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reichen knolligen Anschwellungen von etwa Hasel- bis Walnußgroße überdeckt. Die unteren Seitenäste waren noch in Vegetation, doch auch hier fanden sich an den Triebenden, wie auch an den Verzweigungsstellen der Triebe meist kleinere oder größere Verdickungen.

Als Krankheitserreger wurde eine Chermes-Art festgestellt, die durch Prof. Eckstein, Eberswalde als Chermes piceae var. Bouvieri bestimmt wurde. Diese Laus wurde zum ersten Male 1903 durch Cholodkovsky beschrieben. Die Gallen wurden bis jetzt erst an wenigen Orten gefunden. Herr Dr. Lüstner hat eine mit solchen Gallen behaftete Abies schon vor einigen Jahren im Schloßgarten von Johannisberg aufgefunden. Herr Dr. Grevillius, Kempen sandte mir am 11. März 1908 solche Chermesgallen auf Abies, die in Oldenburg gesammelt waren und Herr Seminarlehrer Niessen fand sie, wie er mir brieflich mitteilte, auf einer Abies-Art im Stadtgarten von Kempen (Rhein) am 2. März 1908.

Über die Art der Gallenbildung herrschen noch Unklarheiten. Nach meinen Untersuchungen verdickt sich nicht die Knospe tonnenartig, wie es Cholodkovsky annimmt, sondern die Wucherung beginnt unterhalb der Knospe und umschließt diese allmählich scheidenartig. An den Innenwänden dieser Galle sitzen die Läuse entweder direkt oder in besonderen Gallenkammern, die hier ausmünden.

Bezüglich der verschiedenen Arten von Gallen, die durch Einwirkung dieser Chermes-Art entstehen, sei auf die Originalarbeit verwiesen.

11. Über Beeinflussung der Ohrwürmer und Spinnen durch das Schwefeln der Weinberge.J)

Vom Assistenten Dr. E. Molz.

Die Nützlichkeit des Ohrwurmes und der Spinnen als Vertilger von verschiedenartigem Ungeziefer ist bekannt. Auch für den Weinbauer sind beide Tiere von Bedeutung, da sie unter anderen Schädlingen auch den Raupen des Heu- und Sauerwurmes fleißig nachstellen. Da in letzter Zeit Stimmen aus der Praxis über ein Zurückgehen der Zahl der Ohrwürmer in stark geschwefelten Weinbergen laut wurden, so war eine Untersuchung der Frage, ob der Schwefel imstande sei. eine derartige Wirkung zu äußern, nicht ohne Interesse. Die von mir mit Ohrwürmern und Spinnen ausgeführten Versuche führten zu folgenden Resultaten:

1. Ein Bestäuben der Ohrwürmer mit Schwefelpulver hat besonders bei wiederholter Ausführung und bei höherer Temperatur für die behandelten Tiere tödliche Folgen.

2. Der Tod der mit Schwefel bestäubten Ohrwürmer erfolgt durch Verstopfen ihrer Atemlöcher (Stigmen).

') Die Originalarbeit ist veröffentlicht in ,.Zeitschrift für wiss. Insektenbiologie'', 1908.

3. Die Ohrwürmer nehmen Schwefelpulver sehr gerne in ihren Verdauungsapparat auf, es entstehen für sie aber daraus keine Nachteile.

4. Das Oxydationsprodukt desSchwefels, die schwefel ige Säure, übt auf die Ohrwürmer eine abschreckende Wirkung aus und veranlaßt sie, Orte, an denen sich dieses Gas auch nur in Spuren findet, zu meiden.

5. Ein Bestäuben der Spinnen (Clubiona) mit Schwefelpulver scheint für.diese ohne Bedeutung zu sein.

Diese Ergebnisse geben der Beobachtung einer Abnahme der Zahl der Ohrwürmer in stark geschwefelten Weinbergen eine ziemlich große Sicherheit. Doch wäre es durchaus falsch, aus ihnen den Schluß einer Verminderung der Schwefelungsarbeiten in unseren Weinbergen abzuleiten. Von zwei Übeln wählt man das kleinere. Die durch das Oidium entstehenden Schäden sind ohne Zweifel fast immer bedeutender als der Effekt der ungünstigen Nebenwirkung des Schwefels auf die Ohrwürmer, der uns erst indirekt zur Wahrnehmung kommt. Auch wird die berührte Schaden Wirkung des Schwefels in der Praxis auf keinen Fall in gleich scharf ausgesprochener Weise zur Geltung kommen, wie in den Laboratoriumsversuchen. Immerhin geben uns die erlangten Versuchsresultate einen Fingerzeig für die Erklärung der in den letzten Jahren immer mehr zunehmenden Heu- und Sauerwurmplage und fordern zwingend zur Ergreifung von Maßnahmen zur Paralysierung dieser ungünstigen Momente auf.

12. Über eine eigenartige durch Spilosonia lupricipeda am wilden Wein (Ampeiopsis quinquefolia) hervorgerufene Beschädigung.1)

Vom Assistenten Dr. E. Molz.

An einigen Stöcken von wildem Wein in einem Dorfe Rheinhessens machte sich anfangs Juli eine eigenartige Erscheinung bemerkbar. Inmitten der üppig wachsenden Triebe sah man Triebteile, die anfingen zu verwelken und schließlich ganz abdürrten. Die beschädigten Triebe waren von den Rebstöcken ganz oder zum Teil durch typische, sich bei jedem Einzelfall wiederholende Fraßstellen abgetrennt. Das Mark war an den Schadenstellen vollkommen ausgefressen.

Als Verursacher des Schadens wurde die Raupe von Spilosonia lupricipeda L. erkannt, die gewöhnlich nur an Nesseln, Hollunder, Himbeeren usw. vorkommt. Ampeiopsis quinquefolia wird von Hof mann (Die Raupen der Großschmetterlinge Europas, 1893, S. 4S) als Wirtspflanze dieser Raupe nicht genannt. Der Schaden. den die Raupe in dem besprochenen Falle verursacht hat, ist in seiner Art auch kein gewöhnlicher, denn unter normalen Verhälthältnissen ernährt sich die Raupe vornehmlich von dem Blattwerk

l) Die Originalarbeit ist erschienen in „Zeitsch. f. Pflanzenkrankheiten", 1908 ihrer "Wirtspflanzen. Die Abweichung von dieser Ernährungsart wurde hier nur dadurch veranlaßt, daß ein vorangegangenes Hagelwetter die saftigen Rebtriebe verletzt und teilweise das Mark bloßgelegt hatte. Diese Wunden wurden von den Raupen, die sehr starke Freßzangen, mit denen sie kräftig kneifen können, besitzen, erweitert, und das Mark ausgefressen. Spilosoma lupricipeda darf deshalb nur als ein gelegentlicher „Wundparasit" des wilden Weines angesehen werden.

13. Untersuchungen an der roten ansternfSrniigen Schildlaus, Diaspis fallax nov. 110111. Donath.')

Vom Assistenten Dr. H. Morstatt.
a) Die Einwirkung auf die Nährpflanze.

Diaspis fallax ist hier im Rheingau unsere gefährlichste Obstschildlaus. Durch die besondere Art ihres Schadens, die Deformationen, die sie verursacht, unterscheidet sie sich von den übrigen rindenbewohnenden vSchildläusen. Es treten an den Ästen und älteren Stämmen, und zwar vorwiegend an Spalierbirnen grubige Vertiefungen auf; oft sind es auch größere Stellen, wo das Wachstum des Holzkörpers einseitig zurückbleibt und längere flache Partien zustande kommen läßt. Die Vertiefungen scheinen zuweilen unregelmäßig am Stamm und an den Zweigen verteilt: in der Regel treten sie jedoch sowohl oberhalb, wie auch unterhalb der Insertionsstelle von Verzweigungen auf. Junge Seitentriebe können durch die Kolonien des Diaspis an ihrer Basis zum Absterben gebracht werden. Die kleinen Zweige und Triebspitzen sind stets frei von Deformationen, da ja Diaspis fallax zu seiner Ansiedlung ältere Rinde bevorzugt.

Die bisherigen Beschreibungen der Deformationen, in denen von Eindellungen und beuligen Anschwellungen die Rede ist ließen eine anatomische Untersuchung der Beschädigung angezeigt erscheinen. Insbesondere war es von Interesse, dadurch zu erfahren, ob in der Tat hier auch eine Hypertrophie eintritt und ob eine direkte Störung der Kambialzono zustande kommt.

Bei der oberflächlichen Betrachtung von Querschnitten deformierter Äste und Stämme tritt in erster Linie die stets exzentrische Lage des Markes hervor. Die Rinde läßt dagegen keino Wachstumsstörung erkennen.

Der Einstich der Saugborsten erfolgt geradlinig und intracellular. Im Innern der Rinde ist der Stichkanal meist schwach hin und her gebogen. Er biegt vor Sklerenchymfasergruppen rechtwinklig ab. um sie zu umgehen, und endet im Parenchym der sekundären Rinde. Er erreicht in keinem Falle weder das Kambium, noch den jüngsten Jahreszuwachs der sekundären Rinde.

') Die ausführliche Arbeit erscheint im CentralMatt f. Bakteriologie, Parasitenkunde u. Infektionskrankh., II. Abt.. 1908. Mit 1 Tafel und 19 Textfiguren.

Das Wachstum der Rinde erleidet durch das Saugen der Diaspis falJax keine für die Entstehung der Vertiefungen direkt in Betracht kommende Störung. Vereinzelt treten gebräunte Zellgruppen auf, welche eine Strecke des Stichkanals oder sein Ende umgeben. Als sekundäre Erscheinung treten größere und kleinere Rindenrisse auf, sie gehen jedoch nicht bis auf den Holzkörper. Die Dicke der Rinde bleibt in normalen Grenzen.

Der Holzkörper ist nach Differenzierung und Gestalt der Zellen normal entwickelt. Die Eindellungen kommen durch die geringe Breite des Jahreszuwachses an den befallenen Stellen zustande. Dort gehen die Jahresringe bis auf etwa 12 Zellen = 0,13 mm Breite zurück, während sie an den sogenannten Anschwellungen 2—3 mm erreichen. So viel kann aber auch der Jahreszuwachs des ungeschädigten Holzes betragen.

Auch aus diesem Befund geht hervor, daß die Saugborsten nicht bis zum Kambium vordringen. Denn die charakteristische Reaktion, die auf die Verletzung von Kambiumzellen einzutreten pflegt, war hier nicht festzustellen.

Die Vertiefungen sind somit als eine lokale Hypoplasie einfachster Art aufzufassen, bei welcher nur der Holzzuwachs gehemmt ist, während der normale Bau des Xylems unbeeinflußt bleibt, und die scheinbaren Anschwellungen sind lediglich dem ungehemmten Wachstum in der Umgebung der Vertiefungen zuzuschreiben.

b) Interkortikale Schildbildung.

Bei meinen Beobachtungen an Diaspis fallax stellte sich heraus, daß der Rückenschild des weiblichen Tieres nicht nur aus den beiden Exuvien und der weißen Schildmasse besteht, sondern daß er stets noch eine einzellige Schicht vom Periderm des Substrates enthält. Dabei liegt die Larvenhaut zentral oben; an sie schließt sich seitlich die Peridermlage an, welche sich am Rande des Schildes auf der Nährpflanze fortsetzt. Unter der Larvenhaut und der Peridermlage befinden sich die Nympbenhaut und die Chitinoidmasse.

Der Vorgang der Schildbildung spielt sich bei unserer Art in folgender Weise ab: Die Larve scheidet zuerst aus den paarigen Sekretdrüsen des Rückens weiße Fäden aus, die als loser Knäuel das Tier einige Zeit einhüllen, ohne zu verschmelzen. Bald darauf beginnt am Rande der Larve die Sekretion viel feinerer Fäden, aus welchen eine häutige Masse entsteht, durch welche die Larve auf der Unterlage befestigt wird. Nun erfolgt die erste Häutung, die Nymphe tritt nach unten aus der Exuvie heraus und ist also unter dieser vollständig eingeschlossen. Beim Weiterwachsen schiebt sich die Nymphe ringsum unter die oberste Zellschicht des Substrates ein und vergrößert dort ihren Schild durch Sekretion aus den Drüsen des Hinterleibsrandes. Die Exuvie der Nymphe wird bei der Häutung gespalten, so daß ihr Dorsalteil zum Rückenschild kommt und mit diesem verklebt, während der ventrale Teil die Hauptmasse des sogenannten Ventralschildes bildet.

In welcher Weise nun die Peridermlage zu Anfang losgelöst wird, ob sie durch den vertikalen Druck des eingeschlossenen, wachsenden Tieres abgesprengt wird oder ob dieses mit seinen Hinterleibslappen sich einschneidet, konnte noch nicht entschieden werden. Soviel ist jedenfalls sicher, daß ein Unterkriechen der Larve unter spontane Abschilferungen der Rinde nicht vorliegt. Denn die Larvenhaut bleibt in den allermeisten Fällen ganz frei von der Uberdeckung mit Periderm und die Peridermlage ist an jungen Schilden ringsum in fester Verbindung mit ihrer Fortsetzung auf der Rinde. Auch wo die Larven, wie es häufig vorkommt, sich unter dem mütterlichen Schilde, also auf ganz glatter Rinde ansiedeln, nehmen sie die Peridermschicht in den Schild auf.

Dieselbe Beteiligung des Periderms am Aufbau der Schilde von Diaspis fallax findet sich auch auf der Rinde der übrigen Obstbäume, wo diese Art vorkommt, so z. B. auf Apfel, Zwetsche und Mirabelle. Sie geht auch auf Früchte über, und man findet dort, an Äpfeln wie an Birnen, die Schilde von einer Epidermalschicht überzogen.

Bei dieser Untersuchung wurde Aspidiotus piri und Aspidiotus ostreaeformis zum Vergleich herangezogen. Bei diesen Arten ist der Nachweis der Zellschicht viel schwieriger, da sie schwarze oder wenigstens dunkelgefärbte Schilde bilden. Als Nährpflanzen kommen hier für Asp. piri Apfel, Birne, Zwetsche, Weißdorn, Populus pyramidalis und Quercus pedunculata vor, von Apfel und Birne auch die Früchte. Asp. ostreaeformis fand ich hier bisher nur auf Birke und an unterirdischen Stämmchen von Calluna vulgaris, welche Herr Dr. Lüstner gesammelt hat. In allen Fällen war die Zellschicht mehr oder weniger deutlich sichtbar zu machen; am besten gelang dies bei den beiden letzten Nährpflanzen und bei den übrigen an den großen Schilden der ausgewachsenen Weibchen.

Aspidiotusperniciosus konnte ebenfalls berücksichtigt w erden, da älteres Material die Untersuchung noch zuläßt; er verhält sich auf den verschiedenen Nährpflanzen, die mir vorlagen, ebenso wie die beiden anderen Aspidiotusarten. Bei Chionaspis salicis auf Salix, Populus und Syringa ist die Peridermlage auf den dünnen, weißen weiblichen Schilden ebenfalls leicht sichtbar.

Zu erwähnen ist noch, daß die interkortikale Schildbildung nicht vorkommt bei Diaspis rosae und den auf Blättern sitzenden Diaspinen wie D. carueli, Aspidiotus Nerei und A. bromeliae; sie fehlt auch allen bisher untersuchten Mytilaspisschilden.

Ich sehe in der interkortikalen Schildbildung eine reguläre Einrichtung bei gewissen rindenbewohnenden Diaspinen, die dadurch charakterisiert ist, daß die Larve sich frei auf der Oberfläche des betreffenden Pflanzenteiles festsetzt, wogegen dann der weitere Schild unter die ringsum emporgehobene oberste Zellenlage eingeschoben wird. Der Vorgang setzt natürlich ein geeignetes Sub

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