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Bei der 27. Brigade formirte sich in der südlich am nächsten an Problus herantretenden Waldspiße das Füsilier - Bataillon Regiments Nr. 56, Oberst-Lieutenant v. Busse, in Kompagnie-Rolonnen als Vortreffen, dem rechts das 1. Bataillon, Major v. þymmen, links das Füsilier-Bataillon Regiments Nr. 16, Major v. Horn. als Haupttreffen folgten. Das 2. Bataillon dieses Regiments, Major v. Greveniß, hatte sich links gegen den nördlichen Ausgang des Dorfes zu dirigiren. Die im Walde vorgefundenen Abtheilungen der Avantgarde fouten denselben zur eventuellen Aufnahme besetzt halten, doch schlossen sich das Füsilier-Bataillon Regiments Nr. 17, Oberst-Lieutenant v. Roblinsti, die 12. Kompagnie Regiments Nr. 28, Lieutenant linz und die 1. Kompagnie des Jäger - Bataillons Nr. 8, Hauptınann v. Stülpnagel, dem Vorgehen an.

Die 28. Brigade formirte sich 300 Schritt rückwärts der vorigen. Die drei Kompagnien des 1. Bataillons Regiments Nr. 57, Oberst- Lieutenant v. Schöning, entwickelten sich als Vortreffen, hinter ihnen bildeten rechts das Füsilier - Bataillon desselben Regiinents, Oberst-Lieutenant Grolmann, links das 1. Bataillon Regiments Nr. 17, Major v. Rer, das Haupt-Treffen; das 2. Bataillon Regiments Nr. 17, Major v. Bieberstein, folgte in Reserve.

Vom Walde bis zum Dorfe hatte man eine Entfernung von 1600 Schritt über offenes Terrain, im tief aufgeweichten Boden zu durchschreiten und dabei die stark abgeböschte Höhe zu ersteigen. In dem Augenblicke, als die Brigade Schwarzkoppen aus dem Walde hervortrat, wurde sie durch das Granatfeuer der auf der Höhe von Problus stehenden Batterie empfangen und zugleich in der linken Flanke durch die Batterie Heydenreich von östlich Trefowitz aus, beschossen.

Die Truppen der Division hatten in der Nacht drei Meilen auf grundlosen Wegen oder durch hohes Getreide zurückgelegt, waren seit zwölf Stunden unter Gewehr und, wie alle übrigen, ohne jegliche Verpflegung geblieben. Das feindliche Feuer vermochte nicht, die Bewegung der Mannschaften zu beschleunigen. In ruhigem Schritt mit klingendem Spiel rückten die Kolonnen – der Divisions - und die Brigade-Rommandeure vor der Front — in fester Haltung vorwärts, nicht achtend die Lücken, welche das feindliche Geschüt in ihre Reihen riß.

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Gegen dieses fuhr zunächst die 12pfündige Batterie Schmelzer südlich des Waldes auf, auch wirkten hier die nordöstlich Jehlik angelangten gezogenen Batterien träftig ein. Bald wurden auch die fächsischen Geschüße in der Front von dem Feuer der Schüßen erreicht. Sie mußten abfahren, bevor noch die geschlossenen Bataillone die Höhe erstiegen hatten.

Das an der Spiße befindliche Füsilier-Bataillon Regiments Nr. 56 wandte sich nun rechts gegen den südlichen Theil von Problus, das 1. Bataillon hielt die Richtung auf den Kirchthurm in der Mitte ein.

Die Batterie Schmelzer ging im Galopp bis in das feindliche Infanterie - Feuer vor und beschoß die Umfassung des Dorfes und einzelne aus derselben hervortretende Abtheilungen mit Shrapnels. Die Füsiliere, welche einige Deđung hinter einer Erdkante fanden, richteten liegend ein lebhaftes Feuer gegen die Lisiere und gingen dann, in dichte Tirailleur - Schwärme aufgelöst, mit den nachrüdenden Bataillonen vor. Des heftigen Infanterie - Feuers ungeachtet, wurden die angebrachten fünstlichen Hindernisse überschritten und die Umzäunung der Gärten erreicht. Vei jedem Gehöft entspann sich ein neuer hartnädiger Kampf. Jeder Schritt vorwärts mußte mit Opfern erkauft und der Gegner von Abschnitt zu Abschnitt gedrängt werden, bis man die jenseitige Lisiere erreichte.

Wir glauben hier die tapfern Vertheidiger von Problus noch einmal nennen zu sollen; es waren das sächsische 9. und 10. Infanterie- und das 3. Jäger - Bataillon, endlich eine Kompagnie des 11. Bataillons.

Ihre Bewältigung hatte empfindliche Verluste gekostet. Der Weg vom Walde her war mit der blutigen Spur der braven westphälischen Mannschaft bezeichnet. Das Füsilier - Bataillon des Regiments Nr. 56 hatte 12 Offiziere, darunter alle 4 Kompagnie-Chefs und an 200 Mann außer Gefecht; das 1. Bataillon 4 Offiziere und 36 Mann. Die 4 Bataillone der Brigade Schwartkoppen verloren zusammen an Todten 4 Offiziere 67 Mann, an Verwundeten 17 Offiziere 300 Mann.

Auf sächsischer Seite waren General v. Carlowiß und OberstLieutenant v. d. Mosel geblieben. Zahlreiche Todte und Verwindete bedeckten den Kampfplat und 300 Mann fielen nach hartnädiger Gegenwehr, zum größten Theil verwundet, in Gefangenschaft.

Raum war das Dorf genommen, so überschüttete der Gegner dasselbe aus einer nordöstlich davon placirten Batterie mit Granaten; General Graf Münster ordnete selbst die Besetzung aller Punkte durch die Bataillone der Brigade an.

Gleichzeitig und mit derselben Entschlossenheit war die 28. Bris gade unter dem Klang der Regiments-Musiken gegen die Höhe südlich des Dorfes vorgegangen, General Hiller, die Obersten b. Rottwitz und v. 0. Osten an ihrer Spitze. Der Umstand, daß man beim Avanciren der feindlichen Artillerie gegenüber bald in den todten Winkel fam verringerte hier die Verluste.

Nahe dem samm der Höhe traten zwei entwickelte fächsische Bataillone, das 12. Infanterie- und das 4. Jäger-Bataillon, welche sich aus Nieder-Prim in die Aufstellung hinter Problus zurückgezogen, den Vordringenden entgegen. Sie wurden vom Schnellfeuer des Vortreffens empfangen und gingen nach dem Walde südöstlich Problus zurüd. Die preußische Batterie Schmelzer fuhr nun auf der in Besitz genommenen Höhe auf.

Von der sächsischen Artillerie hatte zuerst die zwischen Problus und Nieder-Prim aufgestellte den preußischen Schützen weichen müssen; nach dem Verlust des letzteren Dorfes waren die glatten Geschüte auf der östlichen Höhe, zulegt auch die Batterien v. 8. Þforte und Heringen abgefahren, sie sammelten sich in Stellungen nördlich des Waldes, der sich zwischen Problus und Charbusitz ausdehnt, von wo aus sie den Abzug der Division Schimpff auf Rosniß und Briza dedten, während die Division Stieglitz noch den genannten Wald jelbst und die Parzellen südlich davon hielt. Die Batterie Heyden reich verblieb bei Tresowitz und hinderte das preußische Ulanen

Regiment Nr. 5, welches die Verbindung mit der I. Armee herstellen foute, am Vorgehen über den Wald von Popowiß hinaus.

Die sieben gezogenen Batterien der preußischen Reserve-Artillerie waren bis zwischen den Wald von Popowitz und die Fasanerie nachgerücft, die Reserve-Ravallerie im Marsch auf den Wald von Popowitz.

Bei Nechanitz standen noch fünf Batterien der Reserve-Artillerie des VIII. Rorps, die 16. Division, General v. Etzel, begann erst jetzt durch den Ort zu defiliren.

Der kommandirende General Herwarth v. Bittenfeld, hatte persönlich dem Sturm auf Problus beigewohnt. Ueber den Stand der Schlacht war ihm durch den Chef des Generalstabes der Armee folgende Nachricht zugegangen:

,,Kronprinz bei Zizelowes, Rückzug der Desterreicher nad, Josephstadt abgeschnitten. Es ist von größter Wichtigkeit, daß General v. ñerwarth auf dem entgegengeseşten Flügel vorrückt, während im Centrum die Oesterreicher noch Stand halten. Bei Sadowa 18/4 Ilhr.

gez. v. Moltke."

Dieser Anforderung war durch die That bereits entsprochen.

Die Elb-Armee hatte am Abend vor der Schlacht ebenso weit vom Schlachtfelde gestanden als die II. Armee. Früh benachrichtigt, war sie auch früh aufgebrochen; während aber die II. Armee von Þause aus in breit entwickelter Front vorzugehen vermochte, war die Elb-Armee genöthigt, durch den einzigen Punkt Nechanitz zu defiliren.

Nichts desto weniger war, wenn man die Chaussee von Sadowa nach Königgrätz als die natürliche Rüczugslinie der Oesterreicher ansieht, diese um 3 Uhr sowohl in der linken Flanke von Problus und Prim her, als auch in der rechten von Maslowed und Nedelist aus bedroht.

5. Gang der Schlacht von 3 bis 4/4 Uhr.

II. Armee. Noch immer war, wie es scheint, die Gefahr, welche der österreihischen Schlachtstellung durch das Vorgehen der II. Armee drohte, dem Feldzeugmeister Benedek entgangen und von seinem Standpunkt bei den Batterien zwischen Chlum und Lipa, die ganze Aufmerksamkeit des Oberfeldherrn auf das Gefecht in der Front gerichtet, als ihm um 23/4 Uhr die überraschende Meldung zuging, daß Chlum in seinem Rüden durch die Breußen besetzt sei.

Er begab sich nuninehr schleunigst dorthin, wurde jedoch, als er sich dem Orte näherte, von Infanterie-Feuer empfangen. Einer seiner Adjutanten, der Major Graf Grünne, fiel tödtlich verwundet. F.-M.-L. v. Henifstein verlor sein Pferd, auch die den Feldzeugmeister begleitende Stabswache erlitt zahlreiche Verluste. So war denn die Richtigkeit der Meldung nicht mehr zu bezweifeln. Der Feldzeugmeister wandte sich nunmehr an Rosberig vorüber nach seiner Reserve hin aber auch schon aus diesem Dorfe wurde der Stab durch preußisches Gewehrfeuer erreicht, und Erzherzog Wilhelm am Ropfe verlegt.

Indeß standen dem Feldzeugmeister starke Reserven zur Verfügung. Die Armee-Geschüß-Reserve, über welche er sich die alleinige Disposition vorbehalten hatte, war, wie wir gesehen haben, allerdings bereits in das Gefecht verwickelt worden, es verblieben aber stech zwei intakte Infanterie-Rorps und eine Kavallerie-Reserve von mehr als 70 Escadrons in Bereitschaft zur augenblicklichen Verwendung.

Freilich waren preußischer Seits zwei Drittel der II. Arinee bis jetzt noch nicht in Aktion getreten und wartete der größte Theil der I. Armee nur auf den Befehl, um die Offensive zu ergreifen.

Dennoch war es österreichischer Seits jekt geboten, die legten terfügbaren Kräfte einzuseßen, nicht um den Sieg an die kaiserlichen fahnen zu fesseln, denn dazu war es unter den Verhältnissen, wie wir sie heute übersehen, zu spät, wohl aber, um den rechten Flügel vor Vernichtung zu schüßen und um das Centrum überhaupt noch

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