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Jacob Kortenbed war Archi-Diaconus als A. 1541 eine augemeine Kirchen-Visitation geschahe. Er ist A. 1575 gestorben und von ihm noch ein Bild von Christi Höllenfahrt, nicht weit von dem Altar, vorhanden mit daruntergeseßten Reimen:

Wie Samson zerret Löwen Macht,
Aljo brad Christus Düwels Aracht.
Dat all hat Kortenbeck gelehrt
Im Leben mit Schrifften probert.
We an Christum gelovet fast,
Ik vry van Tod und Düwels Last.

Anno 1675.
Berlin.

L. Nagel.

4. Zu den Tautologien in der Wortbildung, die E. Wasserzieher im 7. Jahrgange dieser Zeitschrift S. 606 — 608 anführt, füge ich noch folgende: In Wiesenmatte und Schaltsknecht erklärt sich die Doppelfeßung dadurch, daß der Sinn des einen Bestandteiles (Matte und Schalk) allmählich verdunkelt war. In Hessen hört man für Speisen und Gespräche auch die Ausdrüde Ellensspeisen und Redensgespräche. Öfter wird einem Fremdworte wie zur Erklärung der deutsche Ausdrud angehängt: Þestseuche, Guerillakrieg, Attentatsversuch und in der Sprache des Volkes auch Pläsiervergnügen und vis-à-visgegenüber. Auch manche Namen weisen Verdoppelung auf, so die Personennamen Karlmann, þedwig, þildegund, Gunhild, Gundo: bad und der Geschlechtsname Achenbach. In Wörtern wie Büchelchen und Wägelchen wird die Verkleinerung doppelt bezeichnet, in Ausdrücen wie die Bortis und die Rollis die Mehrzahl. Bejel.

Heinride Gloël.

5. Zu $. v. Aleists Prinz von Homburg. III. 1,91 (880) flg. Hohenzollern: Der Marschall hat, höchst seltjam ist's, soeben

das Todesurteil im Schloß ihm überreicht;
und er statt, wie das Urteil frei ihm stellt,
dich zu begnadigen, er hat befohlen,

daß es zur Unterschrift ihm kommen soll.
Pr. 0. Homburg: Gleichviel. Du hörst.
Hohenzollern:

Gleichviel ? Br. d. Homburg:

Zur Unterschrift? Hohenzollern: Bei meiner Ehr', ich kann es dich versichern. Pr. v. pomburg: Das Urteil? Nein, die Schrift? vohenzollern:

Das Todesurteil.

Über die Bedeutung von „Schrift“ in V. 98 sucht man in den Ausgaben von Weismann, Windel u. a. vergeblich eine Bemerkung. Nur Zürn, der ebenso wie Benedict in der Freytagschen Ausgabe von 1893, die Interpunktion (Nein! Die Schrift -) ändert: bemerkt: Etwa zu ergänzen: meinst du wohl, welche das während meines Verhörs vom Kriegsgericht aufgenommene Protokoli enthält." Soviel ist flar, daß mit ,,Schrift" etwas gemeint sein muß, das von dem Urteilsspruch des Kriegsgerichts völlig verschieden ist. Ich verstehe unter ,,Schrift" die Klagschrift, den bei den Kriegsgerichten herkömmlichen Thatbericht (species facti), auf den die Untersuchung eingeleitet wird. Der Prinz meint also: Du irrft dich, der Marschall hat dem Kurfürsten nicht das Todesurteil, sondern, wie es ihm als Oberbefehlshaber zukommt die die Anklage begründende species facti überreicht. Eine Änderung der Interpunktion ist nicht nötig. Northeim.

R. Sprenger.

6.

Zu Uhlands Ludwig der Baier.
IV. Aufzug 2. Scene V. 44 spricht König Ludwig zum Burggrafen
Friedrich von Zollern:

Die Guten kenn' ich, und vor allem du,
Mein treuer Zollern, führst mit vollem Recht
Die Säul' im Wappen, denn du bist bewährt

Als eine feste Säule meines Throns. Da fich weder im Wappen der Grafen von Hohenzollern noch in dem der Burggrafen von Nürnberg, noch auch im preußischen Wappen eine Säule findet, so liegt hier unzweifelhaft ein heraldisches Mißverständnis des Dichters vor. Vermutungen, wie dasselbe entstanden sei, teilt L. Fränkel in seiner Ausgabe des Schauspiels bei Velhagen und Klasing in Leipzig 1894 S. 83 mit. Wahrscheinlicher ist es jedoch, daß Uhland zu dem Mißverständnis durch das einer Säule ähnliche Scepter im Mitteliсhilde des alten Brandenburger Wappens veranlaßt ist. Dieses findet sich u. a. auf dem Titelblatt der Kirchenordnung der Mark Brandenburg v. I. 1540, wovon ein Faksimile in Ernst Berners Geschichte des Preußischen Staats, München und Berlin 1891 S. 100 gegeben ist, sowie auf Münzen, z. B. einem Thaler Georg Wilhelms v. I. 1620 (i. Berner S. 133). Northeim

8. Sprenger.

Jahresberichte für neuere deutsche Litteraturgeschichte, unter

ständiger Mitwirkung von 42 Fachgenossen, mit besonderer Unterstüßung von Erich Schmidt. Herausgegeben von Julius Elias und May Osborn. Dritter Band (Jahr 1892), 2 Abteilungen. Stuttgart, G. I. Göschensche Verlagshandlung.

1894 (vollständig ausgegeben Anfang 1895). Der starke Quartant, zu dem sich der dritte Band dieses ganz neu: artigen Unternehmens ausgewachsen hat, bedarf hier keiner eingehenderen Lobeserhebungen mehr, nachdem die ,,Zeitschrift für den deutschen Unterricht" in Übereinstimmung mit der gesamten Fachpresse und sonstigen öffentlichen Stimmen seine beiden Vorgänger mit besonderem Beifall begrüßt hat (zuerst VII 433—435 u. VIII, 413—416). Legterer gebührt voll auch diesem, auf 1892 bezüglichen Jahrgange, und zwar sowohl grundsäßlich, wie betreffs der allermeisten Einzelheiten. Nachdem nun die Redaktion, die in dem frühverblichenen Szamatólski ein hochbegabtes und thatkräftiges Mitglied eingebüßt hat, in festen Händen ruht und der Mitarbeiterkreis die einschneidenden Wandlungen überwunden hat, von denen Encyklopädien zu Anfang nie verschont bleiben, werden der Ausbau und die durch über: aus vortreffliche Register ausgeglichenen inneren Disharmonien des großangelegten Nachschlagewerkes bald endgültig geregelt sein. In leşterer Hinsicht bezeichnet die vorliegende dritte Folge einen unleugbaren Fortschritt, indem wir weit seltener Wiederholungen und Abweichungen bezüglich derselben Gegenstände begegnen. An der Sammlung und Verarbeitung – in 44 Kapitel! der riesigen Materialien, die für ein einziges Jahr zusammenströmen, sind nunmehr so viele der berufensten Namen beteiligt, daß man die dargebotenen Referate ungeprüft hinnehmen kann und bloß wünschen möchte, etlicher Ballast an Eintagsfliegen von Journalartikeln und dergleichen werde fünftighin hartherziger über Bord geworfen, um nicht öfters die Übersicht des wirklich Geleisteten zu erschweren. Wir empfehlen den germanistischen Lehrern und dem deutschen Unterrichte, für den durch zwei regelmäßige Sonderabschnitte noch im engern gesorgt ist, diesen neuen Band mit seinem schier erdrückenden Reichtum an Aufklärung und Belehrung aufs wärmste und erhoffen für das unentbehrlich gewordene Unternehmen fernere Vervollkommnung und den nötigen materiellen Erfolg, dazu die Möglichkeit – pünktlichen Er: scheinens. [Inzwischen ist vom 4. Bande die erste seiner vier Lieferungen erschienen, sodaß die Herausgeber ihr Versprechen rascheren Anschlusses prompt einlösen). München.

Ludwig Fräntel.

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Quartalbericht des Vereins für mellenburgische Geschichte

und Altertumstunde. LIX, 1. Trul teilt einige Bemerkungen zum Wappen der v. d. Lühe mit. Der Gebrauch eines fremden Siegelstempels ist mehrfach nachgewiesen, im Wismarschen Ratsarchiv allein in 19 Fällen aus dem 15. Jahrhundert. Es ist natürlich, daß die fremden Betschafte meistens von Geschlechtsoder Standesgenossen genommen wurden. Oft wird die Anwendung eines fremden Stempels ausdrücklich bemerkt, jo von Herzog Albrecht 1473 und 1479. Crul weist nun aus dem Wismarschen Ratsarchiv nach, daß ein von einem Achim b. d. Lühe an Wismar 1491 Montags nach Jubilate gerichteter, von einem Schreiber geschriebener Brief ein Siegel trägt, das Tideke Mesmaker gehörte. Das Siegel trägt einen breiten dreiedigen Schild, in den Eden je ein Zwiebelgewächs mit drei Blättern. In demselben Archiv befindet sich nun ein Schreiben von Heinrich v. d. Lühe vom Tage der h. drei Könige des Jahres 1492. Es ist von derselben Hand wie das vorige geschrieben, hat denselben Durchmesser, dieselbe Umschrift, zeigt aber einen dreieckigen Schild mit einem gestürzten gezinnten Giebel. Das Petschaft muß also umgearbeitet sein, der Ritter şinrich hat damit 1501 die bischöfliche Confirmation der canonischen Foren zu U. L. Frauen zu Wismar besiegelt. Es bleibt nun nachzuweisen, wer Tideke Mesmaker war, in welchem verwandtjhaftlichen Verhältnisse Achim und þinrich v. d. Lühe zu einander standen, und wie das Betschaft in ihre bände fam.

F. Stuhr, der als Forscher über die Kirchenbücher Meklenburgs bekannt ist,') teilt ein Verzeichnis der Pfarrer im Lande Stargard von 1496 mit, das er bei der Durchsicht der Bederegister fand. Die Zujammenstellung ist wichtig für die Geschichte der katholischen Kirche in Metlenburg während der leßten Jahrzehnte. Ein in der deutschen Litteratur bekannter Name ist nicht dazwischen Interessant sind die Mitteilungen von F. v. Meyenn „Zur Geschichte der S. Katharinenkapelle zum þeiligen Moor bei Saniß" und „Wie das Klodengeleutte angefangen und auffgehört über die hochfürstlichen Verstorbenen." Die legte

1) In Meklenburg erwähnt die revidierte Kirchenordnung von 1602 zuerst die Kirchenbücher und empfiehlt ihre Anlage. Hier finden wir Spuren von Kirchenbüchern zuerst 1562 in Teutenwinkel bei Rostock, dann 1580 in Rödershagen zwischen Rostod und Ribniß. Ich füge hinzu, daß sich in Biestow bei Rostod außer dem Kirchenbuche ein ,,Haupt- Buch bey der Kirchen zu Bystow“ aus dem Jahre 1571 befindet. Es enthält zum Teil in niederdeutscher Sprache Einnahmen und Ausgaben der Kirchenvorsteher und der Pastoren, Nachrichten über Kirchenvifitationen, Abrechnungen für Reparaturen am Pfarrhause, schließlich eine Art Gemeindechronit.

Mitteilung nach einem Konzept im Schweriner Faupt- Archiv enthält
einen ,,Erlaß des Herzogs Adolf Friedrich I. an Bürgermeister und
Rath zu Rostoc" wegen gottloser Reden der Rostoder Bürger über
Könige und Potentaten vom 3. Febr. Ao. 1644.
Doberan i. M.

D. Glöde.

Günther A. Saalfeld, Katechismus der deutschen Rechtschreibung.

Leipzig, J. J. Weber 1895. VII, 353 S. Saalfeld giebt zunächst in einer gewandt geschriebenen Einleitung einen kurzen Überblick über die Entwidelung unserer deutschen Rechtschreibung, stellt dann in knapper Form die Regeln der neuen Rechtschreibung und Zeichensepung dar und fügt ein ausführliches alphabetisches Wörterverzeichnis bei, das über die Schreibung jedes Wortes nach der neuen Drthographie Auskunft giebt. Mit Recht erinnert Saalfeld an Jakob Grimms Wort: „In den leßten drei Jahrhunderten trägt die deutsche Schreibung so schwankende und schimpfliche Unfolgerichtigkeit an sich, wie sie in keiner andern Sprache jemals stattgefunden hat, und nichts hält schwerer als diesen Zustand zu heilen." Daß man daher dem ersten einheitlichen Heilungsversuche, der im deutschen Reiche gemacht worden ist, etwas mehr Milde und Billigkeit in der Beurteilung entgegenbringen sollte, als es gewöhnlich geschieht, ergiebt sich hieraus von selbst. Saalfelds Buch wird zur Klärung der ganzen Angelegenheit vielfach beitragen, und wir empfehlen daher die mit gründlicher Sachkenntnis und liebevoller Sorgfalt gearbeitete Schrift allen Freunden unserer Muttersprache, insbesondere aber den Schulen. Dresden.

Otto Lyon.

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Wilhelm Münch, Zeiterscheinungen und Unterrichtsfragen. Berlin,

R. Gärtner (Hermann Heyfelder) 1895. 40 S. Auf der 43. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner zu Köln hielt in der pädagogischen Sektion der Geheime Regierungsrat und Königl. Provinzialschulrat Dr. Wilhelm Münch einen Vortrag, der als eine bedeutsame Kundgebung einer geistig hervorragenden Persönlich: keit, welche mit umfassender Bildung einen im praktischen Leben geschulten Sinn verbindet, die Beachtung aller Gebildeten, insbesondere aber der Schulkreise verdient. Nachdem er in seiner knappen und geistvollen Sprache dargelegt hat, daß das große Ganze der Erziehung nicht dauernd wohl gedeihen kann, wenn nicht immer das Auge offen bleibt für die thatsächlichen Erscheinungen des geistigen Gesamtlebens, das uns umgiebt, für die Richtungen und Strömungen, die Gefahren und Vorteile, die Kräfte und Auswüchse, teilt er die Zeitalter im Leben der Kulturvöller

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