die 10. und 11. Kompagnie des Regiments Kaiser Franz durch die Gärten in die Gehöfte vor, obwohl der Führer der erstern Rom= pagnie, Premier - Lieutenant . No, hier fiel. Mit dem Rest des Bataillons nahm Oberst-lieutenant v. Delit, in Verbindung mit dem Füsilier-Bataillon Kaiser Alexander den südlichen Theil des Ortes, unerachtet des heftigen feindlichen Feuers. Mit der Ve winnung des dortigen Ausgangs war dieser Kampf entschieden. Nur einzelne Abtheilungen der Vertheidiger vermochten Lipa, und zwar nur unter den größten Verlusten, noch zu räumen.

Während des Angriffs auf Lipa war Lieutenant v. Redern mit der 1. Kompagnie des Garde-Füsilier-Regiments um das Nordende des Dorfes vorgegangen und bemerkte bei der Verfolgung des Gegners jenseits der Chaussee auf 400 Schritt Entfernung eine feindliche Geschützreihe. Es war dies der Rest von drei österreichischen Batterien des III. Korps, welche so lange und mit jo großem Erfolg gegen den Wald von Sadowa gewirkt hatten. Bes

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