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Bäurnchen alsdann vor ein Ostfenster der Station gestellt. Jedes der Bäumchen erhielt drei Impfwunden, von denen eine flach unter der Erde an der Unterlage, eine am Stämmchen und eine an einem Ästchen angebracht wurde. Schon nach kurzer Zeit zeigte es sich hierbei, daß der Pilz in seiner Fusidium-Form eine ungemein starke Infektionskraft besitzt, denn wenn die Fusidium-Sporen in die "Wunden am Stamm und dem Ästchen des Versuchsbäumchens gebracht worden waren, fingen sie fast sofort an, sich zu vergrößern und nehmen bis heute noch ständig an Umfang zu. Bereits am 30. August, also nur 4 Monate nach der Impfung, zeigte die Impfstelle am Stämmchen das Aussehen, wie es die Fig. 71 wiedergibt. Am 21. Februar 1908 zurzeit der Niederschrift dieser Veröffentlichung, hatte die Impfwunde, die anfangs nur 1 cm lang war, eine Länge von 6 cm erreicht und erstreckte sich über den halben Umfang des Stämmchens. Die Infektion an dem Ästchen machte keine so schnelle Fortschritte. Die Impfwunde, die hier anfangs nur eine Größe von 0,5 cm hatte, hatte am 3. Februar einen Längsdurchmesser von nicht ganz 3 cm, bei einer Breite von 1,5 cm. An der auf der Unterlage befindlichen Impfstelle griff der Pilz überhaupt nicht an. Die hier angebrachte Wunde ist mit der Zeit normal verheilt. Die Infektionsversuche mit Ascosporen verliefen, vielleicht weil sie sich in einem nicht geeigneten Zustande befanden, ergebnislos.

Unser Fusidium zeigt somit eine viel stärkere Infektionskraft, wie das seinerzeit von Aderhold (Centralblatt für Bakteriologie, Bd. IV, S. 625) beschriebene. Aderhold erhielt bei seinen an Apfelbäumchen ausgeführten Impfversuchen, bei denen er teils Nadelstiche, teils kleine Einschnitte mit einer lanzettförmigen Nadel ausführte, nur kleine, 2—4 mm breite Absterbungszonen um die Verletzung herum, während sich bei meinen Versuchen die Absterbungserscheinungen um die Impfwunde herum sehr schnell ausbreiteten, so daß bereits vier Monate nach der Impfung das Bild einer typischen Krebswunde zustande kam (s. Fig. 71). Es hat somit allen Anschein, daß unser Fusidium in den Entwicklungsgang der Nectria ditissima gehört, was im Laufe des nächsten Jahres festgestellt werden soll.

25. Über ein stärkeres Auftreten des Birnengitterrostes (Gyninospurangium Sabinae) auf BirnfrUchten.

Von Dr. Gustav Lüstner.

Eine interessante Beobachtung über das Auftreten des Gitterrostes konnten wir an Birnen machen, die uns am 7. Januar aus Saarburg zugesandt wurden. Die Sendung enthielt 4 Früchte, die ungemein stark von diesem Pilze befallen waren. Die eine derselben war vollständig mit den Aecidien des Gymnosporangium bedeckt, während bei den anderen die Aecidien nur über den größten Teil der Fruchtoberfläche dicht nebeneinanderstehend verteilt waren, so daß ein Teil der letzteren frei von ihnen blieb. In diesen Fällen fanden sich die Aecidien entweder in den unteren Teilen der Frucht, vom Stielansatze beginnend und sich bis zur Fruchtmitte erstreckend, vor, oder sie nahmen die Hälfte bis Dreiviertel der Seitenflächen der Frucht ein. Auch ein mitgeschickter Trieb erwies sich bei der Untersuchung als von dem Gitterrost befallen; auf demselben wurden die Aecidien an einer Verzweigungsstelle aufgefunden. Sowohl dieser Trieb als auch die Früchtchen waren durch den Befall stark in ihrer Entwicklung zurückgeblieben und zeigten ein krüppelhaftes Aussehen. Die beistehende Photographie (Fig. 72) läßt erkennen, in wie starker Weise der Pilz die genannten Birnentriebe heimgesucht hat. Es ging dies auch aus dem Begleitschreiben der Sendung hervor. In demselben wurde augegeben, daß die Birnen einem Hausgarten entstammen, in dem sämtliche Sorten von dieser Krankheit heimgesucht waren. Auch auf den Nachbargrundstücken soll sie, wenn auch in geringerer Stärke, beobachtet worden sein. Die befallenen Früchte gelangten nicht zur Entwicklung, sondern

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stellten, als sie ungefähr walnußgroß geworden waren, ihr Wachstum ein.

Genau dasselbe Auftreten des Gitterrostes konnten wir vor einigen Jahren an Birnfrüchten und Birntricben, die uns von der Mittelmosel aus zugeschickt worden waren, feststellen. Es handelte sich hierbei jedoch nur um ein vereinzeltes Vorkommen des Pilzes auf den genannten Birnteilen, während sich der Parasit in dem vorliegenden Fall epidemisch auf ihnen zeigte.

26. Gloeosporiuinteiiulc an Kirschen.

Von Dr. Gustav Lüstner.

Aus York, Bez. Hamburg, erhielten wir am 26. Juli eine Anzahl Kirschen, die zum Teil vollständig in Fäulnis übergegangen waren, zum Teil nur größere oder kleinere Faulstellen an ihrer Oberfläche erkennen ließen. Nach der Angabe des Einsenders schrumpfen diese Kirschen im Laufe der Zeit ganz oder stellenweise ein, weshalb die Erscheinung von den dortigen Kirschenzüchtern mit dem Namen „Auf densteinschlagen" belegt worden ist. Bei der Untersuchung des eingesandten Materiales wurde erkannt, daß das Fauligwerden auf einen Pilz, Gloeosporium fructigenum Berk. zurückzuführen ist. Diese Art von Fäulnis an Kirschen ist von Osterwalder genau beschrieben und abgebildet worden (Bakteriol. Centralbl. IL Abt., XI. Bd., S. 225), und stimmen dessen Angaben darüber vollständig mit unseren eigenen Beobachtungen überein. Es lagen uns zwei verschiedene schwarze Kirschsorten vor, an denen die Einschrumpfung der infizierten Partien unter Faltenbildung deutlich zu erkennen war. Die eingeschrumpften Partien färben sich im Verlaufe der Krankheit braun, und es entstehen dabei auf ihnen die Konidienlager des Pilzes in Gestalt von kleinen, weißen rundlichen Pusteln. Hierdurch bekommen die erkrankten Früchte eine gewisse Ähnlichkeit mit solchen, die von Monilia befallen sind.

Die Angaben, welche Osterwalder über die Größe der Sporen des Gloeosporium fructigenum macht, decken sich nicht mit den Befunden von Rabenhorst und Saccardo. Während sie letztere 20—30 (t lang und 5—6 n dick fanden, beobachtete Osterwalder nur solche von ca. 14,64 it Länge und ca. 4,88 (i Breite. Unsere eigenen Messungen hatten dasselbe Ergebnis wie die Osterwalderschen, denn wir trafen nur Sporen von 14—16 fi Länge und 4—6 /< Breite an; auch die von Osterwalder für die Sporen beschriebene Vakuole wurde von uns beobachtet.

Da Gloeosporium fructigenum u. a. auch auf Äpfeln vorkommt und hier eine ähnliche Fäulnis erzeugt, wie wir sie soeben für Kirschen beschrieben haben, und die namentlich in Amerika unter den Namen „bitter rot" (Bitterfäule) bekannt ist, wurde versucht, den Pilz von Kirschen auf Äpfel zu übertragen. Der Versuch gelang. Schon wenige' Tage nach der Impfung begann die infizierte Partie unter Braunfärbung einzusinken, wobei die für den Pilz charakteristischen Konidienpolster zum Vorschein kamen. Die in diesem gebildeten Sporen stimmten vollständig mit denen auf den Kirschen vorgefundenen überein. Die letztere Beobachtung stimmt gleichfalls wieder mit den von Osterwalder gemachten überein, denn derselbe stellte fest, daß Größenunterschiede zwischen den von dem Pilze auf Kirschen gebildeten und den auf Äpfeln erzeugten Sporen nicht bestehen.

'27. Auftreten einer Nectria- und Fusidium-Art auf den Früchten des Apfelbaumes.

Von Dr. Gustav Lüstner.

Auf den Äpfeln, die uns von Gehlert bei Hachenberg zugeschickt worden waren, und in denen wir die Argyresthia conjugella ermittelten, stellten sich während des Zuchtversuches. den wir mit letzterer ausführten, alsbald verschiedene Pilze ein, die die Früchte im Laufe der Zeit in Fäulnis überführten. Meist waren dies die bekannten Obstfäule-Erreger Pennicillium glaucum und Cephalothecium roseum, daneben beobachteten wir aber auf einigen wenigen Früchten einen Pilz, der unseres Wissens seither auf Äpfeln noch nicht gefunden wurde: nämlich eine Nectria-Art. Höchstwahrscheinlich ist dieselbe identisch mit Nectria coccinea (Pers.), denn die Größe ihrer Sporen stimmt am meisten mit denjenigen dieser Art überein. Wir maßen Sporen mit 13—16 n Länge und 6—8 /i Breite. Die Perithecien, die einem anfangs gelblichen, später braunen Stroma entspringen, brechen gruppen- oder herdenweise aus der Fruchthaut hervor. Sie sind anfangs kugelig, später lang-birnförmig mit papillenförmigem Ostiolum; ihre Oberfläche ist glatt. Die Farbe ist anfangs gelbrot, danach blutrot, zuletzt braunrot. Auf einer Frucht waren die Perithecien in solchen Mengen vorhanden, daß ihre ganze Oberfläche mit ihnen bedeckt war (s. Fig. 73b).

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Neben dieser Nectria-Art trafen wir auf einigen Apfelfrüchten auch eine Fusidium-Art an, die vielleicht in den Entwicklungsgang der ersteren gehört. Sie erschien hier, wie dies Fig. 73 a zeigt, in Form von kleineu rein weißen oder auch gelblichweißen Schimmelraschen, die unregelmäßig über die Fruchtoberfläche verteilt waren und in einem Falle dieselbe vollständig bedeckten. Die in diesen Raschen vorhandenen Sporen waren meist einzellig, daneben wurden aber auch 2—5 zellige beobachtet. Letztere, die meist eine schwach gekrümmte, wurstförmige Gestalt besaßen, wurden namentlich in unmittelbarer Nähe der Perithecien vorgefunden. Die kleinen Sporen waren 4—6 fi lang und 2—3 n breit, die großen 4—4,8 fi lang und 2—4,4 p breit. Ob diese verschiedenen Sporenformen zu ein und demselben Pilze gehören, müssen weitere Untersuchungen zeigen.

Die Früchte, auf denen wir die Nectria- und die Fusidium-Art antrafen, gingen im Laufe der Zeit vollständig in Fäulnis über, wobei sie sich in Mumien verwandelten.

28. Ein Beitrag zur Biologie der Plasmopara (Peronospora)

viticola.

Von Dr. Gustav Lüstner.

Ob den Winter- oder Oosporen der Plasmopara viticola tatsächlich die Bedeutung zukommt, die man ihnen seither beilegt, scheint uns nach dem Ergebnis unserer Untersuchungen sehr fraglich. Denn trotz häufig vorgenommener Untersuchungen von an Plasmopara erkrankten Rebblättern im Herbst und im Frühjahr ist es uns seither noch nicht gelungen, auch nur eine einzige Winterspore des Pilzes zu finden. Wenn diese Sporen bei uns also überhaupt gebildet werden, so entstehen sie nur selten, und auch in Frankreich scheint dies der Fall zu sein, denn weder im Laboratorium des Herrn Capus, noch in demjenigen des Herrn Pacottet konnten uns Präparate dieser Sporen vorgelegt werden. Die Annahme, daß die Plasmopara bei uns ihre Wintersporen nicht ausbildet, ist nicht kurz von der Hand zu weisen, denn einmal sind diese Gebilde bei einem nahe verwandten Pilze, dem Kartoffelpilz (Phytophthora infestans), der wie die Plasmopara von Amerika aus zu uns gekommen ist, bei uns auch noch nicht nachgewiesen worden, und dann bildet auch das aus demselben Lande stammende Ofdinm der Rebe seine Winterform bei uns nur selten aus. Sollten diese Verhältnisse bei der Plasmopara tatsächlich so liegen, so entsteht jedoch die neue Frage, in welcher Form und an welchem Orte dieser Parasit bei uns den Winter überdauert. Nach den Untersuchungen von Istvanffi, die wir bereits früher schon bestätigen konnten, lebt das Mycel der Plasmopara nicht allein im Innern der Blätter, der Blütenknospen und der Trauben, sondern man trifft es auch, und zwar auch im Winter, in den Rebtrieben an. Was jedoch hier im nächsten Jahre aus ihm wird, ist noch nicht bekannt.

29. Über eine auf dem Birnbaum schmarotzende Seideart

(Cuseuta lupuliformis).

Von Dr. Gustav Lüstner.

Auf Obstbäumen ist unseres Wissens eine Seide seither noch nicht beobachtet worden. Es war deshalb für uns von großem Interesse, als uns Ende August dieses Jahres aus Aßmannshausen einige Birntriebe überbracht wurden, die ebenso wie die Stiele der daran sitzenden Blätter stark von einer Seide übersponnen waren. Durch die Bestimmung wurde dieselbe als die hopfenartige Seide = Cuseuta lupuliformis erkannt. Es ist dies eine Art, die in doppelter Beziehung von den anderen abweicht. Einmal dadurch, daß ihre Blüten nicht wie gewöhnlich in Köpfchen, sondern in ährenförmigen Rispen gebildet werden, und dann durch den Umstand.

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