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Wir hielten uns genau an die gegebene Vorschrift mit Ausnahme folgender Abänderungen.

1. Wir filtrierten den mit Alkohol gefällten Niederschlag nicht durch Papierfilter ab, sondern durch einen Asbest-GoochTiegel.

2. Wir ätherten nicht mit Hilfe des Seh ach er Ischen Apparates die BernsteiDsäure aus, sondern mit Hilfe des bedeutend besser wirkenden, modifizierten Pipschen Apparates.

Wir glauben nicht, daß diese Abänderungen einen Einfluß auf das Endresultat ausüben können.

Zunächst unterwarfen wir einen Moselwein der Analyse; wir erhielten dabei Zahlenwerte, die in folgender Tabelle niedergelegt sind.

[graphic][table]

Da die Differenzen zwischen der aeidimetrischen und der silbertitrimetrischen Bestimmung bald positiv, bald negativ waren, wurde in einer Versuchsreihe festgestellt, wie die Gohaltsbestimmungen einer reinen Bernsteinsäurelösung von bekanntem Titer nach beiden Verfahren ausfielen.

Zu diesem Zwecke wurden 1,1098 g chemisch reine Bernsteinsäure zu 1000 cem gelöst : 50 cem dieser Lösung entsprechen 0,05849 g Bernsteinsäure.

Je 50 cem wurden aeidimetrisch mit - - Lauge aus

gemessen; die erhaltenen Werte stehen in Spalte 2 der folgenden Tabelle. Die neutralisierten Proben wurden alsdann mit 20 ccm normal^ g{lbernitratlösung versetzt, auf 100 ccm aufgefüllt und filtriert; 50 ccm des Filtrates wurden schließlich mit no^^?'. Rhodan

ammon- Lösung zurücktitriert. Die so erhaltenen Werte stehen in Spalte 3.

... normal T normal ,

Versuch No.: ccm —— Lauge: ccm — ^— Rhodanammon:

16 11,85 4,86

17 11,80 4,94

18 11,85 4,87

19 11.90 4,87

20 11,80 4,92

21 11,85 4,93

22 Mittel: 11,84= 4,90 =

= 0,0582 g Bernsteinsäure = 0,0602 g Bernsteinsäure.

Mithin lieferte die Silbermethode im Mittel 0,0602—0,0582 = 0,0018 g Bernsteinsäure mehr.

Besteht daher die nach Kunz extrahierte Säure nur aus Bernsteinsäure, so müßten in den Versuchen 1 —15 die Differenzen sämtlich negativ ausfallen. Da dies jedoch nicht der Fall ist, so sind offenbar noch andere Säuren mit übergegangen. Wie schon Kunz vermutet, handelt es sich um kleine Mengen Schwefelsäure. Jedenfalls darf man sich mit der einfachen Titration in keinem Falle begnügen, sondern muß ausschließlich die Silbermethode benutzen.

In einer zweiten Versuchsreihe haben wir uns noch genauer an die Kunzsche Vorschrift gehalten und mit dem Schacherischen Extraktionsapparat gearbeitet, obwohl dieser viel unvollständiger und langsamer ausäthert als der Pipsche Apparat. Die hiermit erhaltenen Werte sind in der folgenden Tabelle niedergelegt.

Roter Ahrwein.

[table]

In der Tat kommen hier so große Abweichungen wie in der ersten Versuchsreihe nicht vor, immerhin sind sie noch so bedeutend, daß von einer Übereinstimmung nicht gesprochen werden kann. Ein endgültiges Urteil läßt sich vorläufig noch nicht über die Methode fällen. Wir werden in Anbetracht der Wichtigkeit der Bernsteinsäurebestimmung die Prüfung in weitgehendstem Maße fortsetzen und darüber später berichten.

8. Kostprobe und chemische Untersuchung von sechs alten Bordeaux - Weinen.

Die Firma Kempinski-Berlin hatte die Liebenswürdigkeit Herrn Prof. Wortmann sechs edle Flaschenweine aus Bordeaux zu überlassen, wofür wir ihr auch an dieser Stelle danken möchten. Die Weine wurden zuerst der Kostprobe unterzogen und dann in unserer Station der chemischen Analyse unterworfen. Infolge Materialmangels war es leider nicht möglich, die Analyse vollständig durchzuführen, insbesondere mußte auf die Bestimmung der einzelnen nicht flüchtigen Säuren verzichtet werden.

I. Monopole. Grand vin. Cos d'Estournet. 1878.

Der Wein ist stark gedeckt, gelblich-braun, aber klar. Angenehmes Bukett. Altels-Geschmack: firn, zart, lieblich, aber rasch verschwindend, ohne etwas zurückzulassen. Nach der Geschmacksprobe fehlt ihm Alkohol.

Analysenergebnisse:

Alkohol 7,87 g in 100 ccm = 9,91 Volumprozent;

Gesamtsäure . . . 0,75 g „ ,. „
Flüchtige Säure . . 0,113 g „ „
Nicht flüchtige Säure 0,61 g „ r, „

Glycerin 0,88 g ,, „ „

Alkohol : Glycerin = 100 : 11,2 Mineralbestandteile . 0,2816 g in 100 ccm

Extrakt 2,4916 g „ „ „

Stickstoff .... 0,031 g „ „ „

Wasserlösliche Alkalinität 6,6 ccm —^--Salzsäure = 1,1

Wasserunlösliche „ 3,8 ccm ., „ = 0,6

Gesamtalkaliuität . . . 10,4 ccm ,, „ = 1,7.

II. Chäteau Latour. Premier grand vin. 1874.

Noch rubinrot; herrliches, weiches und zartes Bukett; geschmacklich dünn und aufgezehrt. Schmeckt jugendlicher als seinem hohen Alter entspricht, verglichen mit No. IV. Hat Essigstich.

Analysenergebnisse:

Alkohol 7,06 g in 100 ccm = 8,89 Volumprozent;

Gesamtsäure . . . 0,65 g „ „ .,
Flüchtige Säure . . 0.112 g „ „
Nicht flüchtige Säure 0,52 g ,, ,,

Glycerin 0,88 g

Alkohol : Glycerin = 100 : 12,5

Mineralbestandteile . 0,3116 g in 100 ccm

Extrakt 2,4128 g „ „ „

Stickstoff .... 0,033 g „ „ „

Wasserlösliche Alkalinität 5,8 ccm — Salzsäure = 1,0

b

Wasseranlösliche „ 4,0 ccm ,. „ = 0,7

Gesamtalkalinität ... 9,8 ccm „ „ = 1,6.

III. Chäteau Mouton. Grand vin. Rotschild. 1869.

Fein und zart, aber nicht so wuchtig wie VI. Dabei noch ein lieblicher Nußgeschmack und eine angenehme Süße. Ungemein fein, besonders auf der Zunge; angenehme Säure. Schwacher Verdacht auf Essigsäure.

Analysenergebnisse:

Alkohol 8,77 g in 100 ccm = 11,05 Volumprozent;

Gesamtsäure . . . 0,57 g „ „ .,

Flüchtige Säure . . 0,130 g „ „ ,,

Nicht flüchtige Säure 0,41 g „ „ „

Mineralbestandteile . 0,3192 g „ „ ,.

Extrakt 2,3516 g „ „ „

Stickstoff .... 0,0485 g „ „ „

Wasserlösliche Alkalinität 8,16 ccm . Salzsäure = 1,4

o

Wasserunlösliche „ 3,92 ccm „ „ = 0,7

Gesamtalkalinität . . . 12,08 ccm „ „ = 2,0.

IV. Chäteau Lafite. 1875.

Etwas Depot; tieffarbiger als II. Volles, massiges, schönes AltelsBükett; schwach an Honig erinnernd. Im Geschmack dünn und bald nachlassend; ist bereits aufgezehrt.

Analysenergebnisse:

Alkohol 7,80 g in 100 ccm = 9,83 Volumprozent;

Gesamtsäure . . . 0,57 g ., „ „

Flüchtige Säure . . 0,109 g ., „ „

Nicht flüchtige Säure 0,43 g „ „ „

Mineralbestandteile . 0,2492 g „ „ „

Extrakt 2,5684 g „ „ „

Stickstoff .... 0,036 g „ „ „

Wasserlösliche Alkalinität 4,4 ccm - Salzsäure = 0,7

Wasserunlösliche „ 3,6 ccm „ „ = 0,6

Gesamtalkalinität ... 8,0 ccm „ „ = 1,3.

V. Chäteau Margaux. Premier vin. 1875. Dubos Freres, Bordeaux.

Starkes Depot in der Flasche; viel wuchtiger und massiger als I. Verschwindet aber ebenfalls sofort von der Zunge ohne etwas zurückzulassen. Dem Geruch nach sehr viel Bukett. Harmonisch voll und rund, aber nicht ganz klar; Anhauch von Bitterkeit .

Analyseuergebnisse:

Alkohol 8,07 g in 100 ccm = 10,17 Volumprozent;

Gesamtsäure . . . 0,63 g ., „
Flüchtige Säure . . 0,173 g ,. „ „
Nicht flüchtige Säure 0,42 g „ ,, „

Glycerin 0,90 g „ ,, „

Alkohol : Glycerin = 100 : 11,2 Mineralbestandteile . 0,2528 g in 100 ccm

Extrakt 2,6888 g „ „ „

Stickstoff .... 0,025 g „ „ ,.

Wasserlösliche Alkalinität 3,2 ccm - Salzsäure = 0,5

b

Wasserunlösliche ,. 4,2 ccm ., „ = 0,7

Gesamtalkalinität ... 7,4 ccm „ „ = 1,2.

VI. Chäteau Lagrange. Grand vin du chätel St. Julien. 1869.

Noch tief dunkel; sehr gedeckte Farbe. Voll und wuchtig im Bukett; körperreich. Im Geschmack hervorragend weich, anhaltend, sauber; verhältnismäßig jugendlich; kein Alteisgeschmack; vornehm, hat noch einen feinen Nußgeschmack, aber etwas scharfe Säure.

Analysenergebnisse:

Alkohol 8,70 g in 100 ccm = 10,96 Volumprozent;

Gesamtsäure . . . 0,68 g „ „ „
Flüchtige Säure . . 0,155 g „ „ „
Nicht flüchtige Säure 0,49 g „ „ „
Mineral bestandteile . 0,3132 g,, ., „
Extrakt ..... 2,4960 g ,. „
Stickstoff .... 0,024 g „ „ „

Wasserlösliche Alkalinität 6.88 ccm —- Salzsäure = 1,1

Wasserunlösliche „ 3,4 ccm „ „ = 0,6

Gesamtalkalinität . . . 10,28 ccm r, „ — 1,7.

Interessant ist, daß die Weine I, II und IV geschmacklich als dünn und alkoholarm erklärt wurden, obwohl sie 7,87, 7,06 und 7,8 g Alkohol enthalten. Dagegen konnte bei den nur um wenig alkoholreicheren Weinen III, V und VT (mit 8,8, 8,1 und 8,7 g) geschmacklich ein solcher Mangel nicht erkannt werden. Man sieht auch hier wiederum, wie scharf die Zunge zu urteilen vermag, und wie vorteilhaft auch solch edlen Hochgewächsen ein wenig mehr an Zucker im Moste gewesen wäre. Diese Tatsache haben bei uns in Deutschland die Praktiker an der Mosel längst erkannt; sie zuckern selbst in guten Jahren einen großen Teil ihrer guten Lagen, die im Handel später als selbständige Weine erscheinen und mit Preisen von 1000—2000, ja selbst 3000 M das Fuder bezahlt werden.

Die Gesamtsäure bewegt sich in den Grenzen 0,57—0,75 g; sie wäre als verhältnismäßig hoch zu bezeichnen. Da jedoch in allen Weinen im Verhältnis zur Gesamtsäure viel flüchtige Säure vorhanden ist, so darf man hier nur die nicht flüchtigen Säuren

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