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Esche (Fraxinus) als Nährpflauze angegeben. Nach Zeller (Argyresthien, Sep., S. 260) ist die Art in Böhmen um Reichstadt und Nixdorf im Mai und Herbst an Ebereschen und Schlehensträuchern häufig, und in Schlesien soll sie einmal bei Kreisewitz im Juni gefangen worden sein. Zeller selbst klopfte am 7. Juli 1835 ein Weibchen im Glogauer Festuugsglacis, worin kein Sorbus und Prunus wuchs, aus dem Laube einer jungen Ulme. Für Livland werden die Monate Mai, Juni und August als Flugzeiten angegeben, von Schilling führt in seinem praktischen Ungezieferkalender (S. 173) das Insekt unter dem Namen „Miniatur-Apfel wurm" auf und sagt, daß dieser selten in reifenden Äpfeln vorkommt. Nach ihm sollen sich die Raupen in einem weißen, maschigen, sehr kleinen Gespinst, oft in den Hohlräumen der Frucht, verpuppen. Ich kann diese Angaben bestätigen, deDn bei meinem Zuchtversuche traf ich mehrere Puppen in der Kelchhöhle an. Sie lagen hier in einem dichten weißen Cocon, der selbst wieder von einem weitmaschigen Gewebe umgeben war.

Aus den angeführten Beobachtungen ergibt sich, daß Argyresthia conjugella zu den seltener1) in den Apfelfrüchten vorkommenden Schädlingen gehört, und daß das starke Auftreten des Insektes auf dem Westerwald mit einer ganz bestimmten Ursache in Zusammenhang stehen muß. Diese ist höchstwahrscheinlich darin zu erblicken, daß auf dem Westerwald die ursprüngliche Nährpflanze der Argyresthia-Raupe, die Eberesche oder Vogelbeere, weit verbreitet ist. Dieselbe ist hier als Alleebaum angepflanzt und bekleidet als solcher die meisten der dortigen Straßenzüge. Es ist somit nicht ausgeschlossen, daß dort der Schädling von den Vogelbeerbäumen aus auf die Obstbäume übergegangen ist und sich auf dieseu nunmehr weiter verbreitet. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, so würden somit die Vogelbeerbäume eine ernste Gefahr für den westerwälder Obstbau darstellen, der nur dadurch begegnet werden könnte, daß sie aus der Nähe der Obstbäume entfernt und durch andere Baumarten, am zweckmäßigsten Obstbäume, die das dortige Klima vertragen, ersetzt werden. Daneben müßte

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Fig. 64.

') Nach Niederschrift unserer Beobachtungen ist der Schädling auch noch in anderen Gegenden Deutschlands aufgefunden worden (s. Reh).

natürlich auch, eine energische Vernichtung des Schädlings in den Obstkulturen, die er bereits befallen hat, vorgenommen werden. Dieselbe hat zu erfolgen einmal durch die Abtötung seiner Schmetterlinge, wenn sie sich auf den Stämmen der Bäume ausruhen und dann noch durch ein möglichst allgemeines Vernichten der heimgesuchten Früchte. Vielleicht gelingt es auch, die Schmetterlinge mittels Leimruten oder durch mit Leim bestrichene Stäbe, die man an den Ästen rings um den Stamm herum aulhängt, zu fangen und unschädlich zu macheu.

8. Über stärkere, in den Jahren 1906 und 1907 beobachtete

Insektenschäden.

Von Dr. Gustav Lüstner.

In diesem und im vergangenen Jahre hatten sich nicht allein an den Obstbäumen, sondern auch im Walde in verschiedenen Gegenden Insektenschäden gezeigt, die sich von denen der vorhergegangenen Jahre durch ihre Stärke auffallend unterschieden. Vielfach ist es zu vollkommenem Kahlfräße gekommen, so daß die befallenen Bäume vollständig blattlos dastanden. Auch der Rheingau ist in dieser Art heimgesucht worden, und zwar vorzugsweise von drei Schädlingen: dem Eichen wie kl er (Tortrix viridana), der Apfelbaumgespinstmotte (Hyponomeuta malinella) und dem Goldafter (Porthesia chrysorrhoea).

Von dem Eichenwiekler wurden in der hiesigen Gegend ganze Waldkomplexe vollständig kahl gefressen. Die meisten Bäume hatten sämtliche Blätter eingebüßt, und der ganze Wald machte einen winterlichen Eindruck. Dabei erwiesen sich die alten Bäume als am meisten befallen, während das Unterholz und die Lohschläge viel weniger zu leiden hatten. Auch die alte Erfahrung, daß einzelstehende alte Bäume von dem Insekte bevorzugt werden, konnte sowohl 1906 als auch 1907 in der hiesigen Gegend bestätigt werden. Dabei ergab sich die auch anderwärts gemachte Beobachtung, daß der Fraß der Eichenwicklerraupe meist in den obersten Teilen der Krone beginnt und von hier aus allmählich nach unten zu fortschreitet. Vielfach konnten abbaumende Raupen beobachtet werden und zwar oft in solchen Mengen, daß sie zu vielen Hunderten an ihren Spinnfäden in der Luft hängend angetroffen wurden. Die Puppen des Schädlings werden außer in zusammengesponnenen Eichenblättern auch an fast allen unter den Eichen befindlichen Pflanzen aufgefunden. Trotzdem der Eichenwickler zu den Dämmerungsfaltern gehört, fliegt er doch häufig auch bei Tage, selbst im Sonnenschein, umher, wie dies bereits von Judeich und Nitsche (Forstinsektenkunde, S. 1054) angegeben wird, und wir selbst sowohl 1906 als auch 1907 feststellen konnten. Seine Schmetterlinge zeigten sich in diesen Jahren, namentlich 1906, in solchen Mengen, daß sie nicht allein in den Weinbergen, sondern auch in der Stadt Geisenheim selbst häufig beobachtet werden konnten. Auffallend reich war das Vogelleben in den vom Eichenwickler stärker befallenen Beständen. Wir trafen in denselben ganze Schwärme der verschiedenen Meisen, von Staren, Drosseln, Buchfinken und Kleibern an, und von den nützlichen Insekten konnten wir namentlich den Puppenräuber (Calosoma sycophanta) häufig wahrnehmen.

Die Apfelbaumgespinstmotte war in den genannten Jahren, namentlich 1906, in der hiesigen Gegend ungemein häufig, und man kann wohl sagen, daß in fast jeder Gemarkung eine größere oder geringere Zahl von Apfelbäumen stärker oder schwächer von ihr befallen war. Ihre Gespinste waren an manchen Bäumen so zahlreich, daß sie sich untereinander berührten und ineinander übergingen und es aussah, als ob die ganze Krone in nur ein einziges Gespinst eingehüllt wäre. Bei einem derartig starken Auftreten des Schädlings ist seine Bekämpfung sehr schwierig, meist überhaupt nicht durchführbar. Nur dann, wenn diese möglichst zeitig einsetzt, d. h. in dem Augenblick, wenn sich die ersten Gespinste an den Bäumen zeigen, verspricht sie einen vollen Erfolg. Es kann deshalb den Obstzüchtern nur geraten werden, im nächsten Jahre beizeiten auf die Raupennester an ihren Bäumen zu achten, und wo sie solche wahrnehmen, sie alsbald durch Abschneiden und Verbrennen zu vernichten.

Über diis starke Auftreten des Goldafters in den Obstpflanzungen am Main, in der Umgebung von Hochheim und Flörsheim, haben wir bereits 1905 berichtet. Auch in 1906 zeigte der Schädling hier dieses Verhalten, wobei er auch wieder hauptsächlich die Zwetscheubäume heimsuchte. Wir konnten dort Schäden beobachten, wie man sie in Obstpflanzungen nicht für möglich halten sollte. Bei einer Besichtigung der dortigen Flur trafen wir nicht nur einzelne Baume, sondern ganze Baumreihen und Baumkomplexe an, die durch die Goldafterraupen ihr ganzes Laub verloren hatten und wie nach dem Blattfall aussahen. An solchen vollständig kahlgefressenen Bäumen hatten sich die Raupen in größerer Zahl an die Enden der Triebe zurückgezogen und hier gemeinsam in ziemlich großen Gespinsten, die, aus der Ferne betrachtet, an die Winternester des Schädlings erinnerten, verpuppt.

9. Versuche zur Aufhellung der Ursachen des FarbendimorphisiniiK bei Rhynchites betuleti.

Vom Assistenten Dr. E. Molz.

Das Vorkommen von Farben-Varietäten innerhalb ein und derselben Art ist bei den Insekten eine wohlbekannte Erscheinung. Auch bei Rhynchites betuleti treffen wir grüne und blaue Individuen ohne Unterschied des Geschlechtes und des Aufenthaltsortes. Dazwischen gibt es Übergaugsformen mit spangrünen Flügeldecken. Beide Varietäten kommen nebeneinander vor und paaren sich, wie man häufig beobachten kann, auch untereinander, was die Annahme distinkter Arten hinfällig macht.

Durch neuere Forschungen wurde festgestellt, daß die individuelle Farbenwandlung der Insekten auf äußere Einflüsse zurückzuführen ist. Schon im Jahre 1864 hat Dorfmeister den farbenverändernden Einfluß niederer Temperaturen auf Vanessa prorsa nachgewiesen (Mitt d. Naturw. Ges. f. Steiermark). Diese Versuche gaben Veranlassung zu einem umfangreichen Experimentieren in der gegebenen Richtung, und heute wissen wir, daß Wärme und Kälte, Feuchtigkeit und Trockenheit, Licht und Dunkelheit und endlich auch die Nahrung die Färbung der Einzelwesen der Insektenwelt in hohem Maße beeinflussen.

Da Rhynchites betuleti auch auf dem Birnbaum vorkommt so glaube ich annehmen zu dürfen, daß die Ernährung der Larven die erwähnte Farben Variation herbeiführe, zumal ja Birnbäume in Weinbergen recht häufig sind, und auch das starke numerische Zurücktreten der blauen Individuen gegenüber den grünen der Folgerichtigkeit dieser aprioristischen Ansicht nicht entgegenläuft

Aus der Literatur sind einige Beispiele des Einflusses der Nahrung auf die Färbung der Schmetterlinge bekannt. Bieger (Entom. Nachr.) fütterte Raupen der Euprepia caja mit Schneebeere und erhielt so eine Varietät deren weiße Querbinden bedeutend breiter wie gewöhnlich waren. Keitel (siehe Keferstein, Betracht, üb. d. Entw. d. Schmetterlinge 1880) erzielte durch Füttern einer Raupe von Euprepia caja mit blühendem Rittersporn eine fast schwarze Aberration. Durch Fütterung mit Birke erlangt man die braungelbe Varietät des Lindenschwäriners (Richter, Stett Ent. Zeit. 1869).

Auf Nahrungs-Dimorphismus wird von Topsent (s. Wochenschr. f. Entomolog. 1897) auch der Farbenunterschied von Eumolpus obscurus und Eumolpus vitis zurückgeführt; letzterer lebt auf der Rebe, ersterer auf Epilobium-Arten. Diese Ansicht ist aber bis jetzt experimentell noch nicht bewiesen, doch sprechen noch viele andere Beispiele im Sinne dieser Annahme.

Es durften deshalb auch die folgenden Versuche mit einiger Aussicht auf Erfolg in Angriff genommen werden. Bei diesen galt es zu ermitteln, ob die Ernährung mit Rebenlaub einerseits, mit Birnlaub andererseits von Einfluß auf die Farbe der aus solcherweise ernährten Larven hervorgehenden Imagines ist.

Zu diesem Zwenke wurden am 15. Mai aus einem Weinberge eine größere Anzahl blauer und grüner Käfer eingefaugen und unter Berücksichtigung der Geschlechter je 20 blaue und 20 grüne Käfer getrennt an kleine Topfreben angesetzt. Diese kamen in Glaskasten, die in der Nähe eines Ostfensters aufgestellt wurden. Ebenso wurden Topfbirnbäume im Freien, die mit Gazeschleier umhüllt wurden, besiedelt.

Leider mißglückten diese Züchtuugsversuche. An den Reben wurden die Blätter nur ganz wenig befressen. Obwohl ich die Käfer öfters auf die Blätter setzte, immer wieder flogen sie ab und krochen auf dem Boden und den Wänden des Gefäßes umher. Ich erhielt deshalb hier auch keine Wickel. Besser war das au den Birnbäumen. Da konnten in dem Gazeabteil der grünen Käfer 3, in dem der blauen 4 Wickel geerntet werden. Diese legte ich auf Sand. Doch leider entwickelten sich in ihnen keine Larven. Sie waren also sehr wahrscheinlich nicht mit Eiern belegt worden.

Zu weiteren Versuchen war die Zeit schon zu weit vorgeschritten; es waren nur noch wenige Käfer zu finden. Um deshalb im Laufe des Jahres wenigstens noch zu einem Resultate zu kommen, sammelte ich am 14. Juni eine große Anzahl Rhynchites-Wickel und legte sie in einem Kasten auf Sand. Von Zeit zu Zeit wurden sie schwach angefeuchtet und der Sonne ausgesetzt, dann der Kasten wieder an einen schattigen Ort gestellt. Der Kasten war oben vollkommen offen, so daß die Luft frei zirkulieren konnte. Später, nachdem sich alle Larven in den Sand verkrochen hatten, wurde dieser sorgfältig in ein großes Glasgefäß übergefüllt, und dieses mit Gaze zugebunden, das Gefäß in meinem Laboratorium aufgestellt. Der Saud wurde hie und da schwach angefeuchtet. Der erste Käfer kam am 31. August aus, die übrigen folgten im Laufe der nächsten 8 Wochen. Bemerkenswert ist, daß bei dem zuerst ausgekommenen Zweidrittel der Käfer nur grüne Exemplare waren, hie und da auch ein spangrüner, während im letzten Drittel die spangrünen häufiger und auch blaue vertreten waren. Bis zum 1. November waren ausgegangen: 62 grüne Käfer 22 spangrüne „ 9 blaue „

Durch diesen Versuch ist vorerst nur der Nachweis erbracht, daß die Ernährung der Rhynchites-Larven mit Rebenlaub an und für sich die Farbenvariation des Käfers nicht auslöst. Es schließt diese Tatsache aber das Bestehen des Ernährungs-Dimorphismus in unserem Falle keineswegs aus, denn der allgemeine Begriff Rebenlaub kann eine große Anzahl Ernährungsvariationen umfassen, wie sie entstehen durch den Unterschied zwischen Rot- und Weißweinsorten, alte und junge Blätter, ganz dürre, durch Wasser ausgelaugte und nur welke, noch am Stock hängende Blätter; auch der Boden und jeder Einzelstock kann hier von Bedeutung sein. Die Versuche sollen deshalb im nächsten Jahre in dieser Richtung weitergeführt werden.

10. Einige Bemerkungen über die durch Chermes piceae var. Bouvierl auf Abies nobllis hervorgerufenen Triebspitzengallen.*)

Vom Assistenten Dr. E. Molz.

In den Anlagen des Rheinkais in Bingen stand bis vor kurzem eine Abies nobilis mit eigenartig verkrüppeltem Habitus. Der Gipfelteil des etwa 1,50 m hohen Baumes war von Nadeln fast vollkommen entblößt und größtenteils abgedürrt, die einzelnen Zweige mit zahl

') Die Originalarbeit ist veröffentlicht in „Naturw. Zeitschr. für Forst- und Landwirtschaft", 1908.

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