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Fläche mit dem Pfluge gearbeitet werden kann. Leider wird in der Praxis recht oft der Fehler gemacht, daß in größeren Obstbaubetrieben durch unzweckmäßige Bepflanzungsweise und Wahl der Zwischenkultur die Bodenbearbeitung mittels des Pfluges sehr erschwert, zuweilen sogar zur Unmöglichkeit wird, wodurch die Rentabilität von vornherein in Frage gestellt ist.

Die Gesamtgröße der in Zukunft für den Obstbau und Gemüsebau zur Verfügung stehenden Fläche (35 Morgen) läßt die Möglichkeit zu, die verschiedenen Betriebsweisen des Gemüsebaues für sich allein und in Verbindung mit dem Obstbau den Schülern und sonstigen Besuchern der Anstalt vorführen zu können.

Die im Berichtsjahre angebauten Gemüse dienten in erster Linie zur Versorgung des Internates: in beschränktem Umfange erfolgte ein Verkauf an die Beamtenfamilien, sowie an Einwohner der Stadt Geisenheim. Größere Mengen von Bohnen wurden in der Station für Obst- und Gemüseverwertung verarbeitet, während Tomaten an eine Konservenfabrik verkauft wurden.

Die mehr kühle regnerische Witterung während des Sommers war der Entwicklung der Gemüse im allgemeinen sehr förderlich. Mit Ausnahme der Gurken lieferten sämtliche Gemüsearten eine gute Ernte.

In erster Linie wurden die schon seit Jahren für den Anbau unter den hiesigen Verhältnissen als geeignet befundenen Sorten angebaut. Neben diesen wurden Neuheiten auf ihren Wert hin geprüft. Um Wiederholungen zu vermeiden, sei auf die letzten Jahresberichte (1900—1906) hingewiesen, in welchen die Resultate der Anbauversuche mit einer großen Zahl von Gemüsesorten bekannt gegeben sind. Anschließend an diese Veröffentlichungen kann über den diesjährigen Anbau der Gemüse folgendes Bemerkenswerte berichtet werden.

Der Blumenkohl lieferte besonders in den Herbstmonaten eine reiche Ernte. Der „Frankfurter Riesen" bildete enorm große Blütenscheiben; doch auch die Sorten „Algier," „Non plus ultra" und „Schneeball"', die in trockenen Sommern bisher oft versagten, ließen in der Ausbildung nichts zu wünschen übrig.

Bei Weißkohl hat die neuere Sorte „Ruhm von Enkhuizen", über welche wiederholt berichtet ist, sich wiederum gut bewährt. Der Kopf ist von mittlerer Größe, fest und verhältnismäßig zartrippig. Unter den Frühsorten verdienen „Johannistag" und „Erfurter kleines frühes" Erwähnung.

Beim Blätterkohl wurde die Sorte „goldgelber Butter" in diesem Jahre zum ersten Male angebaut. Die Sorte zeigte sich als recht ertragreich und zart im Geschmack; jedoch ist sie empfindlich gegen Frost.

Der Rosenkohl lieferte in den hiesigen Kulturen, ebenso wie der Blätterkohl, viel bessere Resultate wie die übrigen Kohlarten, was darauf zurückzuführen ist, daß die Entwicklung der ersteren mehr in die kühlen und feuchten Herbstmonate fällt. Die in den letzten Jahren erschienen neueren Rosenkohlsorten haben die alten „Brüsseler", ,.Aigburth" und „Non plus ultra-e nicht verdrängen können. 6. Raum für die Arbeiter während der Pausen,

Für die Frühkultur von Wirsing wurde neben dem „Kitzinger" und „Johannistag" der „Wiener Treib", der sonst nur für die Mistbeetkultur empfohlen wird, angebaut. Der Kopf bleibt klein, entwickelt sich jedoch schneller, als bei den übrigen Frühsorten.

Der „Ottensche blaue" Kohlrabi, welcher als Neuheit zum zweiten Male angebaut wurde, entsprach auch in diesem Jahre nicht den Erwartungen. Dieser Sorte wird nachgesagt, daß sie nicht so leicht in Samen ginge und dabei sehr lange zart bliebe. Wir haben jedoch keinen Unterschied im Vergleich zu anderen alten Sorten nach dieser Richtung hin feststellen können.

Sowohl die Busch- als auch die Stangenbohnen lieferten reiche Ernten. Da der Preis für Bohnen im Sommer ein sehr niedriger war, wurde ein großer Teil in der Station für Gemüseverwertung konserviert. Das beste Produkt lieferte von den grünen Sorten „Juli-Stangenbohne" und „Hinrichs Riesen", erstere als Salatbohne eingemacht. Von den Wachsbohnen widerstanden ..Schlachtschwert" und „Flageolot" der Hitze am längsten.

2. Neubauten.
Bau eines neuen Gerätehauses.

Der bisher für die Aufbewahrung der Garten-Geräte benutzte Raum war so klein und dürftig eingerichtet, daß es nicht möglich war, die für den Betrieb erforderliche Ordnung und Kontrolle über den Gebrauch der Geräte aufrecht zu erhalten. Außerdem fehlte es gänzlich an einem geeigneten Raume, in welchem die Arbeiter bei schlechtem Wetter und bei Licht in sachgemäßer Weise beschäftigt werden konnten. Auch für den Aufenthalt der Leute während der Pausen konnte bisher ein geeigneter Raum nicht zur Verfügung gestellt werden, was ganz besonders im Winter und bei ungünstiger Witterung während des Sommers als ein Mangel empfunden wurde.

Im Juni wurde der Bau des Gerätehauses in Angriff genommen. Dasselbe ist in nächster Nähe des Obsthauses, auf einer Fläche von 12 X 20 m = 240 qm errichtet. Das Gebäude ist einstöckig und in Fachwerk aufgeführt (Fig. 22). Die Höhe beträgt 9,8 m.

Wie aus dem beigefügten Grundriß (Fig. 28) ersichtlich ist, wurden eingerichtet:

1. Ein großer Arbeitsraum für Schüler und Arbeiter in einer Größe von 80 qm.

2. Ein großer Geräteraum für die Utensilien der Arbeiter in einer Größe von 52 qm. Auf der Südseite des Hauses schließen sich diesen beiden großen Räumen folgende kleinere an:

3. Bureau für die zwei Anstaltsgärtner im Obstbau,

4. Bureau für die Anstaltsgärtner des Gemüsebaues und der Baumschule.

5. Geräteraum für die Schüler,

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7. Raum für die Lagerung von Holz und Kohlen.

Der Geräteraum für Arbeiter ist in dei Weise eingerichtet, daß jedem Arbeiter für seine Gerätschaften, bestehend aus Schaufel. Spaten, mehreren Hacken und Rechen ein bestimmter mit Namensschild versehener Platz angewiesen ist. Alle Geräte tragen neben der Inventarnummer auch die fortlaufende Nummer, so daß es auf diese Weise wohl möglich ist, jederzeit eine genaue Kontrolle auszuführen. Bei dieser Art der Anordnung läßt es sich auch jeder Arbeiter aus eigenem Antriebe angelegen sein, für gute Instandhaltung und Sauberkeit der Geräte Sorge zu tragen.

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An der einen Wandfläche dieses Raumes sind auf einigen Wandbrettern die Gerätschaften für die Schädlingsbekämpfung als Spritzen, Schwefelapparate usw. untergebracht. Daneben wird noch ein großer Kessel für die Abkochungen von Quassiaspänen und die Herstellung anderer Spritzflüssigkeiten Aufstellung finden. Des weiteren sind hier die verschiedenen Erdbohrer, Locheisen und ähnliche Gerätschaften für die Obstbaumpflege übersichtlich geordnet aufgestellt. Auch die in den Anlagen zur Benützung gelangenden Säe- und Hackmaschinen haben hier Aufnahme gefunden.

Diese Anordnungen sind nicht allein aus Gründen der Aufrechterhaltung der Ordnung getroffen, sondern der Raum soll auch den Schülern und sonstigen Besuchern der Anstalt als Demonstrationsraum dienen.

Der Schülergeräteraum ist in ähnlicher Weise eingerichtet.

Ci.es.nhcimer Bericht 19(XI. 6

Auch hier wird besonderes Augenmerk auf Innehaltung der Ordnung und Sauberkeit gelegt. Es mußten hier für die Aufbewahrung der Geräte neben der Benutzung der Wände in der Mitte des Raumes einige Gestelle zu diesem Zwecke errichtet werden.

Der geräumige Speicher dient zur Aufbewahrung der verschiedenen Gerätschaften und Gebrauchsgegenstände für den Obstund Gemüsebau, wie Rohrdecken, Strohdecken, Körbe, Pflück- und Versandgeräte, Spalierlatten, Gartenbänke, künstliche Dünger u. dergl. Im Spätherbst werden Zwiebeln, Bohnen und andere Gemüse hierselbst gelagert. Das Gebäude, welches mit elektrischer Beleuchtung versehen ist, hat nach der Fertigstellung bereits gute Dienste geleistet.

3. Versuche und Beobachtungen.
3. Anbauversuche mit Gemüseneuheiten.

Die „Erfurter Ausstellungsgurke".

Diese neue Sorte wurde zur Treiberei in Mistbeeten benutzt und bewährte sich hierbei recht gut. Die Pflanzen zeichneten sich durch gesunden Wuchs und außerordentliche Tragbarkeit aus. Die Frucht ist von langer, schlanker Gestalt und grüner Farbe. Die Ausbildung geht schnell von statten, Früchte von 75 cm Länge wurden des öfteren geerntet. Als ein besonderer Vorzug ist noch die gute Beschaffenheit des Fleisches und das Vorhandensein von nur sehr wenigen Samen hervorzuheben. Die Sorte soll in kommendem Jahre in größeren Mengen angebaut und in dem neuerbauten Weinhaus auf ihre Brauchbarkeit hin als Treibhausgurke geprüft werden.

Die Tomate ..Johannisfeuer" („verbesserte Geisenheimer Frühtomate").

Die Vorzüge der „Geisonheimer Frühtomate", eine Züchtung der hiesigen Anstalt, sind in den letzten Jahren von vielen Gemüsezüchtern, welche in den Besitz von guten Samen gelangten, anerkannt worden. Die „Geisenheimer Frühtomate" stammt von der alten Sorte „Ficarazzre ab. Als Vorzüge gegenüber der letzteren sind vor allem die frühere Reife, der mäßige Wuchs der Pflanzen sowie die außerordentliche Tragbarkeit hervorzuheben. Als ein Mangel wurde bisher bei der „Geisenheimer Frühtomate" für den Marktverkauf die rippige Form der Frucht empfunden.

Die „verbesserte Geisenheimer Frühtomate" („Johannisfeuere) soll nun nach der vorliegenden Zuschrift des Züchters durchweg die Rippen nicht mehr aufweisen, was zutreffenden Falles in der Tat als eine Verbesserung der „Geisenheimer Frühtomate" zu betrachten wäre.

Da die Anstalt ein besonderes Interesse daran hatte, die Vorzüge der Sorte „Johannisfeuer" kennen zu lernen, so wurde der Versuchsanbau in etwas größerem Umfange durchgeführt. Von „Johannisfeuer" wurden insgesamt 500 Pflanzen ausgesetzt, die aus Samen herangezogen waren, welcher teils vom Züchter selbst, teils von zwei bekannten Samenhandlungen stammten. Gleichzeitig wurde dieselbe Anzahl von Pflanzen der „Geisenheimer Frühtomate", welche

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