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dem nötigen kurzen Rückschnitte fügen und ungern Fruchtholz bilden. Im Durchschnitt kann man den Verlängerungstrieben 12 Augen belassen, und es muß durch das Anbringen der in der Praxis der Formbaumzucht bekannten „halbmondförmigen Einschnitte" dafür gesorgt werden, daß die unteren Augen zum Austreiben gebracht werden. Bei den sich im Laufe der Zeit ergebenden Seitentrieben ist ferner darauf zu achten, daß durch zeitweises Auslichten derselben allen Teilen der freie Zutritt des Lichtes erhalten bleibt. Wird dieses versäumt, so stirbt allmählich das Fruchtholz nach dem Stamme zu ab.

Fig. 13 gibt den Teil eines Quartieres wieder, welches mit Spindeln in den Sorten Frau Luise Goethe und Madame Vertö bepflanzt ist. Die Spindeln stehen zur Zeit in einem Alter von 7 Jahren. Madame Vertö hat bereits vom vierten, Frau Luise Goethe vom fünften Jahre ab recht schöne Erträge geliefert. Im verflossenen Jahre brachten 36 Bäume der Frau Luise Goethe 683 Früchte, von prächtiger Ausbildung im Werte von rund 90 M, Madame Verte lieferte an 36 Spindelbäumen 3420 Früchte im Werte von 200 M. Im Berichtsjahre trugen 28 12jährige Spindelbäume von Hardenponts Winter B.-B. rund 12 Ztr. Früchte, die einen Erlös ven 240 M einbrachten. Diese wenigen Beispiele aus den hiesigen Anlagen werden die Einträglichkeit der Spindelform bei richtigem Vorgehen zur Genüge beweisen.

Die Spindel kann jedoch auch als eine schöne Form bezeichnet werden. Fig. 14 zeigt einen Spindelbaum der Sorte „Geheimrat Dr. Thiel", der, mit den herrlich gefärbten Früchten beladen, einen überaus prächtigen und anziehenden Anblick gewährte und die Bewunderung aller Besucher der Anstalt hervorrief.

Die Einträglichkeit des Spindelbaumes wird Veranlassung dazu geben, daß diese Form in unsern neuen Anlagen in sehr ausgiebiger Weise angepflanzt wird. Es werden nicht allein einzelne geschlossene Quartiere angelegt werden, sondern diese Form wird auch vielfach als Zwischenpflanzung in Hochstamm- und Halbstammquartieren Verwendung finden, um aus den Flächen frühzeitigere und höhere Erträge zu erzielen. Die schmale Form ermöglicht es, auf diesen Quartieren dauernd mit dem Pfluge arbeiten zu können, was bei den Buschbäumen infolge des ständig zunehmenden Umfanges der Krone nicht zutrifft.

c) Sind für die Zwergobstkultur die bisher zur Anwendung gebrachten schwachwachsenden Unterlagen entbehrlich?

Bisher wurde bei der Aufzucht der Zwergobstbäume für Äpfel als Unterlage Doucin und Paradies, für Birnen die Quitte verwendet und nur in Ausnahmefällen kam der Wildling zur Benutzung. In neuerer Zeit ist nun wiederholt dazu geraten, von der Verwendung der schwachwachsenden Unterlagen grundsätzlich Abstand zu nehmen und ausschließlich den Wildling zu benutzen. Man stützt sich hierbei auf die Beobachtung, daß Zwergbäume auf schwachwachsenden Unterlagen sehr häufig von der Pflanzung ab ständig ein kränkliches Wachstum zeigen, geringe Erträge liefern und in vielen Fällen sehr bald zu Grunde gehen, also den Erwartungen nicht entsprechen. Gleichzeitig wird behauptet, daß die Zwergbäume auf Wildlingsunterlage ein gesünderes Wachstum zeigen und ein höheres Lebensalter erreichen, wenn auch der Ertrag einige Jahre später einsetzt.

Diese Erörterungen sind auf fruchtbaren Boden gefallen und die erteilten Ratschläge werden in der Praxis bereits häufig befolgt. Da nach meinem Dafürhalten diese Frage jedoch durch die Veröffentlichung in den Fachzeitschriften noch nicht genügend geklart ist, so sollen im nachfolgenden die Erfahrungen mitgeteilt werden, welche an der hiesigen Anstalt hinsichtlich der Verwendung der schwachwachsenden Unterlagen bei den Zwergbäumen gemacht wurden.

Der Name „Zwergobst" besagt, daß man es hier im Gegensatz zu den Hochstämmen mit niedrigen, kleinen Formen zu tun hat. Die Zahl derselben ist eine sehr große. Von den freistehenden Formen, die ohne besondere Gestelle gezogen werden können, zählen hierzu: der Buschbaum, den man auch im Gegensatz zu den Hochund Halbstämmen als „Niederstamm" bezeichnen kann, die Pyramide und der Spindelbaum. Ferner gehören hierher die sehr mannigfachen Formen der eigentlichen Spalierzucht, als wagerechte Kordons, schräge und senkrechte Kordons, sowie die verschiedenen Palmetten, welche zur Bekleidung besonders errichteter Gestelle oder von Mauern und Häuserwänden benutzt werden.

Das Wachstum und die Ausdehnung der oberirdischen Teile eines Baumes ist nun wesentlich von der Entwicklung der unterirdischen Teile abhängig. Ist das Wurzelwachstum ein mäßiges, so wird sich auch der oberirdische Teil nur mäßig entwickeln und umgekehrt. Je kleiner wir also eine Baumform zu haben wünschen, um so mäßiger muß also auch das Wurzel wachstum sein und um so notwendiger wird eine schwachwachsende Unterlage. Wenn es nur auf die Aufzucht und Erhaltung einer bestimmten Form ankäme, so könnte man ohne Bedenken die Frage der Verwendung der verschiedenen Unterlagen ausschalten. Man könnte alsdann den Wildling als Unterlage, und den Schnitt als sicheres Mittel für die Aufzucht der Form benutzen. Die Bäume werden jedoch nicht in erster Linie der Form, sondern des Ertrages wegen gezogen. Die schönste Form hat für den Erwerbsobstzüchter keinen Wert, wenn sie nicht gleichzeitig auch Früchte liefert.

Aus diesen Erwägungen ergibt sich für die Praxis, daß bei den kleinen Formen die schwachwachsenden Unterlagen nicht entbehrt werden können. Wagerechte Apfel- oder Birnkordons z. B., auf Wildling veredelt, zeigen ein äußerst üppiges Wachstum, doch man wird stets finden, daß trotz ständigen Schnittes die erwartete Tragbarkeit nicht eintritt. Dies trifft auch für andere kleine Formen wie Schrägkordons, senkrechte Kordons. Uformen usw. zu. Werden bei diesen Formen jedoch Paradies- resp. Quittenunterlage verwendet, so wird das Wachstum von vornherein ein mäßigeres sein und der Schnitt wird den gewünschten Erfolg zeitigen. (Siehe auch die Abhandlung über den Spindelbaum auf Seite 49 u. f.)

In diesem Frühjahre wurden eine Anzahl älterer wagerechter Kordons in den hiesigen Anlagen entfernt. Unter diesen befanden sich mehrere Exemplare, die trotz regelmäßigen Schnittes in den letzten Jahren sehr stark ins Holz getrieben und demzufolge wenige Früchte geliefert hatten. Bei dem Herausgraben stellte es sich heraus, daß diese Bäume sich von der schwachwachsenden Veredelungsunteriage freigemacht d. h. oberhalb der Veredelungsstelle neue starke Wurzeln gebildet hatten, wodurch der schwächende Einfluß der Unterlage verloren ging. Fig. 15 gibt eine solche Veredelungsstelle wieder. Es ist deutlich zu erkennen, daß die Quitte als Unterlage bei der Ernährung des Baumes außer Tätigkeit gesetzt ist. Derartige Tatsachen lehren, daß, wenn jemand gegen die Verwendung schwachwachsender Unterlagen bei diesen Formen spricht und ausschließlich den Wildling empfiehlt, es richtiger wäre, überhaupt von der Anpflanzung dieser kleinen Formen gänzlich abzuraten.

Je mehr Raum man einem Baume zur Ausdehnung der oberirdischen Teile zur Verfügung stellt, je mehr Leistung also von diesem erwartet wird, um so kräftiger muß auch die Wurzelbildung sein. Bei einer Apfel-Verrierpalmette mit vier Etagen reicht z. B. der Paradies nicht aus und es muß Doucin als Unterlage verwendet werden. Die Verwendung des Wildlings als Unterlage ist aber auch hier noch nicht zu billigen, da die oberirdischen Teile zu stark treiben würden.

Ob der Apfel-Busch baum auf Paradies oder Doucin veredelt werden soll, hängt von der Entfernung der Bäume ab. Je enger der Stand der Bäume gewählt wird, um so nötiger wird die Verwendung der Paradiesunterlage. Buschbäume auf Paradiesunterlage können demzufolge auf 2—3 m gepflanzt werden, während dieselben auf Doucin unbedingt 5 m Abstand nach jeder Richtung hin beanspruchen. Ebenso verhält es sich bei den Birnen hinsichtlich Verwendung von Quitte bezw. Wildling.

Da die Buschbäume im Erwerbsobstbau als Zwischenpflanzung bei Hochstamm- oder Halbstammkulturen sehr häufig verwendet werden, so ist hinsichtlich der Verwendung der Unterlage größte Vorsicht und Überlegung erforderlich. Da die Buschbäume dann

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Fig. 15. Freigemachte Veredelung.

entfernt werden müssen, wenn die Hoch- resp. Halbstämme den Platz zu ihrer eigenen Entwicklung benötigen, so müssen die ersteren die Haupterträge bis zu diesem Zeitpunkte bereits geliefert haben. Stehen nun die Buschbäume auf Doucin und sind dazu obendrein ziemlich dicht gepflanzt, so müssen dieselben im Interesse der Hauptkultur vor dem Eintritt ihrer vollen Tragbarkeit beseitigt werden. Die Bäume haben alsdann nur Arbeit und Unkosten verursacht, die bisherigen Erträge waren infolge des üppigen Wachstums nur geringe und der Boden ist zum Nachteil der stehenbleibenden Hochoder Halbstämme stark ausgesogen. Der bisher durch den Ertrag der Buschbäume erzielte Nutzen ist in diesem Falle bei weitem geringer als der Schaden. Sofern Buschbäume als Zwischenkulturpflanzen auf Paradies veredelt sind, kann die Pflanzung schon eine dichtere sein. Erfahrungsgemäß setzen die auf dieser Unterlage stehenden Bäume früher mit dem Ertrage ein und haben eine kürzere Lebensdauer, so daß bei frühzeitigem Entfernen dieselben mehr geleistet haben als die auf Doucin stehenden.

Hinsichtlich der Wahl der Unterlagen spielt jedoch auch die Sortenfrage eine sehr wichtige Rolle. Stark wachsende Sorten in kleinen Formen oder auf engem Raum zu ziehen, erfordert die Verwendung der schwachwachsenden Unterlagen, umgekehrt wird bei der Aufzucht schwachwachsender Sorten in größeren Formen die Verwendung stärker wachsender Unterlagen eher zur Notwendigkeit.

Die Klagen über die kümmerliche Entwicklung und das frühzeitige Eingehen der auf schwachwachsenden Unterlagen veredelten Zwergbäumen haben ihren Grund darin, daß in sehr vielen Fällen die Anspiüche der Veredelungsunterlagen an den Boden nicht berücksichtigt werden. Die Paradiesunterlage sowohl als auch die Quitte sind anspruchsvoll an den Boden. Nur wenn das Erdreich sich in gutem Kulturzustand befindet, humusreich und hinreichend feucht ist, und wenn die Möglichkeit einer sachgemäßen Bodenbearbeitung (Düngung, Bewässerung und Lockerung) gegeben ist, vermag der Paradies und die Quitte als Unterlage sich gut zu entwickeln. Ist die Wurzelentwicklung eine gute, so ist auch die Ausbildung der oberirdischen Teile eine wunschgemäße. Der mangelhafte Wuchs, sowie das vorzeitige Eingehen vieler Zwergbäume ist in vielen Fällen darauf zurückzuführen, daß dieselben, auf Quitte oder Paradies veredelt, auf schwerem, kaltem und feuchtem oder aber auf zu magerem und trockenem Boden stehen.

Liegen derartige ungünstige Bodenverhältnisse vor und man beabsichtigt Zwergbäume, auf diesen Unterlagen stehend, zu pflanzen, so ist eine zweckentsprechende Bodenverbesserung nötig. Diese verursacht aber viel Arbeit und bedeutende Unkosten, so daß für den Erwerbsobstzüchter, der mit dem Oelde bei der Anlage rechnen muß, in diesem Falle nichts anderes übrig bleibt, als von der Verwendung der Formen, die diese schwachwachsenden Unterlagen erfordern, abzusehen und größere Formen zu wählen, welche die stärker wachsenden und genügsameren Unterlagen (Doucin bei Äpfeln resp. Wildling bei den Birnen) benötigen.

Aus diesen Betrachtungen geht hervor, daß es von Wichtigkeit ist, sich über die Bodenbeschaffenheit sowie den Einfluß des Erdreiches auf das Wachstum der Unterlagen klar zu werden, ehe man den Bepflanzungsplan festlegt.

Wenn nun bei den Birnen des öfteren darüber geklagt wird, daß trotz günstiger Bodenverhältnisse die auf Quitte veredelten Bäume schon nach kurzer Zeit wieder zurückgehen, so ist dies darauf zurückzuführen, daß eine Anzahl von Sorten auf der Quitte nicht gedeihen. Die Beobachtungen, welche in verschiedenen Gegenden nach dieser Richtung hin gemacht wurden, weichen in ihren Ergebnissen zum Teil voneinander ab. Während z. B. Gute Luise von Avranches in einer Obstplantage auf der Quitte gut wächst, zeigt sie in einer anderen Anlage auf dieser Unterlage eine kümmerliche Entwicklung. Sicherlich spielt hierbei der Einfluß des Bodens auf die Unterlage die ausschlaggebende Rolle.

Da das Resultat der hiesigen Beobachtungen über das Verhalten der verschiedenen Birnsorten gegenüber der Quitte als Unterlage von allgemeinem Literesse sein dürfte, so sei dasselbe nachfolgend kurz mitgeteilt. Im voraus sei bemerkt, daß wir es in den hiesigen Anlagen mit einem sehr sandigen, kalkhaltigen Lehmboden zu tun haben, der stark austrocknet und zur Verkrustung neigt. Von der Aufzählung weniger bekannten und für die Zwergbaumzucht weniger wichtigen Sorten wird Abstand genommen.

Sorte

Gedeiht

gut auf

der Quitte

Da auf der Quitte nicht gedeihend,

für kleine

Formen für große Zwischen- Formen ver- jWildling edelung

Grüne Sommer-Magdalene . .

Giffards B.-B

Romische Schmalzbirne. . .

Sparbirne

Clapps Liebling

Amanlis B.-B

Doppelte Philippsbirne . . .
Stuttgarter Gaishirtle. . . .
Sommer-Eierbirne . . . .
Williams Christbirne. . . .

Gute Graue

Deutsche National-Bergamotte
Andenken an den Kongreß .

Rote Bergamotte

Rote Dechantsbirne . . . .
Monchallard

* = ja. — = nein.

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