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Kirschen .... gut

Mirabellen .... gut

Reineklauden . . . gering

Zwetschen .... gering

Aprikosen .... mittelmäßig

Pfirsich sehr gut

Beerenobst .... sehr gut

Schalenobst . . . gering Obsthandel. Die rege Nachfrage nach feinem Tafelobst und die hohen Preise, welche hierfür gezahlt wurden, lehrten, daß unter den hiesigen Verhältnissen der Anbau desselben unter Berücksichtigung der besonders dankbar tragenden Sorten sich stets als lohnend erweisen wird. Leider war es in diesem Jahre nicht möglich, die Kundschaft wie bisher bis in den Winter hinein zu befriedigen, da sämtliche spätreifenden Sorten sehr früh auf dem Lager geunßreif wurden. Sorten wie Hardenponts Winter-B.-B. und Le Lectier, die sonst zu unseren Weihnachtsbirnen zählen, zeitigten bereits Ende Oktober; Frau Luise Goethe war Anfang November genußreif, während dieses Stadium in andern Jahren erst anfangs Januar eintrat. Biese geringe Haltbarkeit der Früchte auf dem Lager war in diesem Jahre um so auffälliger, als die kühle Witterung während des Sommers eine langsamere Entwicklung der Früchte am Baume und des Reifeprozesses derselben auf dem Lager vermuten ließen.

Durch den beschleunigten Reifeprozeß der Winterbirnen häufte sich Ausgangs Oktober die Menge der verkaufsfähigen Ware in einer Weise, die nicht im richtigen Verhältnis zur Nachfrage stand.

Wir führen die Frühreife der Winterbirnen zum Teil darauf zurück, daß bei der reichen Ernte an Birnen das Obsthaus zu große Mengen von Früchten aufnehmen mußte, die bei der längeren Lagerung in mehreren Schichten eine höhere Wärme entwickelten. Es liegt sehr nahe, daß das Winterobst und insbesondere die Birnen sich um so länger haltbar erweisen werden, je kühler sie lagern. Hiermit hängt innig die Frage der Schaffung geeigneter Kühlräume zusammen, welche gerade in den letzten Jahren mit dem Hinweis auf das Vorgehen der amerikanischen Obstzüchter in Deutschland wiederholt erörtert ist.

Da bei der Vergrößerung der Obstanlagen der Anstalt sich das hiesige Obsthaus im Laufe der Zeit als unzureichend erweisen und somit die Schaffung größerer Lagerräume notwendig wird, so wäre es sehr erwünscht, wenn bei dieser Gelegenheit auch ein Kühlraum geschaffen würde, um praktische Versuche nach dieser Richtung hin im allgemeinen Interesse anstellen zu können.

2. Neuanlagen.

a) Bau eines Weinhauses nach belgischer Art.

Auf Veranlassung eines hohen Ministeriums für Landwirtschaft wurde von dem Berichterstatter in Gemeinschaft mit mehreren Obstbrufachleuten im Herbste 1904 eine Reise nach Belgien zur Besichtigung der dortigen Kulturen ausgeführt. Bei dieser Gelegenheit wurde den berühmten Weinkulturen in Hoeylaert bei Brüssel besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Auf Grund des erstatteten Berichtes wurde der Bau eines Weinhauses nach belgischer Art von seiten eines hohen Ministeriums angeordnet, um festzustellen, inwieweit diese Kulturmethode unter den hiesigen Verhältnissen Aussichten auf Rentabilität bietet.

Mit dem Bau des Hauses wurde die Spezialfirma Rubruck in Cöln a. Rh. beauftragt, welche dasselbe nach den von hier erfolgten Anweisungen im Juli des Berichtsjahres im Rohbau fertig stellte. Das Haus hat eine Länge von 20 m und eine Breite von 7 m; die seitlichen Mauern sind 25 cm stark. Das Profil des Hauses ist aus

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der Zeichnung (Fig. 5) genau zu ersehen. Die Höhe beträgt 3,50 m. Die Lage desselben ist mit der Längsachse von Norden nach Süden, so daß das Haus den ganzen Tag über dem Einfluß der Sonne ausgesetzt ist. Die Morgensonne trifft die nach Osten liegende Glasfläche, die Mittagssonne bescheint das Haus in der Längsrichtung, wodurch dieselbe nicht so sehr zur Geltung kommt und die sonst sehr hohe Temperaturentwicklung während der Mittagszeit vermieden wird. Die Nachmittagssonne kommt der nach Westen zu liegenden Glasfläche wieder zu gute. Es ist durch diese Lage erreicht, daß die Temperatur im Weinhaus sich den ganzen Tag in möglichst gleichmäßiger Höhe hält, und nicht wie dies sonst bei Weinhäusern, die mit der ganzen Glasfläche nach Süden liegen, der Fall ist, die Temperatur um die Mittagszeit sehr hoch und in den Morgen- und Abendstunden verhältnismäßig niedrig ist. Mit diesem Umstande muß hier im Rheingau gerechnet werden.

Die Unterkonstruktion des Weinhauses ist Schmiedeeisen und wird durch zwei Säulen in jedem Binder, deren 9 auf die ganze Länge angebracht sind, getragen. Auf diese eiserne Unterkonstruktion sind die Sprossen aus amerikanischem Pitsch-pine-Holz mit schmiedeeisernen Winkeln aufgeschraubt. Im (Hebel ist eine sogenannte Firstlüftung angebracht, deren Konstruktion ebenfalls aus der Zeichnung ersichthch ist. Die seitlichen 1,20 m hohen, schrägen Glaswände sind mittels eines einfachen Hebelmechanismus ganz zum Öffnen eingerichtet. Die Drahtbespannung ist 35 cm vom Glas entfernt; an den Bindern wurde eine Einrichtung angebracht, um die Drahtbespannung auch weiter vom Glas entfernt anbringen zu können.

Die ganze Konstruktion des Hauses entspricht der belgischen Bauart. Es wurden jedoch einige kleine Änderungen vorgenommen, welche in Anbetracht der hiesigen örtlichen Verhältnisse zur Notwendigkeit wurden.

1. Der Sockel des Hauses ruht flach auf dem Boden auf Eisenträgern, so daß den Wurzeln die Möglichkeit geboten ist, ihre Nahrung auch außerhalb des Hauses zu holen. Es werden zu beiden Seiten des Hauses besondere Beete hergerichtet, die reichlich Dünger und erforderlichen Falles auch Wasser erhalten. Diese Maßnahme wird sicherlich zur Kräftigung der Stöcke beitragen. In Hoeylaert wird der Sockel des Hauses in den Boden eingelassen, wodurch die Wurzeln mehr auf das Erdreich des Hauses angewiesen sind.

2. Die Sprossen der Fenster sind aus Pitsch-pine-Holz hergestellt, sodaß nur die Unterkonstruktion aus Eisen ist . Wir hoffen auf diese Weise eine gleichmäßigere Temperatur im Hause zu erzielen und den Tropfenfall im Winter möglichst zu verringern. Letzteres dürfte für die Überwinterung der Trauben an den Stöcken von besonderer Wichtigkeit sein. In Hoeylaert sind die Sprossen in den meisten Fällen aus Eisen und nur für die Träger werden in primitiver Weise Holzleisten und Balken verwendet.

3. In Anbetracht der sehr heißen Sommer im Rheingau wurde die einfache Lüftungsvorrichtung, wie solche in Hoeylaert zur Anwendung kommt, für nicht ausreichend erachtet. Aus diesem Grunde ist die Firstlüftung sowie die vollkommene Seitenlüftung angebracht, wie solche aus der Zeichnung ersichtlich ist. Wohl wurden die Kosten des Hauses hierdurch etwas erhöht, doch steht diesem außer der erforderlichen besseren Durchlüftung eine dauernde Ersparnis an Zeit und Arbeit gegenüber, so daß sich diese Mehrausgaben sicherlich verzinsen werden.

Was die zukünftige Kultur der Reben selbst betrifft, so wird keine eigentliche Frühtreibeiei ausgeführt werden, sondern das Haus wird dazu dienen, die Trauben bis zum Eintritt des Winters zur Genußreife zu bringen und diese alsdann möglichst lange an den Stöcken zu überwintern. Während der Vegetation im Laufe des Sommers wird also nur die Sonnenwärme ausgenutzt, und die Heizung muß im Herbste bei kühlem Wetter in Tätigkeit treten, um die Reife der Trauben zum vollständigen Abschluß zu bringen. Mit dem Eintritt der Kälte wird es sich darum handeln, die

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Temperatur des Hauses auf +3 bis 4° C. zu halten, um ein Erfrieren der Trauben zu verhindern. Da somit die Erwärmung des Hauses keine hohen Anforderungen mehr stellt, genügt die nach dem Torbilde der belgischen Häuser angebrachte Kanalheizung vollkommen. Diese bietet außerdem bei der Überwinterung der Trauben den Vorteil, im Hause eine genügend trockene Luft zu gewinnen, wodurch die Fäulnis der Beeren auf ein Mindestmaß eingeschränkt wird.

Im Laufe des Winters wurde das Erdreich auf 1 m Tiefe rigolt. Mit Rücksicht auf die bisherige langjährige starke Inanspruchnahme der Fläche durch Obstkulturen und den von Natur aus mageren Boden war eine gründliche Bodenverbesserung erforderlich. Zu diesem Zwecke fand eine gut vorbereitete Komposterde sowie ein großer Haufen Erde Verwendung, welche vor 2 Jahren mit 2 Waggons Stalldung durchsetzt war. Diese bodenverbessernden Materialien wurden 50 cm hoch aufgefahren und dafür der schlechte Untergrund in dieser Stärke beseitigt. Die Rigolarbeiten fanden Mitte Februar ihren Abschluß.

Für die Wasserversorgung wurde zunächst darauf Bedacht genommen, das vom Glasdache abfließende Regenwasser außerhalb des Hauses durch Längsrinnen aufzufangen und in 2 kleine Bassins in das Innere zu leiten. Außerdem ist ein Rohr der Eibinger Wasserleitung in das Haus gelegt und ein Hydrant angebracht, um mittels Schlauches die Bewässerung und das Spritzen zu jeder Zeit in gründlicher Weise ausführen zu können.

Die Bepflanzung des Hauses kann erst im Herbst 1907 ausgeführt werden, da das Schnittholz für die Anzucht der Reben aus den Weinhäusern der Anstalt erst im Frühjahre 1907 gewonnen werden konnte und die Einfuhr von Reben von außerhalb nicht genehmigt wurde. Während des Sommers 1907 wird das Haus durch Treiberei von Gurken, Bohnen, Tomaten und Erdbeeren ausgenutzt.

b) Vorarbeiten zu den Neuanlagen im Fuchsberg.

Im Frühjahr 1906 wurden die Vorarbeiten auf der für die Vergrößerung der Obstanlagen im Fuchsberg vorgesehenen Fläche in Angriff genommen. Dieses Gelände schließt sich dem alten Obstmuttergarten auf dessen Nordseite unmittelbar an und diente bis dahin zum größten Teile dem Weinbau.

Die gesamte Fläche ist rund 14,5 Morgen groß; davon sollen dem Weinbaubetrieb für die Unterbringung der Rebsortimente und der verschiedenen Erziehungsarten künftighin 3,5 Morgen verbleiben, während die übrigen 11 Morgen für die Anlage des Obstgartens in Betracht kommen.

Zur Zeit der Übernahme durch den Obstbaubetrieb waren von dieser Fläche noch 7 l/t Morgen mit Reben bepflanzt, welche somit zunächst entfernt werden mußten. Das Aushauen der Rebstöcke, eine mühsame Arbeit, wurde den Leuten im Akkord übergeben.

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