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festgestellt, in der Absicht, dieselbe mit der Transpirationsgröße unserer einheimischen Reben in Vergleich zu stellen. Die Versuche erlitten jedoch eine Unterbrechung und müssen daher im kommenden Sommer wieder aufgenommen werden.

Die ausgeführten Versuche erstrecken sich bis jetzt nur auf fünf Amerikanerreben und zwar wurde von denselben sowohl die Transpirationsgröße der beblätterten Triebe, als auch die des Holzes im Winter festgestellt. Die Resultate der Untersuchungen seien in folgendem mitgeteilt.

Die Versuchsanstellung geschah nach der bereits bei den oben beschriebenen Versuchen mitgeteilten Methode an Riparia x Rupestris 13 G, Mouvedre x Rupestris 1202 Couderc, Aramon x Riparia 143 MG, Riparia 1 Geisenheim und Solonis x Riparia 1616 Couderc. Das Material wurde ausschließlich von Reben entnommen, die in einem Quartier der Geisenheimer Rebschule beisammenstehen und sämtlich nach der Auvernier-Methode erzogen werden. Die zur Untersuchung kommenden Triebe wurden stets zu gleicher Tageszeit geschnitten.

a) Transpirationsgröße der beblätterten Triebe. Dauer jedes Versuches 4 Stunden (von 10 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags).

[table]

Im August des vergangenen Jahres wurden zuerst die Transpirationsbestimmungen an beblätterten Trieben angestellt, und daran schlössen sich im Februar dieses Jahres die des einjährigen Holzes an. Es ist auffallend, daß die Transpirationsgrößen des Holzes der genannten Reben im gleichen Verhältnisse zueinander stehen wie die Transpirationsgrößen der beblätterten Triebe. (Siehe Tabelle S. 458.)

b) Transpirationsgröße des Holzes.

Die Reben wurden in Stücke ä 3 Internodien zerschnitten, die Schnittflächen mit Paraffin überzogen, und durch sofortige Wägung der einzelnen Stücke das Frischgewicht der ganzen Reben festgestellt. Durch Wägung der Stücke nach 2 Monaten wurde der Wasserverlust bestimmt. Derselbe betrug bei:

Mouvedre x Rupestris 1202 Coud. . . . =30,89%

Riparia x Rupestris 13 G = 30,19 „

Aramon x Riparia 143 M6 = 25,31 „

Riparia 1 Geisenheim = 22,16 „

Solonisx Riparia 1616 Coud =20,83,,

Diese Zahlen besagen, daß die Transpiration des Holzes im Winter im großen und ganzen denselben Schritt einhält wie die Transpiration der beblätterten Triebe im Sommer.

Von dem Gesichtspunkte aus betrachtet, daß der Reifegrad einer Rebe um so besser ist, je weniger Wasser sie den Winter über verliert und je mehr sie dementsprechend im nächsten Frühjahre noch enthält, wäre also im Jahre 1907 der Reifegrad der untersuchten Solonis x Riparia 1616 am besten, und der Reifegrad der untersuchten Mouvedre X Rupestris 1202 Coud. am schlechtesten gewesen.

Die weiteren Untersuchungen im kommenden Sommer sollen die Transpirationsgröße auch für andere Amerikaner festlegen, und vor allem auch zeigen, welche Amerikaner in dieser wichtigen physiologischen Funktion unseren einheimischen Reben am nächsten kommen. Die vergleichende Bestimmung der Transpirations- und Assimilationsgröße, der Zeit des Austriebes usw. dürfte vielleicht wertvolle Anhaltspunkte zur Bestimmung der Pfropfverwandtschaft unserer Europäer- und Amerikanerreben zutage fördern.

B. Sonstige Tätigkeit der Station.

Von dem Berichterstatter wurde ein längerer Bericht an das Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten abgegeben: Über das Zurückgehen der Rebenveredelungen.

1. Veröffentlichungen.

Während des Berichtsjahres wurde veröffentlicht: Dr. F. Schmitthenner, Die Qualität der Weine von veredelten Reben, in „Weinbau und Kellerwirtschaft". Die Zukunft des schweizerischen Weinbaues, in 3,Weinbau u. Kellerwirtschaft". Verwachsungserscheinungen an Ampelopsis- und Vitis-Veredelungen, in Sorauers „Zeitschrift für Pflanzenkrank hei ten".

2. Neuanschaffungen.

Von wertvolleren Neuanschaffungen sind zu nennen: 1 mikrophotographischer Apparat nebst Zubehör; 1 Mikrotom nach Vinassa; 6 Transpirationsapparate nach Pfeffer.

Kür die Bibliothek der Station wurden neben einer größeren Anzahl kleinerer Werke angekauft: La vigne americaine, 1907; Botanische Zeitung, 1907; Feuille vinicole, 1907; Progres agricole, 1907; Revue de viticulture, 1907; Bassermann-Jordan: Geschichte des Weinbaues; Roesler: Der Weinstock, seine Kultur und Veredelung; Kober: Der Weinbau der Zukunft.

3. Personalreränderung.

Die im Vorjahre frei gewordene Stelle eines Assistenten der Station wurde vom 22. Mai 1907 ab Herrn Dr. F. Schmitthenner, bisher Assistent am botanischen Institut in Karlsruhe, übertragen.

V. Tätigkeit der Anstalt nach aussen.

Der Direktor leitete als Vorsitzender den Nassanischen LandesObst- und Gartenbau-Verein sowie den Rheingauer Verein für Wein-, Obst- und Gartenbau und übernahm vom 1. November 1907 ab durch Verfügung des Herrn Ressortministers das Amt eines Vorsitzenden der Königl. preuß. Reben - Veredelungs - Kommission. In letzterer Eigenschaft unternahm er Inspektionsreisen nach Heilbronn, an die Lahn, Ahr und Mosel.

Der Direktor beteiligte sich:

1. an derVorstaudssitzung des Deutschen Weinbau-Vereins in Frankfurt a. M., sowie an dem Kongresse dieses Vereins in Mannheim,

2. an der Vorstandssitzung des Nassauischen Landes-Obst- und Gartenbau-Vereins in Hachenburg und in Diez a. d. Lahn,

3. an der Versammlung des Rheingauer Vereins für Wein-, Obstund Gartenbau in Rüdesheim und in Eltville,

4. an den in Berlin vom Reichsamt des Innern am 11. und 12. November einberufenen Konferenzen zur Beratung des Entwurfes zu einem neuen Weingesetz.

5. an den Kommissionssitzungen für Einrichtung der Obst- und Konserven-Ausstellung in Mannheim,

6. an den Beratungen des Vorstandes der Obstverwertungsstelle in Frankfurt a. Main,

7. an den Sitzungen des Ausschusses für Wein-, Obst- und Gartenbau der Landwirtschaftskammer in Wiesbaden.

8. im Auftrage des Herrn Ressortministers an dem internationalen Weinbau-Kongresse in Angers (Frankreich).

Der Vorstand der pflanzenpathologischen Versuchsstation, Dr. Lüstner, hielt am 10. Juli in der Versammlung des landwirtschaftlichen Bezirksvereines zu Hallgarten einen Vortrag „über den Rebstecher und den bekreuzten Traubenwickler und ihre Bekämpfung" und am 26. August auf dem Deutschen Weinbaukongreß zu Mannheim einen Vortrag über „Neuere Erfahrungen bei der Bekämpfung des Heu- und Sauerwurmes".

Dr. Molz hielt Vorträge: am 10. Juli in der Versammlung des landwirtschaftlichen Bezirksvereines zu Hallgarten über „Die Bekämpfung der Peronospora" und am 27. August auf dem Deutschen Weinbaukongreß zu Mannheim über „Neuere Untersuchungen über die Entstehung und Bekämpfung der Chlorose (Gelbsucht) der Reben".

Im Auftrage des Herrn Ressortministers stellte Dr. Lüstner Untersuchungen über die Ursache des rheinischen Kirschbaumsterbens und über die Bekämpfung der Birnengallmücke und des Heu- und Sauerwurmes an.

Dr. Lüstner leitet die Hauptsammelstelle der Organisation zur Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten.

Garteninspektor Glindemann bekleidete das Amt eines Vorsitzenden der Gärtnervereinigung des Rheingaues sowie das Amt eines Geschäftsführers des Rheingauer Vereins für Obst-, Wein- und Gartenbau. Wiederholt war derselbe als Preisrichter auf der internationalen Kunst- und großen Gartenbau-Ausstellung tätig.

Er hielt Vorträge in Hadamar bei Gelegenheit einer Versammlung des Obst- und Gartenbau-Vereins über „Die Rose und ihre Verwendung im Garten".

in Hachenburg bei Gelegenheit der Generalversammlung des Nassauischen Landes-Obst- und Gartenbau-Vereins über: „Gartenbau und Gartenkunst" auf der Gartenbau-Ausstellung in Mannheim,

derselbe Vortrag wurde auch bei Gelegenheit der Generalversammlung des Rheingauer Vereins für Obst-, Wein- und Gartenbau in Eltville gehalten, in Geisenheim bei Gelegenheit der Generalversammlung des Verschönerungsvereins über: „Aufgaben und Ziele des Verschönerungsvereins", im Verschönerungsverein zu Bingen a. Rhein über: „Förderung und Pflege des Balkon- und Fensterschmuckes". Landes-, Obst- und Weinbaulehrer Schilling hielt im Berichtsjahre folgende Vorträge, Kurse, praktische Unterweisungen und Revisionen ab: 54 Vorträge.

21 über Weinbau.

19 über: „Die Bekämpfung der Peronospora und der übrigen gefährlichsten Rebenschädlinge". 2 „ „Neuerungen und Verbesserungen auf dem Gebiete des Weinbaues".

30 über Obstbau.

6 über: „Vorschläge zur Förderung der Obstkultur im Rheingau".

4 „ „Die Bekämpfung der gefährlichsten Obstbaumschädlinge". 3 „ Obsternte, -Verkauf und -Aufbewahrung".

3 „ „Die Zweckmäßigkeit und Ausführung des Umpfropfens der Obstbäume".

3 „ „Die Bedeutung der Zwergobstzucht und die empfehlenswerten Sorten dafür".

2 „ „Die Anforderungen der Obstbäume an Klima, Lage und Boden und die Pflanzung".

2 ,, „Die Sommerarbeiten an den Spalierobstbäumen".

1 „ „Die Vorteile der Kreis-, Obst- und Gartenbauvereine".

1 „ „Was kann zur Verbesserung des Obstbaues in Bicken geschehen?

1 „ „Pflege und Düngung der Obstbäume".

2 „ „Der Obstbau im Oberwesterwaldkreise".

1 „ „Anzucht und Kultur der senkrechten und wagerechten Kordons".

1 „ „Die diesjährigen Obstmärkte im Unterlahnkreise".

3 über Gemüsebau.

2 über: „Die Kultur der wichtigsten Gemüsearten".
1 „ „Die Bewirtschaftung des Gemüsegartens".

An diesen 54 Vorträgen beteiligten sich 1837 Personen.
Ferner wurden von demselben abgehalten:

5 Weinbausommerkurse von je eintägiger Dauer;

1 Weinbaukursus von sechstägiger Dauer;

2 Weinbaukurse von je dreitägiger Dauer;

8 Obstbaumpflegekurse von je sechstägiger Dauer;

3 Obstbaukurse von je dreitägiger Dauer; 10 Pfropfkurse von je eintägiger Dauer;

1 Kursus über Zwergobstkultur von viertägiger Dauer;

6 Obstverwertungskurse von je dreitägiger Dauer und

9 je halbtägige praktische Unterweisungen im Baumschnitt. Diese 45 Kurse wurden von 1365 Interessenten besucht. Revisionen fanden statt von:

24 Gemeindeobstanlagen;

67 Gemeindeobstbaumschulen;

48 Spalierobstpflanzungen an Schulhäusern im Oberwesterwaldkreise;.

85,5 km mit Obstbäumen bepflanzte Vizinalwege.

Weiterhin hielt derselbe 2 Baum wärterversammlungen und in den Badeorten Ems und Nassau je 2 Obstmärkte ab. Auf letzteren wurden ca. 800 Ztr. Pflückobst abgesetzt. Im Auftrage verschiedener Behörden besichtigte der Landes-, Obst- und Weinbaulehrer in den Gemeinden Balduinstein, Eifa, Haiger, Dillenburg und Hinterwald mehrere Grundstücke auf ihre Brauchbarkeit für Obstbau und war in dem Konsolidationsverfahren der Gemeinden Freiendiez, Dillenburg und Bicken 13 Tage mit Obstbaumabschätznngen beschäftigt .

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