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Maximalgrenze beide Metalle im Wein höchstens vorhanden sein dürfen. Die Spritzversuche sollen in diesem Frühjahr in größerem Maßstabe wiederholt werden. Es ist deshalb vom größten, allgemeinen Interesse zu wissen, ob die vorliegenden Mengen bedenklich sind oder nicht, damit dies Jahr eventuell mit konzentrierteren oder verdünnteren Lösungen gespritzt werden kann. Da diese Bespritzungen schon im Laufe des Monats April vorgenommen werden sollen, so wage ich Euer Hochwohlgeboren um eine möglichste Beschleunigung der Antwort zu bitten. Da wir die Untersuchung jetzt erst nach vollzogenem ersten Abstich zu Ende führen konnten, so fällt nicht uns. sondern den technischen Verhältnissen die scheinbare Verzögerung zur Last."

Hierauf erhielten wir von dem Präsidenten des Kaiserlichen Gesundheitsamtes am 6. April 1906 folgendes Antwortschreiben:

,.Auf die gefällige Anfrage vom 19. März d. J. (G. No. 2110) beehre ich mich zu erwidern, daß nach diesseitigem Dafürhalten Bedenken grundsätzlicher Art gegen das Bespritzen von Reben mit arsensaurem Blei bestehen. Vom gesundheitlichen Standpunkt aus kann es nicht gebilligt werden, daß zum Schutz der Reben gegen den Heu- und Sauerwurm chemische Stoffe verwendet werden, deren Fernhaltung von unsern Xahrungs- und Genußmitteln in wohlbewußter Weise ganz allgemein, soweit es nur irgend angängig ist, auf gesetzlichem Wege durchgeführt wird.

Die durch die chemische Analyse in Proben von Wein, der aus derartig bespritzten Reben gewonnen wurde, gefundenen Mengen von 0,002 g1) metallischem Blei, aber auch der Gehalt von 0,0015 g1) metallischem Arsen müssen nach den bisher bekannt gewordenen Erfahrungen über die schädliche Einwirkung von Blei- und Arsenverbindungen auf den menschlichen Körper als geeignet bezeichnet werden, die menschliche Gesundheit zu gefährden.

Aus vorstehenden Erwägungen muß sich das Gesundheitsamt gegen die Verwendung von arsensaurem Blei zum Bespritzen von Reben, sofern hierdurch Blei und Arsen in den Wein gelangen, aussprechen und vermag auch eine Höchstgrenze, die etwa zugelassen werden könnte, nicht für angängig zu erachten. Es kommt hinzu, daß nach ij 1 des Gesetzes über die Verwendung gesundheitsschädlicher Farben bei der Herstellung von Nahrungsmitteln, Genußmitteln und Gebrauchsgegenständen vom 5. Juli 1887 in Verbindung mit § 12 des Gesetzes, betreffend den Verkehr mit Nahrungsmitteln, Genußmitteln und Gebrauchsgegenständen vom 14. Mai 1879 Weine, die Arsen oder Blei enthalten, grundsätzlich beanstandet werden müssen. Ungleich bedenklicher muß es noch erscheinen, wenn die mit arsensaurem Blei behafteten Trauben als Tafeltrauben Verwendung finden oder im Weinberg selbst bei Gelegenheit der Weinlese genossen werden."1 gez. Bumm.

') Im Urtext steht 0,0111 g Blei; es muß heißen 0,002 g Blei. Die Bleiund Arsenmengen beziehen sich auf 1000, nicht auf 100 cem!

Dieses Gutachten der autoritativsten Behörde läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig und ist zunächst geeignet, wohl jeden von einem Bespritzungsversuch abzuhalten, denn es erscheint mir wenig wahrscheinlich, daß von Trauben, die aus bespritzten Weinbergen stammen, ein Wein gewonnen werden kann, der selbst von Spuren der beiden metallischen Gifte frei ist. Dennoch hoffe ich, werden sich Wege finden lassen, und den theoretisch nur zu billigenden Standpunkt des Gesundheitsamtes mit den Forderungen der Praxis zu vereinen. Auf welche Weise man dazu vorzugehen haben wird, habe ich versucht, im Laufe der obigen Ausführungen anzudeuten. Die Hauptsätze, von denen man sich wird leiten lassen können, sind kurz zusammengefaßt folgende:

1. Es ist zu prüfen, ob man nicht durch Blei oder Arsen allein den Wurm vergiften kann.

2. Es ist die kleinste, hierzu nötige Menge der Metallgifte zu ermitteln.

3. Welche Sicherheitsmaßregeln vermögen wirksam Vergiftungen mit der Bespritzungsflüssigkeit zu verhindern?

4. Welcher Zeitpunkt ist der für die Bespritzung geeignetste?

5. Wie verhindert man wirksam das Abwaschen oder Auflösen des Bleis und Arsens beim Mahlen, Maischen und Keltern?

6. Durch welche Maßnahmen können die im Wein befindlichen Metalle ausgeschieden werden?

Gelingt es den vereinten Anforderungen der Wissenschaft und Praxis, endlich ein durchschlagendes Mittel gegen den Heu- und Sauerwurm zu finden, so wird das für den Wohlstand des Winzers von ausschlaggebender Bedeutung werden.

4. Beitrag zur Bestimmung der flüchtigen SSure im Wein.

Von K. Windisch und Ph. Schmidt wurde ein Verfahren zur Bestimmung der flüchtigen Säure vorgeschlagen, das sich darauf gründet aus dem zu untersuchenden Wein durch wiederholtes Abdampfen die flüchtigen Säuren zu entfernen und im Rückstand die nicht flüchtigen Säuren durch Titration zu bestimmen. Aus der in einer anderen Probe bestimmten Gesamtsäure und aus der nicht flüchtigen Säure findet man durch Subtraktion die flüchtige Säure.

Sie schreiben dazu folgendes vor (Jahresbericht der Kgl. Lehranstalt Geisenheim, 1904, 203):

„Man bestimmt zuerst die Gesamtsäure in 25 cem Wein, indem man in der üblichen Weise titriert. Dann dampft man 25 cem Wein in einer Porzellanschale auf dem Wasserbade auf 3—5 cem ein, löst den Rückstand in 25 cem heißen Wassers auf, verdampft wieder auf 3—5 cem, löst den Rückstand wieder in heißem Wasser und verdampft zum drittenmal auf 3 — 5 cem. Hierauf löst man den Rückstand in heißem Wasser und titriert ihn wie die Gesamtsäure. Man erhält so die nicht flüchtigen Säuren des Weines, als Weinsäure berechnet. Der Sicherheit halber ist dreimaliges Abdampfen des Weines zu empfehlen. Hierauf zieht man die nicht

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flüchtigen Säuren von der Gesamtsäure ab und multipliziert den Unterschied mit 4/5; man erhält so die flüchtigen Säuren des Weines, als Essigsäure berechnet"

Analysenresultate geben die Autoren in ihrer Veröffentlichung nicht an, sondern sie beschränken sich darauf, zu sagen: „Die Versuche wurden mit Weißwein, Rot-, Apfel- und Beerenweinen ausgeführt, überall mit gleich gutem Ergebnis. Die indirekte Bestimmung der flüchtigen Säure bedeutet eine erhebliche Vereinfachung der Analyse und dürfte sich namentlich für den Praktiker empfehlen."

Um unsererseits ein Urteil über das vorgeschlagene Verfahren zu erhalten, und gleichzeitig auch noch einige andere Fragen, die weiter unten erwähnt werden sollen, zu beantworten, wurde eine große Reihe von Versuchen durchgeführt, die zunächst in folgender Tabelle zahlenmäßig festgelegt werden sollen.

(Siehe Tabelle S. 240 und 241.)

Um Irrtümer in unserer Schlußfolgerung zu vermeiden, die aus dem zufälligen Übereinstimmen oder dem Nichtübereinstimmen nur je eines Parallelversuches entstehen können, haben wir nach Möglichkeit mehrere Parallelversuche angestellt.

Zunächst bestimmten wir in allen Weinen nach der amtlichen Vorschrift in meist drei Versuchen den Gesamtsäuregehalt mit

— Lauge. Die erhaltenen Werte stehen in Spalte 6. Hierauf

o

wurde nach der amtlichen Vorschrift die flüchtige Säure durch

Übertreiben im Wasser-Dampfstrom und Titrieren mit - -v> —Lauge

bestimmt. Die erhaltenen Werte stehen in Spalte 3, die Werte in Spalte 4 sind durch Multiplikation der Werte in Spalte 3 mit 1,25 erhalten worden.

Der bei der Wasserdampfdestillation im Kolben zurückbleibende Rückstand soll keine flüchtige Säure, wohl aber die fixen Säuren enthalten. Zur Kontrolle wurde deshalb der Kolbeninhalt ebenfalls

mit — Lauge titriert und die erhaltenen Werte in Spalte 5 ein

getragen.

Die Zahlenwerte der Spalte 7 stellen die Summe von den Werten der Spalte 4 und 5 dar und geben also ebenfalls die Gesamtsäure an.

In Spalte 10 stehen die Werte, die man bei der Titration des Rückstandes erhält, wenn man den Wein dreimal nach den Angaben von Windisch eindampft.

Die Werte der Spalte 9 berechnen sich durch Subtraktion der Zahlen aus Spalte 10 von den Mittelwerten der Spalte 6. Sie geben die flüchtige Säure nach W indisch an, ausgedrückt in Weinsäure. Durch Multiplikation dieser Werte mit 0,8 ergeben sich die Zahlen für flüchtige Säure, die in Spalte 8 eingetragen sind.

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