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auf dieselben einzuwirken vermag, um so mehr werden dieselben von dem Insekt gemieden und umgekehrt. Beweis hierfür liefern die Wandspaliere, an denen die Vertilgung der Laus ständig viel Arbeit macht.

Auch der Schnitt der Bäume ist von Einfluß auf das Auftreten der Blutlaus. Je mehr an den Bäumen durch den Schnitt Wunden erzeugt werden und frische Wundmasse sich bilden muß, umso günstigere Ernährungsverhältnisse werden dem Schädlinge geschaffen. Deshalb werden die unter ständigem strengem Schnitt gehaltenen Formbäume mehr zu leiden haben, wie in der Nähe befindliche Hochstämme, bei denen man den Schnitt auf das äußerste eingeschränkt hat.

Die Zahl der Mittel, welche zur direkten Beseitigung der Blutläuse empfohlen werden, ist eine sehr große. Dieselben wurden sämtlich in den hiesigen Anlagen auf ihre Brauchbarkeit hin geprüft und das Resultat der Versuche gelangte in den früheren Jahresberichten zur Veröffentlichung.

Zur Zeit werden nur zwei Mittel benutzt: Harzölseife für die Bekämpfung der Blutlaus in belaubtem Zustande der Bäume und Karbolineum nach dem Lau babfall. Die Harzölseife wird mit Wasser, im Verhältnis 1 : 20 verdünnt, und mittels Pinsel aufgetragen, während mit unverdünntem Karbolineum die befallenen Stellen vorsichtig betupft werden. Nur dann hat die Bekämpfung Aussicht auf Erfolg, wenn rechtzeitig der Kampf aufgenommen und energisch durchgeführt wird und wenn alle Obstzüchter sich gleichmäßig an der Arbeit beteiligen.

Bei der in den letzten Jahren erfolgten Verbesserung der Wasserversorgung und Vermehrung der Hydranten in den Obstanlagen der Anstalt spielt auch die Wasserleitung bei der Bekämpfung der Blutlaus eine wichtige Rolle Ein kalter Wasserstrahl mit Druck auf die Biutlauskolouien gebracht und dieses des öfteren wiederholt, leistet nach den hier gemachten Beobachtungen vorzügliche Dienste. Wir werden von unserer Wasserleitung in Zukunft bei der Blutlausbekämpfung in weit ausgedehnterem Maße Gebrauch machen und versprechen uns hiervon die besten Erfolge.

b) Maßnahmen zur Bekämpfung der roten austernförmigen Schildlaus an den Birnbäumen.

Dieser Schädling richtet in den Obstkulturen der hiesigen Anstalt schon seit Jahren ungeheueren Schaden an; er bereitet uns die größte Sorge und die meiste Arbeit. Dr. Luestner hat in dem Jahresbericht 1905 auf die Art der Beschädigung der Bäume durch dieses Insekt hingewiesen, und die mit Erfolg hier angewendeten Bekämpfungsmittel erörtert. Als einzig wirksames Mittel kommt nur Carbolineum in Betracht, welches in unbelaubtem Zustande der Bäume mittels Pinsels aufgetragen wird. Es wurde vorzugsweise das Karbolineum von Avenarius-Gau-Algesheim verwendet, da sich herausgestellt hat, daß andere Karbolineumpräparate, welche unter den verschiedensten Namen im Handel sich vorfinden, keine bessere Wirkung hervorrufen, dabei aber erheblich teuerer sind. Die Bekämpfung der austernförmigen Schildlaus, der gefährlichsten aller hier vorkommenden Schildlausarten, nahm die Tätigkeit der für Schädlingsvertilgung angestellten Arbeitsjungen die größte Zeit des Winters in Anspruch. Wenn jetzt nicht mit aller Energie der Weiterverbreitung dieser Schildlaus in den hiesigen Anlagen Einhalt getan wird, ist die erfolgreiche Durchführung der Birnkultur für die Zukunft geradezu in Frage gestellt; die Laus würde die Bäume langsam, aber sicher zu Grunde richten.

Da im Herbst 1907 mit der Bepflanzung der Quartiere in den neuen Anlagen begonnen wird, wird die Ausrottung dieses Schädlinges noch mehr zur Notwendigkeit, um die jungen Pflanzungen vor dem Befall zu sichern.

Über das Auftreten anderer wichtiger Schädlinge ist noch folgendes zu berichten:

Der Apfel- und Birnblütenstecher ist in den letzten Jahren in bedeutend geringerer Zahl aufgetreten. In der Bekämpfung dieses Schädlinges sind uns die Vögel die wichtigsten Bundesgenossen, die in den hiesigen Anlagen besonders gehegt werden.

Insbesondere kommen bei der Vertilgung des Blütenstechers die Meisen, der Laubvogel und das Schwarzplättchen in Betracht. Durch Aufhängen von Nistkästen, durch Schutz gegen Menschen und Katzen sowie durch Fütterung der hier bleibenden Arten in strengen Wintern bei hohem Schnee halten wir uns die so nützliche Vogelwelt in den Anlagen, und daß dieselben sich bei uns sehr wohl und sicher fühlen, dafür liefert die große Zahl der Vögel, die jedem Besucher auffällt, den besten Beweis.

Die Vogelwelt fand in diesem Jahre bei der starken Raupenplage viel Arbeit vor; insbesondere trat die Apfelbaumgespinstmotte wieder einmal in großer Zahl auf. Auch die verschiedenen Wicklerraupen richteten besonders an den Formbäumen empfindlichen Schaden an. Die Bekämpfung derselben wird dadurch erschwert, daß die durch die Raupen zusammengezogenen Blätter das Eindringen von Spritzflüssigkeiten unmöglich machen.

Andere Schädlinge, die sonst sich sehr unangenehm bemerkbar machten, waren in diesem Jahre nur wenig anzutreffen. Dies gilt besonders für die Birntrauermücke und die Kirschfliege. Sicherlich hat die mehr kühle Witterung im Mai viel zu diesem verminderten Auftreten beigetragen.

4. Versuche und Beobachtungen.

a) Die Aufstellung einer Pflücktabelle für die wichtigsten
Kernobstsorten.

Jeder Obstzüchter weiß aus Erfahrung, daß die Pflückzeit von großem Einfluß auf die Güte und Haltbarkeit des Obstes ist. Eine zu frühe Ernte desselben kann ebenso nachteilig einwirken, als wenn selbige zu spät ausgeführt wird. Eine zur unrichtigen Zeit vorgenommene Ernte macht sich besonders bei einer Anzahl von Birnsorten unangenehm bemerkbar. Es sei nur an Clairgeaus B.-B. erinnert, die bei zu langem Hängenlassen am Baume mehr einen groben Geschmack annimmt, während dieselbe, zur richtigen Zeit geerntet, schmelzendes Fleisch aufweist . Die Klage über die geringe Güte dieser oder jener Birnsorte, die den Erfahrungen anderer widersprechen, sind nach unseren Beobachtungen in vielen Fällen auf unrichtige Pflückzeiten zurückzuführen.

In Lehrbüchern finden sich nun sogenannte „Pflücktabellen" vor, welche für die einzelnen Sorten durch Monats- und Tagangabe den geeigneten Zeitpunkt zur Vornahme der Ernte genau festlegen. Nach unseren Erfahrungen ist es jedoch ein großer Fehler, wenn nach diesen Tabellen gleichsam als nach einem Schema überall gearbeitet wird. Es ist zu berücksichtigen, daß der Eintritt der Reife von verschiedenen Faktoren abhängig ist, die zunächst in Kürze erörtert werden sollen.

Der Eintritt der Reife wird ganz bedeutend von den klimatischen Verhältnissen einer Gegend beeinflußt. So ist z. B. die Vegetation auf den oberen Teilen des Westerwaldes im Vergleich zu der des Rheingaues um 3 bis 4 Wochen zurück. Diese Differenz tritt bei allen Kulturpflanzen und somit auch bei dem Eintritt der Reife einzelner Obstsorten hervor.

Auch die Bodenverhältnisse üben einen Einfluß auf die Vegetation und somit auf die Reife der Früchte aus. Je zeitiger sich der Boden erwärmt, je mehr Wärme er aufzunehmen und zu halten vermag, um so früher wird die Vegetation angeregt und um so schnellere Fortschritte macht dieselbe. Daß auf mehr leichtem, sandigem Boden die Früchte derselben Sorte früher reifen und wohlschmeckender werden, als auf mehr schwerem, kaltem Boden, trotzdem dieselben klimatischen Verhältnisse vorliegen können, findet hierin die richtige Erklärung.

Selbst die Lagenverhältnisse können auf einer engbegrenzten Fläche Unterschiede im Eintritt der Reife bei Früchten derselben Sorte hervorrufen. So reifen Pfirsiche an einer geschützten Südwand früher, als an einem freistehenden Buschbaum. In den hiesigen Anlagen sind eine Anzahl von Birnsorten sowohl im Spaliergarten als auch in dem mehr freigelegenen Muttergarten angepflanzt. Es erweist sich in jedem Jahre als Notwendigkeit, die Früchte derselben Sorte im Spaliergarten im Durchschnitt 5 Tage früher zu ernten, als im Muttergarten.

Selbst die Unterlagen und das Alter der Bäume beeinflussen die Entwicklung der Früchte. Bäume auf schwachwachsenden Unterlagen und solche, welche infolge mangelhafter Ernährung oder hohen Alters schwach im Wuchse sind, bringen ihre Früchte früher zur Reife als solche, die sich unter besseren Verhältnissen befinden.

Jar daß selbst das Licht eine große Rolle bei der Ausbildung der Früchte an ein und demselben Baume spielt, weiß jeder ObstZüchter. Bei der Ernte der Aprikosen z. B. ist ein Ausbrechen der Früchte nötig, wobei die auf der Sonnenseite sitzenden als die früher reifenden zuerst geerntet, die übrigen jedoch noch einige Zeit dem Baume zur weiteren Ausbildung belassen werden müssen.

Abgesehen von diesen Faktoren sind jedoch die jeweiligen Witterungsverhältnisse des Jahres vom zeitigen Frühjahre bis zur Zeit der Ernte bestimmend für den geeigneten Zeitpunkt derselben. Setzt das Frühjahr zeitig ein, beginnt die Blüte früh und herrscht während des Sommers mehr warmes Wetter, so entwickeln sich die Früchte schneller und die Ernte muß früher ausgeführt werden.

Aus diesen Tatsachen geht hervor, daß der Benutzung von Pflücktabellen aus Lehrbüchern nur bedingungsweise zugestimmt werden kann. Man kann aus denselben wohl entnehmen, in welcher Reihenfolge die einzelnen Sorten in ihrer Pflückzeit zu gruppieren sind, die Pflückzeit selbst sollte oder muß jedoch jeder Obstzüchter selbst bestimmen. Dazu gehört ein recht aufmerksames Beobachten der Entwicklung der Früchte von der Ernte bis zur Genußreife, eine kritische Prüfung des Geschmackes sowie der Haltbarkeit der Frucht auf dem Lager. Es müssen aber diese Beobachtungen in jedem Jahre gemacht werden, um unter Berücksichtigung der jeweiligen Witterungsverhältnisse Vergleiche anstellen zu können. Wenn über diese Beobachtungen Notizen gemacht werden, so ist man nach Ablauf einer Reihe von Jahren in der Lage, sich ein klares Bild über die zweckmäßige Pflückzeit der einzelnen Sorten y.u verschaffen und erst dann kann eine „Pflücktabelleu aufgestellt werden, die nur für die örtlichen Verhältnisse maßgebend ist. dabei aber für die Zukunft sehr wertvolle Anhaltepunkte bei der Ernte bietet.

Auf Veranlassung des früheren Direktors, Kgl. Landesökonomierat Goethe, wurde in diesem Sinne an der hiesigen Anstalt im Jahre 1898 durch Anstaltsgärtner Baumann damit begonnen, genaue Beobachtungen bei den vorhandenen Sorten anzustellen. Über die einzelnen Sorten wurden notiert: Tag der Ernte, Tag des Eintrittes der Genußreife, Dauer der Haltbarkeit auf dem Lager, Ausbildung der Frucht und des Geschmackes. Gleichzeitig wurden Aufzeichnungen gemacht über die Witterungsverhältnisse, sowie den Eintritt und Verlauf der Blütezeit.

Diese Aufzeichnungen, welche bis zum heutigen Tage fortgesetzt wurden, die sich also auf 9 Jahre erstrecken, sind sorgfältig gesammelt und bieten jetzt hinreichendes Material, um eine Pflücktabelle für die hiesigen Obstanlagen aufstellen zu können.

In der nachfolgenden Zusammenstellung ist bei den einzelnen Sorten die Pflückzeit nicht durch einen bestimmten Tag festgelegt, sondern es ist stets ein gewisser Spielraum gelassen. Die Notwendigkeit ergibt sich aus den vorhergehenden Erörterungen. Wenn z. B. bei Williams Christbirne als Pflückzeit angegeben ist: 14. August bis 3. September, so soll hiermit gesagt sein: „auf Grund der erfolgten Beobachtungen und Aufzeichnungen wird in Jahren, in denen die Ausbildung der Früchte infolge günstiger Verhältnisse schneller von statten geht, mit der Ausführung der Ernte bereits am 14. August gerechnet werden müssen, während in Jahren mit ungünstigen Verhältnissen (spätes Frühjahr, späte Blüte, kühler Sommer) der Beginn der Ernte sich bis zum 3. September hinausziehen kann."

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Pastorenbirne . . .16.

Forellenbirne . . .16.

Liegels Winter-B.-B.. 19.

Millets B.-B . . .19.

Weihnachtsbirne . . 19.

Six' B.-B 20.

Bacheliors B.-ii. . .21.

Winter-Nelis . . .22.

Präsident Mas . . .24.

Regentin 25.

Vauquelin .... 26.

St. Germain .... 28.

Die Chaumontel . . 28.

Madame Verte- . . . ;29.

Dechantsbirne von
Alencon ....

Winter-Meuris . .

Hardenponts Winter-
B.-B

Präsident Drouard

Edel-Crassane . . .

Ülivier de Serres . .

Schwester Gregoire .

Esperens-Bergamotte .

Josephine von Mecheln

Sterkmanns B.-B. . .

Frau Luise Goethe .

Notair Lepin . . .

Belle des Abres . .

Winter - Franchipanne

Beurre Henry Cour-
celle

Bretonneaus B.-B.

Neue Fulvie. . . .

Winter-Dechantsbirne

Späte von Toulouse

Suzette von Bavay .

Schöne Angevine . .

Winter-Apothekerbirne

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Okt.

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22. 20. 20. 17. 19. 19. 20. 20.

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