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Das anfangs warme und feuchte Frühjahrswetter kam den frisch gepflanzten Bäumen sehr zu statten, so daß die Resultate bezüglich des Anwachsens überaus günstige waren. Von den 800 frisch gesetzten Hochstämmen, 117 Spindeln, 163 wagerechten Kordons und 100 Beerenobststräuchern ist nur ein einziger Hochstamm ausgeblieben, resp. nach dem ersten Austrieb wieder zurückgegangen. Die Triebentwicklung während des Sommers befriedigte durchweg, und es zeichneten sich nach dieser Richtung hin besonders die Kirschenbüsche auf Mahaleb sowie die wagerechten zweiarmigen Kordons von Äpfeln aus. Ganz gut entwickelten sich auch die zurückgeschnittenen jungen Spindeln.

Weniger günstig war das Resultat bei den dem Schnitte unterworfenen senkrechten Birn-Kordons von Williams Christbirne, welche zur Bekleidung des Laubenganges an der Bahn entlang verwendet waren. Der Grund für diese Erscheinung mag darin zu suchen sein, daß der Standort für die ersten Entwicklungsjahre ein sehr ungünstiger ist, da die Wurzel in unmittelbarer Nähe eines Betonsockels der Umzäunung zu stehen kamen. Doch noch ein Umstand kommt hinzu. Die fraglichen Bäume waren zum Teil von außerhalb bezogen, da der Vorrat der Anstaltsbaumschule nicht ausreichte. Bei dem Eintreffen dieser Bäume im Oktober 1905 erregte es sofort unsere Aufmerksamkeit, daß die äußerst kräftigen Jahrestriebe, die Verlängerungen, wenig ausgereiftes Holz aufwiesen. Ohne Zweifel waren die Bäumchen durch vorzeitiges Ausgraben zum Versand in ihrem Wachstum gestört, und es waren noch zu wenig Reservestoffe abgelagert. Der wenig befriedigende Austrieb und die mangelhafte Wurzelentwicklung mehrerer Exemplare dürfte nach unserem Dafürhalten zum Teil auf diesen Fehler zurückzuführen sein. Jede Baumschule sollte es sich deshalb zum Grundsatz machen, im Herbste nicht zu früh mit dem Ausgraben der zum Versand kommenden Bäume zu beginnen.

Während einiger kürzeren Trockenperioden war in den Neupflanzungen die Zufuhr von Wasser erforderlich. Bei der erfolgten Vervollkommnung der Wasserleitung konnten die Gaben reichlich bemessen werden, so daß das Erdreich bis in die tieferen Schichten völlig durchfeuchtet war. In Neupflanzungen ist dieses eine der wichtigsten und notwendigsten Arbeiten, von der der Erfolg des Anwachsens wesentlich abhängt.

Gegen Mitte Juni wurde an den geschnittenen Steinobstbäumen mit der Sommerbehandlung der Kronen eingesetzt, um die für den späteren Aufbau derselben erforderliche Anzahl Leittriebe in möglichst geeigneter Stellung und Stärke rechtzeitig zu gewinnen. Die Verrichtung dieser Sommerarbeit sollte nie unterbleiben, denn es wird durch die rechtzeitige Behandlung der Kronen gerade in den ersten Jahren der strenge Rückschnitt um so eher entbehrlich, und wir erhalten Kronen, welche hinsichtlich ihres Aufbaues nichts zu wünschen übrig lassen.

Von Schädlingen und Krankheiten sind die Neuanpflanzungen ziemlich verschont geblieben. Verhältnismäßig stark traten die Raupen des kleinen Frostnachtspanners auf. Da in unseren älteren Kulturen dieser Schädling infolge regelmäßigen Anlegens der Leimringe sehr selten zu fiuden ist, und auch die Nachbargrundstücke ziemlich rein sind, so liegt die Vermutung nahe, daß mit den von außerhalb bezogenen Bäumen die Eier des Schmetterlinges eingeführt wurden. Diese Beobachtung lehrte, daß jeder Baumschulbesitzer der Vertilgung von Krankheiten und tierischen Schädlingen seine besondere Aufmerksamkeit schenken muß, und daß auch der Obstzüchter im Ptlanzjahre auf der Hut sein muß, um die etwa mit den Bäumen übernommenen Schädlinge und Krankheitserreger im Entstehen zu unterdrücken.

Bei dem starken Auftreten der Goldafterraupen im September blieb es nicht aus, daß auch die jungen Pflanzungen heimgesucht wurden. Einer Beschädigung wurde jedoch durch sofortiges Absuchen und Vernichten der Nester vorgebeugt. Anfänge von Blaltlauskolonien machten sich an den Apfelkordons wiederholt bemerkbar, doch wurden diese durch Anwendung der bekannten Aufkochung von Quassiaspänen und Schmierseife immer im Keime erstickt.

f) Die Ausführung einer Zwischenpflanzung auf dem neuen Steinobstquartier.

Um die im Frühjahre mit Steinobsthochstämmen bepflanzte Fläche schon in den ersten Jahren durch Obstbau möglichst intensiv auszunutzen, wurde nachträglich eine Zwischenpflanzung ausgeführt. Für das Pflaumen quartier wurden Birnen in Spindelform, für die Kirschpflanzung Pfirsiche in Buschform gewählt .

Bei den Pflaumen ist in den Reinen zwischen je 2 Hochstämmen eine Spindel gepflanzt, während bei den Süß-Kirschen noch je eine Reihe Pfirsichbüsche auf 5 m allseitigen Abstand eingeschoben wurde. Auf diese Weise bleiben auf beiden Abteilungen Streifen Landes von je 5 m Breite liegen, welche noch eine Bearbeitung der Fläche mittels des Pfluges gestatten. Auf diese Möglichkeit ist bei Anlagen zu Erwerbszwecken besonders zu achten, denn von der Durchführung einer billigen und doch guten Bearbeitung der Fläche hängt nicht in letzter Linie die Höhe des Reinertrages ab.

Für die Zwischenpflanzung von Birnspindeln sind nur drei für diese Baumform geeignete Birnsorten ausgewählt, nämlich Williams Christbirne, Clapps Liebling und Clairgeaus B.-B. in je 75 Expemplaren. Als Pflanzware wurden einjährige Pyramiden, Williams Christbirne und Clairgeaus B.-B. auf Wildling, Clapps Liebling auf Quitte veredelt, verwendet.

Die Pflanzung der Pfirsichbüsche wurde bis zum Frühjahr zurückgestellt, da gerade bei dieser Obstart die Erfolge bei der Frühjahrspflanzung immer günstigere sind. Bei der Sortenwahl wurde Gewicht auf frühe Reife gelegt. Es fanden Berücksichtigung: Amsden, frühe Alexander und ein Sämling, zur Zeit noch ohne Namen, dessen Reifezeit gerade zwischen die Früh- und Spätsorten fällt.

Die Pflanzweise beider Quartiere ist in Fig. 11 und 12 wiedergegeben.

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g) Anpflanzung neuer Beerenobstsortimente.

Zwecks Prüfung neuerer und neuester Erdbeersorten wurden aus verschiedenen bekannten Erdbeerzüchtereien insgesamt 77 Sorten bezogen. Die älteren und erprobteren Sorten wurden zum Vergleich in je einem Beete, die neueren, noch weniger beobachteten, in je einer Reihe aufgenommen. Das Erdbeersortiment setzt sich zur Zeit aus folgenden Sorten zusammen:

Erdbeersortiment.

1. Belle Alliance.

2. Comet.
Deutsch Evern.

4. Fillmore.

5. Garteninspektor Koch. i5. Iucunda.

7. Kaisers Sämling.

8. Kaiser Wilhelm.

9. König Albert.

10. La grosse sucree.

11. Laxtons noble.

12. „ Royal Souvereign.

13. Louis Gauthier.

14. Ananas perpetuel.

15. Ascania.

16. Aprikose.

17. Avantgarde.

18. Centenarium.

19. Deutsche Kronprinzessin. 49.

20. Doktor Hogg. 50.

21. Fürst Alex, von Bulgarien. 51.

22. Helgoland. 52.

23. Helvetia. 53.

24. Hohenzollern. 54.

25. Joanne d'arc. 55.

26. Kaiser Nie. v. Rußland. 56.

27. Korbfüller. 57.

28. La constante Feconde. 58.

29. La Perle. 59.

30. Late prolific. 60.

31. Laxtons Competitor. 61.

32. Laxtons Sensation. 62.

33. The Laxton. 63.

34. Mac Mahon. 64.

35. Marguerite. 65.

36. May Queen. 66.

37. Mad. Meslö. 67.

38. Mastadonte. 68.

39. Meteor. 69.

40. Monarch. 70.

41. Lucida perfecta. 71.

42. Rudolf Goethe. 72.

43. Sharpleß. , 73.

44. Sieger. 74.

45. St. Joseph. 75.

46. Vielfrucht. 76.

47. White pine appel. 77.

48. Weiße Ananas.

Die Westseite der Obstanlagen ist dem Drahtzaune entlang mit einem Brombeersortiment, enthaltend 15 Sorten, bepflanzt. Die mehr aufrechtwachsenden Sorten wurden auf eine Entfernung von 2 m, die übrigen auf 4 m gepflanzt. Das Brombeersortiment weist folgende Sorten auf:

Schöne Meißnerin.
Schöne Stuttgarterin.
Ruhm v. Döbeltitz.
Rote Rankenlose.
Weiße Rankenlose.
H. Möller.
Prof. Dr. Liebig.
Reine des precoces.
Richard Gilbert.
Riese v. Vierlanden.
Sir Harry.
Sir Joseph Paxton.
St. Anton von Padua.
Späte von Leopoldshall.
Späth's Rubin.
Teutonia.
Theodor Muli6.
Trafalgar.
Wilhelmine Späth.
Wunder von Göthen.
Bijou des fraises.
Royal Hautbois.
Chili ä fruit blanc rose.
Chili orange.
Chili Wilmots superb.
Eythraer Kind.
Richters Unermüdliche.
Gaillon rote.
„ weiße.

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Die Rabatten der Südgrenze entlang sind mit Rosa pomifera, die der Nordgrenze mit Rosa rugosa Regeliana bepflanzt. Beide Straucharten gehören insofern zum Obstbau, als deren Früchte von den Konservenfabriken verlangt und zu verschiedenen Produkten verarbeitet in den Handel gebracht werden.

3. Praktische Mafsnahmen zur Bekämpfung \on Schädlingen

und Krankheiten.

Die Ausführung der Bekämpfungsarbeiten, welche während des Jahres 1904 und 1905 der pflanzenpathologischen Station übertragen war, wurde vom Mai des Berichtsjahres ab dem praktischen Obstbaubetriebe wieder zugewiesen.

a) Maßnahmen zur Bekämpfung der Blutlaus.

Während der letzten 3 Jahre sind ständig 2—3 Arbeitsjungen mit der Blutlausvertilgung beschäftigt; außerdem wurden auch die Schüler zum Zwecke der Belehrung zu diesen Arbeiten hinzugezogen. Trotzdem ist von einer Abnahme dieses Schädlinges in den Obstanlagen wenig zu verspüren. Es ist dies keineswegs auf unrichtige Bekämpfungsmaßnahmen, sondern ausschließlich darauf zurückzuführen, daß sich die Blutlaus im Rheintal schon seit Jahren eingenistet und infolge der günstigen klimatischen Verhältnisse in ungeheuerer Zahl vermehrt hat, so daß sie aller Bekämpfungsmaßnahmen trotzt. Daß sie im Rheintal die wärmeren Stellen bevorzugt, gebt daraus hervor, daß die Anstaltsbaumschule und die in der Nähe derselben gelegenen Obstpflanzungen mfolge der freien, den Winden ausgesetzten Lage blutlausfrei sind, obwohl die Gefahr der Verbreitung hierselbst eine ebenso große ist, als im Rheintale selbst.

Die Blutlaus im Rheingau auszurotten, ist nach Lage der Dinge unmöglich. Der Obstzüchter muß sich mit dem Gedanken vertraut machen: „mit der Blutlaus leben zu müssen." Dabei ist jedoch dringend nötig, soweit als möglich die Vornahme geeigneter Bekämpfungsmaßnahmen rechtzeitig und mit allen zu Gebote stehenden Mitteln durchzuführen, damit die Seuche nicht weiter überhand nimmt.

Nach unseren Erfahrungen ist erstes Erfordernis, bei Neupflanzungen diejenigen Sorten möglichst auszuschalten, welche stark befallen, und besonders solche zu bevorzugen, welche weniger von dem Insekt heimgesucht werden. In den hiesigen Anlagen blieb bisher die Sorte „Northern Spy" (Späher des Nordens) vollkommen blutlausfrei. Wenig befallen wurden: Ananas-Reinette, Baumanns Reinette, Schafsnase, Graue Herbst-Reinette und Charlamowsky. Demgegenüber werden die Sorten Wintergoldparmäne, Weißer Winterkalvill, Gelber Bellefleur und Landsberger Reinette von der Blutlaus besonders bevorzugt.

Je nach der Baumform und der Behandlnngsweise der Bäume tritt die Blutlaus verschieden stark auf. Je näher die Kronenteile nach dem Boden kommen, um so stärker ist der Befall, da hier die Wärme durch die Ausstrahlung vom Boden her eine größere und gleichmäßigere ist. Aus diesem Grunde weisen die wagerechten Kordons gewöhnlich die größten Kolonien auf. Selbst an Spalieren kann man die Beobachtung machen, daß die unteren Baumpartien regelmäßig stärker befallen sind, wie die oberen. Je freier der Stand der Bäume ist und je mehr der Wind

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