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gangene Nachrichten besagten, daß Josephstadt möglicherweise vom Feinde nicht gehalten werden würde, so hatte das VI. Armees Qorp8 Anweisung erhalten, am Morgen des 3. Juli auf dem rechten Elb - Ufer gegen die Festung vorzugehen, um Ueberzeugung davon zu gewinnen.

Dagegen konnte über das I. Armee-Rorps, welches bereits die Elbe überschritten hatte, zur Unterstüßung des Prinzen Friedrich &arl bei einem eventuellen Gefechte disponirt werden, und nahm der Ueberbringer der Aufforderung die folgende Antwort mit zurück: ,, an Se. Königl. Hoheit den Prinzen Friedrich Karl.

Im Auftrage Sr. Königl. Hoheit des Oberbefehlshabers der II. Armee theile ich hierdurch mit, daß heute früh von dem VI. Armee-Korps eine Rekognoszirung gegen Josephstadt auf dem linken *) Elb - Ufer unternommen werden wird, wodurch hoffentlich ein Theil der feindlichen Kräfte von der I. Armee abgezogen wird. Das I. ArmeeRorps wird, gefolgt von der Reserve - Kavallerie, in der durch die Disposition Sr. Majestät angeordneten Weise über Miletin und Bürglitz vorgehen und eventuell zur Unterstüßung Ew. Königlichen Hoheit bereit sein. Ueber das Garde- oder V. Armee-Rorps fann hierseits nicht mehr disponirt werden, da sie nach der genannten Disposition in ihren Stellungen verbleiben sollen, und auch zur Unterstüßung des vielleicht sehr erponirten VI. Korps durchaus nothwendig sind. Königinhof, den 3. Juli 1866, 3 Uhr Morgens.

(gez.) v. Blumenthal, General-Major." An das I. Armee-Rorps wurde der hierauf bezügliche Befehl ausgefertigt.

Als der mit Ueberbringung beauftragte Offizier des Stabes

*) General v. Blumenthal war eben aus Gitschin zurüdgelehrt und ihm die vom Kronprinzen getroffene Anordnung, nach welcher das VI. Armee. &orpe auf das redte Ufer der Elbe vorgehen sollte, noch nicht betaunt geworden. Königinhof verlassen hatte, traf derselbe bald darauf den OberstLieutenant Graf Findenstein, welcher, den Befehl zum Vormarsch für die gesammten Kräfte der II. Armee überbrachte. Durch diesen von der veränderten Sachlage in Kenntniß gefeßt, kehrte er mit ihm nach Königinhof zurüc.

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Obgleich Graf Finckenstein den Ritt von fünf Meilen von Gitschin nach Königinhof bei Nacht in völlig unbekannter Gegend zurückzulegen hatte, konnte derselbe doch das ihm mitgegebene Schreiben für den General v. Bonin bereits um 34/4 Uhr an einen auf Vorposten stehenden Offizier bei Zabres übergeben; dasselbe gelangte um 48/4 Uhr an den Chef des Generalstabes I. Armee-Sorps. Das von Graf Finkenstein überbrachte Schreiben an den Kronprinzen war um 4 Uhr in den Händen des Chefs des Generalstabes der II. Armee.

Se. Königl. Hoheit der fronprinz erließ in Folge dessen um 5 Uhr früh den nachstehenden Befehl:

„Nach hier eingegangenen Nachrichten wird heute ein feindlicher Angriff auf die bei Horic, Milowiß und Cerekwig stehende I. Armee erwartet, und wird die II.. Armee zu ihrer Unterstübung in folgender Weise vorrücken: 1) Das I. Armees Morps marschirt in zwei Kolonnen

über Zabres und Gr. Trotin nach Gr. Bürglig. 2) Die Ravallerie-Division folgt dem I. Korps bis

eben dahin. 3) Das Gardes sorps geht von Möniginhof auf Jericet

und Chota. 4) Das VI. Armee- Korps nach Welchow, von wo ab

es eine Abtheilung zur Beobachtung der Festung Jofephstadt aufstellt.

Die für heute befohlene Demonstration findet nicht statt. 5) Das V. Rorps folgt zwei Stunden nach Aufbruch

des VI. Korps und geht bis Choteborek. Die Truppen brechen sobald wie irgend möglich auf und

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lassen Trains und Bagagen zurück, die erst auf besonderen Befehl des Ober- Rommandos herangezogen werden dürfen. Hauptquartier Königinhof, den 3. Juli 5 Uhr früh.

Bon Seiten des Ober-Rommandos.

Der Chef des Generalstabes.

(gez.) v. Blumenthal, General - Major." Der Ober-Rommandirende der I. Armee hatte sich um 14/: Uhr Morgens von Kameniß nach Milowiß begeben. Um 58/4 Uhr ging daselbst vom General v. Herwarth die Meldung ein, daß er zwischen 7 und 9 Uhr mit 36 Bataillonen bei Nechanig eintreffen werde.

Somit erschien das Eingreifen sämmtlicher preußischer Streitkräfte, welche behufs der Offensive die böhmische Grenze überschritten hatten, völlig gesichert, wenn der Feind es wirklich auf die entscheidende Schlacht heute ankommen ließ. Die diesseitigen Vorposten waren unverändert stehen geblieben, Nebel und dichter Regen hatten die Truppen-Bewegungen hinter denselben verborgen umd die feindlichen Vorposten sich in der Richtung auf Dub zurüdgezogen.

Unter diesen Umständen erschien es statthaft und geboten, ohne weitere Zögerung mit der I. Armee den Feind in der Front zu beschäftigen, seine Kräfte auf sich zu ziehen und sie festzuhalten, damit der gegen ihn disponirte doppelte Flanken-Angriff zur vollen Geltung gelange.

Prinz Friedrich Karl befahl daher um 6 Uhr die VorwärtsBewegung der ganzen Armee, um eine fitr alle Fälle geeignete Stellung in der Nähe der Bistritz einzunehmen. Zum eigentlichen Angriff soute vor der Hand noch nicht geschritten werden, da aller Berechnung nach das Eingreifen der II. Armee, deren forps 2 bis 24/2 Meilen zurüczulegen hatten, nicht vor Mittag erfolgen konnte.

Die Division Þorn wurde angewiesen, auf der Chaussee und lints derselben, als Avantgarde der im Centrum anrückenden Truppen gegen Sadowa vorzugehen, das II. Arme e-Korps rechts der Chauffee in gleicher Höhe sich zu halten. Die 5. und 6. Division als Reserve hatte hinter der 8. Division längs der Chaussee, auf welcher sich die Reserve-Artillerie vorbewegen sollte, zu folgen; das Kavallerie-korps, welches um 41/3 Uhr von Gutwasser auf Petrowitz in Bewegung gesegt war, sollte hinter dem rechten Flügel, also dem II. Armee - Korps, nachrücken und die Verbindung mit der Elb - Armee sichern.

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Die Division Fransedy erhielt ferner den Befehl, von Cerekwitz aus vorzugehen, sobald sich bei Sadowa ein Gefecht entwickeln würde und in dieses den Umständen gemäß einzugreifen.

Aus der Divisions - Ravallerie der 5. und 6. Division wurde eine Brigade unter General - Major Graf Bismarc formirt und die Brigade v. d. Golt vom Kavallerie - Rorps zum II. ArmeeKorps beordert.

So befanden sich um 6 Uhr die kolonnen der Elb - Armee, wie der I. Armee im Vormarsch gegen die Bistritz.

Um diese Zeit (6 Uhr) war bei der II. Armee der Befehl zum Aufbruch erst dem Garde- und V. Armee - Korps zugegangen. Das VI. Armee-Rorps, bei welchem um 12/2 Uhr Nachts der erste Befehl des Ober- Rommandos zum Vormarsch gegen Joseph stadt eingetroffen war, stand in seinen Bivouats östlich Gradlig bereit zum Abmarsch auf das andere Elbufer, hatte den abändernden zweiten Befehl jedoch noch nicht erhalten. Das I. Armee-Norps war durch das Schreiben des Chefs des Generalstabes der Armee, welches um 54/4 Uhr in Ober- Praußnit präsentirt worden, ermächtigt, sofort nach Umständen zu handeln; auch war dort um 59/4 Uhr befohlen:

,,Die Truppen haben sich sofort für einen Vormarsch in der Richtung auf Sadowa gefechtsbereit zu halten und insofern die Proviant-kolonnen noch herankommen, für heute mit Rationen und Portionen zu komplettiren.

Nähere Befehle werden ergehen.
Ober - Braußnit, den 3. Juli 1867.

Der kommandirende General.

(gez.) v. Bonin. Dies Korps stand also ebenfalls völlig bereit.

2. Vormarsch gegen die Bistrit. 6–8 Uhr früh.

Von der österreichisch -fächsischen Armee waren stärkere Abtheilungen als Avantgarden und Vorposten an und über die Bistrit hinaus vorgeschoben.

Es hatte, vom linken Flügel anfangend, das sächsische Armee-Rorps mit dem 8. Bataillon und einem Zug Kavallerie, AltNechanit bereits seit dem 1. Juli besetzt und vorwärts dieser Ortidhaft Feldwachen ausgestellt.

Das 7. Bataillon und eine Eskadron standen in Nechanitz, das 11. und ein Zug Kavallerie bei Hradek; zwei Kompagnien des Letteren waren nach Kuncitz vorgeschoben, mit einer Kavallerie-Feldwache in Radifowitz.

Die Reiter-Division hielt zur Aufnahme der Vortruppen östlich Nechanit,

Weiter rechts sicherten Abtheilungen des X. Korps, so wie der 3. Reserve-Ravallerie-Division durch Vorposten und Patrouillen, welche über die Bistriß vorgeschoben waren, das Terrain auf dem rechten Ufer des Baches. An sie schloß sich die Brigade Prohazka des III. Rorps bei Sadowa an. Cistowes war durch ein Bataillon des Regiments Nr. 62, Brigade Appiano, befekt und nach dem Walde von Masloved zu hielt das 4. Jäger-Bataillon Verbindung mit den Vorposten des IV. Korps, welche von der Brigade Brandenstein gegeben waren. Letztere hatte am 2. Juli die Bewachung des Terrains von der Bistritz über Benatet bis Þorenowes übernommen, mußte aber am Morgen des 3. um 41/2 Uhr sich noch bis Racit ausdehnen, weil das VIII. Armee-Korps, das bis dahin seine Vorposten dort stehen hatte, nach dem linken Flügel der Armee abmarschirte. Doch blieben von diesem Korps bei Horenowes das von den Vorposten sich sammelnde 1. Bataillon des 32. und das 2. Bataillon des 21. Jufanterie-Regiments zurück.

Von den einzelnen Abtheilungen der Brigade Brandenstein standen im Walde vor Maslowed das 2. Bataillon des Regiments Großherzog Michael und das Jäger-Batailton Nr. 27, welches

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