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Wie vorstehende Zusammenstellung lehrt, erstreckt sich bei einzelnen Sorten die Pflückzeit auf 14 Tage bis 3 Wochen. Dieser auffällig große Zeitraum wurde ausschließlich durch die Witterungsverhältnisse in den einzelnen Beobachtungsjahren (1898—1905) hervorgerufen. Insbesondere sind es die Witterungsverhältnisse der Jahre 1898 und 1905 gewesen, welche eine sehr späte resp. frühe Ernte hervorriefen. Im Jahre 1898 trat die Blüte infolge kühler Witterung recht spät ein und bis Ende Juli herrschte nasses, kühles Wetter, so daß die Entwicklung der Früchte und somit die Ernte bedeutend verzögert wurde. Im Jahre 1905 dagegen setzte von Anfang Mai ab anhaltende Trockenheit und hohe Wärme ein, welche eine beschleunigte Entwicklung der Früchte zur Folge hatte. Wir haben diese beiden Jahre trotz der abnormen Witterungsverhältnisse nicht ausgeschaltet, denn sie beweisen auf das beste, daß am Ort selbst die Pflückzeit bei den einzelnen Sorten bedeutenden Schwankungen unterworfen ist. Dieses Zahlenmaterial mahnt aber gleichzeitig, mit der Benutzung der in Lehrbüchern sich vorfindenden Pflücktabellen etwas vorsichtig zu sein.

Wenn auch diese Zusammenstellung, wie die einleitenden Ausführungen lehren, für andere Obstaulagen nicht so ohne weiteres zur Anwendung kommen darf, so bietet dieselbe doch für jeden Obstzüchter wertvolle Anhaltepunkte, in welcher Reihenfolge die Ernte der einzelnen Sorten der Reifezeit nach zu erfolgen hat. Hierdurch kann in der Praxis bereits mancher Fehler vermieden werden.

Für Obstanlagen, die sich unter denselben klimatischen Verhältnissen befinden wie die hiesigen, kann unsere Pflücktabelle schon mit größerer Sicherheit praktisch ausgenutzt werden, wobei allerdings immer zu berücksichtigen ist, daß der Boden und die Lage des Grundstückes Abweichungen hervorrufen können.

Die in neuerer Zeit für die Obstkultur immer mehr zur Bedeutung kommende Phrenologie wird uns auch in dieser Frage, in dem Maße als dieselbe weitere Interessenten findet und die Aufzeichnungen sich vermehren, recht wertvolle Anhaltepunkte zum Vergleich bieten.

Vor der Hand wäre es dringend erwünscht, daß auch in anderen Anlagen derartige genaue Beobachtungen und Aufzeichnungen gemacht würden, um von anderen Seiten her ähnliche Pflücktabellen für örtliche Verhältnisse zum Vergleich zu erhalten.

b) Der Spindelbauni, eine zweckmäßige Zwergbaumform für den

Erwerbsobstbau.

Über die Bedeutung der Buschobstkultur ist in den letzten Jahren des öfteren in Fachzeitschriften geschrieben worden. Infolge dieser Anregungen hat diese Baumform in den Erwerbsobstanlagen, die in neuerer Zeit angelegt sind, die weitgehendste Aufnahme gefunden.

Seit dem Bestehen der Anstalt wurden in den hiesigen Anlagen von den freistehenden Zwergbaumformen neben Buschbäumen noch Pyramiden und Spindelbäume in großer Zahl angepflanzt. Die günstigen Erfolge, welche bisher insbesondere mit dem Spindelbaum erzielt wurden, geben Veranlassung dazu, auf die vermehrte Anpflanzung desselben an dieser Stelle hinzuwirken. Gerade weil in neuerer Zeit in verschiedenen Fachblättern Stimmen gegen den

Gcisenheimer Bericht 1906. 4

Spindelbaum laut wurden, sollen die Vorteile dieser Form auf Grund der hierselbst gemachten Erfahrungen in Kürze erörtert werden. Gleichzeitig sollen die Punkte hervorgehoben werden, welche den Erfolg bedingen.

Für die Aufzucht des Spindelbaumes eignet sich besonders die Birne, weniger der Apfel; die übrigen Obstarten sind ganz auszuschalten. Wenn des öfteren über die geringe Tragbarkeit dieser Form geklagt wird, so ist dieses in erster Linie auf eine unrichtige Sortenwahl zurückzuführen. Nur solche Sorten dürfen verwendet werden, die sich von Natur aus durch frühzeitige und reiche Tragbarkeit auszeichnen. Es ist eine irrige Ansicht, daß die Tragbarkeit durch den Schnitt erzwungen werden könnte; im Jahresbericht 1904 ist diese Behauptung durch Zahlenmaterial widerlegt. Die zur Verwendung gelangenden Sorten müssen sich gleichzeitig auch durch mäßiges Wachstum, willige Bildung von Fruchtholz und aufstrebenden Wuchs auszeichnen.

Folgende Sorten haben sich in den hiesigen Anlagen als die besten Träger in dieser Form erwiesen. Von Frühbirnen: Giffards B.-B., Clapps Liebling, Williams Christbirne, Dr. Jules Guyot. Von Herbstbirnen: Herzogin von Angouleme, Gute Luise von Avranches, Holzfarbige B.-B., Clairgeaus B.-B., Capiaumont, Geheimrat Dr. Thiel. Von Winterbirnen: Diels B.-B, Esperens Bergamotte, Hardenponts Winter-B.-B., Madame Verte, Frau Luise Goethe, Notair Lepin, Präsident Drouard.

Bei den Äpfeln ist die Auswahl in den Sorten eine recht beschränkte, da nur wenige sich durch einen pyramidalen Wuchs bei mäßigem Wachstum und Bildung von kurzem Fruchtholz auszeichnen. Es sind zu nennen: Weißer Klarapfel, Minister von Hammerstein, Wintergoldparmäne, Baumanns Reinette, AnanasReinette und Cliarlamovvsky.

Von großem Einfluß auf den Erfolg ist die zweckentsprechende Wahl der Unterlage. Als kleine Form, bei welcher die Seitentriebe jährlich einem kurzen Rückschnitte unterworfen werden, können nur schwachwachsende Unterlagen in Anwendung kommen. Bei den Birnen kommt die Quitte, bei den Äpfeln der Paradies in Betracht. Eine Ausnahme machen nur Williams Christbirne, Dr. Jules Guyot und Clairgeaus B.-B., welche die Wildlingsunterlage beanspruchen, da sie auf der Quitte nicht gedeihen. Trotz des Wildlinges tragen diese drei Sorten vorzüglich in Spindelform, ein Beweis für die Tauglichkeit derselben für die Zwergbaumzucht im allgemeinen. Giffards B.-B. sowie Herzogin von Angouleme benötigen die Zwischenveredelung.

Der Abstand, in welchen die Spindelbäume gepflanzt werden, richtet sich nach der Art der Anlage. Da dem einzelnen Baume im unteren Teile ein Durchmesser von durchschnittlich 1,20 m gegeben wird, so genügt bei dei Anlage eines Spindelquartieres ein allseitiger Abstand von 2 m. In der Praxis wird sehr oft der Fehler der zu dichten Pflanzung der Spindeln gemacht. Werden die Bäume dichter wie 2 m gepflanzt, so wird man stets die Wahrnehmung machen, daß bei der zunehmenden Höhe der Bäume die unteren Partien derselben zu sehr beschattet werden, wodurch die Fruchtholzbildung gehemmt und der Ertrag bedeutend geschmälert wird. Durch den zu dichten Stand der Bäume wird auf einem größeren,

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gleichmäßig bepflanzten Quartiere gleichzeitig die Luftzirkulation gehemmt, was mangelhafte Befruchtung während der Blüte, sowie das stärkere Auftreten von Schädlingen und Krankheiten zur Folge hat.

Da, wo die Bodenbearbeitung mittels der Planetgeräte ausgeführt werden soll, ist dazu zu raten, die Reihen 3—3,50 ra und die Bäume in den Reihen 2 m von einander zu pflanzen.

Die gröbsten Fehler werden bei der Aufzucht des Spindel

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baumes gemacht. Es kommt darauf an, daß die Form gleichmäßig mit genügend licht gestelltem Seitenholz garniert wird. Wird der Verlängerungstrieb, mit dessen Hilfe wir den Baum in die Höhe ziehen, zu kurz zurückgeschnitten, so hat dies die Bildung von zu stark wachsenden Seitentrieben zur Folge, die sich nur unwillig

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