Abbildungen der Seite
PDF
EPUB

strat voraus, ist aber unabhängig von Rissen und spontanen Abschilferungen der Rinde. Biologisch stellt diese Art der Schildbildung jedenfalls eine sehr merkwürdige und bisher in diesem Umfange nicht bekannte Einrichtung verstärkten Schutzes der auch sonst an ihre Lebensweise so vorzüglich angepaßten Diaspinen dar.

c) Zur Entwicklungsgeschichte und Morphologie.

Diaspis fallax überwintert als geschlechtsreifes Weibchen. Die Eiablage zieht sich von Ende Mai bis Ende August hin; erst im abgelegten Ei entwickelt sich die Larve, Geschlechtsunterschiede der Larven waren bisher nicht bekannt, es ließ sich aber feststellen, daß wenigstens die der Häutung nahen Larven Unterscheidungsmerkmale aufweisen. Dieser Dimorphismus beruht auf einer Annäherung an die Form des aus der nächsten Häutung hervorgehenden Stadiums und tritt besonders am Umriß des Körpers und an der Segmentierung des Hinterleibes in die Erscheinung.

Etwa drei bis vier Wochen nach der Eiablage erfolgt die erste Häutung der Larven, wobei die Nymphe nach unten aus der Exuvie heraustritt. Die weibliche Nymphe hat im wesentlichen dieselbe Gestalt, wie das aus einer folgenden Häutung hervorgehende geschlechtsreife Weibchen; ihr Hinterleibsrand ist jedoch einfacher gebaut. Daß bei der zweiten Häutung die Exuvie gespalten wird, ist schon oben erwähnt; merkwürdig ist dabei, daß trotzdem die charakteristische Verschiebung des Mundgerüstes au den Hinterleibstattfindet.

Im männlichen Geschlecht werden noch zwei weitere Zwischenstadien eingeschaltet, indem auf die Nymphe die Propuppa mit Extremitätenanfängen und die Puppe, mit hinzukommender Anlage des Analgriffels, folgen. Beide Stadien sind ohne Organe für die Nahrungsaufnahme und durch eine Häutung voneinander getrennt. Den Männchen unseres Diaspis fehlen bekanntlich die Flügel, von welchen auch in den beiden Vorstadien keine Rudimente nachweisbar sind.

Einige Tage nach den letzten Eiern konnte ich Ende August die ersten ausgeschlüpften Männchen beobachten. Es waren somit um diese Zeit alle Entwicklungsstufen von der Larve an vertreten bei einer vom Ei bis zur Imago etwa drei Monate umfassenden Entwicklungsdauer des Einzeltieres. Bei Eintritt des Winters ist die Entwicklung der Männchen durchweg abgeschlossen; die noch weit bis ins nächste Jahr vorhandenen männlichen Schilde sind alle leer, während die weiblichen Schilde nur geschlechtsreife Tiere enthalten.

Es ergibt sich aus diesen Beobachtungen, daß Diaspis fallax bei uns jährlich nur eine Generation vollendet, wobei allerdings die Eiablage sich sehr lange hinzieht .

Bei manchen Schildläusen, wie z. B. bei Mytilaspis pomorum, müssen wir bekanntlich parthenogenetische Vermehrung annehmen, da bei ihnen männliche Individuen entweder ganz fehlen oder äußerst selten gefunden werden. Die gleiche Annahme scheint mir wenigstens für einen Teil der fallax-Weibchen notwendig zu sein trotz der relativ großen Zahl von Männchen, die zu gleicher Zeit mit den geschlechtsreifen Weibchen auftreten. Diese letzteren sind nämlich einesteils durch den in die Rinde eingefügten Schild vollständig nach außen abgeschlossen, und andererseits entwickeln sich viele von ihnen unter mehreren Lagen abgestorbener Tiere oder in Rissen und Spalten der Rinde, so daß es nicht einzusehen ist, wie die Männchen zu ihnen gelangen sollten. Und doch bringen diese verdeckten weiblichen Tiere regelmäßig ebenso zahlreiche Eier hervor, wie diejenigen, welche sich unter frei der Rinde aufliegenden Schilden entwickelt haben.

14. Über einen bisher In Deutschland noch nicht beobachteten Schädling der Gartenerdbeere.*)

Vom Assistenten Dr. H. Morstatt.

Auf den Erdbeerquartieren der Kgl. Lehranstalt wird seit Sommer 1906 eine Krankheit der Erdbeerblätter beobachtet, welche bisher hier nicht bekannt war. Da sie 1907 wieder auftrat und durch ihre Verbreitung eine erhebliche Schädigung des ganzen Wachstums der Erdbeerpflanzen verursachte, wurden die Pflanzen eingehend untersucht, um den Grund der Beschädigung zu ermitteln und womöglich eine Bekämpfung der Krankheit einleiten zu können. Dabei zeigte es sich, daß die Krankheitserscheinungen von einer sehr kleinen Milbe hervorgerufen werden, die an den jungen Teilen der Pflanze in großer Zahl auftritt und dort durch ihr Saugen Verletzungen der Oberhaut bewirkt.

Die Milbe wurde 1905 als Tarsonemus fragariae Zimmermann beschrieben; sie ist bisher nur aus Mähren und aus Finnland bekannt geworden. Der hiesigen Station wurde sie im August noch aus Niederlahnstein eingesandt.

Die Krankheit zeigt sich in eiuer Kräuselung und Verkrümmung der Blätter; zugleich bleiben die befallenen Pflanzen im Wachstum zurück. An den älteren und stark veränderten Blättern ist der Schädling jedoch nicht vorhanden, wir finden ihn an den jungen, noch zusammengefalteten Blättchen und am Grunde der Blattstiele in den Blattscheiden und Ausläuferknospen. Unter einer guten Lupe kann man die Ansiedlungen der Milbe dort deutlich erkennen, es lassen sich damit sogar die weißen Larven von den bräunlich gefärbten ausgewachsenen Tieren unterscheiden. Die letzteren erreichen eine Länge von l/t mm.

Die Weiter Verbreitung des Tarsonemus fragariae erfolgt durch die Ausläufer, weshalb eine sorgfältige Entfernung der befallenen Pflanzen aus den Beeten notwendig ist. Besonders aber ist die Überwachung neu bezogener Pflanzen ratsam, damit nicht die Krankheit an Orte verschleppt wird, wo sie bisher nicht aufgetreten ist. Schon jetzt läßt sich ein Unterschied in der Stärke

') Die Originalarbeit erschien in der Deutschen Landwirtschaft!. Presse, 1908.

des Befalls bei den einzelnen Soiten erkennen. Am meisten werden liier zwei Sorten geschädigt, Laxtons Noble und Souvereign, die übrigen sind weniger befallen nnd eine, Lucida perfecta, ist bisher ganz frei davon geblieben.

Die von Zimmermann angestellten Versuche zur direkten Bekämpfung des Schädlings, z. B. Räucherungen mit Tabak und Einwirkung von Schwefelkohlenstoff- oder Formalindämpfen, erwiesen sich als unwirksam oder den Pflanzen schädlich. Somit bleibt als durchgreifendes Verfahren bisher nur die Entfernung und Vernichtung aller erkrankten Pflanzen übrig. Gleichwohl wird sich vielleicht die verderbliche Vermehrung der Milbe einschränken lassen durch starke Bewässerung, da bekanntermaßen die Milben gegen Nässe empfindlich sind. Das hier beobachtete periodische Nachlassen der Krankheit läßt sich ebenfalls auf feuchte Witterung zurückführen. Auch können Milben nach neueren Beobachtungen durch Ammoniak getötet werden, und es besteht die Möglichkeit, daß stark verdünnte Ammoniaklösungen auch in unserem Falle wirksam sind, ohne den Pflanzen zu schaden. Wir beabsichtigen, im Laufe dieses Jahres nach diesen beiden Gesichtspunkten Versuche anzustellen.

II. Durch ungünstige äufsere Einflüsse hervorgerufene Krankheiten

der Kulturpflanzen.

15. Über Windschatten an Obstbäumen.x)

Voq Dr. Gustav Lüstner.

Anschließend an meine in der „Deutschen Landw. Presse-' (1904, No. 49) veröffentlichte Arbeit „Über die Ursache der Mombacher Aprikosenkrankheit", worin ich die Vermutung aussprach, daß das Eintrocknen des Blattrandes bei dieser Krankheit auf die Wirkung der dort häufigen Winde zurückzuführen sei, habe ich versucht, ähnliche Erscheinungen an Bäumen in der hiesigen Gegend aufzufinden. Dabei ist es mir gelungen, an solchen nicht allein die nämlichen Vertrocknungserscheinungen zu beobachten, sondern auch die alleinige Ursache dieses Falles der Rand- und Spitzendürre festzustellen.

Diese Beobachtungen erstrecken sich auf einen in meinem Hausgarten stehenden Zwetschenbaum und eine große Zahl alter und junger im Muttergarten der Kgl. Lehranstalt wachsender Steinobstbäume. An erstcrem beobachtete ich Rand- und Spitzendürre schon seit mehreren Jahren. Sie stellte sich hier im Sommer ganz, plötzlich ein und zwar derart, daß eine Seite der Krone, meist die westliche, den Schaden am stärksten aufweist. Dabei wurde häufig festgestellt, daß die am stärksten betroffenen Blätter sich vorzeitig vom Baume loslösten. Während eines Sturmes am 21. Juni 1907 zeigte es sich nun, daß an vielen Blättern die Spreite am Rande und an der Spitze welk war, während die übrigen mittleren Teile

') Die Originalarbeit erscheint in der Zeitschrift für Pflanzenkrankheiten.

Geisenhomior Bericht 1D07. ^O

noch vollkommen turgescent erschienen. Die welken Teile begannen alsbald einzutrocknen und wiesen am 23. Juni bereits eine braune Farbe auf. Die "Vertrocknungserscheinungen erstreckten sich jedoch nicht allein auf die Blätter, sondern auch, wenn auch nur vereinzelt, auf die Triebspitzen. In diesem, ohne allen Zweifel vom Winde hervorgerufenen Falle von Band- und Spitzendürre treten die Absterbeerscheinungen au den Blättern genau in derselben Weise ein, wie es Aderhold für die Aprikosenkrankheit beschrieben hat.

Dieselben Beschädigungen fand ich in den folgenden Tagen an vielen Steinobstbäumen im Muttergarten der Kgl. Lehranstalt, die vor Eintritt des Windes noch völlig gesund waren. Auch hier zeigten sie sich hauptsächlich auf der Westseite, weil der Wind, der sie verursachte, aus Süd-West wehte. Namentlich waren es freistehende Bäume, welche diese Schäden aufwiesen, während die geschützt stehenden nur Spuren davon erkennen ließen. Einige Tage später, nachdem die Windschäden mit aller Deutlichkeit und schon von weitem erkennbar in die Erscheinung getreten waren, ließ sich auch feststellen, daß der Einfluß stärkeren Windes auf das Laub der einzelnen Steinobstarten und Sorten ein verschiedener ist, wie die folgende Aufstellung zeigt:

a) Bäume mit starken Schäden.

Italienische Zwetsche

Bühler Krühzwetsche

Wahre Zwetsche

Ebersweier Frühzwetsche

Hauszwetsche

Washington-Pflaume

Bunter Perdrigon (Pflaume)

Doppelte Herrenhäuser Mirabelle

Durchscheinende Reineclaude

Reineclaude von Oulliu.

b) Bäume mit mittelstarkem Schaden, d. h. Bäume, bei denen sich die Vertrocknungserscheinungen nur in Gestalt eines schwachen Saumes am Rande und der Spitze der Blätter zeigen.

Augustzwetsche
Eßlinger Frühzwetsche
Lukas Frühzwetsche
Serbische Zwetsche
Wangen heimer Frühzwetsche
Zimmers Frühzwetsche
Admiral Bigny (Pflaume)
Königspflaume von Tour
Königin Viktoria (Pflaume)
Violette Jerusalemer Pflaume
Anna Späth (Halbzwctsche)
Catalonischer Spilling

Rangleries Mirabelle
Reineclaude von Jodoigne
Violette Reineclaude.

c) Bäume mit geringem Schaden, d. h. Bäume, bei denen an den Blättern nur kleine Randpartien oder meist nur die Zähne vertrocknet

waren.

Große Zuckerzwetsche

Frühzwetsche von Rüdesheim

Rieuderts Frühzwetsche

Großherzog von Luxemburg (Zwetsche)

Decaisnes Pflaume

Frühe Fruchtbare (Pflaume)

Gelbe Katharinen-Pflaume

Lepine (Pflaume)

Rote Nektarine (Pflaume)

Ottomanische Kaiserpflaume

Rivers Frühpflaume

Violette Diapree

Kleine Mirabelle

Königin der Mirabellen

Mirabelle von Bergthold

Große grüne Reineclaude

Merolds Reineclaude.

Wenn die Aprikosen- und die anderen Steinobstbäume des Gartens diese Wiudschäden damals nicht oder nur in geringem Maße aufwiesen, so ist dies darauf zurückzuführen, daß sie alle sehr geschützt stehen. Auf jeden Fall zeigen unsere Beobachtungen, daß das Krankheitsbild, wie es uns die Mombacher Aprikosen darbieten, durch stärkeren Wind auch an allen anderen Steinobstarten, einschließlich Aprikosen, hervorgerufen werden kann, und daß somit auch die Annahme berechtigt ist, daß auch die Mombacher Aprikosenkrankeit mit dieser Ursache in Zusammenhang steht.

Der Wind, der die genannten Vertrocknungserscheinungen an den Steinobstbäumen hervorgerufen hat, hatte die Stärke 9 der Beaufort sehen Skala. Daß durch einen solchen Sturm die Blätter auch zerrisssen werden, ist selbstverständlich. Ich bemerke jedoch ausdrücklich, daß derartige Verletzungen bei dem in Rede stehenden Falle nur eine untergeordnete Rolle spielten und nur an einzelnen Asten der am stärksten heimgesuchten Bäume vorhanden waren.

16. Untersuchungen über die Ursache des rheinischen Kirschbaumsterbens.

Von Dr. Gustav Lüstner.

Von der Vermutung ausgehend, daß das am Rheine so häufig stattfindende Absterben von Kirschbäumen mit einer durch zu intensive Besonnung bedingten allzustarken Transpiration dieser

« ZurückWeiter »