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Es zeigte sich, und das vermag vielleicht von ausschlaggebender Bedeutung zu werden, daß die geringsten Mengen von Blei und Arsen sich auf den Beeren selbst befanden, nämlich nur 0,3 und 0,2 mg. Auf den Rappen wurde etwa die 35 fache Menge Blei und Arsen festgestellt! Die Mengen der Metalle, die sich auf den Gesamttrauben befanden, stehen naturgemäß zwischen diesen beiden Extremen. Daß auf den Blättern bedeutend mehr Blei und Arsen niedergeschlagen wurde, ist selbstverständlich, jedoch von keiner weiteren Bedeutung.

Unser ganzes Streben muß natürlich darauf gerichtet sein, einerseits den Wurm mit möglichst geringen Gaben von Bleiarseniat zu töten, um andererseits möglichst wenig oder am besten gar kein Arsen und Blei in dem Wein wiederzufinden. Zu diesem Ende muß zunächst die zweckmäßigste Zusammensetzung der Brühe gefunden werden, d. h. derjenige Prozentgehalt an Bleiarseniat in der Bespritzungsflüssigkeit, der eben noch hinreicht, den größten Teil der Würmer zu vergiften.

Es stehen uns aber glücklicherweise noch andere Wege zu Gebote, um die schließlich in den Wein gelangende Menge von Blei und Arsen zu vermindern. Der eine Weg ist der, daß man die Bespritzung vornimmt zu einem Zeitpunkt, wo das Perigon (Mützchen) vom Blütenboden noch nicht abgeworfen worden ist, so daß die Bespritzungsflüssigkeit an den kleinen Fruchtboden überhaupt nicht gelangt.

In dieser Beziehung ist der von J. Dewitz ausgeführte Versuch nicht ausschlaggebend, da mir J. Dewitz persönlich mitteilte, daß er die Bespritzung nicht frühzeitig genug vorgenommen habe, d. h. das Mützchen war zu jenem Zeitpunkt bereits abgeworfen. Trotzdem waren die auf den ausgereiften Beeren befindlichen Bleiund Arsen-Mengen verhältnismäßig gering, weil sie vom Zeitpunkt der Bespritzung bis zur Reife sich vielfach vergrößerten, während die Rappen verhältnismäßig viel weniger an Gewicht zunahmen. Es ist somit zu hoffen, daß auch durch diese Maßregel die an die Beeren gelangenden Blei- und Arsen-Mengen sich vermindern lassen.

Schließlich darf man hoffen, durch geeignete Behandlung der geernteten Trauben ebenfalls die in den Most gelangenden Blei- und Arsen-Mengen zu vermindern. Als wichtigstes Mittel dürfte sich hier wohl das Entrappen der Trauben empfehlen. Wenn wir finden, daß an den Rappen etwa 30—40mal mehr Blei und Arsen haftet als an den Beeren selbst, so kann man an einem Erfolg dieser Maßregel eigentlich nicht zweifeln. Vielleicht gelingt es auf diesem Wege, den Entrappmaschinen in der Praxis Eingang zu verschaffen.

Ferner wäre zu prüfen, ob nicht durch möglichst rasches Abkeltern der Maische allein schon der gewünschte Zweck erreicht werden könnte. Es ist anzunehmen, daß je kürzere Zeit die saure Maischflüssigkeit mit den Trestern in Berührung bleibt, um so weniger Blei und Arsen von den Säuren des Mostes gelöst wird. In dieser Beziehung liegen für die Mosel die Verhältnisse günstiger als für den Rheingau. Denn während an der Mosel die Trauben meist erst im Kelterraum gemahlen und dann sofort gepreßt werden, mahlt man im Kheingau die Trauben gewöhnlich schon auf dem Felde, läßt die Maische 12 Stunden und länger stehen und preßt erst dann. Dieses lange Stehenlassen begünstigt aber naturgemäß die Auflösung des Bleis und Arsens.

Besonders ungünstig liegen die Verhältnisse für den Kotweinbau. Da man dort gezwungen ist, die Maische mindestens 14 Tage auf den Trestern vergären zu lassen, um den roten Farbstoff und den Gerbstoff zu extrahieren, so wird man hier zunächst wohl verzichten müssen, gegen den Heu wurm mit Bespritzungen vorzugehen.

Schließlich könnte man auch daran denken, durch ein passend ausgewähltes Verfahren zu bewirken, daß das Blei und Arsen an den Trauben in eine unlösliche Form übergeführt wird, so daß sie von den Säuren des Mostes nicht mehr gelöst werden können. Ich verspreche mir jedoch zunächst von den ersten Wegen mehr, obwohl beim Versagen dieser Mittel auch dieser Vorschlag geprüft werden könnte. Sehr angenehm wäre es z. B., wenn man durch Bestäuben mit Schwefel eine Verbindung des Bleis, bezw. Arsens mit Schwefel herbeiführen könnte, so daß dadurch auch die Weinbergsarbeiten nicht vermehrt werden müßten.

IV. Analyse des Mostes. Der von dem Besitzer des Weinberges uns zur Verfügung gestellte Most, der eine Durchschnittsprobe der ganzen Kelterung darstellte, wurde von uns zunächst unter Zusatz von Reinhefe vergoren, einmal um festzustellen, ob die vorhandenen Metallmengen die Gärung beeinträchtigen können. Dies war nicht der Fall, denn die Vergärung verlief vollständig normal. Der erhaltene Jungwein wurde mitsamt der Hefe zum Sirup eingedampft und dann mit einem Gemisch von Salpeter- und Schwefelsäure behandelt, um die organischen Substanzen zu zerstören. Nachdem dieses Ziel erreicht war, wurde zur Entfernung der überschüssigen Säuren zur Trockene gedampft, mit Salzsäure aufgenommen und letzteres Verfahren bis zur vollständigen Entfernung der Salpetersäure wiederholt. In der Salzsäure - Lösung wurde dann, wie oben beschrieben, die Bestimmung des Arsens und Bleis vorgenommen. Die Analyse ergab folgende Worte:

In Arbeiten genommen wurden 900 ccm Most; nach der Vergärung des Zuckers durch eine Steinberg-Keinhefe wurden nach obigem Verfahren gefunden in 100 ccm Most:

0,0008 g Blei,

0,0003 g Arsen.

V. Analyse der Trester. Um zu sehen, ob in den Most alles auf den Trauben befindliche Blei und Arsen gelange, sind auch die Trester einer Untersuchung unterzogen worden. Die Trester wurden mit 3prozentiger Natronlauge überschüttet, 48 Stunden stehen gelassen, die Flüssigkeit abgesaugt und die Trester wiederholt und sorgfältig mit Wasser ausgewaschen. Die eingedampfte Lauge wurde, wie oben bei der Analyse der Trauben beschrieben, zur Analyse vorbereitet. Die Untersuchung wurde zweimal ausgeführt.

Je 500 g Trester ergaben:

I II

0,0014 g 0,0008 g Blei,

0,0007 g 0,0006 g Arsen.

VI. Analyse des Weins. Der Besitzer stellte uns 2 Proben Wein zur Verfügung; zuerst eine Probe, als der Wein eben die stürmische Gärung beendet hatte im Spätherbst, und eine Probe beim Abstich des Weines im Frühjahr.

Die Weine wurden anfangs nach Angabo von A. Hubert und F. Alba (Monit scientif. 1906. 4. Ser. 20. 799) aufgeschlossen, nur mit dem Unterschiede, daß der Wein zuerst auf ein Drittel seines Volumens eingedampft worden war. Das Verfahren gestaltete sich demnach folgendermaßen.

Der Wein wird auf dem Wasserbade auf etwa ein Drittel seines Volumens eingedampft und nach dem Erkalten mit etwa 20% reiner, konzentrierter Salpetersäure versetzt. Nunmohr läßt man das Gemisch mit Hilfe eines Scheidetrichters in etwa 30 ccm zum Sieden erhitzter, in einem Kjeldahl-Kolben befindliche konzentrierte Schwefelsäure eintropfen. Unter lebhafter Reaktion wird jeder einfallende Tropfen des Weines sofort oxydiert, während gleichzeitig Ströme von Stickoxyd entweichen. Nachdem das ganze Gemisch eingetragen ist, wird noch längere Zeit erhitzt, nötigenfalls unter tropfenweiser Zugabe von konzentrierter Salpetersäure. Ist schließlich alle Kohle verschwunden, so führt man den Kolbeninhalt in eine gereinigte Platinschale über und verdampft zur Trockene, um auf diese Weise die Salpetersäure und die überschüssige Schwefelsäure zu entfernen. Man nimmt mit Wasser auf, versetzt mit Salzsäure und fällt, wie oben angegeben, die Schwormetalle mit Schwefelwasserstoff.

Im Laufe der Untersuchung wurde als das zweckmäßigste Verfahren, die organische Substanz im Wein zu zerstören, folgendes erkannt. 300 — 900 ccm Wein werden auf dem Wasserbade auf 50 — 150 ccm eingedampft. Hierauf gibt man soviel des dünnen Sirups, als etwa 300 ccm ursprünglichen Weines entspricht, in einen langhalsigen Aufschließkolben nach Kjeldahl, versetzt mit etwa 30 ccm roiner Salpetersäure und erhitzt, bis eine lebhafte Reaktion einsetzt. Durch passendes Regulieren der Flamme sorgt man dafür, daß die Reaktion nicht zu heftig wird. Nach einer halben Stunde gibt man wiederum einen entsprechenden Anteil des dünnflüssigen Sirups hinzu, oxydiert, wie beschrieben, mit Salpetersäure und wiederholt das Verfahren nötigenfalls mit dem dritten Anteil; die letzten Reste des Sirups spült man zweckmäßig mit Salpetersäure in den Zersetzungskolben. Hierauf gibt man zur gesamten Masse nochmals etwa 30 ccm Salpetersäure und dampft auf ein kleines Volumen ein. Da aber durch die Salpetersäure allein die organische Substanz nicht völlig zerstört wird, so versetzt man jetzt mit etwa 10—30 ccm reiner, konzentrierter Schwefelsäure und erhitzt, bis, meist unter lebhaftem Aufschäumen, eine Kohle-Abscheidung eintritt; man setzt dann vorsichtig einige Tropfen Salpetersäure zu, wodurch die abgeschiedene Kohle fast augenblicklich oxydiert wird, erhitzt weiter, bis wiederum sich Kohle abscheidet, die dann von neuem durch Zugabe weniger Tropfen Salpetersäure oxydiert wird. Dieses Verfahren wird wiederholt, bis alle organischen Stoffe zerstört sind, d. h. bis die Schwefelsäure wasserhell geworden ist. Schließlich wird der Kolbeninhalt in eine geräumige Platinschale übergeführt und zur Verjagung der etwa noch vorhandenen Salpetersäure und der überschüssigen Schwefelsäure zur Trockene abgeraucht. Im Rückstand, der mit verdünnter Salzsäure aufgenommen wird, bestimmt man in üblicher Weise die Schwermetalle. Es wurden jeweils 725 ccm Wein in Arbeit genommen. Wein I ist die nach Beendigung der stürmischen Gärung untersuchte Probe, Wein II wurde nach erhaltenem 1. Abstich analysiert .

Wein I Wein II

0,0006 g 0,0002 g Blei,

0,0002 s 0,0001 g Arsen.

VTI. Analyse des Hefetrubes. Schließlich wurde auch eine von uns erbetene Hefeprobe der Analyse unterworfen. Die Hefe wurde absetzen gelassen, möglichst vollständig abgehebert, mit Wasser angerührt und wiederholt gewaschen. Zum Schlusse wurde die Hefe mit Schwefel- und Salpetersäure aufgeschlossen und in bekannter Weise analysiert. Eine Wasserbestimmung der Hefe ergab folgende Werte. 46,09 g nasse Hefe lieferten, bei 105° getrocknet, 10,70 g Rückstand = 23,2% Trockensubstanz.

In 100 g nasser Hefe wurden gefunden: 0,0048 g Blei, 0,0030 g Arsen, oder 100 g trockner Hefe enthielten:

0,0207 g Blei,
0,0129 g Arsen.

Man sieht hieraus, daß die Hefe imstande ist, nicht unbedeutende Mengen Arsen und Blei aus dem Most aufzunehmen und sie somit dem Weine zu entziehen. Ob diese Bindung als physiologischer Vorgang, oder ob sie als mechanische Ausscheidung der Blei- und Arsen-Verbindungen infolge Unlöslichwerdens aufzufassen ist, wage ich zunächst nicht zu entscheiden.

Fassen wir zur besseren Übersicht die erhaltenen Zahlen zusammen, so ergibt sich folgendes Bild:

Je 100 g Most, Trester, Wein und Hefe enthielten in Milligrammen:

Most Trester Wein I Wein II Hefe

naß trocken

Blei 0,8 1,4—0,8 0,6 0,2 4.8 20,7
Arsen 0,3 0,7—0,6 0,2 0,1 3,0 12,9

Es zeigt sich zunächst, daß tatsächlich die Trester noch bedeutende Mengen von Arsen und Blei enthalten. Obwohl also die Maische nach dem Mahlen 24 Stunden auf den Trestern stand, wie uns der Weinbergbesitzer mitteilte, wurde dennoch nicht alles Blei und Arsen von den Rappen und Beerenhäuten abgewaschen oder in Lösung gebracht. Wie oben ausgeführt, ist demnach zu hoffen, daß sich die Metallmengeu noch weiter vermindern lassen werden, falls man nur die Kelterung rasch genug auf das Mahlen folgen läßt.

Aber auch die sich auf Most und Wein beziehenden Zahlenwerte geben zu einigen Betrachtungen Anlaß. Es zeigt sich einmal, daß sich die im Most befindlichen Arsen- und Bleimengen bereits nach der Hauptgärung nicht unwesentlich, und daß sie sich im Weine nach dem ersten Abstich sehr bedeutend vermindert haben.

Wenn man daher von Anfang an dafür sorgt, daß die in den Most gelangenden Blei- und Arsen-Mengen sehr gering sind, so vermag man vielleicht mit Hilfe der Hefe erreichen, daß die beiden Metalle fast vollständig aus dem Wein entfernt werden.

Die Beobachtung, daß das Arsen im Trub sich anreichert, hat schon Chuard (Chronique agricole du Canton de Vaud, 1905, 119 bis 121 und 149—151) gemacht, der angibt, daß der klare Wein nur 0,02 mg, der Trub dagegen 20 mg im Liter enthalte, nachdem er Arsenik in der Kupferkalkbrühe gegen den Springwurmwickler angewandt hat.

Am Schlusse will ich noch betonen, daß ich mir wohl bewußt bin, daß die von uns angewandten analytischen Methoden nicht Anspruch auf höchste Genauigkeit machen können; da es sich aber für uns nur darum handelt, vergleichbare Zahlen zu erhalten, so könnte man sich mit den gewählten Methoden zufrieden geben. Da dieses Jahr neue Bespritzungsversuche in Aussicht genommen sind, so soll im Herbste die Untersuchung wieder aufgenommen und auf Grund unserer jetzigen Erfahrungen mit den genauesten analytischen Methoden gearbeitet werden. Gleichzeitig sollen die Ergebnisse der Praxis mit von uns selbständig durchgeführten Kelterungs-, Vergärungs- und Abstich-Versuchen kontrolliert werden.

Wir kommen nunmehr zur letzten Frage; sind die im Wein gefundenen Mengen Arsen und Blei gesundheitsschädlich?

Um hierüber die Ansicht des Kaiserlichen Gesundheitsamtes, als der berufensten Behörde in Deutschland, kennen zu lernen, richteten wir am 19. März 1906 an den Herrn Präsidenten des Kaiserl. Gesundheitsamtes zu Berlin folgendes Schreiben:

„Euer Hochwohlgeboren erlaube ich mir ergebenst folgendes zu unterbreiten. Im Jahre 1906 wurden an der Kgl. Lehranstalt zu Geisenheim a/Rhein Spritzversuche mit arsensaurem Blei gegen den Heu- und Sauerwurm auf Reben unternommen. Die bespritzten Reben, die Blätter, der Most und schließlich der Jungwein wurden der Analyse unterzogen. Dabei wurden im Wein gefunden in 100 ccm:'

0,0002 g metallisches Blei,

0.0001 g „ Arsen. Ich erlaube mir nun die ergebene Frage an das Kaiserl. Gesundheitsamt zu richten, ob diese Mengen an Blei und Arsen geeignet sind, Gesundheitsstörungen hervorzurufen, oder bis zu welcher

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