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sammenarbeiten und die Möglichkeit, eingeschulte billige Arbeitskräfte zu jeder Zeit zur Verfügung zu haben, wird ohne Zweifel die Sicherheit der Ernten sowie die Einträglichkeit der Kultur erhöhen. Sobald für die Ausführung der Kultur besonders geschultes männliches Personal erforderlich ist, welches in Deutschland nicht so leicht und billig zur Verfügung steht, werden die Unterhaltungskosten bedeutend erhöht und somit der Reingewinn herabgesetzt.

Die Kosten für das Feuerungsmaterial weiden sich in Belgien ebenfalls verhältnismäßig niedrig stellen. Die Nähe des Golfstromes bewirkt milde Winter, so daß die einfache Kanalheizung zur Erzielung der erforderlichen Wärme genügt, und ein Decken der Häuser trotz der leichten Bauart im allgemeinen entbehrlich wird. Zudem sucht man noch durch gemeinsamen Bezug die Einkaufspreise für Kohlen herabzusetzen. Sehr bemerkenswert ist, daß nach Aussagen der Hoeylaerter Weinbauern die Kohlen das teuerste an der ganzen Kultur seien.

Die Rentabilität der belgischen Weinkulturen wird dortselbst noch dadurch wesentlich gesteigert, daß man es verstanden hat, für die Produkte sich einen lohnenden und sicheren Absatz zu verschaffen. Außerdem war die Bevölkerung stets darauf bedacht, der steigenden Nachfrage durch sofortige Vermehrung des Häuserbestandes nachzukommen, um fremder Konkurrenz rechtzeitig entgegenzutreten.

Die Belgier sind somit nicht nur tüchtige Kultivateure, die es verstanden haben, die Weinkulturen möglichst billig einzurichten und zu unterhalten, sondern auch tüchtige Kaufleute, und der Handel ist wohl organisiert.

Um die Weinhäuser in der ersten Zeit noch besser auszunutzen und die Einnahmen aus denselben zu erhöhen, werden noch Tomaten und Radies getrieben, sowie Spinat und Salat angebaut, soweit dies die Jahreszeit und das Alter der Stöcke zuläßt. Der Ertrag an Tomaten wird in den ersten beiden Jahren auf je 300 bis 500 kg für ein Haus angegeben.

Wenn nach diesen Betrachtungen auch die Weinkultur in Deutschland nicht die Rente abwerfen wird wie in Hoeylaert, so verspricht dieselbe doch, vorausgesetzt daß erfahrene Personen die Sache in die Hand nehmen, derartige Reineinnahmen, daß kapitalkräftige Personen diesen Kulturzweig möglichst schnell aufnehmen sollten. Daß Deutschland sehr viel Trauben benötigt, lehrt die große Einfuhr.

Dem Beispiele der Hoeylaerter folgend, muß vor allem jedoch dahin gestrebt werden, die Anlage- und Unterhaltungskosten möglichst niedrig zu stellen und den Absatz von vornherein kaufmännisch in die richtigen Wege zu leiten. Nur auf diese Weise wird es möglich sein, sich eine Rente zu sichern.

Über die Erfahrungen, welche hinsichtlich der Erträge des an der hiesigen Anstalt errichteten Weinhauses gesammelt werden, wird im Laufe der Zeit Bericht erstattet werden.

e) Die Ausbildung der Früchte von Frau Luise Goethe und Geheimrat Dr. Thiel.

Da beiden Birnensorten in den Kreisen der Obstzüchter besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird, so dürften die nachfolgenden Notizen über das Verhalten derselben im Berichtsjahre von Interesse sein.

Frau Luise Goethe erweist sich immer mehr als eine äußerst wertvolle spätreifende Tafelbirne. Die Früchte erreichten in diesem Jahre, besonders an jungen Spindelbäumen, eine ansehnliche Größe. Das Durchschnittsgewicht derselben betrug 300—400 g. Trotzdem sämtliches Winterobst auf dem Lager sehr schnell zur Reife gelangte, war es doch möglich, im Dezember genußreif werdende Früchte in diesem Zustande bis Mitte Januar zu halten. Dies ist als ein weiterer großer Vorzug dieser Birnensorte gegenüber anderen zu betrachten, die in genußreifem Zustande schnell übergehen. Die Frucht war auch in diesem Jahre von delikatem Geschmack und reich an Saft. Die Sorte hat sich im Handel bereits sehr gut eingeführt und erzielt recht hohe Preise. Auf Grund der bisherigen Erfahrungen wird Frau Luise Goethe in den neuen Anlagen eine besonders hervortretende Stellung einnehmen. (Vergl. Angaben über die Sorte in den Jahresberichten 1904.) Über die Tragbarkeit der Sorte läßt sich noch kein endgültiges Urteil fällen.

Geheimrat Dr. Thiel. Im Jahresbericht 1905 wurde der Wert der Frucht als Schaufrucht hervorgehoben und dabei betont, daß die Güte des Fleisches nur II.—III. Qualität sei. Aus diesem Grunde erschien es geboten, vor einer zu weitgehenden Anpflanzung dieser Sorte zu warnen. In diesem Jahre war nun die Qualität des Fleisches eine bedeutend bessere. Dasselbe war sehr saftreich und halbschmelzend. Wir nehmen an, daß die Sorte hinsichtlich Innehaltung der richtigen Pflückzeit ähnlich wie Clairgeau.s B.-B. sehr empfindlich ist, und daß die Ernte bisher regelmäßig etwas zu spät ausgeführt wurde. Um festzustellen, inwieweit diese Vermutung zutrifft, sollen im kommenden Jahre genaue Pflückversuche angestellt werden. Es wäre sehr zu wünschen, daß diese so prächtige Frucht auch ihrem inneren Werte nach mehr Beachtung verdiente. Mit besonderer Befriedigung würden wir das Urteil im Jahresbericht 1905 einer Revision unterziehen.

f) Die Anzucht von Obstneuheiten.

Die Anstalt hat sich schon seit Jahren die Aufgabe gestellt, durch die Anzucht von neuen anbauwürdigen Sorten zur Auffrischung der alten, zum Teil im Zurückgehen begriffenen beizutragen.

Die auf drei verschiedene Quartiere verteilten Sämlinge, welche aus dem Jahre 1896 stammen, zeigen in den letzten Jahren infolge zu dichten Standes zum Teil eine kümmerliche Entwicklung. Es hat sich auch herausgestellt, daß einige Bäume, die in den letzten Jahren sehr schöne Früchte lieferten, durch die Nachbarbäume unterdrückt werden. Um diese zu erhalten und die Tauglichkeit der neuen Sorten in kürzerer Zeit festzustellen, wurden von den als gut befundenen Exemplaren Veredelungen auf schwachwachsenden Unterlagen in der Baumschule ausgeführt, die auf einem besonderen Quartiere als Buschbäume weiter kultiviert und beobachtet werden sollen. Wir hoffen bereits in dem nächsten Jahre wiederum einige recht wertvolle Neuheiten der obstbaulichen Praxis übergeben zu können.

5. Prüfung neuer Geräte.

a) Pflughacke der Firma Kreichgauer-Würzburg.

Mit Hilfe dieses Instrumentes soll eine schnelle Bodenlockerung und Unkrautvertilgung erzielt werden. Die angestellten Versuche befriedigten auf dem hiesigen, zur Verkrustung neigenden Boden jedoch nicht, da die Handhabung der Hacke zu hohe Anforderungen an die Leistung des Arbeiters stellt. Da der Pflug von der bedienenden Person gezogen werden muß, so kann derselbe zwischen kleineren Kulturen, wie z. B. Gemüse, nicht benutzt werden; er kann vielmehr nur auf unbebauter Fläche Verwendung finden.

b) Baumsägen der Firma Clouth in Remscheid.

Die eingesandten Baumsägen besitzen Blätter, welche recht gut schneiden. Die Schraube, welche am oberen Teile des Blattes eingesetzt ist und dazu dient, beim Verstellen dasselbe festzuhalten, funktioniert recht gut. Einen besonderen Vorteil können wir an den Sägen nicht feststellen. Wir halten diejenigen Sägen noch immer für die besten, an denen der Handgriff mit dem Sägeblatt verbunden ist, damit man dasselbe von hier aus verstellen kann. Wenn die Flügelschrauben einmal eingerostet sind, und das läßt sich nicht gut vermeiden, so wird das Auf- und Zuschrauben Schwierigkeiten bereiten. Da, wo der Handgriff mit dem Blatt verbunden ist. kann man viel mehr Kraft anwenden, um es zu stellen.

c) Eine praktische Vorrichtung zum Spannen der Spalierdrähte an freistehenden Gestellen.

An den freistehenden Gestellen wurde der Draht bisher in der Weise gespannt, daß sämtliche Drahtlängen von Anfang bis zu Ende horizontal verliefen. Beim Straffziehen der einzelnen Drähte mittels der Drahtspanner machte sich meist der Übelstand geltend, daß beim Anziehen des einen Drahtes die übrigen bereits straffen Drähte wieder nachließen. Die in Fig. 16 abgebildete Spannvorrichtung.') welche in den hiesigen Anlagen praktisch zur Anwendung gebracht wurde, ermöglicht nach dieser Richtung hin ein schnelleres und sichereres Arbeiten. Sämtliche Drähte werden zunächst durch die Gegenstrebe der Endpfosten gezogen und finden an einer halbrunden

') Von einer französischen Baumschulfirma auf der Düsseldorfer Ausstellung vorgefühlt.

Geis.nheinner Bericht leJOü.

starken Eisenscheibe, welche an dem Endpfosten befestigt ist, ihren gemeinsamen Ausgangs- resp. Einmündungspunkt. Jeder Draht kann durch diese Vorrichtung für sich angespannt werden, ohne daß hierdurch die übrigen in Mitleidenschaft gezogen werden. Ein Nachgeben der Drähte ist deshalb ausgeschlossen. Es ist nur

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darauf zu achten, daß bei höheren Gestellen die oberen Löcher an der Gegenstrebe keine scharfen Kanten aufweisen, damit beim Straffziehen der Drähte im starken Winkel kein Einschneiden stattfindet. Aucli müssen die Endpfosten genügend tief und fest gestellt werden, damit diese insgesamt beim Anziehen der Drähte nicht nachgeben.

B. Bericht der Station für Obst- und Gemüseverwertung. 1. Allgemeines.

Die Station für Obst- und Gemüseverwertung wurde im Berichtsjahre besonders stark durch die Konservierung von Gemüsen in Anspruch genommen. Bei der erfolgten Vergrößerung der Obstanlagen ist auch dem Gemüsebaubetriebe mehr Feld zur Verfügung gestellt, und da auch hier auf eine rationelle Verwertung der Produkte Wert gelegt wird, muß die Station in allen Fällen einsetzen, in denen der Frischverkauf der Gemüse nicht mehr lohnend erscheint.

Im verflossenen Jahre wurden größere Mengen von Bohnen und Erbsen konserviert Leider macht sich bei der letzteren Gemüseart das Fehlen einer Löchtemaschine bemerkbar. Solange diese fehlt muß der Anbau der Erbsen auf das äußerste eingeschränkt werden. Bei der Bohnenkonservierung lieferte die Juli-Stangenbohne das feinste Produkt. Diese Sorte auf deren Anbauwert wiederholt in den Jahresberichten der Anstalt hingewiesen wurde, sollte auch im großen, für Konservenfabriken, mehr angebaut werden. Außer Bohnen und Erbsen gelangten Tomaten, Spargel und Karotten zur Verarbeitung.

Um der sich ständig mehrenden Nachfrage nach Obstprodukten der Station Genüge leisten zu können, mußte auf die Herstellung größerer Mengen von Konserven, Obstsäften, Gelees und Marmeladen mehr wie bisher Bedacht genommen werden. Leider wird die Station durch die vermehrte Inanspruchnahme nach dieser Seite hin an der Versuchstätigkeit nicht unwesentlich gehindert.

2. Versuche und Beobachtungen.

a) Die Verwendbarkeit von „Mertens Gebirgsstachelbeere" für die Herstellung von Gelee und Saft.

„Mertens Gebirgsstachelbeere" wurde im Jahre 1890 in den Obstanlagen der hiesigen Anstalt von dem früheren Obergärtner Mertens eingeführt. Sie stammt aus der Umgebung von Trier, woselbst sie als Zufallssämling gefunden wurde.

Der Strauch zeichnet sich durch große Genügsamkeit an den Boden, sowie durch äußerst kräftigen Wuchs aus. Wir kennen keine Sorte, welche nach dieser Richtung hin die Gebirgsstachelbeere übertrifft. Dabei ist die Sorte sehr reichtragend, wofür als Beweis dienen möge, daß 10jährige Sträucher im Durchschnitt 20—22 Pfd. Früchte liefern.

Die Frucht selbst ist klein, in der Reife goldgelb, von äußerst aromatischem Geschmack. Wenn die Sorte wegen der geringen Größe der Frucht auch keine Bedeutung für den Frischverkauf zum Rohgenuß hat, so sind die Produkte, welche aus derselben hergestellt werden können, um so wertvoller. Seit längerer Zeit werden die Früchte an der hiesigen Station zu Gelee verarbeitet.

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