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der Wohnung hinausgetragen. Hierauf wurde das ganze Volk, damit möglichst alle Bienen auf den Waben sitzen blieben, vorsichtig in einen Reservekasten gestellt und die, welche noch im Stock geblieben waren, alle herausgekehrt. Jetzt stellte man von einem anderen Volke eine gedeckelte Königin-Zelle in die leere Wohnung ein und das dronenbrütige Volk wurde 20 m vom Bienenstand in ein Spargelfeld auf den Boden abgekehrt. Sobald alle Bienen entfernt waren, wurden die Waben mit der Buckelbrut dem Volk wieder eingestellt und das Fenster geschlossen. Die abgekehrten Bienen sind dann nach und nach in ihre Wohnung zurückgeflogen. Nur die Eierlegerinnen blieben Im Spargelfeld. Diese werden durch die Eier, welche sie im Leib haben, so dick, daß sie nicht mehr fliegen können. Schon am andern Tage konnte man sehen, daß der Weisel angenommen wurde. Die Bienen sind ruhiger geworden, fingen an zu arbeiten, und am vierten Tag hatten sie die ganze Buckelbrut aus den Zellen herausgezogen und zum Stock hinausbefördert. Zehn Tage nach dieser Arbeit wurde die Wohnung wieder geöffnet, dabei schon eine Wabe mit Eier gefunden, und das Volk war gerettet. Es ist aber trotzdem nicht mehr stark genug geworden, um es zu überwintern.

Den Wintervorrat haben wir unseren Bienen Mitte September gegeben. Das Wetter war recht schön, so daß sie das ihnen dargereichte Futter noch deckein konnten. Die Fütterung hat in diesem Jahre sehr lange gedauert . Wir mußten an 22 Völker 260 Pfd. Kristallzucker füttern. Jedes Volk erhielt nach seinem Honigvorrat 8 bis 12 Flaschen Zuckerwasser. Dies wird genügen, um sie gut durch den Winter zu bringen.

An eine Volksvermehrung durfte man in diesem Sommer gar nicht denken; man war froh, daß die vorhandenen Völker glücklich durch den Sommer kamen. Wir sind, wie im letzten Jahre, bei unseren 22 Völkern geblieben.

Bericht

über Gartenbau, Obsttreiberei und Arbeiten im Parke

der Lehranstalt.

Erstattet von dem Betriebsleiter Garteniuspektor F. Glind manu.

A. Pflanzenkulturen.

1. Allgemeines.

Konnte im letzten Jahresbericht (1905 Seite 86—89) auf den Bau und die innere Einrichtung der neuerbauten Gewächshäuser der Königlichen Lehranstalt hingewiesen werden, so erscheint es heute, nachdem diese Häuser ein volles Jahr in Benutzung gewesen sind, auf die gesammelten Erfahrungen, die man mit denselben gemacht hat, hinzuweisen.

a) Das Kulturhaus.

Dieses Haus hat sich in seiner Bauart und Einrichtung recht gut bewährt. Während in früheren Jahren stets die Beobachtung gemacht werden konnte, daß die empfindlichen und feineren Warmhauspflanzen in dem alten Warmhause nur mit größter Mühe und Pflege zu erhalten waren oder zu guten Kulturpflanzen herangezogen werden konnten, sind jetzt diese Schwierigkeiten vollständig über

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Fig. 25.

wunden und der Kulturzustand der in dem neuen Hause gepflegten Warmhauspflanzen gibt hiervon den besten Beweis.

Diese Kulturerfolge hängen neben der richtigen Pflege der Pflanzen auch mit dem Bau und der Einrichtung eines Pflanzenkult urhauses zusammen.

Wie schon bereits im letzten Jahresbericht erwähnt, ist das neue Kulturhaus frei über dem Erdreich errichtet, ein Vorzug, der namentlich der Lüftung des Hauses zu gute kommt und es ermöglicht, für eine reiue und frische Luft in demselben Sorge zu tragen. neuert werden muß, weil es sonst, da dasselbe sehr abgeschlossen ist und hoch erwärmt wird, leicht schlecht wird und dann einen unangenehmen Geruch im Hause verbreitet. Will man das Wasser haltbarer machen und den öfteren Wechsel desselben vermeiden, so läßt sich dieses durch einen Zusatz von Holzkohlestiicke in einfacher Weise erreichen.

Dadurch, daß das Haus frei über dem Boden steht, ist auch die Ansammlung einer dumpfen, feuchten und ungesunden Luft in demselben ausgeschlossen, wie solche in tiefliegenden Häusern und bei feuchten schweren Bodenverhaltnissen fast regelmäßig anzutreffen ist.

Die Centrallüftungsvorrichtungen am First des Hauses (siehe Fig. 24 u. 25), sowie der seitlichen Stehfenster und die der Seitenwandungen gestatten, je nach den Witterungsverhältnissen in geringerem oder ausgiebigerem Maße die Lüftung des Hauses in kürzester Zeit auszuführen, was eine Ersparnis an Zeit und Kraft bedeutet.

Die Tabletten des Hauses sind beweglich, d. h. zum Hoch- und Niederstellen eingerichtet. Diese Vorrichtung ist zwar nicht neu, verdient aber doch hervorgehoben zu werden, weil sie den Pflanzen, besonders in den Wintermonaten, sehr zu gute kommt.

Da man in gärtnerischen Betrieben stets bestrebt ist, den Pflanzen in den Gewächshäusern, namentlich während der Winterzeit, einen hellen, der Glasfläche des Hauses nahen Standort anzuweisen, so hat man es mit Hilfe dieser Vorrichtung in der Hand, je nach der Größe der Pflanzen die Tabletten bald höher, bald niedriger zu stellen und einen den Pflanzen entsprechenden und zusagenden Standort anzuweisen.

Die Vermehrungsabteilung dieses Hauses besitzt zwei Vermehrungsbeete, wovon das eine in der bisher gebräuchlichen Weise angelegt und eingerichtet ist, während das zweite über einem Wasserbeet errichtet wurde. Wie die umstehende Fig. 2b" zeigt, ist diese Anlage so eingerichtet, daß das im Behälter befindliche Wasser durch Heizrohre erwärmt wird und die hierdurch erzeugte Warme sich dem Vermehrungsbeet mitteilt.

Die Vorzüge dieser Anlage bestehen darin, daß sich die Wärme im Vermehrungsbeet mit Hilfe der Heizröhren leicht und bequem regeln läßt und daß größere Temperaturschwankungen fast ausgeschlossen sind, da das erwärmte Wasser die Temperatur lange hält. Schließlich ist auch als ein weiterer Vorteil dieser Anlage anzusehen, daß die sich entwickelnden Wasserdämpfe das Vermehrungsbeet von unten her gleichmäßig feucht halten, was der sicheren Bewurzelung der Stecklinge zu gute kommt.

Die Bewurzelung der in diesem Vermehrungsbeet gesteckten Stecklinge ist aus oben erwähnten Gründen eine recht gleichmäßige, wie auch die Bewurzelung selbst in kürzester Zeit vor sich geht.

An dieser Stelle darf auch nicht unerwähnt bleiben, daß sich die Einrichtung dieses Vermehrungsbeetes auch zum Treiben von Maiblumen, Zwiebelgewächsen usw. gut bewährt hat, doch sollen die gesammelten Erfahrungen, da noch nicht abgeschlossen, im nächstfolgenden Jahresbericht veröffentlicht werden.

Bezüglich der Bedienung eines solchen Vermehrungsbeetes darf nicht unerwähnt bleiben, daß das Wasser des Behälters öfters er

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Der große Kuppelbau hat sich für die bestimmten Zwecke gut bewährt und die Bedeckung desselben mit Rohglas scheint sich für die in diesem Hause kultivierten Pflanzen gut zu eignen. Allerdings ist die Rohglasbedeckung nicht ausreichend um Palmen usw. gegen Sonnenbrand vollständig zu schützen, weshalb auch hier noch eine besondere Beschattung der Glasfläche erforderlich wird.

Die Heizanlage für die Gewächshäuser hat als Ersatz für den verbrauchten Climax-Kessel zwei Gegenstrom-Gliederkessel erhalten, die miteinander verbunden worden sind und wovon bei mildem Wetter nur ein und bei strenger Kälte beide Kessel gefeuert werden.

Nach den bis jetzt gesammelten Erfahrungen arbeiten diese Kessel recht gut und der Verbrauch an Heizmaterial ist ein verhältnismäßig geringer.

Für die gleichmäßige und schnelle Erwärmung der Häuser erscheint es dem Berichterstatter zweckmäßig, die Zulaufrohre in den einzelnen Häusern stets mit größerem Durchmesser zu wählen wie die Rücklaufrohre und zwar mit der Begründung, daß bei stärkeren Zuflußröhren ein größerer Druck, eine schnellere Zirkulation des Wassers und damit eine schnellere Erwärmung der Häuser stattfindet, möglicherweise auch unter Ersparnis von Heizmaterial. Vielleicht gibt diese Mitteilung den Firmen für Gewächshausbau und Heizungsanlagen Veranlassung zu Versuchen und Prüfungen.

Für die Bewässerung der Pflanzen findet das, auf den Glasflächen sich ansammelnde Schnee- und Regenwasser, welches in zementierten Behältern aufgefangen wird, Verwendung. Nur im Notfalle kommt das Leitungswasser zur Verwendung und da dasselbe sehr kalt ist, so ist die Einrichtung getroffen, daß das Wasserleitungsrohr direkt auf dem Heizrohr angelegt ist. Diese Vorrichtung (siehe Fig. 26) ist zweckmäßig, indem im Winter das Wasser in dem Wasserleitungsrobr stets erwärmt wird und auch im Sommer eine genügende Erwärmung durch die Sonnenstrahlen stattfindet. Somit findet für die Bewässerung der Pflanzen fast ausschließlich erwärmtes Wasser Verwendung.

2. Prüfung von Pflanzenneuheiten.

Im letztverflossenen Jahre wurden wiederum verschiedene Pflanzenneuheiten einer Prüfung unterzogen, wobei folgendes Resultat gesammelt worden ist:

Geisenhoiracr Bericht 1900. <

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