Abbildungen der Seite
PDF
EPUB

aus Samen, an der hiesigen Anstalt gesammelt, stammten, unter denselben Vorbedingungen zum Vergleich angebaut.

Es stellte sich nun heraus, daß ein Unterschied zwischen beiden Sorten nicht herrschte; ..Johannisfeuer" brachte weder früher die Früchte zur Reife, noch zeigten dieselben eine glattere Form. Es fanden sich ebenso viele gerippte Früchte bei „Johannisfeuer" vor, als bei der „Geisenheimer Frühtomate". Dies wurde selbst bei den Pflanzen konstatiert, die von der Originalsaat des Züchters stammten. Von einer Verbesserung der „Geisenheimer Frühtomate" kann also bei der Sorte „Johannisfeuer" vorläufig noch keine Rede sein.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß schon seit einigen Jahren an der hiesigen Anstalt und auch von anderer Seite auf eine Verbesserung der „Geisenheimer Frühtomate" hinsichtlich ihrer Form hingewirkt wird. Es finden sich stets eine Anzahl von Pflanzen, die neben den bisherigen Vorzügen auch glatte Früchte hervorbringen. Trotz sorgfältigster Auslese ist es aber bis jetzt noch nicht gelungen, die Sorte mit glatten Früchten konstant zu ziehen. Wir werden jedoch dieses Ziel durch weitere Bemühungen zu erreichen suchen.

Außer diesen beiden Sorten wurden noch eine Anzahl anderer Gemüse, die in den Katalogen als Neuheiten angepriesen wurden, auf ihren Wert hin geprüft. Da es eines mehrjährigen Versuchsanbaues bedarf, um über den Wert einer Sorte ein bestimmtes Urteil abgeben zu können, so soll das diesjährige Resultat mit dem der nachfolgenden Jahre vereint bekannt gegeben werden. Es sei jedoch schon an dieser Seile betont, daß eine ganze Anzahl dieser sogenannten „Neuheiten" Anspruch auf diese Bezeichnung nicht haben, denn sie stellen im Vergleich zu den bereits vorhandenen guten Sorten nach keiner Richtung hin eine Verbesserung, in vielen Fällen sogar eine Verschlechterung dar.

Für die nächstfolgenden Jahre sind auf den neuen Flächen der Anlagen umfassende Düngungsversuche geplant, wofür die Vorarbeiten bereits im Berichtsjahre eingeleitet wurden.

b) Spätkulturen von Gemüse.

Der Spätgemüsekultur wird sowohl von den Hausgartenbesitzern, als auch von Gemüsezüchtern von Beruf nicht die Beachtung geschenkt, die sie verdient. Die Erfahrung lehrt, daß gerade gegen Herbst und Winter einzelne Gemüse auf dem Markte infolge mangelnden Angebotes im Preise bedeutend steigen. Diese günstige Gelegenheit kann jeder Berufsgärtner wahrnehmen und durch Spätkulturen sich gute Einnahmen verschaffen. Je günstiger die klimatischen Verhältnisse sind, mit um so größerem Erfolge lassen sich derartige Kulturen durchführen.

Für die Spätkultur kommen sowohl das Freiland, als auch die Mistbeete in Betracht. Bei der Freilandkultur kommt es nur darauf an, durch späte Aussaaten den Abschluß in der Entwicklung der Gemüse d. h. die Zeit der Ernte soweit als möglich in den Spätherbst hinauszuschieben. Die Mistbeete dagegen sind mehr als Kulturstätten für solche Gemüsearten zu betrachten, welche bei Eintritt des Frostes oder ungünstiger Witterung des Schutzes bedürfen. Die in den Kästen kultivierten Gemüse können nun bei Gewährung des nötigen Schutzes längere Zeit in verkaufsfertigem Zustande gehalten werden, so daß die Kästen gleichzeitig als geeignete Überwinterungsräume dienen. Auf diese Weise ist es möglich, bis tief in den Winter hinein empfindliche Gemüse zur Verfügung zu haben, die sich in anderer Weise nicht überwintern lassen.

An der hiesigen Anstalt wird auf die Spätkultur der Gemüse besonderes Gewicht gelegt. Über die im verflossenen Jahre erzielten Resultate kann kurz folgendes berichtet werden.

Recht günstige Erfolge zeitigte die Spätkultur von Buschbohnen. Die Aussaat erfolgte gegen Mitte August. Bei günstiger Witterung entwickelten sich die Pflanzen derart, daß die Ernte sich bis Ende Oktober erstreckte. Wohl bleiben die Hülsen bei sämtlichen Sorten gegen Ende der Ernte infolge der kühlen Witterung in der Ausbildung etwas zurück, doch wurde immer noch ein Preis von 20—25 Pf. pro Pfund erzielt. Die Pflanzen wurden, da sie noch in vollem Laube standen, nach der Ernte als Gründüngung untergearbeitet. Sollte einmal wider Erwarten infolge schlechter Witterung die Kultur mißraten, so werden die Pflanzen, als Gründüngung verwendet, immer noch ihren Zweck erfüllen.

Auch die Spätkultur des Salates im freien Lande erwies sich als gut durchführbar. Allerdings wurde hierbei die Beobachtung gemacht, daß nicht jede Sorte hierfür geeignet ist. Wärmebedürftige Sorten, wie Goldforellensalat, kamen nicht mehr zum fertigen Abschluß, während die härteren Sorten: Fürchtenichts, Maikönig und Prinzenkopf bis in den November hinein gute Köpfe lieferten. Die Frostempfindlichkeit des Salats wird vielfach überschätzt. Nach unseren Beobachtungen verträgt der Salat bis 6° C. Kälte. Es ist nur nötig, nach einer Frostnacht und folgendem sonnigen Wetter die Sonnenstrahlen durch eine leichte Bedeckung mit Tannenreisig abzuhalten, um hierdurch das plötzliche Auftauen zu vermeiden.

Als lohnend kann auch die Spätkultur von Blumenkohl hingestellt werden. Dieselbe wurde in der Weise durchgeführt, daß die Pflanzen mit den Anfängen der Blütenbildung nach dem Eintritt stärkerer Fröste mit Wurzelballen aus dem freien Lande gehoben und in einem tiefen Mistbeetkasten oder in einem luftigen und nicht zu trockenen Keller eingeschlagen wurden. Die Bildung der Blütenscheiben nahm hier ihren weiteren Verlauf, so daß bis Anfang Februar fertige und gut ausgebildete Köpfe zur Verfügung standen. Es sei auch hierbei betont, daß die Blumenkohlpflanze 5—6° C. Kälte gut verträgt, so daß es fehlerhaft ist, diese unfertigen Pflanzen gleich bei den ersten Frösten, denen meist wieder mildes Wetter folgt, aus dem Lande zu nehmen.

4. Prüfung neuer Geräte.
Eine neue Pflanzschnur.

In den meisten Fällen gelangen in gartenbaulichen Betrieben Pflanzleinen aus Hanf gedreht zur Anwendung. Nur da, wo es sich um größere Dauerhaftigkeit sowie um die genaue Pflanzung handelt, gibt man den Drahtleinen oder Pflanzketten den Vorzug.

Eine von der Firma A. W. Kau iß, Drahtseilfabrik in Wurzen i. S. in den Handel gebrachte Pflanzleine ist aus feinen verzinkten Patent-Tigelgußstahldrähten angefertigt und mit Markierungszeichen versehen. Diese Leine steht in Bezug auf Handlichkeit den aus Hanf gedrehten in nichts nach, und sie zeichnet sich durch große Dauerhaftigkeit aus. Bei jeder Witterung kann sie im Freien bleiben, ohne sich im geringsten zu verändern; selbst wenn nach langem Gebrauch die Leine beschädigt wird, so ist sie mit Leichtigkeit durch Verknüpfen wieder zu reparieren. Um in solchem Falle durchweg gleiche Entfernungen zu erhalten, muß an der auszubessernden Stelle ein Markierungszeichen mit einem entsprechenden Stück Geflecht entfernt werden. Die Leinen sind erhältlich in den Längen von 30, 50 und 100 m; die Markierungszeichen sind auf 20 und 25 cm angebracht. Auf Wunsch resp. auf Bestellung werden aber auch andere Längen mit jedem beliebigen Markierungsabstand angefertigt. Die Preise der Leinen belaufen sich mit Aufwickelapparat und Spieß zum Feststecken in der Erde bei einer Länge von 30 m auf 7 M, von 50 m auf 8,50 M und von 100 m auf 13,50 M.

D. Bericht über Bienenzucht.

Von Anstaltsgärtner Bau mann.

Einen guten Reinigungsausflug konnten die Bienen am 8., 9. und 10. Dezember 1905 halten, sodaß man nicht zu befürchten brauchte, daß dieselben ruhrkrank wurden. Bei diesem Reinigungsausflug wurden auch alle toten Bienen aus den Stöcken herausgetragen. Man konnte die Lehre daraus ziehen, daß der Bienenzüchter an solchen warmen Wintertagen seinen Bienenstand besuchen muß, weil sich die Fluglöcher gar leicht mit toten Bienen verstopfen. Die Anstalt hat Blechschieber mit 3 Löchern vor den Fluglöchern, wodurch die Bienen ganz leicht aus- und einpassieren können. Diese kleinen Löcher stopfen sich aber gern mit toten Bienen zu. Ist dies der Fall, so muß man sie mit einem gebogenen Draht aus den Löchern herausziehen. Der Ausflug muß immer offen sein, sonst ersticken die Bienen. An warmen Tagen, wenn die Bienen stark fliegen, wie dies am 9. Dezember der Fall war, ziehen wir die Schieber vor den Fluglöchern ganz weg, und wenn der Ausflug beendet ist, werden sie wieder vor die Löcher geschoben. Ganz offen dürfen wir sie der Vögel wegen niemals lassen.

Unser Bienenstand steht mitten in den Obstanlagen, und hier halten sich den ganzen Winter über einige Kohlmeisen-Pärchen auf, die sogar in die Fluglöcher hinein kriechen, um die toten Bienen von dem Bodenbrett zu holen. Ist die Witterung günstig, wie dies im Januar der Fall war, so lösen sich die Bienen von der Traube ab, um sich dem Friedensstörer gegenüber zu stellen und werden dann von ihnen weggeschnappt. Haben sich die Meisen einmal an den Bienenstand gewöhnt, so bleiben sie nicht mehr weg; und wenn man sie noch so oft verscheuchte, sie kommen bald wieder zurück, um ihre Beute zu holen. Das Einstecken von langen Federn in Kartoffeln, mittels Bindfaden an eine Stange in der Nähe des Bienenstandes aufgehängt, wie man dies so schön in Büchern lesen kann, hält die Meisen nicht vom Bienenstand ab. Sind aber die durchlöcherten Blechschieber vor den Fluglöchern, so können sich die Meisen wohl auf die Fluglöcher setzen, Bienen werden sie aber nicht erhaschen. Stroh-Körbe kann man überhaupt nicht offen in Obstanlagen stehen lassen, die Meisen picken den ganzen Tag an den Körben herum, um nach Nahrung zu suchen und beunruhigen dabei sehr die Bienen. Müssen Strohkörbe frei in Obstanlagen stehen, so bringt man im Winter über jeden Korb einen Strohmantel an, dann können die Meisen die Bienen nicht belästigen. Der Bienenzüchter sollte jedoch die Meisen nicht bei seinem Bienenstand abschießen, denn er darf sie nicht zu seinen Feinden, sondern muß sie zu den Freunden zählen: rechnen wir sie doch zu den besten Vertilgern von Ungeziefer an unseren Obstbäumen. Gerade der Bienenzüchter soll in seinem Garten recht viele Nistkästen aufhängen, um den Meisen Gelegenheit zum Nisten zu geben. Wenn die Blüten von Insekten zerstört werden, so können sich die Bienen auch keinen Honig auf ihnen suchen.

Einen derart gelinden Januar wie den verflossenen hatten wir seit langer Zeit nicht mehr. An mehreren Tagen waren über -f- 10° C. im Schatten. Man hätte glauben sollen, die Bienen müßten bei einer solchen hohen Temperatur jeden Tag fliegen; dies war aber nicht der Fall. Es haben nur die stärksten Völker ihren Ausflug gehalten, während die schwächeren ruhig in ihren Wohnungen verblieben.

Der ganze Februar war kühl, die Bienen konnten nicht einen einzigen Ausflug halten. Am 2. März stieg die Temperatur im Schatten auf + 100 C., sodaß die Bienen das erste Wasser eintragen konnten. An diesem Tage wurden auch die Bodenbretter gereinigt. Es waren nicht viel tote Bienen vorhanden, da die Bienen im Januar an mehreren Tagen fliegen konnten und dabei gleichzeitig die toten Bienen beseitigten.

Die ersten Pollen sind in diesem Jahre am 4. März eingebracht worden und zwar von Taxus baccata und von Pfirsichen, die in einem Pfirsichhaus der hiesigen Anstalt blühten. Vom 4.—8. März war die Temperatur auffallend hoch; so hatten wir am 7. März + 19,70 C. im Schatten. Die Pfirsiche im Treibhaus wurden in diesen Tagen derart stark beflogen, daß mehrere Bienen auf einer einzigen Blüte Pollen sammelten. Sie sind schon, bevor der Gärtner die Fenster aufstellte um Luft zu geben, um das Pfirsichhaus herumgeflogen, und sobald Luft gegeben war, waren sie auch schon bei der Arbeit, um Blütenstaub einzutragen. Dies bat uns wieder den Beweis gebracht, daß die Pfirsichblüte stark von den Bienen beflogen wird. Es hat uns aber auch gleichzeitig gezeigt, wieviel die Bienen bei dem Pollensammeln zu der Befruchtung der Blüten beitragen. Die Pfirsiche in der Treiberei haben so gut angesetzt, daß man beinahe die Hälfte der Früchte ausbrechen mußte. Noch nie hat die Anstalt eine so schöne Pf irsich - Ernte im Treibhaus gehabt, wie in diesem Jahre.

So schön die ersten Märztage gewesen sind, um so schlechter wurden die letzten. Am 13. und 14. hat es viel geschneit, so daß der Schnee 15 cm hoch gelegen hat, und die Temperatur ist in der Nacht vom 14. auf den 15. auf —8,8 ° C. heruntergegangen. In der Nacht vom 15. auf den 16. stieg die Temperatur dann wieder so schnell, daß am andern Morgen die 15 cm hohe Schneedecke vollständig verschwunden war, und das Thermometer im Schatten -f 12.8° C. zeigte. Dabei gab es einen Tauregen, der für die Bienen sehr gefährlich wurde. Die Bienen mußten jetzt schon viel Wasser für die Brut eintragen, welches sie aber nicht an der Tränke holten, die ganz in der Nähe und an einer geschützten Stelle am Bienenhaus steht, und an die sie auch schon gewöhnt waren, sondern sie zogen das Schneewasser, das noch überall in den Wegen stand, vor; dabei sind sie erstarrt, weil der Tauregen kalt war. Wir haben mit den Schülern der Anstalt ganze Hände voll Bienen aufgelesen und in ein warmes Zimmer gebracht, von wo aus sie schon in 5 Minuten nach ihren Wohnungen flogen. Unsere Völker haben leider an diesem Tage stark abgenommen.

Der 17. und 18. März waren wieder zwei sehr schöne Tage. Es standen gerade die Crocus in uuserm Park in voller Blüte; sie wurden aber fast gar nicht von den Bienen beachtet. Sicherlich haben die Blüten in der Nacht vom 14. auf 15. März durch den Frost Not gelitten und darum keinen Blütenstaub angesetzt.

Am 19. März hatten wir den ganzen Tag Regen und Schnee

und die Temperatur ist bis auf — 2 ° C. heruntergegangen. Durch

den plötzlichen Witterungswechsel und die kalten Tage haben die

Bienen die Brut auf den unteren Waben verlassen, und diese ist

dann abgestorben. Man hat bei vielen Völkern auf den Flugbrettern

abgestorbene Maden gefunden.

Die Witterung war von Ende März bis zum 6. April recht schlecht. Es gab ein Gewitter mit viel Regen, dann erst hat sich das Wetter gebessert. Am 7. April sind die Aprikosen und Pfirsiche in die Blüte getreten und zwar fast alle Sorten auf einmal. Sie wurden sehr stark von den Bienen beflogen; Honig haben sie aber nur wenig eingetragen. Fast alle Bienen, die von der Weide heim kamen, waren stark mit Pollen beladen; sie brauchen diesen ja zur Zeit in großen Mengen, um ihre Larven zu füttern. Honig gehört "her auch dazu, und diesen mußte in diesem Frühjahr der Bienenzüchter seinen Bienen liefern. Der Rheingauer Bienenzüchter braucht «egen Nahrung während der Aprikosenblüte nicht mehr soviel nach meinen Lieblingen zu sehen, denn sie finden jetzt schon viel Honig.

« ZurückWeiter »