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daß die beiden Griffel miteinander verwachsen sind. Außerdem ist sie ausgezeichnet durch einen bindfadenstarken, ästigen, meist rot gefärbten Stengel. Auf beistehender Abbildung (Fig. 74) ist der Blütenstand deutlich zu erkennen. Nach Garcke (Illustrierte Flora von Deutschland, 18. Aufl., S. 421) kommt diese Art vorwiegend auf Ahorn, Pappeln und "Weiden schmarotzend vor. Ihr Verbreitungsgebiet scheint nur der Norden und Westen von Deutschland zu sein, wo sie an bestimmten Stellen an der Elbe, Saale, Havel, Spree, ferner in Schlesien, Posen, Ost- und Westpreußen u. a. 0. bis jetzt gefunden wurde.

Um die Verbreitung des Parasiten zu verhindern, haben wir dem Einsender geraten, die befallenen Triebe sofort abzuschneiden und zu verbrennen, und zur Verhinderung des Auswachsens der aus den bereits ausgefallenen Samen entstehenden Keimlingen im nächsten Frühjahr den Boden unter dem befallenen Spalier öfters umzugraben.

30. Auftreten ron Xylaria hypoxylon auf Rebpfählen.

Von Dr. Gustav Lüstner.

Auf älteren Pfählen trifft man in den Weinbergen des Rheingaues häufig den Holz- oder Fingerpilz (Xylaria hypoxylon) an. Diesen letzteren Namen verdankt der Pilz dem Umstand, dali sein Körper nach oben zu in mehrere Äste ausläuft, wodurch er eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Hand, deren Finger ausgestreckt sind, erhält. Dieser Pilz gehört zu den Fäulnisbewohnern. Überall, wo Holz an feuchten Stellen verfault, stellt er sich auf diesem ein und trägt durch seine Tätigkeit zu dessen Vermoderung bei. Namentlich im Walde trifft man ihn häufig auf alten Baumstrünken an» auf denen die strauchähnlichen Pilzkörper Miniaturbestände bilden. Auch auf Mist oder auf humusreicher Erde sieht man den Pilz nicht selten wachsen.

Der Körper des Pilzes, der auch eine große Ähnlichkeit mit einem Geweih hat, ist in seinem unteren Teile schwarz gefärbt, und bei genauer Betrachtung erkennt man, daß dieser Teil wollig behaart ist. Die oberen Enden, die meist abgeflacht sind, sind weiß, welche Farbe durch die hier in großen Mengen entstehenden Konidien hervorgerufen wird. Diese werden in so großer Menge gebildet, daß, wenn man einen Fruchtkörper auf eine schwarze Unterlage legt, sie bald auf diese herabfallen und sie in Form eines weißen Pulvers bedecken. Mit diesen Konidien verbreitet sich der Pilz.

Der Fingerpilz hat insofern ein gewisses Interesse für den Weinbauer, als er die Rebpfähle vorzeitig unbrauchbar macht; er zählt also zu den Pfahlzerstörern. Er ist keineswegs eine Seltenheit in den Weinbergen, sondern im Gegenteil an feuchten Stellen in denselben sehr häufig. Man trifft ihn an solchen Örtlichkeiten fast stets an den unteren Teilen der Pfähle an der Stelle an, wo dieselben in die Erde übergehen, weil er hier immer die für sein Leben notwendige Feuchtigkeit findet. Seine Fäden dringen hier in den Holzpfahl hinein, führen ihn in Fäulnis über und bewirken dadurch, daß der Pfahl an der befallenen Stelle alsbald abbricht. Auch auf anderen zufällig in den Weinbergen umherliegenden Hölzern sieht man den Pilz bei längere Zeit andauerndem feuchtem Wetter zuweilen erscheinen.

Aus dem Gesagten folgt, daß der Pilz imstande ist, dem Winzer Schaden zuzufügen, weshalb es zweckmäßig ist, alle Holzteile, auf denen sich derselbe zeigt, aus den Weinbergen zu entfernen und durch Verbrennen zu vernichten.

C. Bekämpfungsversuche. 31. Bekämpiungsversuche gegen den Heu- und Sauerwurm.

Von Dr. Gustav Lüstner.

Nachdem alle seither zur Bekämpfung des Heu- und Sauerwurmes empfohlenen Maßnahmen, das Auslesen der Heuwürmer aus den Gescheinen und das Auslesen der sauerfaulen Beeren aus den Trauben, das Bespritzen und Bestäuben der Gescheine mit Flüssigkeiten und mit Pulvern, das Betropfen der Gescheine mit Ölen, das Sammeln der Winterpuppen, das Anlocken und Fernhalten der Motten von den Stöcken und das Fangen derselben mit Lampen und Klebefächern sich in der Praxis nicht haben einbürgern können, weil ihre Durchführung zu viel Zeit und Arbeitskräfte erfordert, resp. mit ihnen nichts erreicht wurde, hat man zur Vernichtung des Schädlings in neuerer Zeit auch in Deutschland einen anderen Weg eingeschlagen. Man versucht nunmehr die Raupen zu vergiften, indem man ihre Nahrung, d. h. die Gescheine mit Giftbrühen bespritzt., so daß sie beim Fressen des so behandelten Futters zugrunde gehen müssen. Es ist dies nicht etwa eine neue Bekämpfungsmethode, sondern man geht gegen andere Insekten schon jahrelang in genau derselben Weise vor und hat dabei sehr beachtenswerte Erfolge erzielt .

Am längsten bekannt ist diese günstige Wirkung der Gifte, namentlich des Arseniks wohl in den Museen, wo sie zum Schutze von Tierbälgen gegen die diese zerstörenden Insekten benutzt werden.

Schon im Jahre 1837 gibt Kollar (Naturgeschichte der schädlichen Insekten, S. 407 u. 408) bei der Beschreibung des* Speckkäfers (Dermestes ladarius) an. daß es, um die Tierbälge gegen die Larven dieses Insektes zu schützen, kein anderes Mittel, als die eigentlichen Gifte, und darunter vorzüglich den Arsenik gibt. Man nannte die Masse, mit der die Tierbälge damals konserviert wurden und die in ähnlicher Zusammensetzung noch heutzutage im Gebrauch ist, Arsenikseife und sie bestand aus:

12 Lot fein pulverisiertem Arsenik,
7 „ venetianischer Seife,
3 „ Weinsteiusalz,

l1/»" Mehlkalk (in der Luft zerfallener ungelöschter Kalk).

Und eine ganz ähnliche Angabe über die Verwendung des Arseniks zur Insektenvertilgung macht 1869 Nördlinger (Die kleinen Feinde der Landwirtschaft, S. 69). Dortselbst heißt es: „Das vorzüglichste aber auch gefährlichste Mittel zum Einreiben und Schutz von leblosen Gegenständen bleibt Arsenik (weißer Arsenik, arsenige Säure). Derselbe wird entweder als (Arsenik) Seife angewendet, wie beim innerlichen Bestreichen der Tierbälge; in nicht verschlossenen Räumen stäubt derselbe jedoch gern und ist somit gefährlich. Um lästige Insekten zu töten, wird der Arsenik mit ihrer Nahrung vermischt und in Winkel, Schiebladen und Schränke gelegt, wo er weder von Kindern, noch von Haustieren erreicht werden kann."

Sehr alt ist endlich auch die Benutzung des Arseniks zur Herstellung des Fliegenpapiers, das früher häufig zum Töten der Stubenfliege Verwendung fand. Nach der Real-Enzyklopädie der gesamten Pharmacie, Band V, wird zu seiner Anfertigung Löschpapier, welches rot gefärbt und mit entsprechendem Aufdruck versehen ist, benutzt Dieses Papier wird durchtränkt mit Kalium arsenicicum 2,5 g, Saccharum 10 g, aqua 100 g, Ananasäther gtt. V. Zur Benutzung wird dieses Papier auf einen Teller gelegt und mit Wasser befeuchtet. In neuerer Zeit ist dieses Präparat durch die mit Klebstoff versehenen Fangvorrichtungen verdrängt worden. Auch der mineralische Arsenik, der unter anderen den Namen Fliegenstein trägt, wurde früher vielfach zur Bereitung von Fliegenwasser benutzt, da er mit lufthaltigem Wasser allmählich zu arseniger Säure oxydiert wird und so in geringer Menge in Lösung geht. (Real-Enz". d. g. Pharm.)

Zur Bekämpfung der an den Nutzpflanzen lebenden Insekten wurden Arsensalze seither hauptsächlich in Amerika, danach auch in Algier und Frankreich gebraucht. Die Benutzung des weißen Arseniks zu diesem Zwecke datiert dort nach Hollrung (Handbuch der chemischen Mittel gegen Pflanzenkrankheiten) nachgewiesenermaßen bis zum Jahre 1871 zurück, vermutlich ist er dort jedoch schon früher in Gebrauch gewesen. Von anderen Arsenverbindungen wurden in Amerika seither hauptsächlich benutzt: Schweinfurter oder Pariser Grün, Londoner Purpur und arsensaures Blei, ferner arsenigsaures Natron und Kali und arsenigsaures Kupferoxyd (Scheeles Grün). Die Anwendung dieser Gifte erfolgte meist in Form von Brühen, seltener in Pulverform.

Die meiste Verwendung fanden die Arsensalze in Amerika seither wohl zur Bekämpfung der Obstmade, d. h. der Raupen des Apfelwicklers (Carpocapsa pomonelia). Dieser Schädling zeigt sich dort zuweilen in solchen Mengen, daß ihm häufig fast die ganze Kernobsternte zum Opfer fällt Die dortigen Obstzüchter brachten im Laufe der Zeit alle nur denkbaren Maßnahmen gegen ihn zur Anwendung, allein keine derselben hat sich bewährt. In ihrer größten Not griffen sie dann endlich zu Giften und versuchten damit die Obstmade umzubringen. Sie verwendeten hierzu die bekannten Arsenverbindungen Pariser Grün und Londoner Purpur. Diese Gifte wurden in Wasser verteilt, und mit den so erhaltenen Brühen die Bäume bespritzt. Dabei trat jedoch etwas ein. was die Amerikaner nicht erwartet hatten. Es zeigte sich nämlich, daß durch die Bespritzungen das junge Laub der Bäume verbrannt wurde, so daß an eine weitere Verwendung der Gifte einstweilen nicht gedacht werden konnte. Die Obstzüchter setzten jedoch trotzdem die begonnenen Arbeiten foit und versuchten, den Giftbrühen diese schädliche Nebenwirkung zu nehmen. Sie erreichten dies bald dadurch, daß sie den Giftbrühen Kalk hinzufügten und zwar nahmen sie auf 100 1 Wasser 80 g Pariser Grün oder Londoner Purpur und 80—160 g gebrannten Kalk. Beim Verwenden dieser Brühen nach der Blüte zeigten sich an den Bäumen keinerlei Schäden, während sich dieselben gegen die Obstmaden als vollkommen hinreichend erwiesen. Diese Erfolge waren so gute, daß in Obstanlagen, in welchen früher fast alle Früchte durch diesen Schädling zerstört worden waren, die Früchte bis zu 95% gesund blieben. Aus diesem Grunde gehen in Amerika immer mehr Obstzüchter zur Bekämpfung der Obstmade namentlich mit Pariser Grün über.

Nachdem sich so die Arsensalze gegen die Obstmade gut bewährt hatten, versuchte man sie alsbald auch zur Abtötung anderer Schädlinge. So z. B. in Colorado zur Vernichtung von Raupen, die die Blätter der Zuckerrüben zerstören, in den Tropen zur Vernichtung von Käfern, die die Blätter der Teepflanzen, und von Raupen, die das Laub der Baumwollstauden befressen. Alle diese Versuche endigten mit einem guten Resultat.

Interessanter für uns sind die Angaben in der Literatur über die Benutzung von Arsensalzen zur Bekämpfung von Rebschädlingen. Auch diese wurden zuerst in Amerika und später in Algier angestellt und zwar zunächst gegen einen Schädling, der bei uns in den Weinbergen noch nicht vorkommt: den Erdfloh der Rebe, Haltica ampelophaga. Die Erfolge, die hierbei erzielt wurden, sind als gute zu bezeichnen. Allein man begnügte sich trotzdem nicht damit, sondern legte sich noch die Frage vor, ob es nicht möglich sei. durch ein Hinzufügen von Arsen zu der Kupferkalkbrühe, neben dem Erdfloh zugleich auch die Peronospora zu bekämpfen. Nach Degrully kommen in neuerer Zeit in Algier beide Methoden kombiniert zur Anwendung und zwar so, daß bei der ersten Behandlung, die beim Austreiben der Stöcke erfolgt, mit reiner Arsenbrühe gespritzt wird, und bei der zweiten, die unmittelbar vor der Blüte vorgenommen wird, der Arsenik der Kupferkalkbrühe zugefügt wird. Durch diese Maßnahmen ist es gelungen, die Reben gesund zu erhalten.

In ganz ähnlicher Weise ging Chuard gegen den in einzelnen Teilen Frankreichs sehr stark auftretenden Springwurmwickler vor, und er gibt an, daß seine Kupfervitriolarsenbrühe sowohl gegen die Peronospora, als auch gegen den Springwurm gut gewirkt habe.

Es dauerte nunmehr nicht mehr lange, bis die Arsenbrühen auch zur Vertilgung des Heu- und Sauerwurmes benutzt wurden. Die ersten diesbezüglichen Versuche wurden in Amerika ausgeführt,

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