Abbildungen der Seite
PDF
EPUB

In diesem Jahre war es aber anders; da mußte er tüchtig füttern, sonst wären seine Völker statt vorwärts, rückwärts gegangen.

Stachel- und Johannisbeeren haben am 11. April ihre Blüten geöffnet . Die Stachelbeeren wurden stark von den Bienen besucht, Johannisbeeren im allgemeinen weniger. Dagegen habe ich beobachtet, daß die schwarze Johannisbeere so stark beflogen wurde, wie noch in keinem Jahre zuvor. Leider trifft man diese Beerenart, trotzdem sie so wenig Pflege verlangt, fast gar nicht in Gärten an. Die Früchte werden gern auf dem Markt gekauft, um Gelee daraus zu bereiten. Sie liefern auch einen vorzüglichen Beerenwein. Auch kann man ein angenehmes Getränk daraus bereiten, wenn man */, 1 guten Weingeist in eine Literflasche tut, dieselbe mit 1/2 Pfd. gut gewaschenen schwarzen Johannisbeeren vollfüllt und die gefüllte, gut verkorkte Flasche ca. 4 Wochen in der Sonne stehen läßt. Nach Ablauf dieser Zeit sind die Beeren ausgelaugt und man kann sie abpressen und die gewonnene Flüssigkeit filtrieren. Jetzt fülle man die Flasche mit l/t 1 abgekochtem Wasser, in welchem 1/t Pfd. Zucker aufgelöst ist, auf und das Getränk ist fertig. Wem das Getränk nicht zusagt, denn der Geschmack der schwarzen Johannisbeeren ist nicht jedermanns Sache, der kann das Aromr durch Hinzusetzen von Kümmel oder Pfefferminze u. dergl. ändern.

Erst am 12. April konnten wir bei zwei Völkern die ersten Kunstwaben zum Ausbauen einhängen. Es hat den Bienen aber an Honig gefehlt, und da ging die Arbeit ganz langsam von statten. Die Bienen brauchen zum Bauen recht viel Honig.

Birnen, Pflaumen und Kirschen traten am 13. April in Blüte; sie brachen sehr schnell nacheinander auf. Honig brachten die Bienen aber wiederum keinen, wohl aber viel Blütenstaub. Solche großen Höschen tragen die Bienen in guten Honigjahren nicht ein; das ist dem erfahrenen Bienenzüchter wohl bekannt. Je größer sie ihre Körbchen mit Blütenstaub gefüllt haben, wenn sie von der Weide kommen, um so geringer wird die Honigernte.

Vom 6.—18. April war die Witterung für die Bienen recht günstig. Dann gab es am 19. in der Frühe mehrere Gewitter mit starkem Regen, die kühle Witterung zur Folge hatten.

Am 25. April sind die Äpfel und am .e50. April die Erdbeeren in die Blüte getreten; von den ersteren hat es aber keinen Ertrag an Honig gegeben, denn die Witterung war bis zum 2. Mai schlecht. Unsere Bienen konnten die Apfelblüte nicht befrachten, darum hatten wir auch eine ganz geringe Apfelernte.

Erst am 8. Mai um 2 Uhr ist das Thermometer auf -f- 15° C. im Schatten gestiegen, so daß die letzte Apfelblüte noch etwas ausgenutzt werden konnte. Jetzt hat auch der Löwenzahn (Leontodon Taraxacum) seine gelbe Blüte geöffnet. Alle Kleeäcker in der ganzen Gemarkung waren gelb. Soviel Löwenzahn hat man noch selten angetroffen, wie in diesem Frühjahr. Die meisten Bienen, die von der Weide kamen, waren ganz gelb, so hatten sie sich mit dem Blütenstaub des Löwenzahns beschmutzt. Auch in dieser Zeit kam wieder mehr Blütenstaub als Honig in die Stöcke.

Trotz der vielen schlechten Tage, die wir Ende April hatten, haben sich die Bienen noch ganz gut entwickelt. Am 5. Mai konnte man fast alle Stöcke erweitern, sie füllten jetzt den ganzen Brutraum aus. Es mußte aber tüchtig mit Futter nachgeholfen werden. Wir hatten uns 25 schöne, mit Honig gefüllte Waben von 190r> aufbewahrt, an diesem Tage war schon keine einzige mehr vorhanden, denn sie wurden alle an die Völker verteilt und auch verzehrt. In diesem Frühjahr konnte man rufen: „Bienenzüchter sei nicht geizig mit dem Futter, sonst verlierst du deine ganzen Völker." Es ist auch manches Volk, trotz Fütterns, mitten in der Blütezeit verhungert.

Am Samstag den 6. Mai sind die Bienen in diesem Jahre zum erstenmal um 6 Uhr geflogen. Trotz der vielen Gewitter, die wir am Freitag den 4. Mai hatten, ist die Witterung gut geblieben. An diesem Tage ist auch die Walnuß-Blüte aufgebrochen, die den Bienen viel Pollen lieferte.

Der 10. Mai hat die Völker stark zurückgeworfen. Am Vormittag war es recht heiß, da gingen sämtliche Bienen, die nur arbeiten konnten, auf die Weide. Zwischen zwei und drei Uhr gab es plötzlich ein Gewitter mit starkem Sturm, viel Regen und Graupeln. Hierdurch sind die Bienen in Massen zu Boden geschlagen und durch die dicken Regentropfen sehr mit Erde beschmutzt worden. Nach dem Gewitter gab es gleich wieder Sonnenschein und es wurde warm. Viele Tierchen, bei denen die Erde nicht so fest aufgeklebt war, konnten sich wieder reinigen und in ihre Wohnungen fliegen. Andere, die das nicht tun konnten, mußten elend zu Grunde gehen. Bei dem Reinigen haben sie eine große Übung. Zuerst werden die Flügel mit den Hinterbeinen gesäubert, dann kommt der Kopf an die Reihe und dies bewerkstelligen sie mit den Vorderbeinen. Das Putzen wird solange fortgesetzt, bis auch nicht ein einziges Stäubchen auf ihnen sitzt. Ist die Reinigung fertig, dann machen sie mit dem Kopf einige Bewegungen und fliegen nach ihrem Heim. Vor unserm Bienenstand liegt ein großes Spargelfeld, das in hohen Balken aufgezogen ist, damit die Spargeln recht schön lang werden. Bei dem starken Sturm flogen die Bienen zwischen den Balken nach ihrem Stand, um sich vor demselben zu schützen. Es haben sich auf diese Weise Tausende von Bienen das Leben gerettet.

Am Montag den 14. Mai hatten wir mehrere Gewitter aber ohne Regen, dann ist es leider bis zum 26. Mai kühl geblieben. Die Himbeeren sind am 15. Mai in die Blüte getreten. Von den Beerensträuchern hat wohl die Himbeere den meisten Honig. Aber auch im Ertrag steht sie keinem andern Beerenstrauch nach: weil sie spät blüht, hat sie nicht von Nachtfrösten zu leiden. Sie sollte aus diesem Grunde in keinem Garten fehlen. Sie braucht nicht den besten Platz: an schattigen Stellen, wo andere Obstarten nicht mehr gut gedeihen, kommt die Himbeere noch gut fort. Ist sie einmal angepflanzt, so hält sie lange Jahre ohne viel Pflege. Jede Hausfrau wird dankbar sein, wenn sie sich einige Flaschen Himbeersaft für den Sommer herstellen kann.

Die Honigräume hat man zwar in diesem Jahr geöffnet, Honig ist aber keiner hinein getragen worden. Fehlt es dem Bienenzüchter an Waben, um diese Räume auszufüllen, so kann er solche gewinnen, wenn er ein Volk von seinen Waben abfegt und es nachher auf Kunstwaben setzt. Diese Arbeit haben wir auch am 9. Mai unternommen. Das dazu bestimmte Volk wurde aus seiner Wohnung entfernt und in einen Reservekasten gestellt. Dann gibt man demselben soviel Kunstwaben, als es belagern kann. Nun werden die Bienen mit einer Gänsefeder oder feinen Bürste wieder in ihren Kasten zu den Kunstwaben gefegt. Die abgefegten und mit Brut gefüllten Waben verteilt man sofort an die schwächsten Völker. Wir hatten aber unterlassen, die Königin vorher einzufangen und einzusperren. Sie ist uns jedenfalls beim Entfernen der Waben verloren gegangen, denn die Bienen sind nicht auf den Kunstwaben geblieben, sondern zogen sofort in den Nachbarkasten ein und sind ganz willig von diesem Volk angenommen worden, und zwar aus dem Grunde, weil sie voller Honig gesogen waren. Sobald man eiu Bienenvolk in seiner Ruhe stört, fallen die Bienen über ihren Honig her und füllen ihre Honigblase. Auch an dem Nachbarvolk hatten wir einen Verlust. Die eingezogenen Bienen haben uns dort die Königin abgestochen, und nach einigen Wochen sind Bastardbienen ausgeflogen. Die junge Königin, welche sich die Bienen nachgezogen hatten, ist wahrscheinlich von einer italienischen Drone befruchtet worden.

Der 15. Mai hat uns den ersten Schwarm gebracht. Es war ein Schwächling, wie solches in diesem armen Bieuenjahre nicht anders zu erwarten war. Die Königin ist schon drei Jahre alt gewesen, und wir wollten auch unsern Stand nicht mehr vergrößern, so wurde sie ausgefangen und getötet; dann sind die Bienen in ihre alte Wohnung zurückgeflogen. Dafür gab uns dieses Volk neun Tage nach dem Vorschwarm auf Christi Hininielfahrt um zwei Uhr einen sehr starken Nachschwarin mit einer ganz jungen Königin, den wir in ein Reservekästchen brachten, damit er uns neue Waben baute. Solche Waben sind dann sehr gut geeignet, um sie im nächsten Frühjahr, wenn man seine Völker erweitert, an das Brutnest zu hängen. Dieser Nachschwarm hat uns wieder gezeigt, daß die junge Königin am neunten Tag nach dem Vorschwarm sich nicht viel um das Wetter kümmert. Wenn die Sonne nur eine halbe Stunde scheint, so zieht sie mit ihren Bienen aus. Die Witterung war an diesem Tfcge so ungünstig, daß es uns beim Einfangen des Schwarins fast gefroren hat. Da uns das Volk einen neuen Bau aufführen sollte, so mußten wir ihm am andern Tage 1 1 Kandiszuckerwasser geben. Honig wäre dienlicher gewesen; wir hatten aber schon den ganzen Vorrat vom vorhergehenden Jahr verfüttert. Das Volk hat uns aber trotzdem 18 Halbrähmchen ausgebaut. Sobald die Brut in den ersten Waben gedeckelt war, wurden sie entfernt, um ein anderes Volk zu verstärken, und dem Nachschwarm hat man wieder Anfänge eingehängt. Durch dieses Verfahren kann man seine zurückgebliebenen Völker gut aufhelfen.

Am 27. Mai sind Akazien und Esparsette in die Blüte getreten. Wenn in dieser Zeit die Bienen nur einige Tage gutes Wetter haben, so tragen sie tüchtig ein. Das war aber in diesem Jahr nicht der Fall. Es hat am 31. Mai abends um 6 Uhr ein Gewitter mit viel Sturm gegeben, so daß fast alle Akazienblüten abflogen und verdarben. Von der Esparsette können die Bienen im Rheingau leider nicht viel einheimsen, denn sie wird, sobald sie in die Blüte tritt, abgemäht. Leider wird hier von dieser Kleeart keine Samenzucht betrieben.

Am 28. Mai gab es drei Schwärme, die sehr viele Mühe und Arbeit beim Einfangen machten; trotzdem ist kein Schwarin in der ihm angewieseneu Wohnung geblieben. Die drei Schwärme waren schließlich so durcheinander, daß sie sich am Nachmittag an fünf Stellen im Garten festsetzten. Gegen Abend sind alle drei Schwärme zusammengeflogen und haben sich an dem Mittelast einer Pyramide vereinigt. Man hat sie alsdann in einen Strohkorb mit einem Schöpflöffel eingefüllt; es war ein ganzer Korb voll Bienen. Als sie alle eingezogen waren, hat man sie einen Tag und zwei Nächte in einen dunklen Keller gestellt . Am andern Morgen wurde der Korb auf den Stand gestellt und die Bienen haben auch sofort angefangen vorzuschwärmen, um sich zu orientieren, haben auch gleich am andern Tage damit begonnen, Pollen einzutragen. Man dachte nun, das Volk sei gerettet. Die stärkste Königin hat die andern abgestochen und sie ist Alleinherrscherin im Volk geworden. Man glaubte, das Volk wird, weil es so sehr stark war, auch seinen ganzen Wintervorrat eintragen, und man hat sich auch gar nicht mehr um dasselbe gekümmert. Bei der Herbstrevision war jedoch von dem starken Volke, das sich aus drei Schwärmen gebildet hatte, nur noch eine Hand voll Bienen vorhanden. Das Volk hat auf irgend eine Weise seine Königin verloren und ist dronenbrütig geworden. Dabei konnte man wieder lernen, daß man einen eingestellten Schwarm solange im Auge behalten muß, bis man die Gewißheit hat, daß die Königin befruchtet ist und Eier legt .

Wegen Mangel an Nahrung haben am Pfingstmontag den 4. Juni schon vier Völker ihre Dronen abgestochen. In drei Tagen war nicht eine einzige Drone in diesen Stöcken mehr anzutreffen. Wir mußten am 5. Juni jedem Volke eine Flasche Kandiszuckerwasser geben, sonst wären sie uns verhungert. Im vorhergehenden Jahre konnte man um diese Zeit seine Honigtöpfe füllen, und jetzt mußte man seine Bienen füttern. An blühenden Pflanzen, die Honig liefern sollten, hat es nicht gefehlt.

Die Anstalt legt neben dem alten Muttergarten eine 14 Morgen große Fläche mit Obstbäumen an, die gerade in diesem Sommer planiert wurde. Sobald ein Stück fertig planiert war, wurde es mit Senf für Gründüngung angesät. So wurden in Zwischenräumen von 3 Wochen vier ansehnliche Flächen besamt. Da hätten doch die Bienen genug Nahrung finden müssen; sie brauchten noch keine 100 m zu fliegen und waren dann schon auf der Weide. Auch der Senf hat nur Pollen geliefert und zwar nur an den Vormittagen. Am Nachmittag haben die Bienen denselben fast gar nicht beflogen. Wegen allzugroßer Trockenheit konnte sich wahrscheinlich kein Blütenstaub bilden.

Am Sonntag den 2. September hat der Mittelrheingauer Bienenzucht-Verein eine recht gut besuchte Versammlung in unserer Anstalt abgehalten. Herr Otto Alberti, Bienenzüchter in Amöneburg bei Biebrich a. Rh. hat verschiedene praktische Arbeiten an unserm Bienenstand vorgenommen. Er sagte dabei, ein Volk sei nur dann stark genug zum Überwintern, wenn es bei der Herbstrevision noch 14 Halbrähmchen besetzt hat. Alle andern Völker solle man vereinigen, sie würden erstens nicht gut überwintern und zweitens im nächsten Jahr doch nicht viel Nutzen bringen. Dann wurde noch betont, daß man jedes Volk, wenn es nicht Honig genug hat, so auffüttern muß, daß die oberen sieben Halbrähmchen von hinten bis vorn vollständig mit Honig gefüllt und gedeckelt sind. Wer seine Bienen so auffüttert, braucht nicht zu fürchten, daß sie im Winter verhungern. Mit einem solchen Quantum kommen die Bienen ganz gut bis zum April aus; dann ist die Witterung schon gut und sie können soviel Honig eintragen, als sie für ihre Brut gebrauchen. Ob das der Fall ist, muß der Bienenzüchter selbst konstatieren, wenn er im März seine erste Revision hält. Manche Völker brauchen über Winter viel, andere wiederum wenig Honig. Da tritt oft der Fall ein, daß man dem einen Volk geben muß und dem andern kann man nehmen, damit die Königin Platz bekommt, um ihre Eier abzulegen. Ist in einem Volke noch zu viel Honig vorhanden, so nimmt man eine nach hinten stehende Honigwabe heraus und stellt dafür eine leere, aber schon gut ausgebaute Wabe ein. Schließlich wurde der Versammlung noch empfohlen, man solle jeden Herbst die erste Wabe, welche am Flugloch steht, entfernen, und durch eine andere gute ersetzen. Diese Wabe hat immer einige Fehler, was uns gleich an Ort und Stelle bewiesen wurde.

Am 5. Juli haben wir auf unserm Bienenstand ein dronenbrütiges Volk mit viel Buckelbrut angetroffen. Sobald ein Volk seine Königin verliert und es hat keine Eier oder keine zwei- bis dreitägige Maden, um sich eine junge Königin nachzuziehen, so treten sofort einige Arbeitsbienen an die Stelle der Königin und bestifften die Zellen mit Eiern. Aus diesen unbefruchteten Eiern entstehen aber keine Arbeitsbienen, sondern nur Dronen. Wird einem solchen Volke nicht sofort geholten, so ist es in ganz kurzer Zeit verloren, weil die Arbeitsbienen im Sommer nur einige Wochen leben. Dieses dronenbrütige Volk hätte man gleich mit einem andern gesunden Volk vereinigen müssen, weil man im Juli keine Königinnen mehr nachziehen soll; solche Völker bleiben immer zu schwach für die Überwinterung. Wir wollten aber einmal ein solches dronenbrütiges Volk heilen; es war das erste, was wir bis jetzt auf unserm Stand hatten. Die Bienen nehmen, solange die eierlegenden Arbeitsbienen noch im Stocke sind, keine Königin an. Der Beweis dafür war bald geliefert Um 11 Uhr haben wir dem Volk eine sechstägige Königinzelle eingehängt und am andern Morgen war die königliche Made samt der Zelle schon entfernt und aus

« ZurückWeiter »