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mandeure und die Hälfte der Kompagnieführer. Dagegen hielt das 5. Bataillon standhaft den Stoß der zurüdströmenden Massen aus und das 2. Jäger-Bataillon rückte aus dem 2. Treffen in entwickelter Front mit größter Ordnung zum Schutz der bedrohten Flanke vor. Es ließ die Schwärme von Flüchtlingen durch, schloß dann seine Neihen wieder und trat dein gegen Brunnen avancirenden Regiment Nr. 68 mit Salven entgegen.

Durch die Haltung dieser beiden sächsischen Bataillone wurde der Verwirrung Einhalt gethan und konnte die 2. Brigade ihren Rückzug auf Nieder-Prim bewirken. Batterie v. d. Pforte entzog jich glücklich der schwierigen Gefechtslage, indem sie, obwohl von Infanterie beschossen, dennoch Ober-Prim erreichte und von dort aus sogleich ihr Feuer auf die nachdringenden preußischen Bataillone richtete.

Das beabsichtigte Vorgehen der Leib-Brigade mußte nach dem Rückzug der 2. natürlich unterbleiben, beide wurden angewiesen, sich hinter der Höhe von Problus zu sammeln.

Die beiden österreichischen Brigaden, von denen die Versprengten nach Nieder-Prim geriethen, hatten sich bei Ober-Prim wieder geseyt. Eine von dort aus versuchte Offensive gegen die rechte Flanfe des Regiments Nr. 68 scheiterte jedoch.

Auch bei dieser Gelegenheit fehlte der preußischen Offensive die unmittelbare Unterstütung der Ravallerie und Artillerie. Zwar war die Geschüt-Position auf der Höhe von Lubno wesentlich verstärkt worden. Um 12/2 uhr rückten dort die beiden gezogenen Batterien der Division Münster ein und eine halbe Stunde später langte Oberst v. Bülow mit der 2. Abtheilung des Artillerie-Regiments Nr. 7, Major Erdmann, neben jenen an. Auch die 2. 4pfündige Batterie des Regiments Nr. 8, Hauptmann v. Zglinigfi, fand noch Raum zum Aufmarsch, so daß nach 1 Uhr unter Oberst v. Rozynski 66 Geschüße in Batterie standen, welche das auf beiden Flügeln eingeleitete Vorbrechen der Infanterie vorbereiteten. Sie konnten aber aus dieser Entfernung nicht unmittelbar auf das Nah

gefecht einwirken, in welchem vor Nieder- Brim Freund und Feind durcheinander gemischt war.

General v. Herwarth hatte daher bereits das Nachrücken von drei gezogenen Batterien der Division Canstein befohlen; diese, sowie die derselben gleich Anfangs beigegebene 12pfündige Batterie Theiler waren aber noch hinter Neu- Brim zurück.

Die vier bis jegt aus dem Walde hinausgetretenen Bataillone benugten die kurze Gefechts - Pause zu ihrer Rangirung. Von links her zogen sich von der Brigade v. Stüdradt die beiden Bataillone Regiments Nr. 40 und durch den Wald das 2. Treffen der 30. Brigade, zwei Bataillone des Regiments Nr. 28, heran.

Verfügte General v. Canstein fonach augenblicklich nur über sieben Bataillone, ohne Ravallerie und Artillerie, so war er doch nicht im Zweifel darüber, daß der eben errungene Erfolg weiter auszubeuten sei. Er befahl der 30. Brigade den sofortigen Angriff von Ober - Prim; die vorhandenen Abtheilungen der 29. Brigade sollten sich gegen Nieder - Prim wenden.

Dem entsprechend dirigirte sich General v. Glasenapp nunmehr mit dem Regiment Nr. 68 rechts gegen die westlich vorspringende Spiße von Ober - Prim. Shm schlossen sich auch die Abtheilungen der Regimenter Nr. 40 und 65 an, welche Oberst v. Zimmermann nach dem ersten Vorstoß der sächsischen Brigade wieder gesammelt hatte. Gegen der Südrand des Dorfes rückten das 1. und 2. Bataillon Regiments Nr. 28, den Feind vor sich hertreibend, durch den Wald an, unterstüzt durch die mit vorgegangenen Füsilier-Bataillone Nr. 56 und 65.

Die starke österreichische Besaßung des Dorfes leistete kräftigen Widerstand, dennoch drangen die preußischen Bataillone von Westen ber ein und bald darauf wurde auch der öftliche Theil vom Walde aus erreicht.

Ein Versuch, das Dorf wieder zu nehmen, wurde abgeschlagen imd zog sich der Gegner theils auf Broblus, theils nach dem Walde südöstlich dieses Dorfes zurück.

Die sehr große Zahl von Todten und Verwundeten bezeugte die Hartnäckigkeit, mit welcher die Desterreicher Ober-Prim vertheis digt hatten. General Schulz war gefallen, 4 Offiziere und 120 Mann geriethen nach tapferer Gegenwehr in Gefangenschaft. Aber auch das Regiment Nr. 68 hatte schwere Verluste gehabt und den Erfolg mit 4 Offizieren, darunter Hauptmann v. Bolschwing, und 140 Mann erkauft.

Durch den Verlust von Ober-Prim war nunmehr die Aufstellung des sächsischen Korps bei Problus in der linken Flanke augenscheinlich gefährdet und zunächst schon der Rüczug der beiden noch zwischen Ober- und Nieder - Brim im Gefecht befindlichen Brigaden ernstlich bedroht. Um diese zu degagiren, wurden daher die glatten ReserveBatterien Lengnic und Westmann, sowie die reitende Batterie Hoch nach dem Südabfad der Höhe östlich Nieder - Prim dirigirt; ferner die letzte noch hinter diesem Orte in Reserve stehende 1. Brigade nach dem Walde zwischen Problus und Charbusit gezogen, wo sie den an der südlichen Lisiere angelegten Verhau besetzte. Hinter ihr sammelten sich die Reste der aus Ober-Prim geworfenen österreichischen Brigade Schulz. Brigade Wöber stellte sich westlich Charbusiß, das 24. Jäger-Bataillon an der Südostípiße des Waldes auf. Von der Reiter-Division war bereits früher die 2. Brigade mit einer reitenden Batterie links detachirt worden, um mit der österreichischen 1. leichten Ravallerie-Division den preußischen rechten Flügel zu bedrohen. Wirklich rückte diese Kavallerie auch später über Techlowiß gegen Radikowiß im Rücken der 15. Division vor, fand aber letzten Ort durch die hierher gelangte 10. Kompagnie Regiments Nr. 68, Hauptmann v. Retteler, besegt und wurde von der Kirche von Hradek her durch das Feuer der dem General 8. Canstein nachgesandten drei Batterien empfangen. General Edelsheim zog sich darauf in eine nur beobachtende Stellung bei Stößer zurüc.

Neben den östlich Nieder - Brim befindlichen Batterien fuhren noch die Batterien v. d. Pforte und Heringen auf. Diese 28 Geschüte konzentrirten ein äußerst lebhaftes Kugel -Granat- und Kartätschfeuer gegen Ober - Brim und den dahinterliegenden Wald;

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unter dem Schuße desselben gingen die beiden sächsischen Brigaden durch Nieder - Prim auf die Höhe hinter Problus zurück.

Preußischer Seits konnte dies Feuer nicht erwidert werden. Die 12pfündige Batterie Theiler war zwar herangelangt und am öftlichen Ausgange von Ober - Prim aufgefahren, stand aber im Kampf gegen eine nur 1000 Schritte entfernte österreichische Batterie an den Waldparzellen nördlich Stezirek. Die Bataillone mußten sich aus dem sehr bald in Brand gerathenen Dorfe hinausziehen und suchten einigen Schutz in der Obstplantage und hinter den dort aufgestellten Holzhaufen. Im Walde drängten zwar die beiden Bataillone des Regiments Nr. 40 die Schüßen des Regiments Nassau auf Stezirek zurück und unter Obersten v. Gerstein gingen das Füsilier -Bataillon des Regiments Nr. 69 und zwei Kompagnien des Regiments Nr. 28 nach Ober - Prim vor, aber ein weiteres Vordringen war hier vorerst nicht möglich.

General v. Stücradt hatte sich indessen mit seinen schwachen Abtheilungen über Brunnen gegen Nieder-Prim gewandt und den hierher zurückgehenden sächsischen Bataillonen fortgeseßt große Verluste zugefügt. Thm folgten die wieder gesammelten Avantgarden-Bataillone der Regimenter Nr. 40 und 33, sowie das Detachement Zimmermann, leşteres von Ober-Prim her, sehr belästigt durch das feindliche Artilleriefeuer.

Inzwischen waren aber auch die preußischen Batterien von der Lubnoer Höhe aus vorgegangen und nach einer genommenen ZwischenStellung bis auf 2000 Schritt an Nieder-Prim heran avancirt. Von dort aus beschossen sie mit großer Wirkung sowohl die nördlich davon aufgestellte sächsische Batterie wie auch das Dorf selbst, wo bald die Brauerei am Schloß in Flammen aufging. Die 5., 6. und 12. Kompagnie Regiments Nr. 65 und das Detachement Zimmermann nahmen im raschen Anlauf die südliche Lisiere, die 6. Kompagnie, Lieutenant Merker, stürmte den Schloßhof. Die nur schrittweise weichenden Bataillone der 3. sächsischen Brigade (das halbe 11., das 12. Infanterie- und 4. Jäger - Bataillon) wurden unter lebhaftem Gefecht auf Broblus zurücgedrängt, 170 Mann Desterreicher und

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Sachsen nach tapferer Gegenwehr zu Gefangenen gemacht. Die Bataillons - Rommandeure Oberst - Lieutenant Meßradt und Major Hamann waren im Kampf geblieben.

Aufgehalten durch das Defiliren in Nechanitz hatte die Division Münster sich erst gegen 14/2 Uhr hinter der Höhe von Lubno zu formiren vermocht; die 27. Brigade, General Schwartkoppen, im ersten, die 28., General v. Hiller, nebst der 4. 12pfündigen Batterie im zweiten Treffen. Das 7. Jäger - Bataillon blieb in Lubno, das 1. Bataillon Regiments Nr. 16 bei der Artillerie zurück.

Zum Gefecht entwickelt, schritt die Teten-Brigade gegen den Wald zwischen Popowitz und Problus vor, ohne daß ihr die bereits gegen die 15. Division engagirte feindliche Artillerie bei diesem Marsche sonderliche Verluste verursachte. Der Wald war, wie wir wissen, bereits durch den Oberst- Lieutenant Koblinski besegt.

Um 24/2 Uhr konnte nunmehr zum Angriff auf Problus geschritten werden, auf diesen letzten Stütpunkt der sächsischen Stellung.

Dem Kronprinzen von Sachsen war auf der Höhe bei diesem Dorfe ebensowenig das fortgesepte Vorrücken der Division Canstein gegen die sächsische Rüdzugslinie, als das Erscheinen der preußischen II. Armee bei Chlum entgangen, wo das Zurückweichen des österreichischen rechten Flügels sich deutlich wahrnehmen ließ. Da bald darauf auch das nebenstehende X. Korps rückgängige Bewegungen antrat, so erschien die fernere Behauptung der bis dahin innegehabten Stellung unthunlich und wurde daher gegen 3 Uhr der Befehl zum Rückzuge gegeben, wobei die noch in Problus und im Walde südöstlich davon befindlichen Truppen den Auftrag erhielten, den Abzug als Arrieregarde zu decken.

Die Befehle hierzu wurden gegeben, als die Divisionen Münster und Canstein sich gerade zum konzentrischen Angriff gegen die Höhe von Problus in Bewegung seşten.

Die Brigade Schwarzkoppen erhielt Befehl, voin Walde aus, die ihr auf 800 Schritt Entfernung folgende Brigade Hiller südlich am Walde vorbei gegen das Dorf vorzugehen. Beide mußten zu diesem Zwecke eine Rechtsschwenkung ausführen.

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