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Die Bepflanzung ist nach denselben Gesichtspunkten wie bei Quartier VI vorgesehen; eine Reihe unveredelter Rieslinge wechselt mit einer Reihe veredelter Reben, um auch hier eine Kontrolle mit Europäern inbezug auf Wachstum und Ertrag zu haben. Da nicht genügend Veredelungen zur Bepflanzung des ganzen Quartiers vorhanden waren, wurde nur die Hälfte angelegt . Die Bepflanzung der anderen Hälfte ist für das Frühjahr 1909 vorgesehen. Als Unterlagen dienten Riparia x Rupestris 11 G, Cabernet x Rupestris 33a MG, Riparia x Rupestris 3 HG, Riparia x Rupestris 19 G. Eingegangen sind im Laufe des Berichtsjahres von den Veredelungen 18Y2 °/o, von den unveredelten Reben 27%. Dieser Ausfall ist zum größten Teil auf Hasenfraß zurückzuführen. Wie alle Jungfelder war auch das vorliegende Quartier im Berichtsjahr von der Blattfallkrankheit sehr bedroht. Durch rechtzeitiges und öfteres Spritzen konnte indessen ein Schaden durch die Peronospora ferngehalten werden.

3. Die Frütyahrsveredelung 1907.

Die technische Abteilung der Rebenveredelungsstation hat u. a. die Aufgabe, einen Teil des Pflanzmaterials für die anderen Versuchsanlagen in Preußen und den Reichslanden heranzuziehen; so nach Freyburg a. d. Unstrut, Lobitzsch, Bretzenheim b. Kreuznach, Wetzlar, Obernhof II, Laquönexy und Jouy-aux-Arches. Um den Bedarf an Pflanzen für diese Versuchsfelder decken zu können, wurden im verflossenen Frühjahr etwa 7000 Veredelungen ausgeführt. Teils Sylvaner-, teils Rieslingreiser wurden auf Blind- und Wurzelreben amerikanischen Ursprunges veredelt. Die Ausführung dieser Arbeit erstreckte sich vom 30. April bis 10. Mai. Die Methode war die frühere. Auch das Vortreiben geschah in der üblichen Weise.

Bekanntlich nimmt die Ausführung der Handveredelung viel Zeit in Anspruch. Aus diesem Grunde hat man schon des öfteren versucht, die Handarbeit durch Maschinen zu ersetzen. Man geht dabei, abgesehen vom Gewinn an Zeit, auch davon aus, daß man unter Zuhilfenahme der Maschinen die Schnitte zweckmäßiger ausführen könne. Eine derartige Vorrichtung wurde uns zur Probe von Adolf Geis Nachfolger, kunstgewerbliche Werkstätte, Wiesbaden, Langegasse 25 eingesandt. Sie wird hergestellt im Gasserwerk St. Pölten, N.-Österreich. Seine Hauptteile sind 2 scharfe an einen Hebel angeschraubte Messer, die über eine feststehende Metallplatte bewegt werden können. Das eine derselben schneidet die Rebe glatt, das andere führt den Veredelungsschnitt aus.

Die Schnelligkeit, mit der sich mit dem Apparat Veredelungen ausführen lassen, wird gegenüber der Handveredelung bedeutend gesteigert. Bei gut hergerichteten Unterlagen und Edelreisern kann man in einer Stunde bequem 100 Veredelungen anfertigen, wobei natürlich Bedingung ist, daß der bedienende Arbeiter sich eingeschult * hat. Die erzeugten Schnitte sind gut, glatt und gleichmäßig; die Zunge liegt aber etwas fest an, so daß das Zusammenschieben der Unterlage und des Edelreises etwas Schwierigkeiten bereitet. Um diesem Übelstande abzuhelfen, ist notwenig, das Holz auf der Schneide etwas nach unten zu drücken, wodurch die Zunge zum Abstehen gebracht wird.

4. Über die Erziehung der Unterlagsreben.

Seit einigen Jahren sind, wie früher berichtet, Versuche eingeleitet die den Zweck haben, die beste Methode der Erziehung der Unterlagsreben zu ermitteln. In einem besonderen Quartier sind 3 Erziehungsarten angelegt und zwar:

1. Erziehung in kriechender Form (Bodenerziehung),

2. Erziehung an senkrecht gestellten Stangen (Stangenerziehung).

3. Erziehung an Drähten, die in Pyramidenform angeordnet sind (Pyramidenerziehung).

Außerdem pflanzten wir eine Parzelle nach Art der AuvernierErziebung an, die etwas abseits von den vorher genannten Quartieren liegt. Die Art der Anlage der einzelnen Stöcke ist aus den zwei vorhergehenden Jahresberichten ersichtlich.

Die wichtigste Aufgabe bei der Beobachtung dieser Quartiere von der technischen Seite aus besteht darin, festzustellen, wie groß die Menge der Blindhölzer ist, die von den Reben verschiedener Erziehungsarten gewonnen werden kann. Beim Schnitt der in Frage kommenden Reben im Frühjahr 1908 ergaben die einzelnen Erziehungsarten die in untenstehender Tabelle angeführten Blindholzmengen. Zu diesen Aufzeichnungen ist zu bemerken, daß unter den angegebenen Zahlen nur das brauchbare, ausgereifte Holz gemeint ist. Schlecht ausgereiftes dünnes, überhaupt nicht verwendbares Rebholz wurde, soweit dieses technische Fertigkeit zuläßt, von vornherein ausgeschieden und bei der Zählung nicht berücksichtigt . Dabei ergab sich der meiste Abfall bei der Bodenerziehung und zwar entsprach hier der untere Teil der Triebe trotz höheren Alters in den meisten Fällen den Anforderungen weniger als das nach oben gerichtete Ende. Diese Tatsache findet ihre Erklärung darin. daß die Triebbasis infolge des dichten Standes der Loden für Licht und Luft sehr wenig zugänglich ist .

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Der Schnittholzertrag aus den drei erst angeführten Sorten ist im Verhältnis, wie aus der Tabelle ersichtlich ist, gleich; die letztgenannten Sorten weichen dagegen ab. Aus den ersten drei Reihen ist zu ersehen, daß die Bodenerziehung die größte Menge anscheinend brauchbaren Blindholzes ergibt, was auch mit den früheren Beobachtungen übereinstimmt . Stangen- und Pyramidenerziehung sind nach dieser Richtung ungefähr gleich zu bewerten. Die Kreuzungen von Cordifolia x Rupestris, die nach obigen Zahlen von dieser Regel abweichen, haben sich auch in früheren Jahren ähnlich verhalten. Jedenfalls ist diese Abweichung auf das verschiedene Wachstum der Sorten zurückzuführen. Die RipariaRupestris - Kreuzungen zeichnen sich durch eine üppigere Triebbildung aus als die Hybriden zwischen Cordifolia und Rupestris.

Die von den drei Erziehungsarten gewonnenen Blindreben wurden zur Bewurzelung eingelegt. Die Bewurzelungsfähigkeit ist aus nachstehender Tabelle ersichtlich.

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Nach Vorstehendem ist der Unterschied in der Bewurzelungsfähigkeit bei den von den verschiedenen Erziehungsarten gewonnenen Reben verhältnismäßig gering. Demnach bleibt die oben ausgeführte Bewertung der drei Methoden in ihrem ganzen Umfang bestehen.

Bei der Verwertung obiger Zahlen muß allerdings berücksichtigt werden, daß die Reben in den fraglichen Quartieren in verschieden großem Abstand gepflanzt sind. So beanspruchen z. B. die kriechenden Reben einen viel größeren Wachstumsraum als jene der beiden andern Erziehungsarten. Wenn man die in der Tabelle enthaltenen Blindholzerträge dahin umrechnet, daß man einen Bodenraum von 100 qm zugrunde legt, so würden- sich folgende Zahlen ergeben:

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Aus dieser Tabelle ist zu ersehen, daß auch auf einer bestimmten Bodenfläche bei den Riparia x RupestrisKreuzungen die Bodenerziohung das meiste Blindholz ergibt. Es folgt dann die Anlage an senkrechten Stangen und erst in letzter Linie die Erziehung an Pyramiden. Die Cordifolia x Rupestris-Kreuzungen verhalten sich wie oben. Wenn man also die wirtschaftliche Seite berücksichtigt d. h. bestmöglichste Ausnützung des Bodens, der bekanntlich im Weinbau den bedeutendsten wirtschaftlichen Faktor darstellt, bezweckt, so wäre der Bodenerziehung der Vorzug zu geben. Allerdings muß bei Beurteilung der Sachlage auch die Qualität des Holzes berücksichtigt werden. Diese Seite ist in den oben angeführten Bewurzelungsversuchen bereits näher beleuchtet worden.

Erwähnenswert dürfte noch sein, daß der Umrechnung auf Bodenflächen folgende Verhältnisse zugrunde gelegt sind. Die Stöcke der Bodenerziehung stehen in einem gegenseitigen Abstand von 1,5 m : 3 m, jene der Stangenerziehung von 1,5 m : 1,5 m, und jene der Pyramidenerziehung von 1,8 m : 1,8 m. Die Entfernung der kriechenden Reben ist allerdings beim Wuchs der verwandten Sorten zu klein bemessen. Aus diesem Grunde wollen wir in diesem Frühjahr eine über die andere Reihe herauswerfen, so daß der allseitige Abstand nunmehr 3 m beträgt.

e Im Bericht 1906 war bereits angedeutet, daß über die Ausführung oder Unterlassung des Entgeizens an den Reben der Bodenerziehung keine genügende Klarheit herrscht. An der Stangen- und Pyramidenaufmachung werden die Geize regelmäßig derart entfernt, daß das unterste Blatt des Geiztriebes stehen bleibt . Ein in diesem Jahr ausgeführter Versuch bestätigte die Richtigkeit dieses Verfahrens. Die Sorte Riparia x Rupestris G13 war sowohl bei Stangen- als auch Pyramidenerziehung teilweise entgeizt worden. Von 5 entgeizten Stöcken der Stangenerziehung wurden 105, von der unentgeizten Kontrolle 60 Blindreben geerntet; 8 Stöcke der Pyramidenerziehung ergaben entgeizt 156, dieselbe Zahl nicht entgeizter Stöcke lieferte 60 Steckhölzer. Daraus ist zu ersehen, daß bei diesen beiden Aufmachungsarten das Entgeizen in oben angegebener Weise bedeutende Vorteile bietet.

Die Geiztriebbildung an den kriechenden Reben ist sehr üppig. Die gebildeten Geiztriebe sind aber wertlos, da sie zu schlecht ausreifen, um als Schnittholz Verwendung finden zu können. In den meisten Wintern, so z. B. im verflossenen, gehen diese nachträglieh gebildeten Triebe durch die Kälte zugrunde.

Die Versuchsanstellung geschah wie im vorigen Jahr: Einzelne Reben wurden nicht entgeizt, bei andern wurde der Geiztrieb auf ein Blatt gekürzt, wahrend er bei einem dritten Teil vollständig entfernt wurde. Der Blindholzertrag aus den verschiedenen Versuchsstücken ist aus nachfolgender Tabelle ersichtlich:

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Aus diesen Aufzeichnungen ist zu entnehmen, daß mit nur zwei vielleicht auf verschiedene Stockstärke oder ungünstige Verhältnisse dieser beiden Individuen zurückzuführenden Ausnahmen die vollständige Entfernung der Geiztriebe empfehlenswert ist. Die Stöcke, an denen die Geiztriebe am Grunde ausgebrochen wurden, ergaben außer in den beiden Fällen das meiste Blindholz. Den geringsten Ertrag lieferten die nicht entgeizten Reben, in der Mitte standen jene Stöcke, deren Geiztriebe auf ein Blatt zurückgenommen wurden. Ein Unterschied in der Ausreife des Holzes derselben Sorte bei verschiedener Geizbehandlung konnte nicht beobachtet werden.

Die drei Partien Blindreben, welche bei dem Entgeizversuch gewonnen wurden, legten wir zur Bewurzelung in die Rebschule ein, um so einen Anhaltspunkt über den Grad ihrer Tauglichkeit als Blindholz zu haben. Die Fähigkeit, sich zu bewurzeln, ist aus folgender Zusammenstellung ersichtlich:

[table]

Diese Übersicht läßt uns erkennen, daß im allgemeinen jene Reben sich am besten bewurzelten und die üppigsten Triebe bildeten,

Geisenheiimer Hericht 1907. 27

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