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Was nun die Gefährlichkeit bei der Handhabung der Giftbrühen betrifft, so gehen die Ansichten darüber heute noch weit auseinander. Die einen, namentlich die Amerikaner, halten sie für den Arbeiter für wenig gefährlich, und tatsächlich werden ja in Amerika Arsensalze schon jahrelang zur Insektenbekämpfung benutzt. Von Vergiftungsfällen hierbei ist mir nichts bekannt geworden.

Anders lautet jedoch die Ansicht eines russischen Pflanzenpathologen, mit dem ich mich über diese Frage unterhalten habe. Er erzählte mir, daß in seinem Vaterlande in neuerer Zeit auch Versuche mit Arsensalzen zur Bekämpfung eines Rübenschädlings ausgeführt wurden, und daß hierbei bereits zwei Vergiftungsfälle zu verzeichnen sind. Der eine derselben erfolgte dadurch, daß ein Arbeiter beim Herstellen einer Schweinfurter Grünbrühe zuviel von dem stark stäubenden Gifte in sich aufgenommen hatte, der andere trat dadurch ein, daß ein Arbeiter, der die Brühe verspritzte, beim Essen von dem an seinen Händen haftenden Gift mit verschluckte. Beide Fälle hätten sich gewiß ja vermeiden lassen, wenn die Leute vorsichtiger mit den Giften umgegangen wären. Allein sie zeigen, daß Unglücksfälle eintreten können, und daß man die Brühen nur gewissenhaften Leuten in die Hand geben darf. Es ist auch nicht zu vergessen, daß, worauf auch schon von Kulisch hingewiesen worden ist, der Arbeitgeber für alle Unfälle, die seine Arbeiter treffen, haftbar ist, so daß er durch einen solchen Vergiftungsfall unter Umständen wirtschaftlich vollständig ruiniert werden kann. Dazu kommt noch, daß auch durch das Verwechseln des Arsens mit anderen im Weinbau und der Kellerwirtschaft im Gebrauche befindlichen Chemikalien leicht Unglücksfälle herbeigeführt werden können. So wurde z. B. nach Metrezat einmal das Arsenik von den Arbeitern für Soda gehalten und damit die Weinfässer gereinigt. Der Wein, der in diesen Fässern gelagert hat, rief nach seinem Genüsse Vergiftungserscheinungen hervor. Und in einem anderen Falle, den Formenti anführt, konnten in einem Weine, nach dessen Genüsse sich gleichfalls Vergiftungserscheinungen einstellten, 13,5 mg Arsen in 100 ccm nachgewiesen werden.

Nach alledem kann das Arsen einstweilen noch nicht zur Benutzung bei der Bekämpfung des Heuwurmes empfohlen werden.

Da in dem arsensauren Blei, das sich seither mit am besten zur Abtötung der Heuwürmer in den Gescheinen bewährt hat, zwei Gifte, nämlich Arsen und Blei, enthalten sind, war es für uns noch von Interesse, zu erfahren, welchen Einfluß das Blei für sich allein auf das Leben dieser Raupen ausübt. Zu diesem Zwecke wurde folgender Versuch ausgeführt.

Eine Anzahl halbreifer Trauben wurde mit einer Aufschwemmung von 5 g Mennige (Pb304) auf 1 1 Wasser (= 72%) von beiden Seiten gründlich bespritzt. Nach dem Abtrocknen waren die Beeren zum großen Teil mit dem roten Belage von Mennige überzogen. Hierauf wurden (am 9. September-) 19 Sauerwürmer verschiedener Größe und von beiden Arten (Cochylis ambiguella und Eudemis botrana) auf die Beeren gebracht. Sie begannen alsbald alle sich in dieselben einzufressen. Schun am 12. September fand sich ziemlich viel Kot von den Raupen vor. Tote Raupen wurden keine beobachtet.

Die mikroskopische Untersuchung des Kotes ergab das Vorhandensein von Mennige in einem Teil desselben. Schon makroskopisch fiel dieser zum Teil durch rote Färbung auf. Das Bleisalz hat also unverändert den Körper der Raupen passiert und konnte somit dieselben auch nicht schädigen.

32. Brauchbarkeit der Fuchsseben Fangbänder zur
Bekämpfung des Hen- nnd Sauerwunnes.

Von Dr. Gustav Lüstner.

Herr Weingutsbesitzer Fuchs-Dattenberg hat zur Bekämpfung des Heu- und Sauerwurmes eine Vorrichtung ersonnen, die aus einem ca. 3 cm langen Röhrchen aus Bambusrohr, an dem ein ca. 22 cm langer Draht befestigt ist, besteht. In das Röhrchen sollen die Heu- und Sauerwürmer, wenn sie sich verpuppen wollen, hineinkriechen, und der Draht soll zum Aufheften der Reben benutzt werden. Fuchs ist der Ansicht, daß während sich die Heu- und Sauerwurmpuppen in den Röhrchen befinden, diese auch noch von anderen Insekten, namentlich von Nützlingen als Schlupfwinkel benutzt werden, die beim Zusammentreffen mit den Puppen diese auffressen, also vernichten würden.

Mit 150 Stück dieser Bänder ist bereits im Jahre 1905 an der Anstalt ein Versuch ausgeführt worden, dessen Ergebnis Seufferheld im Jahresbericht 1905 (S. 12) veröffentlicht hat. Nach ihm ist die Anwendung der Fangbänder in den Weinbergen zu kostspielig.

Herr Fuchs ist nunmehr mit der Bitte an uns herangetreten, festzustellen, wieviel Heu- und Sauerwürmer und andere Insekten sich in seinen Fallen vorfinden, wenn sie vorschriftsmäßig benutzt und zur richtigen Zeit eingesammelt werden. Zu diesem Zwecke wurden Mitte Februar dieses Jahres in unserem Beisein 3500 dieser Fallen einem Fuchsschen Weinberge entnommen und sofort in einen eigens zu diesem Zwecke konstruierten Glaskasten gebracht, der zur Lüftung auf der Ober- und Unterseite mit einem Drahtnetz versehen war und der sofort verschlossen wurde. Herr Fuchs sandte uns diesen Kasten nach Geisenheim, wo er in einem kühlen Zimmer auf einer mit Wasser gefüllten Schale Aufstellung fand. Durch letztere Maßnahme sollte ein Eintrocknen der Puppen des Heu- und Sauerwurmes verhütet werden.

Der Kasten blieb bis in den August hinein sich selbst überlassen, zu welcher Zeit er geöffnet und die Zahl der aus den Röhrchen hervorgekommenen Insekten festgestellt wurde. Die Zählung hatte folgendes Ergebnis:

Einbiudiger Traubenwickler 4

Bekreuzter „ 291

Schlupfwespen 79

Marienkäferchen 12

SpinDen 41

Kleine Wespen (unbestimmte Spez.).... 5

Erdflöhe 2

Rebstichler 1

Weichkäferlarven 13

Kleinschmetterling (unbestimmt) 1

Sonstiges (Tachinen, kl. Käfer, Blattwanzen) . 60

Aus den 3500 Fallen sind somit nur 295 Traubenwicklermotten hervorgegangen, und zwar 4 einbindige und 291 bekreuzte Wickler; das macht auf 100 Fallen 8,4 Motten. Es ist also nur eine sehr geringe Zahl von Raupen, welche die Fallen zur Verpuppung aufsuchen. Daß unter diesen diejenigen des bekreuzten Wicklers vorwiegen, ist darauf zurückzuführen, daß dieselben die Fallen sehr viel lieber annehmen, wie die Raupen des einbindigen Wicklers. Dieses verschiedene Verhalten der beiden Raupenarten haben wir bereits in den Jahren 1899 und 1903 festgestellt (siehe Jahresberichte der Anstalt von den Jahren 1899/1900 und 1903), als wir zu ermitteln versuchten, ob es möglich ist, den Heu- und Sauerwurm mittels „Obstmadenfallen", die aus Holzwolle, resp. Tuchstreifen hergestellt waren, zu bekämpfen. Auch damals zeigte es sich, daß sich der bekreuzte Wickler in derartigen Vorrichtungen viel lieber verpuppt, wie der einbindige.

Von den aus den Fallen hervorgegangenen Nutzungen kommen hauptsächlich die Schlupfwespen, die Tachinen und event. noch die Blattwanzen und Weichkäferlarven für die Bekämpfung des Heuund Sauerwurmes in Betracht Von diesen wurden bei dem Versuche 193 Stück erhalten; in hundert Fallen fanden sich somit von diesen Insekten 5,5 Stück vor.

Aus dem Gesagten ergibt sich, daß die Hoffnungen, die Herr Fuchs auf die Fangbänder gesetzt hat, sich leider nicht erfüllt haben. Die Zahl der damit gefangenen Heuund Sauerwürmer und der daraus erhaltenen Nützlinge ist eine so geringe, daß sich die Anbringung der Fangbänder in den Weinbergen nicht lohnt.

33. Peronospora-Bekämpfungs-Versuche.

Von Dr. Uustav Lüstnor.

Im Fuchsberg kamen in einem Rebenquartiere, das mit der Hybride Riesling x Burgunder bepflanzt ist, verschiedene Mittel zur Bekämpfung der Peronospora zur Anwendung. Zum Teil sind die geprüften Mittel durchaus neu, oder aber es galt bei dem Versuch die Wirkung längere Zeit gelagerter Kupferpräparate zu erproben. Die Versuche mit den pulverförmigen Mitteln sollten über drei Fragen Auskunft geben: erstens, ob sie imstande sind, die Brühen zu ersetzen, zweitens, ob durch sie die Blüten- und Traubeninfektionen verhindert werden können, und drittens, ob durch eine Verbindung von Pulver und Brühe, d. h. dadurch, daß die Reben bei der ersten

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