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dorff zu singen" - ,, aber dieweil es ein jar for verschwigen bleiben darff ich nit fingen/ich wil mich aber doch mit lachen und frölichem geberden biß ich zum dorff hinaus komm der massen erzeigen / das man dennoch merden sol mir sthehe etwas für / wan man mich schon vrsach meiner fremde fragt/ kan ich wol schwaigen /oder do mit verantworten / arme leudt fünnen auch nit almal traurig sein“. Während sie so in findlicher Weise ihre Herzensfreude äußert, trifft sie auf Conß, dem sie ihr Verhalten gegenüber der Mutter mitteilt, ohne seine Mißbilligung zu erfahren. Nochmals läßt sie sich in rührender Weise seiner Treue fich verfichern ,, meine mutter wirt vns nit verrathen, aleyn haltu glauben/ vnd ghe nit zurüd ...!“ Conß: ,,Ich wils halten/vnnd solt ich darüber des lants entlauffen!" Meg: Ey behüt vns Gott, mir woln nit entlauffen/fonder hie bey einander bleiben." Da wünscht er sie auf die Weide zu begleiten, aber sie wehrt ihm: ,,Do bit ich dich für mein Conß / bleib hinnen / vnd mach vns beden nit böß gerücht / die welt ist an dz“) zuuerkerlich/ich wil doch zu mittag wider reinher kommen / was hulff dichs dz du vnser ehe wolft domit villeicht zu ruc treiben / auwe / ich sorg werlich du werst nit halten/mein mutter hat mirs wol gesagt/ doch vertraw ich dir / du werst mich nit verlassen." Giebt diese Rede das Auf- und Abwogen der Gefühle, der Angst und des Vertrauens nicht wunderbar wahr und schön wieder? Nur das eine erlaubt sie, daß Conß vor dem Thore ihr nachsehe, so fern er kan."

Aber troß ihrer Vorsicht sind sie schon bemerkt worden, und zwar von Gel, der nachbeurin, die Conß ehelichen sollte. In ihr erwacht die Neugierde; befriedigen fod sie Meßens eigene Mutter, welche herzufommt Wasser zu holen, wie schon am Ende des zweiten Aktes angedeutet war ein Beispiel für das Geschid, mit dem der Dichter die einzelnen Handlungen zu verknüpfen versteht.

Die Begrüßung: „Guten morgen Genshirtin!" nimmt diese übel auf: „Ir reichen wolt auch vns armen immer onderdruđen, wz heth es dir geschadt, ob du mich schon mit meynem dauff namen / oder aber nachbewrin genent hest, vnd den elenden armen namen Genßhirtin aussen gelassen... Es möcht eyn zeit kommen ich fünt vor andern herfür gezogen werden / ob ich ißo schon arm bin." Da die Nachbarin gutmütig ihr nicht nur jedes Glüd gönnt, sondern auch um Verzeihung bittet, verfichert ihr Geut ihre gnädige Geneigtheit. ,,Dan das gebürt eyner jeden oberteit, mhe gnade dan straff wo es müglich vnnd thunlich einzuwenden.“ Man merkt, wie ihr die fünftige Verwandtschaft mit dem Schultheiß in den Kopf gestiegen ist. Þerablassend erwidert fie Gels erneute Anrede:

1) ohnedies. Seitschr. f. D. deutschen Unterricht. 10. Jahrg. 5. u. 6. Heft.

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,,Mein nachbetrin, vergun mir etwas mit Dir zu reden!" ,,Sag ber, liebe Gel / ichem dich nit." Diesen Ton könnte sich Gel nur erklären,

“ wenn Geut Frau Schultheißin geworden wäre – sie bringt ihn sofort mit ihrer vorhergemachten Beobachtung zusammen und wünscht Aufschluß darüber. Obwohl Geut nichts zu wissen behauptet, verrät sie sich durch ihr Lachen. Es ist von vornherein klar, daß Geut ihr Geheimnis nicht bei rich behalten kann; sie muß damit herausrüđen, wie Gel fich auf ihren ,,alten trawen und gelauben, den sie zusammen haben, ,, und auf ihre bisherige lieb/freuntschaft und eynigkeit“ beruft – mit diesen listigen Worten wird Geut berüdt, und da Gel an ihre von Jugend auf geübte Verschwiegenheit erinnert und hoch und teuer schwört ,,wan ich eynen schon nadent sehe, ich (die Witwe) wolts meym man nit sagen“, kommt es endlich – die Verhandlung über die Verschwiegenheit nimmt eine ganze Seite in Anspruch, der Dichter ist sich also des komischen Wertes dieses Motivs bewußt – zu einer in gedrängter Kürze gehaltenen Mitteilung des Geheimnisses; mit fliegendem Atem jedenfalls stößt Geut hervor: ,,Conß vnsers Schultheißen son hat mein dochter zu der ehe genommen / ist heint darauf bey ihr gelegen/wo es ein jahr verschwigen bleibt / so ist es alles beschlossen / darnach wirt ich eine reiche fraw vnd nimmer also arm vnd verechtlich gehalten/ wie bisher geschehen so liebe nachbawrin bedend mein freud selbst!" Welche beabsichtigte Kunst schon im Saßbau! Die Nachbarin wünscht von Herzen Glück und bittet: „Du würst mich doch als deine getreue dienerin/so ich deiner hilff bedörftig nun hinfüro aud lassen vor andern beuolen sein." Geut: „Warumb nit/ du folt die für: nembst in meym vnnd meyner dochter rath sein / ban sie ist jung vnd bedarff wol raths... Behüt dich Got/ich wil gehen wasser holen etwas guts zu kochen/ mit meyner dochter fröhlich zu sein/so sie wider vom feldt kömpt/ doch wil ichs auch nit lang andreiben/sonder jrgends eyn köchin dingen... Ich wolt gern vor fremden dangen/ aber ich muß mich halten/ damit es ihe eyn jar verschwigen bleib." Ist das nicht die feinste und doch einfachste Komik, die man sich denken kann? Wie lebenswahr spielt sich die ganze Verhandlung ab!

Der Zweifel, ob die Nachbarin wirklich nur gutmütig oder voller Schaltheit ist, wird im nächsten Auftritt beseitigt, wo durch ihren Mund die Wahrheit die Wahrheit eingeprägt wird, daß es Gott wohl

, schiden mag, daß ,,eyn reichs ein arms nimbt“, und beide glüdlich werden, ,, hinwiderumb vmb guts willen gefreit geret zeiten wie es mag". Gleichwohl erscheint ihr der ganze Vorgang lächerlich. Das gewahrt ihr Sohn Gop, der sichtlich gestern mit dem drunt zu viel gethan" und sich nur auf sein Sohnesrecht zu berufen braucht, um die ,,newe mer“ brühwarm zu erfahren. Ihn erfreut die Aussicht, „das wier eynmal wol mügen schlemmen vnd dangen/ich vermut mich auch nit der geringst vnder dem hauffen zu sein!" Zwar versichert er seine Verschwiegenheit, glaubt aber selbst nicht an die Aufrechthaltung des Geheimnisses. Er hat kein anderes Verlangen, als seinen Zechgenossen Seiß, der ebenso schweigen kann wie er, Mitteilung zu machen. Dabei ist freilich ein kleines Hindernis zu überwinden, Seiß hat bereits den „gebrenten wein" auf sich wirken lassen und muß daher ,, ein klein weil" schlafen, ehe er die seltsame Mär vernehmen kann. Die nur kurze Pause fült Got durch eine kleine Betrachtung über das Laster des Trinkens aus. Dann erfolgt die Mitteilung an den „noch ein wenig drunkenen", der trok aller Aufforderung zum Schweigen als ein virnenvoller und unuerschwiegener (S. 4) die Sache förmlich ausschreit, denn wie solle ,,eyn offenbare hochzeit verschwigen bleiben"? Ja, er macht sogar den Vorschlag, zum Schultheißen zu gehen und ihm Glück zu wünschen, um ,, das botten brodt zu uerdienen.“ Gesagt, gethan. Der Schulze steht vor seiner Thür, ihm fällt es aber nicht ein, den beiden Gesellen für die „, newe zeitung", die nach ihrer Behauptung noch vor Mittag „, die ganze dorffschaft“ wisse, Dank zu sagen, da ziehen es beide vor, sich aus dem Staube zu machen.

Im vierten Akt ,,ghet Heing in eynem zorn auß dem hauß/seinen sun Congen zu suchen/mit trey in zu schlagen/dem volget die mutter Els wolt den vatter gern seines fürhabens miltern/welche Conß unwissent was der vatter für hat ersiehet / nachdem er Meßen hat gesehn aufs feldt ghen." Die Mutter sucht des Vaters Aufmerksamkeit von dem durchs Thor tommenden Cont abzulenken, indem sie den Arm um ihn legt und ihn auf einen Hausbau hinweist. Aber umsonst, kaum kann er sich bezwingen, dem Sohne ,, mit der wher eyns zu langen." Aber er lest in also an / das die mutter vber in auch vermeintlich erzurnt", beide jagen ihn von sich, „, der flöhe gern/wan er west wo hin/ begegnet ihm Diß / der andre Schultheis / der sieht in erschrocken vnd bekümmert seyn/ fragt die vrsach/ die im Cong erzelt/ behelt Congen bey sich biß die fach vertragen wirt.“

Inzwischen hat Geut bei ihrem Gange durchs Dorf alt und jung, „mit hönischem lachen von der begangenen handelung" ihrer Tochter reden hören, sie hat nun zu ihrer Armut den Verlust zu tragen, den Meß an ihrer Ehre erlitten hat. Vom Felde heimkehrend – es ist inzwischen Mittag geworden – findet Meß ihre Mutter weinend und händeringend, doch verliert sie selbst ihre Fassung nicht, will aber ihrer Mutter Strafe auf sich nehmen, nicht ihre Tochter, sondern ihre Magd sein. Sie findet mehr Gnade bei ihr, als sie verdient zu haben glaubt, und ist bereit ihrer Mahnung zu folgen: „Bleib ein genßhirtin / mach dir nit ferner geschrei/ nim dein alte zucht vnd geberde wider an dich/ der gestalt dz dir nimants etwas übels nachsagen mag / bit Gott vmb geduld / dein auffgelegt Creuß willig zutragen ... bey leib las vns. nit wider wo vns Got ein gluck irgents beschert in hoffart fallen.“

Zwischen diesem und dem fünften Att liegt ein Jahr, während dessen Heing seinen Sinn nicht änderte. Sein Amtsgenosse Diß, ein waderer Mann, übernimmt für seinen Schüßling Conß einen Bittgang zu dessen Vater, den er auf halbem Wege trifft. So wird ein Szenen: wechsel vermieden. In der Unterredung entfaltet Diß eine wißige, „schwanthafte" Art, doch läßt sich Heing weder hierdurch noch durch ernste Vorstellungen über reiche und arme Þeiraten umstimmen - hätte Conß auch die reiche Witwe nicht genommen, so wäre Dißens Tochter eine passende Gattin für ihn gewesen. Dies Wort þeingens regt den erfolglos abziehenden Diß an, Conßen für eine Heirat mit seiner Tochter Nes zu gewinnen. Dadurch wird Cong in einen neuen Zwiespalt versekt: seine große Lieb“ zu Meßen und sein Ehegelöbnis machen ihm die Annahme des vorgeschlagenen Mittels, seines Vaters Zorn zu fänftigen, unmöglich. Doch entschließt er fich zu der Zusage, Nesen zu nehmen, aber jrs nit zu geloben", ,, villeicht nimpt mich Meß mit recht für')/so ist doch die erste ehe bleibent/in des them ich zu meynes vatters genaden/vnd möcht das glud geben / das ich dieser beschwert aller erledigt/vnd meyn Meßen behalten möcht." So geht er denn auf Digens Vorschlag ein, ,,alleyn das ich zuuor meynes vatters huld wider hab eh ichs jr gelob.“ Daraufhin begiebt sich Diß wieder zu Heing, und findet diesen auch geneigt. Nur Els hat rechtliche Bedenken (S. 59): ,,Er hat betent/das er jrs gelobt hab/so befindt fich das warzeichen/nemlich eyn junger son /jo schon auff in als den vatter durch die mutter in kindtsnöten bekent gedaufft worden/solt er nun dise nemen/vnnd durchs Recht vnbillig erkent werden/wie wurt es vns darbber ergehen." Ihr begegnet being mit der entscheidenden Rede: ,,Was sagstu daruon / er nimpt mir dennoch lieber eynes Schultheisen dochter der auch beuehl von der oberkeit hat dan eyner Genßhirtin dochter." So glaubte er schon im ersten Aft seine Amtsgewalt verwenden zu können, um die Nachbarin zur Ehe mit seinem Sohne zu zwingen. Das läßt doch ziemlich deutlich die Über: zeugung durchblicken, daß solchen obrigkeitlichen Personen gegenüber das Recht erlahmen muß, und man wird sich nun nicht mehr wundern, daß der Sohn dieses Schulzen das Recht auch zu seinem Nußen anzuwenden gedachte. Die bochzeit wird schon auf den nächsten Tag festgeseßt, und Heing verpflichtet sich, seinem Sohne ,kein bös wort" zu sagen. Da

“ erscheint Conß selbst, der in der Nähe wartete, und erbittet und empfängt die Gnade seiner Eltern.

1) = belangt mich vielleicht gerichtlich.

Die Kunde von diesen Vorgängen sehen wir im nächsten Auftritt auf Geut und Meß wirken, die eben vom Schlaf aufgestanden sind. Meg ist voll Ergebenheit, aber auch von Gottvertrauen: „Weder vor Got oder der welt fan Conß kein ander ehe weib haben dan mich / nimpt er darüber eyn andere / so verzeigs im got/ich hoff aber stets noch eyns bessern." Und dies angesichts der Thatsache, daß Conß fich während des vergangenen Jahres weder um sie noch ihr Kindlein gekümmert hat. Sie entschuldigt ihn sogar: ,,Er hats villeicht nit thun können oder dörffen/jo gehört doch ihe eym erlibenden dasjenig zu halten das er verheissen hat/ das vertraw ich im auch zu / er werts thun." Doch will fie dem günstigeren Geschid entgegen kommen, noch in leßter Stunde Conß .

an sich erinnern. „Ich wil an eyn ort ghehen/ das findt so doch ihe seyn ist/ mit mir nemen/ das er für mir über ghen vnd vns sehen muß/ villeicht wirt er noch eyn fundlein der ersten lieb bey fich befinden/welchs wider zu eynem Feur werden möcht/vnnd bedenken was er mir versprochen." Dieser Schritt foll denn auch die gewünschte Bendung herbeiführen - die Entscheidung bleibt also nicht etwa dem Zufall überlassen. Dißens Tochter Neß ist sogleich bereit gewesen, Conß zu heiraten, der freilich vor ihrer ,,spißigen nasen" zurückschredte. Auch trügt ihn nicht seine darauf gegründete Vermutung: „sieht gleich als sei sie zornig und haderhafftig." Ihr eigener Vater stellt ihr das zweifelhafte Fleißzeugnis aus: „Sie wirt dir das hauß nit unrein lassen/sie keret ehe das bößig vier wochen hinder die stuben thür / ehe das hauß vnrein blieb / so enlich ist sied)/ aber doch gehet bede mit mir / es ist zeit.“ Unmittelbar auf diese Worte folgt im Buche die Rede Meßens: ,,Sihe meyn mutter/er hat dz Kindlein angegriffen vnd mich angelacht/ es wirt noch gut werden." Dem Aufbruch ist also ein stummes Spiel der geschilderten Art gefolgt.) Daran knüpft sich sogleich eine Auseinander: jeßung zwischen Neß und Conß. Erstere wittert mit Recht Unrat und ,,thut teinen Schritt for fich", ehe sie die Auskunft erhält, die sie freilich kaum nötig haben sollte, da sie bei der Enge der Ortsverhältnisse – die Gemarkungen der Schultheißen stoßen aneinander (vergl. S. 61) taum ohne Kenntnis über Congens Angelegenheiten bleiben konnte.) Daß

1) Bergl. S. 23: wie dan die jugent mhe treg und schlefferlich dan enlich ist. Sicher dasselbe wie entlich = fleißig, bei Hans Sachs u. a.

2) Jedenfalls ein erfreulicherer Vorgang als der ähnliche in Wolfh. Spangenbergs ,,Glüdswechsel“ v. I. 1613, wo die Bauernmagd Nätt sich dem Bauern: john Liendi, der sie geschwängert hat, in den Weg stellt, als er mit der Soldaten: meße Agnesle ihr ausweichen will; 1. Spangenbergs ausgew. Dichtungen hrg. von Martin, Straßburg 1887, S. 340 flg.

3) S. 61 hat Geut schon am Morgen Kunde von dem, was am Abend Dorher von Heinß und Diß verhandelt worden ist.

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