Abbildungen der Seite
PDF
EPUB

„, Die Autorschaft wurde ihm [Leonhard] wohl nur zugeschrieben, weil man in späterer Zeit keinen anderen Erzieher der Söhne Christians I. kannte." Auch ist Johann Georg (I.) nicht der Held des Buches, vielmehr – entstand dasselbe wirklich damals, und mit Bezugnahme auf einen fursächfischen Prinzen – kann es nur dessen Bruder, August (geb. 7. September 1589, gest. 26. Dezember 1615) sein. Liegen doch drei Drohschreiben Christi, bezw. Mariae an ihn, welche aus dem Paradiese, aus dem Şimmelreiche und von dem Simmelsthrone datieren, vor. Auch bemerkt Reimann schon richtig, daß mehrere der Blätter gar nicht die Darstellung einer Strafvollziehung sein können. (Man vgl. nur nachher unter Nr. 2.) – Die meisten Blätter des Werkchens sind leer, folgende neun, übrigens nicht dicht aufeinander folgende, noch nie aufgezählte, bunte Bilder bilden den Inhalt: 1. Wappen mit zwei gekreuzten Ruten von zwei Hasen gehalten, oben

der Narr mit einer Schellenkappe, darüber ein Arm mit einer

drohenden Rute (Titelblatt), 2. der (stets derselbe) Knabe (X.) schreitet trommelnd vor zwei, Helle

barden tragenden, Hasen, 3. der schwarze Mann mit der Rute führt X. nach der Thür, 4. der (immer derselbe) Zuchtmeister (Y.) rauft X. in den Haaren, 5. X. steht, die Rute vorn im Gürtel, 6. Y. sikt am Tische, daneben steht X. mit der Rute hinten im Gürtel, 7. X. steht, mit übergeschlagenen Händen, vor einem Bänkchen, auf dem

er wohl gezüchtigt werden soll (man vgl. nachher 9), daneben Y., auf der andern Seite ein (stets derselbe) Geistlicher oder dgl. (Q.), aus

einem Buche vorlesend. 8. X. ist am Dfen angebunden, vor ihm steht Q., ermahnend und 9. X. liegt mit einem entblößten Körperteile – sollte einen Prinzen so

zu malen auch damals nicht bedenklich erschienen sein! — auf einem Bänkchen (man vgl. vorhin 7), Q. hält ihm die rechte Hand, Y. schlägt mit der Rute zu.

Mit diesen Mitteilungen dürfte der bis in die neueste Beit mit dem Buche getriebene, geheimnisvolle Kultus nun auch sein Ende erreicht haben.

Sprechzimmer.

1. Zu Uhlands Volksliedern. Das von Uhland I 3, S. 84 abgedrudte Liebeslied: „Sie gleicht wol einem rosenstock“ schließt in der bekannten Weise dieser Lieder:

Wer ist der uns diss liedlein macht,
röslein auf der beiden?
das hat getan ein junger hacht,

als er von ir wolt scheiden ... Was bedeutet hacht? Uhland bemerkt nichts darüber. Matthias in seiner Auswahl aus dem deutschen Volksliede in Velhagen u. Klasings Schulausgaben, wo das Lied als Nr. 19 aufgenommen ist, erklärt S. 124 hacht Hecht Nun wird ja diese Bezeichnung bekanntlich auf einen Menschen angewandt, doch enthält sie dann einen Tadel. Fast immer heißt es, ein übler, ein schlimmer Hecht (1. Weigands D. Wb. I 8, 778), wie ja der Vergleich ursprünglich von der Raubgier dieses Fisches genommen ist. Schon deshalb kann der junge Sänger diesen Ausdrud hier nicht von fich gebrauchen. Auch ist Hacht als Nebenform von Hecht nicht belegt, während es mehrfach in Mundarten als Bezeichnung für den Habicht erscheint, der ja auch an Stelle des Falken (mlat. capus) steht. Man vergleiche darüber: Schmeller - Frommann, Bayer. Wb. I, 1048; D. Wb. IV, II, 98; F. Grimms Gesch. d. d. Spr. 49 flg.; Firmenich, Germaniens Völkerstimmen I, 91, 19; 97, 1; 103, 10. Denken wir daran, daß beim Kürnberger und anderen mhd. Dichtern der Geliebte mit einem Falken verglichen wird, so liegt es nahe Hacht auch an unserer Stelle so zu erklären. Northeim.

R. Sprenger.

2.

zur neuhochdeutschen Seemannssprache. Unter dem Titel „die neuhochdeutsche Seemannssprache" hat in den lezten Heften der Marine - Rundschau der Marinestationspfarrer Gödel eine längere Abhandlung erscheinen lassen. Ich habe auch während der leßten Jahre solche Ausdrüde gesammelt. Die meisten Ausdrüde der Seemannssprache sind natürlich niederdeutsch oder englisch. Nach Gödels Meinung hat der weitaus größte Teil der Ausdrüde seinen Ursprung auf altem ostfriesischen Boden zwischen Weser und Ems; daher kommen die vielen Anklänge an das Holländische. Wenn der Verfasser meint, daß daher auch die Übereinstimmung mit englischen Wörtern kommt, weil angelsächsisch und ostfriesisch denselben Ursprung haben, so ist zu erwidern, daß viele Worte auch direkt aus dem Englischen genommen und umgewandelt sind, genau so wie sämtliche Flaggensignale. Das ist ein Grund für die Schwierigkeit ihrer Erklärung; dann kommt allerdings der Umstand hinzu, daß sehr viele niederdeutsche Ausdrüde ins Hochdeutsche überseßt sind, zum Teil falsch, zum Teil ganz verbalhornt. Man weiß genau, wie mechanisch solche Überseßungen gemacht werden.

66

Mnd. ose

Biele Ausdrüde erscheinen in ihrer neuhochdeutschen Form zunächst unverständlich. So führt Gödel z. B. das Wort „labsalen" an, das mit nhd. Labsal natürlich nichts zu thun hat. Es kommt von ,,lap" - Lappen und ,,salben" und bezeichnet das Beschmieren des Tauwerks mittelst eines Lappens. Ebenso ist es mit dem Wort „Pferd“. Die sog. „Pferde“ dienen den an den Raaen arbeitenden Leuten als Stüßpunkt für die Füße; sie treten in diese Pferde hinein. ,,Treten" ist nd. pedden, perren oder perden, daraus entstand „Perd“ als Bezeichnung für das Ende, in das getreten wird, und daraus wurde dann hd. „Pferd“. Löschen (vom Entladen der Ladung) ist nd. lössen = hd. lösen frei machen, trennen, entfernen (cf. Mnd. Wb. losen). Ich möchte hier an den Ausdrud ,,ösen" – Wasser schöpfen und Ösfass – Schöpffaß erinnern. Vergl.

Schöpfgefäß und oseammer Schöpfeimer. Die Worte sind stammverwandt mit lat.: haurire. Gödel hält auch den beim Weđen angewandten Ausdruc: „Reise! Reise!" für niederdeutsch (altfr.: risan; got.: urreisan; ahd.: risan; mnd.: rysen, verrysen, opstaen). Ich glaube, daß der Ausdruck direkt von ne.: to rise abzuleiten ist. Sehr interessant ist die Ableitung des Wortes „Dukdalben“; ob sie richtig ist, lasse ich noch dahingestellt. Im holländischen Volksmunde soll es „Duc d'Alf" lauten, hat also einen gewissen Anklang an „Duc d'Alba“. Man versteht unter „Dükdalben“ oder „Dükdalfen“ die drei im Wasser stehenden, oben mit einander verbundenen Pfähle zum Fest= machen der Schiffe. Der ostfriesische Seemann spricht aber ,,Dikdallen“, und dies führt auf die richtige Spur zur Erklärung des Wortes. „Dik“ heißt schon im Mnd. Deich, und „Dallen“ oder „Dollen“ sind mnd. Ruderpflöde oder Rudernägel, nicht Pfähle, wie Gödel sagt. Noch heute versteht man auch hier an der Ostseeküste unter ,,Dollen“ die kurzen hölzernen Pflöde im ,,Dollbord", die den Riemen beim Rudern als Widerlage dienen. Vgl. Mnd.: dolle, dulle, für Ruderpflod, Rudernagel. dolle, scalmus, lignum teres, cui struppis alligantur remi et obex remi. Kil. u. Chytr. 225; dolle to dem bothe. Strals. Voc. augenes, eyn naghel in eymen schepe, eyn dolle. Diefenb. n. gl. s. v. u. Brevil. Vgl. Frisch 1,200, Br. Wb. 1,269 u. Grimm s. v. Dole nr. 9 u. Dulle. Nach Vilmar Idiot. 75 ist Dolle, Dollnagel im Fuldaischen technischer Ausdrud der Zimmerleute für den starken hölzernen Nagel, welcher halb in den Durchzug und halb in den Balten befestigt wird, damit sich die Balfen nicht verschieben. Ob also Dukdalben gleich Dikdalben ist und dies Deichpfähle, Pfähle am Deich bedeutet, ist mir noch sehr zweifelhaft. Jedenfalls ist nicht an ,,Dolle“ zu denken, sondern an mnd.: dole, dôl, Grenzzeichen (Pfahl, Stein, Rinne, Graben). Vgl. Dornkaat, ostfr. Wb. und Mnd. Wb. Nachtr. 102 a, 5.

Wohl übereinstimmen kann ich mit Gödel darin, daß manche Wörter, die in der jeßigen Seemannssprache vorkommen, fremden Sprachen entlehnt sind. So vor allen Dingen „Anker“, das aus Gr. öyxūpa abzuleiten ist. ,, Admiral“ stammt aus dem Arabischen. Amir heißt Fürst (Emir), daraus wurde Span. amirante und almirante. Daß bei der Bildung Admiral das lat. admirare volksetymologisch mitgewirkt hat, ist nicht unwahrscheinlich. Die Erklärung von Kai aus afr. caye, felt. cae (Zaun) ist mit Recht angefochten. Die romanischen Sprachen haben umgekehrt der deutschen eine ganze Reihe von Seeausdrücken entlehnt, so frz. quille (Kiel), tribord (eig. stribord, Steuerbord), babord (Badbord), cable (Kabel), mat (Mast), beaupré (Bugspriet), bouline (Bulin), ralingue (Raalink) u. a. Auf volksetymologische Bildungen wie „Mufferdeischoner“ aus „Hermaphrodit“ habe ich an anderer Stelle hingewiesen.') Doberan i. M.

D. Glöde.

3. In der ,,Historischen Nachricht von denen Grafen zu Lindow und Ruppin aus bewehrten Uhrkunden und Geschicht-Schreibern gesammelt 2c. von Martino Dieterich, vormahligem Con-Rectore Scholae Ruppin., iso Evangel. Luther. Prediger in Frankfurt a. D. 1725“ heißt es auf S. 138:

Anno 1524 am Sonntage Oculi ist Graf Wichmann, der lebte seines uhralten und mit so vielen Chur- und fürstlichen Häusern befreundeten Geschlechts in seinem nicht neunzehnden, wie Chytraeus lib. II Saxoniae p. 229 it. p. 615 schreibet, sondern ein und zwantzigsten Jahr, entweder durch Gifft, wie vermuhtet worden, oder sonst durch einen hißigen Zufall plößlich verstorben und der verblichene Cörper darauf des Sonntags Quasimodogeniti in dem Begräbnis seiner Vorfahren beygeseßet und mit ihm als dem leßten seines Geschlechts der Gräffliche Helm und Wapen zugleich eingesendet worden. Caspar Witten, ehemaligen Burgemeisters zu Ruppin Chron. MStum p. 4. Simon Grimme, welcher Anno 1619 zum Diacono in Ruppin berufen worden, hat in seinem Tage-Buch nechststehende alte Reime, diesen Todesfall betreffend, aufgezeichnet hinterlassen, so von den Mönchen auf der Gasse abgesungen jeyn sollen:

1) Auch für Philologen wichtig, die sich mit der deutschen Seemannssprache beschäftigen wollen, sind folgende eben erschienene Bücher: Handbuch der Seemann: schaft von A. Mühleisen, Navigationslehrer in Bremen. Mit 87 Tafeln und 85 Textbildern. Bremen (Heinsius) 1893. 8°, XVIII u. 496 S. Darin find besonders die Kapitel wichtig, die das Schiff und seine Teile und das Anker: geschirr behandeln. Vgl. ferner: Leitfaden für den Unterricht in der Navigation, I. und II. Teil mit 67 Abbildungen, III. Teil mit 64 Abbildungen. Berlin (Mittler) 1893. Gr. 8°, 111 u. 117 S. und dazu: Leky, Wrinkels in Seamanship.

Wil gy hören wie das geschach
Allwo de edle øer üm syn Leben ward gebracht,
De edle Landesherre.
Der edler øer Wichmann zog jagen aus,
Eine falsche Fraw ließ er zu Hauß
Mit ihren vergüldeten Ringen.
Er sprach: Sterften, lieber Jäger mein,
Mir ist im Herzen also weh, mir ist so weh,
Ich kan nicht länger reiten.
Sie machten ihn eine Stube also heiß
Und darin ein Bette so weich,
Darin folte der Herre ruhen.
Sie schenckten ihm Wein und auch die Mede,
Das nahm dem edlen Fern syn Leben,
Dem edlen Herrn Wichmanne.
Er sprach: Hätte ich Pferde und Wagen,
Die zu dem Berlin wolten eingahn,
Die mir wolten Apotheder und Aerßte holen!
Anthohand sprach der Rothbart:
Wenn solchem Herrn ein Finger weh thut,
So sol man Apotheđer und Aerzte holen.
Auch sprach der Graubart:
Hier ist kein Geld zu dieser Fahrt
Womit wollen wir die Aerßte lohnen.
Er sprach: Schiđt zu Kuppin in meine liebe Stadt,
Da haben meine Freund einen verborgnen Schaß,
Sie werden mir hundert Gülden senden.
Ach Fräwlein Blöne, liebe Schwester mein, (Apollonia)
Möchtestu hier in meinem Legten seyn,
Das Land Ruppin das solt dein seyn.
Ach das ich von euch scheiden sol
Das macht der bitter Tod
Wie gern ich woll euch noch zu Troste leben.
Bartholomaeus lieber Landreuter mein
Sted in mein Mund ein Tüchelein
Und fühl doch meine Zunge.
Als der Her verschieden was,
Do weinet alles, was auf dem Hause was,
We das befroden kunte.
Sie legten ihn auf ein beschlagnen Wagen,
Sie führten ihn zu Ruppin in seine Stadt,
Sie begruben ihn in das Closter.
Sie schossen ihm nach sein Helm und Schild.
Da sprach de alte Gräfin: D weh, o weh, mein liebes Kind,

Daß ich hier die leßte bin.
S. 191.

,,Von den Diaconis kan zur Zeit noch nicht die genaueste Nachricht ertheilet werden. Inzwischen sind folgende befant worden.

« ZurückWeiter »