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III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute.

Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation.

Erstattet von dem Vorstande der Versuchsstation Dr. C. von der Heide.

1. Untersuchung von reinen Natur« einen des Jahres 1906 aus den preussischen Weinbaugebieten.

Über die Witterungsverhältnisse dieses Erntejahres wurde das wichtigste in dem Berichte der Königl. Lehranstalt für das Jahr 1906 gelegentlich der Besprechung der Ergebnisse der Mostuntersuchung gesagt; es sei hiermit darauf verwiesen.

Die überaus schlechte Ernte des Jahres machte sich auch dadurch bemerkbar, daß uns zur statistischen Untersuchung nicht wie in früheren Jahren über 100, sondern nur 27 Weine zugeschickt wurden. Im allgemeinen waren die Weine als Mittelweine anzusprechen. Von den untersuchten 27 Weinen entfielen auf den Rheingau 1 Wein, auf das Rheintal unterhalb des Rheingaues 18, auf das Weinbaugebiet der Mosel 6 und auf das Weinbaugebiet der Nahe 2 Weine. Davon waren 23 Weißweine und 4 (aus_dem Rheintale) Rotweine.

Bei der geringen Anzahl der untersuchten Weine lassen sich allgemeine Schlüsse auf die Zusammensetzung der Rhein- und Moselweine nicht ziehen. Es seien daher nur die beobachteten höchsten und niedrigsten Werte der wichtigsten Bestandteile angegeben.

höchster niedrigster Wert Wert

Alkohol g in 100 ccm 10,32 5,51

Extrakt 3,48 2,07

Gesamtsäure 1,15 0,38

Flüchtige Säure 0,08 0,01

Mineralstoffe 0,352 0,175

Extrakt nach Abzug des 0,1 g übersteigenden

Zuckers 3,37 2,02

Extrakt nach Abzug des 0,1 g übersteigenden

Zuckers und der nicht flüchtigen Säure . . 2,93 1,45 Extrakt nach Abzug des 0,1 g übersteigenden

Zuckers und der Gesamtsäure 2,87 1,43

AJkohol-Glyzerin-Verhältnis 12,8 4,7

Die gesetzlichen Grenzzahlen sind von keinem Weine unterschritten worden.

2. Untersuchung der Moste des Jahres 1907.

Das Jahr 1907 war für den Weinbau im allgemeinen etwas günstiger als das Jahr 1906. Die Rebe hatte im Winter unter Frost nicht zu leiden, so daß Schäden am Rebholze nur ausnahmsweise auftraten. Sehr ungünstig war dagegen die Witterung im Frühjahr, wo Regen und Schneefälle die rechtzeitige Ausführung der Frühjahrsarbeiten sehr hinderten. Im April trat nochmals vereinzelt Frost auf ohne jedoch viel zu schaden, da die Reben noch nicht ausgetrieben hatten. Die Nachwirkungen der Blattfallkrankheit des Jahres 1906 machten sich in der Weise bemerkbar, daß Gescheine nicht sehr reichlich angesetzt wurden. Die Blüte begann etwa Mitte Juni und war der Hauptsache nach anfangs Juli beendet, doch wurden blühende Gescheine bis Ende Juli vereinzelt beobachtet. Durch die rauhe Witterung wurde der Verlauf der Blüte sehr nachteilig beeinflußt, so daß dem Heuwurm großen Schaden anzurichten Gelegenheit gegeben war. In der 1. Hälfte des Julis begann die Peronospora aufzutreten; sie wurde jedoch meistenteils durch rechtzeitiges Spritzen an der Weiterverbreitung gehindert. Ebenso mußte gegen das Oidium wiederholt geschwefelt werden. Die ungünstige Witterung im Juli und August verzögerte den Beginn der Reife. Im September richtete der Sauerwurm großen Schaden an und vernichtete stellenweise die Hälfte des Ertrages. Die neblige Oktoberwitterung begünstigte das Faulen der Trauben, so daß die Lese stellenweise ausgeführt werden mußte, ohne daß man die eigentliche Reife hätte abwarten können. Die allgemeine Lese begann jedoch erst Ende Oktober und zog sich bis tief in den November hinein.

Der Ertrag entsprach etwa einem Viertel-Herbst. Die Hauptursache an den mäßigen Erträgnissen ist außer in dem ungünstigen Verlauf der Blüte vor allem in dem verheerenden Auftreten des Heu- und Sauerwurmes zu suchen. Im allgemeinen scheinen die Moste des Jahres 1907 einen Wein von mittlerer Güte zu liefern. Es wurden im Jahre 1907 geerntet in den Regierungsbezirken: Wiesbaden . . . 42 382 hl von 3086 ha Koblenz .... 168413 „ „ 8296 „ Trier 156 546 „ „ 4263 „

Von 1 ha wurden gewonnen in den Regierungsbezirken

1906 1907

hl hl

Wiesbaden 4,6 13,7

Koblenz 16,3 20,3

Trier 24,9 36,7

Eingesandt wurden zur statistischen Untersuchung 145 Moste; davon waren 140 Weißweinmoste und 5 Rotweinmoste (sämtlich von der Ahr). Auf den Rheingau entfielen 51, auf das Rheintal unterhalb des Rheingaues 7, auf das Weinbaugebiet der Mosel 68, der Saar 14 und der Ahr 5 Moste.

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Die Mostgewichte und Säurezahlen der aus der Rebenveredelungsstatiou Eibingen stammenden Moste veredelter Reben (Riesling und SyIvaner auf amerikanischen Unterlagen) waren im Jahre 1906 folgende:

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Im Jahre 1907 wurden die Moste der nachstehenden Veredelungen untersucht und dabei folgende Mostgewicht- und Säurezahlen gefunden:

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3. Berichtigung.

Ich habe in dem Berichte der Königl. Lehranstalt zu Geisenheim für das Etatsjahr 1906, S. 228—239, eine Abhandlung veröffentlicht betitelt „Analytische Befunde von Mosten und Weinen aus Trauben der mit BJeiarseniat bespritzten Reben". Bei dieser Gelegenheit ist auf S. 238 der Wortlaut eines Gutachtens des Kaiserl. Gesundheitsamtes zu Berlin mitgeteilt. Die hierbei von mir beigefügte Fußnote ist geeignet, den Anschein zu erwecken, als ob uem Kaiserl. Gesundheitsamt der Vorwurf eines Versehens gemacht werden sollte. Das Verseben fällt vielmehr mir zur Last, da die vom Gesundheitsamt angeführten und von mir als irrtümlich bezeichneten Zahlen schon in unserem eigenen Schreiben an das genannte Amt sich finden. Die Fußnote sollte lauten: „Infolge eines Irrtums von unserer Seite sind in unserem Schreiben an das Gesundheitsamt die hier angeführten Zahlen angegeben worden. Wie sich aus den von uns weiter oben schon richtig gestellten Zahlen ergibt, soll es heißen: 0,002 g Blei und 0,0015 g Arsen in 1000 ccm."

von der Heide.

4. Analytische Befunde von Mosten und Weinen aus Trauben der mit Arsenverbindungen bespritzten Reben (2. Mittellinie:).

Analytiker: Dr. A. Szameitat.

Die im vorigen Jahre von der Lehranstalt begonnenen Versuche, tierische Schädlinge auf den Reben mit Arsunverbindungen zu bekämpfen, wurden in diesem Jahre fortgesetzt. Wegen der großen wirtschaftlichen Wichtigkeit der Frage untersuchten wir auch in •diesem Jahre die aus den mit Arsenverbindungen gespritzten Weinbergen stammenden Trauben und die daraus gewonnenen Moste, zum Teil auch die Jungweine.

A. Analyse der Trauben. Das früher angewandte Verfahren (Geisenh. Ber. 1906, 231). Die Arsenverbindungen von den Beerenhiilsen mit Natronlauge abzulösen, hat sich als nicht zweckmäßig erwiesen. Wir verfahren jetzt folgendermaßen. Eine abgewogene Menge der Trauben (300 g) wird mit soviel lOprozent, arsenfreier Salpetersäure übergössen, daß die Trauben eben damit bedeckt sind. Nach dreitägigem Stehen gießt man die Flüssigkeit von den Trauben ab, wäscht die Trauben wiederholt mit destilliertem Wasser ab und dampft die Salpetersäure-haltige Flüssigkeit samt den Waschwässern auf dem Wasserbade zu einem dünnen Sirup ein. Das so gewonnene Extrakt wird anteilsweise (50 ccm) in einen langhalsigen Kjeldahlkolben eingetragen und vorsichtig erhitzt, bis die erste stürmische Reaktion, die auf der Einwirkung der Salpetersäure auf die extrahierten Traubenbestandteile beruht, vorüber ist: hierauf gibt man 30 ccm konzentrierter, arsenfreier Schwefelsäure zu und fährt mit dem Erhitzen solange fort, bis die organischen Bestandteile fast vollständig zerstört sind. Man setzt jetzt von neuem einen Anteil der Eindampfflüssigkeit zu und fährt mit Erhitzen und Zusetzen solange fort, bis die Flüssigkeit vollständig klar geworden ist Manchmal wird auch ein Zusatz von Schwefelsäure noch notwendig. Mit der aufgeschlossenen Flüssigkeit verfährt man weiter, wie es in diesem Bericht auf S. 183 angegeben ist.

B. Analyse der Moste. Die Moste direkt aufzuschließen ist wegen der großen Zuckermenge kaum möglich. Man verfährt deshalb folgendermaßen. Eine abgemessene Menge Most (300 ccm) wird in einen geräumigen Erlmeyerkolben gebracht und durch 10 bis 20 Minuten dauerndes Erhitzen auf 100° sterilisiert Am Schlüsse ersetzt man das verdampfte Wasser, kocht noch einmal auf und verschließt den Kolben mit einem Wattebausch. Wenn sich die -Flüssigkeit abgekühlt hat, impft man mit einer Platinöse Reinhefe und läßt bei 25° vergären. Hat sich die Hefe zu Boden gesetzt, so gießt man die überstehende Flüssigkeit ab, vertreibt in ihr den gebildeten Alkohol durch Erhitzen, läßt abkühlen, gibt die Flüssigkeit wieder zur Hefe zurück und läßt nochmals einige Tage gären. Die zuckerfreie Flüssigkeit wird dann eingedampft und zur Prüfung auf Arsen so vorbereitet, wie es S. 184 angegeben ist.

C. Nach dem obenstehenden Verfahren wurden folgende Trauben und Moste auf Arsen geprüft.

Versuch I.

Die Reben wurden bespritzt mit Bordeauxbriihe, der auf 100 1 150 g Schweinfurter Grün zugesetzt war. Analyse: 300 g Trauben enthielten 0,9 mg Arsen; 300 ccm Most enthielt 0,1 mg Arsen. Eine zweite Probe Most enthielt in 300 ccm 0,1 g Arsen.

Ociacnheimor Bericht 1907. 12

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