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3. Eine empfeehleuswerte Tafeltraubensorte für die Kultur

unter Glas.

Unter den in den Weintreibhäusern der Lehranstalt angepflanzten Traubensorten befindet sich auch die Sorte Barbarossa, die in ihren Eigenschaften so wertvoll ist, daß hier in empfehlender Weise darauf hingewiesen werden möge.

Wie aus den Abbildungen in Fig. 43 und 44 erkenntlich ist, tragen die Stöcke dieser Sorte nicht nur sehr reich, sondern bringen auch außerordentlich große Trauben von 30—40 cm Länge und im Gewicht von 2—3 Pfd. und darüber zur Entwicklung. Die Beeren der Trauben sind rund, tiefblau in der Färbung und besitzen einen feinen Geschmack. Infolge der lederartigen Beerenhaut sind die Trauben widerstandsfähig und für den Versand geeignet wie auch diese Eigenschaft die Haltbarkeit derselben außerordentlich unterstützt .

Dort, wo man in Privatgärtnereien auf die Anzucht besonders großer Trauben (Schautrauben) einen Wert legt, kann diese Sorte zur Anpflanzung sehr empfohlen werden.

4. Die Vermehrung der Tomaten durch Stecklinge und ihre

Verwendung für Treibzwecke.

In den letzten Jahresberichten der Lehranstalt ist wiederholt an dieser Stelle auf empfehlenswerte Tomatensorten hingewiesen, die sich besonders für die Kultur unter Glas eignen. Auch die Kultur dieser Pflanze ist in ausführlicher Weise im Jahresbericht 1903

5. 80 besprochen worden. Im letzten Jahre sind nun Versuche dahingehend angestellt, ob es zweckmäßiger erscheint, die für die Treiberei bestimmten jungen Pflanzen aus Samen zu vermehren, oder durch Stecklinge. Das Resultat dieses Versuches kann nun wie folgt zusammengestellt werden.

Mit der Vermehrung der Tomaten durch Stecklinge wurde Mitte September begonnen, indem passende Triebe von vorhandenen Pflanzen als Stecklinge zugeschnitten und in kleine Töpfe mit sandigem Erdreich gefüllt gesteckt, auf einem lauwarmen Mistbeetkasten zur Bewurzelung gebracht wurden. Die Bewurzelung der Stecklinge ging in kurzer Zeit vor sich. Später in einem hellen Hause bei + 6—8° Rr überwintert, blieben die Stecklinge fast ununterbrochen im Wachstum, so daß bis zum Frühjahr schon Pflanzen von 25—40 cm Höhe zur Verfügung standen. Selbst die an den Pflanzen sich zeigenden Blütenknospen kamen im Winter zur Entfaltung und setzten willig Früchte an, so daß bis Mitte Februar nicht nur fertige, sondern mit kleinen Früchten versehene Pflanzen zum Auspflanzen in den Häusern verwendet werden konnten. Daß unter solchen Verhältnissen auch schon sehr zeitig reife Früchte geerntet wurden, ist erklärlich und daß eine reiche Ernte von jeder Pflanze sich erzielen läßt, ist daraus zu erkennen, daß die Tomatenpflanzen bis Ende Oktober ununterbrochen Früchte lieferten.

Aus diesem Versuche ergibt sich, daß dort, wo in Privatgärtnereien in den Obsttreibhäusern auch gleichzeitig Tomaten gezogen werden sollen und wo man einen besonderen Wert darauf legt, frühzeitig reife Früchte für die Küche zu liefern, die Stecklingsvermehrung im Herbste einen Vorzug besitzt und daß von diesen Pflanzen nicht nur früher die Früchte geerntet werden können, sondern daß auch die Pflanzen selbst ertragreicher sind. Notwendig ist allerdings, daß für die Überwinterung der jungen Pflanzen ein geeigneter Platz im hellen luftigen Hause zur Verfügung steht und daß man die Pflanzen gegen ein Vergeilen schützt.

C. Landschaftsgärtnerei.

1. Allgemeines.

Mit dem Heranwachsen der Ziergehölze in den Parkanlagen der Lehranstalt ergibt sich die Notwendigkeit, für Licht und Luft immer mehr Sorge zu tragen und den wertvolleren Gehölzen den vollen Raum für die freie Entwicklung anzuweisen. Verschiedene Teile der Parkanlagen sind schon in den letzten Jahren einer vollständigen Neugestaltung unterzogen worden und diese Arbeiten sollen auch für die nächsten Jahre fortgesetzt werden, um einmal im Anschluß an den Unterricht in der Landschaftsgärtnerei neue Aufgaben zu Entwürfen und Ausarbeitungen Gelegenheit zu bieten, dann aber auch, um diese Anlagen mustergültig und den Anforderungen der Neuzeit entsprechend zu gestalten.

2. Beschreibung einiger wertvoller Ziersträucher aus den Parkanlagen der Lehranstalt.

Unter den zahlreichen Ziersträuchern, die zur Ausschmückung gärtnerischer Anlagen Verwendung finden, gibt es eine ganze Anzahl, deren Wert und deren Eigenschaften vielfach noch nicht genügend bekannt und gewürdigt werden, weshalb hier auf einige derselben hingewiesen werden soll.

a) Buddleya variabilis Veitchiana.

Unter den im Spätsommer blühenden neueren Sträuchern verdient dieser Zierstrauch volle Beachtung und Wertschätzung. Ziemlich starkwachsend und Jahrestriebe von 80—100 cm Länge treibend besitzt er grünlichweiße längliche Blätter, die mit den im August bis September erscheinenden lila mit orangegelber Mitte gefärbten Blüten eine eigenartige Farben Wirkung bilden. Der Blütenflor erstreckt sich auf eine Dauer von 6—8 Wochen, und die Blüten, die in Fonn von 30 — 40 cm langen Ähren erscheinen, stehen an den Spitzen der Jahrestriebe. Zur Bepflauzung von Gruppenrändern wie .auch zur Einzelpflanzung auf Rasenflächen ist dieser Strauch sehr wertvoll und verdient weite Verbreitung.

b) Caryopteris mastacanthus.

Wenn der Blütenflor fast sämtlicher Blütensträucher gegen Herbst im Garten beendet ist, dann bringt dieser Zierstrauch, der auch den Namen Caryopteris sinensis, oder Chinesische Bartblume führt, seinen außerordentlichen reichen Blütenflor zur Entfaltung. Dieser ans China stammende und 50—80 cm hoch werdende Strauch besitzt graufilzige Blätter, die einen starken aromatischen Duft verbreiten. An den Spitzen der Jahrestriebe erscheinen Ende September— Oktober die achselständigen dunkel violetten Blüten in solch einer Fülle, daß der gesamte Strauch wie mit Blüten überschüttet erscheint. Diese hervorragenden Eigenschaften lassen erkennen, daß der Strauch zur Anpflanzung in den Gärten außerordentlich wertvoll ist und daß er sich besonders zur Anpflanzung an Vorsprüngen von Sträuchergruppen eignet, wo er dann um so mehr zur Wirkung kommt, wenn mehrere Sträucher in leichter Anordnung angepflanzt werden. Da der Strauch sehr lange in Vegetation bleibt, so ist ein geschützter sonniger Standort, vorwiegend die Südseite einer Gruppe, für die Anpflanzung zu wählen, wie es sich auch empfiehlt, in rauheren Gegenden eine leichte Winterdeckung vorzunehmen. Für Bienenzüchter darf nicht unerwähnt bleiben, daß die chinesische Bartblume eine Bienenfutterpflanze von hohem Werte bedeutet, da der Strauch zurzeit der Blüte von den Bienen fest belagert wird.

c) Evonymus latifolia Scop,

der breitblättrige Spindelslrauch.

Nicht die Blüte, sondern der schön gefärbten Früchte wegen sei auch dieser Zierstrauch, der stets die Aufmerksamkeit der Besucher der Lehranstalt auf sich lenkt, hier mit angeführt. Der großblättrige Spindelstrauch ist starkwachsend und zeigt einen mehr baumartigen Charakter. Freistehend baut er sich gleichmäßig nach allen Seiten aus und seine Zweige zeigen einen leicht überhängenden Bau. Die sehr zahlreich erscheinenden Früchte nehmen gegen Spätsommer eine prächtige Färbung an, indem die großen Fruchtkapseln hell karminrot, die Samen blaßrot und von einem orangefarbenem Mantel umhüllt sind.

Unstreitig bildet dieser Zierstrauch im Schmucke seiner zahlreichen Früchte stehend eine Zierde des Gartens, weshalb er zur Anpflanzung sehr zu empfehlen ist.

8. Wertrolle Schwertliliensorten zur Ausschmückung Ton Garten- und Parkanlagen.

Die altbekannte Schwertlilie, Iris germanica, die in ihrer Stammform und einigen verbesserten Sorten so häufig in den Gärten auf dem Lande angetroffen wird und die so recht den Gartenschmuck des alten Bauerngartens in sich vereinigt und dort auf den Blumenrabatten oder als Einfassung der Wege fast niemals fehlt, verdient

Geisenhoimor Bericht 1907. 11

auch heute noch volle Beachtung und "Wertschätzung, zumal die neueren Sorten so außerordentlich in Form und Farbe verbessert worden sind, daß sie fast mit den Orchideenblüten wetteifern könnten. Die einmalige Anpflanzung lohnt jede Mühe und Arbeit und verleiht dem Garten, wenn in entsprechender Weise verwendet, zur Zeit der Blüte eine Schönheit von seltener Pracht .

Die nachstehend angeführten Sorten sind in Farbenpracht und Formenschönheit der Blüten hervorragend schön, so daß hier eine kurze Beschreibung folgen möge.

Moore King. Die hochgestellten Blütenblätter dieser Sorte sind rief goldgelb, die hängenden tiefsammetbraun mit leuchtend goldgelbem Rande eingefaßt. Unter den dunkelfarbigen Irissorten ist diese eine der schönsten, die außerordentlich zur Anpflanzung empfohlen werden kann.

Darius. Die Grundfarbe der Blüten ist chromgelb mit rot durchsetzt. Dabei sind die Blütenblätter blaßgelb gerändert und weiß geadert. So besitzen diese Blüten ein Farbenspiel von eigenartiger Wirkung und Pracht .

Clio. Ein ganz reizendes Farbenspiel zeigt sich auch in den Blüten dieser Sorte, indem die aufrecht stehenden Blütenblätter reinweiß, die hängenden schwarz ultramarinblau gezeichnet sind.

Conscience. Das Farbenspiel der Blüten ist hier ganz eigenartig, indem die oberen Blütenblätter olivefarben, die hängenden dunkelweinrot, leicht geadert sind.

Perfection. Die hängenden Blütenblätter sind reich sammetig ultramarinblau, die hochgestellten lavendelblau gefärbt, ein Farbenspiel, welches sehr vorteilhaft wirkt .

Magnifica. Die sehr großen Blüten dieser Sorte sind rötlich olivefarben bei den hochgestellten, und dunkel sammetbraunrot bei den hängenden Blütenblättern gelärbt.

Grachus. Diese Sorte bleibt ziemlich niedrig im Bau, blüht sehr reich und die Blütenblätter sind blaßgelb mit rot, netzartig geadert. Eine sehr zu empfehlende Sorte, die sich überall vorteilhaft verwenden läßt.

4. Anordnung von Blattpflanzen in den Parkanlagen der Königl. Lehranstalt.

Die Fig. -15 zeigt die Anordnung von Blattpflanzen in freier Anordnung und im Anschluß an eine Gehölzgruppe.

Es ist ganz außer Zweifel, daß durch Verwendung der verschiedensten Blattgewächse nicht nur eine rege Abwechslung sondern auch eine wohltuende Wirkung in einer landschaftlichen Gartenanlage geschaffen werdeu kann, wenn man auf die richtige Anordnung und Zusammenstellung der Pflanzen einen besonderen Wert legt und wenn man die Wirkung der einzelnen Pflanzen in Verbindung mit ihren Eigenschaften berücksichtigt. Aus der Abbildung

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