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vergleichen, die zwischen 0,41 und 0,52 g schwanken; nur Wein I enthält etwas mehr, nämlich 0,61 g.

Daß Wein I die meiste nicht flüchtige Säure neben wenig Alkohol enthält, läßt ihn besonders alkoholarm erscheinen. Bei den übrigen Weinen ist die nicht flüchtige Säure verhältnismäßig niedrig, sie drängt sich nirgends geschmacklich unangenehm hervor.

Die flüchtigen Säurezahlen sind bei einzelnen Weinen so hoch, daß sie sich der deutschen Grenzzahl 0,16 g für Rotweine stark nähern. Bei Wein II, III und VI wurde auch durch die Geschmacksprobe Essigstich erkannt, merkwürdigerweise jedoch nicht bei Wein V, der sogar 0,17 g flüchtige Säure enthält, oder ist vielleicht „Anhauch von Bitterkeit" als Kriterium des Stiches zu deuten?

Das Alkohol-Glycerin-Verhältnis konnte wegen Materialmangels nicht bei allen Weinen bestimmt werden. Es ist jedoch in 3 untersuchten Fällen hoch, da es zwischen 11,2 und 12,5 schwankt.

Die Mineralbestandteile schwanken zwischen 0,24 und 0,31 g; der Extrakt bewegt sich zwischen 2,4 und 2,6 g. Eigentümlich erscheint der immer noch hohe Stickstoffgehalt, der bis 0,04 g steigt. Die wasserlösliche Alkalinitat schwankt zwischen 0,5 und 1,4, während die wasserunlösliche Alkalinität fast konstant 0,6—0,7 beträgt. Infolgedessen schwankt auch die Gesamtalkalinität zwischen 1,2 und 2,0.

Das Gesamturteil der Zungenprobe ging dahin, daß die sehr edlen und vornehmen Weine den Höhepunkt ihrer Entwicklung bereits überschritten hatten.

9. Kleinere Mitteilungenr
a) Honoraranalysen

Im Auftrage von Behörden oder auf Wunsch von Privaten wurden im Betriebsjahre rund 200 Untersuchungen ausgeführt. Hauptsächlich betrafen diese Untersuchungen Weißweine, Rotweine und Beerenweine, doch wurden auch daneben geprüft: Schönungsmittel, Weinbergschwefel, Kupfervitriol, cyanisierte Pfähle, Weinbergsböden, Zucker, Zwetschenbranntwein, Cognak, Zitronensaft, Himbeersaft und anderes.

b) Gutachten.

Für das vorgesetzte Kgl. Ministerium, für verschiedene Ämter und für Privatpersonen waren eine größere Anzahl ausführlicher Gutachten in Weinangelegenheiten abzugeben. Der schriftliche Verkehr mit der Praxis betraf in den meisten Fällen Anfragen über die Technologie der Trauben- und Obstweine; besonders häufig handelte es sich um trübe, umgeschlagene, nicht durchgegorene, stichige oder schwarz gewordene Weine. Zur Beseitigung des Essigstiches wurde, wie im Vorjahre, der der Station gehörige Pasteurisierapparat öfters empfohlen und auch wiederholt von der Praxis benutzt.

c) Neuanschaffungen.

Von wertvolleren Neuanschaffungen seien folgende erwähnt:

1. Großer Vacuum-Verdampfapparat nach Soxhlet, komplett, mit Manometer.

2. Die Bibliothek wurde durch einige kleinere Werke vervollständigt.

d) Veröffentlichungen.

Von der Verlagsbuchhandlung E. Ulmer in Stuttgart wurde der Vorstand der Station mit dem Auftrage betraut, das Werkchen von M. Barth, die Obst- und Beerenweinbereitung neuzubearbeiten. Es ist im Laufe des Jahres in 6. Auflage erschienen.

e) Kurse, Vorträge, Unterricht.

An dem in der Zeit vom 13. bis 25. August stattgefundenen Obstverwertungskursus für Manner war der Vorsteher der Versuchsstation mit 6 Vorträgen, an dem vom 27. August bis 1. September abgehaltenen gleichen Kursus für Frauen mit 1 Vortrage beteiligt.

In der Zeit vom 19. November bis 1. Dezember fand in der oenochemischen Versuchsstation ein Kursus über Weinuntersuchung und Weinbehandlung statt. Die Beteiligung an diesem Kursus war eine sehr starke; 60 Hörer wurden aufgenommen und eine Anzahl, in den letzten Tagen vor Beginn des Kursus eingelaufener Anmeldungen mußte infolge Platzmangels zurückgewiesen werden. Bemerkenswert war die rege Beteiligung der Mosel an diesem Kursus.

In der Versuchsstation arbeiteten im Berichtsjahre 25 ältere Eleven, sowie als Praktikanten 5 Herren, nämlich: Theodor Schüler aus Trier; W. von Bossia/.ky aus Beigarodia (Rußland); G. F. Lindsell aus Constantia, Kapland; Louis C. Versfeld aus Constantia, Kapland; P. J. Retief aus Paarl, Kapland.

f) Veränderungen im Personalbestande der Station.

An Stelle des mit Schluß des vorigen Etatsjahres ausscheidenden Assistenten Dr. Krauß trat am 1. April 1906 Herr Dr. Hermann Schäfer, der die Station am 31. September wieder verließ. Sein Nachfolger wurde vom 1. Oktober an Herr Dr. Albert Szameitat.

Bericht

über die Tätigkeit der Hefereinzuchtstation.

Erstattet von C. Seiß, Assistentin der Station.

Im laufenden Etatsjahr fand insofern ein Wechsel im Personal der Hefereinzuchtstation statt, als am 1. November der bisherige Assistent, Dr. Boetticher aus dem Dienste derselben ausschied, um die Stellung des Betriebsleiters der fiskalischen Pastillenfabrik und Chemikers der Kgl. Bade- und Brunnendirektion Bad Ems zu übernehmen. An seine Stelle trat die Berichterstatterin, nachdem dieselbe im Jahre 1905—1906 und während der ersten Monate des verflossenen Etatsjahres als Volontär-Assistentin in der Station tätig gewesen war. Während eines dreiwöchentlichen Sommerurlaubs des Assistenten der Hefe-Reinzucht-Station übernahm dessen Dienst der Direktorial-Assistent Löckermann.

A. Tätigkeit der Station im Verkehr mit der Praxis.

1. Geschäftsverkehr.

Die Korrespondenz mit der Praxis erfuhr im vergangenen Jahre wiederum eine wesentliche Erweiterung. Die Zahl der eingegangenen und erledigten Anfragen betrug 2350 gegenüber 1996 im Vorjahre. Hiervon hatten Bezug auf Umgärung von gesunden und fehlerhaften Weinen 622, auf Vergärung von Obst- und Beerenmoste 599, von Traubenmosten 393, auf Herstellung von Schaumweinen 133, während der Rest verschiedene nicht gärungsphysiologische Dinge betraf.

Die Zahl der Ausgänge betrug 2909 gegen 2493 im Vorjahre.

2. Tätigkeit der Station in Bezug auf die Vergärung
der Obst- und Traubenmoste.

Die Dauer dieser Tätigkeit erstreckt sich von Ende Juni bis Ende November. Sie beginnt im Juni mit der Beerenmostvergärung, der sich im September die Vergärung der Obst- und roten Traubenmoste anschließt, während im Oktober und November die Vergärung der weißen Traubenmoste den Schluß bildet.

Im gleichen Schritt mit dem brieflichen Verkehr der Station hat auch der Reinhefe-Versand derselben im verflossenen Jahre erheblich zugenommen. Gerade die diesjährige Mehrabgabe von Reinhefe beweist, daß die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung auf dem Gebiete der Gärungsphysiologie in den Kreisen der Praxis mehr und mehr gewürdigt werden. Denn, da mit Ausnahme des größten Teiles der Mosel und einiger Teile von Rheinhessen, Baden und Elsaß, alle anderen deutschen Weinbaugebiete eine völlige Mißernte hatten, so wäre ein entsprechender Ausfall bezüglich der Abgabe von Reinhefe für die Mostvergärung sehr wahrscheinlich gewesen. Wenn dieser Ausfall nun nicht eingetroffen ist und im Oktober die Abgabe von Reinhefe zur Traubenmostvergärung im Vergleich mit demselben Monat des Vorjahres sogar noch eine Steigerung von 20% erfahren hat, so kann dies nur darauf zurückzuführen sein, daß ein großer Teil derjenigen Weinproduzenten, die vielleicht in anderen Jahren nie Reinhefe bezogen haben, in der Befürchtung einer mangelhaften, spontanen Gärung und in der Einsicht der Vorteile der Reinvergärung, der letzteren den Vorzug gegeben haben. Jedenfalls war es manchem Weinproduzenten in diesem Jahre darum zu tun, sich den geringen Ertrag der Ernte wenigstens durch eine glatte Durchgärung seines Weines zu erhalten. In der Tat erweisen sich die mannigfaltigen Vorteile der Vergärung mittels Reinhefe, die im wesentlichen in einem frühzeitigen Eintritt der Gärung, einer glatten Durchgärung, einem schnelleren Fertigwerden des Weines und der Erzielung eines reintönigen und reingärigen Produktes gipfeln, besonders in schlechten Jahrgängen für den Winzer als geradezu unentbehrliches Hilfsmittel.

Die Nachfrage nach Reinhefe zur Apfel- und Beerenweinbereitung war im letzten Jahre eine besonders häufige, so daß die Zahl der für diese Zwecke abgegebenen Reinhefen eine Höhe erlangt hat, wie sie seit dem Bestehen der Station noch nicht erreicht worden ist. So wurden in diesem Jahre über 100 Reinhefen zur Beerenmostvergärung und über 150 Beinhefen zur Apfelmostvergärung mehr verlangt als im vorigen Jahre. Wenn in dieser Hinsicht auch die guten Ernteergebnisse des Jahres 1906 gegenüber 1905 mit ausschlaggebend gewesen sind, so ist doch der Mehrverbrauch an Reinhefe gerade für die Beeren- und Obstmostvergärung charakteristisch für die durch Obsrbauschulen und Wanderlehrer in Vorträgen und fachwissenschaftlichen Zeitungsartikeln erstrebte, in allen Teilen Deutschlands von Jahr zu Jahr zunehmende Aufklärung in gärungsphysiologischen Fragen. Denn die Herstellung von Obstund Beerenwein wird lange nicht in dem Maße, wie die Traubenweinbereitung, als Lebensunterhalt betrieben, sondern in den weitaus größten Teilen sind es Privatleute, die den mehr oder weniger großen Ertrag ihrer Gärten zur Weinbereitung für die Verwendung im eigenen Haushalte heranziehen. Wenu trotzdem die Ausgaben und die, wenn auch geringe, mit der Verwendung der Reinhefe verbundene Mühe nicht gescheut wird, so ist das wohl der beste Beweis dafür, daß auch bei kleinen Mostmengen die Kosten und die Arbeit reichlich durch die Güte des Gärproduktes aufgewogen werden. In der Tat zählen diejenigen, die einmal Reinhefe in richtiger Weise für ihre Obst- oder Beerenweine angewendet haben, zu den treuesten Abnehmern, und wenn das von ihnen hergestellte Quantum auch nur 1 hl oder noch weniger beträgt. Zu wünschen wäre es, daß die Möglichkeit eines gemeinsamen Bezuges von Reinhefe und die Herstellung eines größeren, dann zur Verteilung kommenden Ansatzes, noch mehr bekannt würde. Können doch auf diese Weise die Kosten für den einzelnen wesentlich verringert und die Verwendung der Reinhefe den weitesten Kreisen ermöglicht werden.

8. Tätigkeit der Station in Bezug auf Umgärcn von Weinen, Schaumweinbereitung und Durchgären von Wein mittels Reinhefe.

Nicht nur die Verwendung von Reinhefe für die Zwecke der Mostvergärung ist von Jahr zu Jahr eine häufigere geworden, sondern auch für andere Zwecke der Kellerwirtschaft, wenn es sich darum handelt verbesserungsbedürftige, ungenügend vergorene, fehlerhafte und kranke Weine in haltbare, konsumfähige Produkte umzuwandeln, findet die Anwendung von Reinhefe immer mehr Anhänger. Gerade die vielseitige Verwendung der in den letzten Jahren abgegebenen Umgärungshefen spricht dafür, daß der Praktiker bislang nur gute Erfahrungen bei der Verwendung von Reinhefe zur Verbesserung und Wiederherstellung seiner Weine gemacht hat, und daß ihm die Vorteile, die bei sachgemäßem Vorgehen das Verfahren der Umgärung zu bieten vermag, bekannt sind.

Von den im vergangenen Jahre abgegebenen Reinhefen fand eine große Anzahl Verwendung zur Verbesserung und Haltbarmachung geschmacklich fehlerhafter, geringer Weine. Auch handelte es sich häufig um alte, abgelagerte, matlgewordene Weine, die, um wieder leichter verkäufliche Produkte zu werden, einer Um- oder Aufgärung unterworfen werden mußten. Dieses Verfahren, alte, firne Weine durch die Gärungskohlensänre wieder aufzufrischen, hat bekanntlich gegenüber dem Imprägnierungsverfabren den Vorteil, daß dem Weine auch die anderen Gärungsprodukte, vor allen Dingen die Bukettstofte zu gute kommen, und es ist daher leicht erklärlich, daß der Weinproduzent der Aufgärung mittels Reinhefe gegenüber dem Imprägnieren mit künstlicher Kohlensäure vielfach den Vorzug gibt.

Verhältnismäßig lebhaft gestaltete sich in den Monaten November und Dezember die Nachfrage nach Reinhefe zum Zwecke der Durchgärung steckengebliebener Weine. Da das Steckenbleiben der Gärung sehr verschiedene Gründe haben kannr ist die Behandlung derartiger Weine stets nur von Fall zu Fall zu entscheiden. Ein Wein kann entweder überzuckert sein, so daß selbst unter sonst günstigen Bedingungen eine Durchgärung desselben unmöglich ist, oder die in dem Moste vorhandene Hefe war eine sehr wenig leistungsfähige. Nicht selten wird auch die Tätigkeit der Hefe, besonders am Ende der Hauptgärung, durch zu niedere Temperatur des Gärlokals zum Stillstand gebracht und schließlich kann auch die Unterbrechung der Gärung auf ungenügende Ernährung der Hefe zurückzuführen sein. Da jedoch in jedem, auch dem geringsten Traubenmoste, vorausgesetzt, daß er naturrein in das Faß kommt, die Hefe die für ihr Wachstum und ihre Gärtätigkeit erforderlichen Nährstoffe in genügender Menge vorfindet, so ist das Steckenbleiben der Weine

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