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An der Mosel lagen die Verhältnisse günstig. Durch den vorjährigen Schaden belehrt, begannen die Winzer frühzeitig zu spritzen. Es wurde so fleißig gespritzt, daß die Weinberge mehr blau als grün aussahen; es erscheint mir fraglich, ob eine solche intensive Behandlung mit Kupfer dem Weinstock und dem Boden nicht allmählich schädlich werden kann. Da der Heu- und Sauerwurm keinen großen Schaden anrichtete, so konnte an der Mosel eine gute Mittelerntc erzielt werden.

Von Weingutsbesitzern und Winzern wurden uns in diesem Jahre auf unser Ansuchen 142 Mostproben übersandt. In der nachstehenden Tabelle sind die Untersuchungsergebnisse angeführt.

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3. Analytische Befunde von Mosten und Weinen ans Trauben der mit Bleiarseniat bespritzten Reben.

Gegen den Heu- und Sauerwurm ist bereits eine große Anzahl von Bekämpfungsmitteln in Vorschlag gebracht und auch versucht worden. Praktische Erfolge hat aber bis heute keines der Verfahren gehabt. Neuerdings hat man in Anlehnung an amerikanische und französische Forscher in Geisenheim die Bekämpfung dieses Schädlings mit Blei- und Arsen verbindungen begonnen. Wie gefährlich der Wurm den Reben werden kann, geht z. B. daraus hervor, daß im Jahre 1906 im Rheingau nur 7000 hl Wein geerntet wurden, gegen 70000 hl im Vorjahre, eine Mißernte, die besonders auf die verheerende Tätigkeit des Sauerwurms zurückgeführt werden muß.

Soll die Ausarbeitung eines solchen Bekämpfungsverfahrens nicht in planloses Hin- und Herprobieren ausarten, so muß eine Reihe genau präzisierter Fragen gelöst werden. In unserem Falle sind folgende Fragen zu beantworten:

1. Gelingt es überhaupt im Weinberg, durch Bespritzen mit arsensaurem Blei den Heu- und Sauerwurm zu vergiften?

2. Kann an Stelle des arsensauren Bleis nicht eine andere Blei- oder Arsen-Verbindung gewählt werden?

3. Wieviel Blei und Arsen gelangen schließlich in den verkauf sfertigen Wein?

4. Geben die gefundenen Mengen zu gesundheitlichen Bedenken Anlaß?

Die erste Frage, ob es gelingt, die Würmer mit arsensaurem Blei im Weinberg zu vergiften, ist von J. Dewitz in dankenswerter Weise im Jahre 1906 in einem peinlich durchgeführten Versuch gelöst worden. Das Jahr 1906 eignete sich vorzüglich für einen solchen Versuch, weil in diesem Jahre im Rheingau, wie oben schon erwähnt, der Wurm einen ungeheuren Schaden verursachte. Wie Dewitz anderen Orts gezeigt hat,1) gelang es ihm tatsächlich, einen großen Erfolg zu erzielen, wiewohl er schließlich sagt: „Als aber die Trauben größer geworden waren, bemerkte man zur Zeit der 2. Generation der Würmer mehr angestochene Beeren, als man nach dem durch die Behandlung erzielten Resultate hätte erwarten sollen." Er führt dies aber darauf zurück, daß von den Gärten der Nachbarschaft die Motten herbeigeflogen seien. Nichtsdestoweniger brachte der bespritzte Weinberg sehr gut ausgebildete Trauben und einen hohen Ertrag, während fast im ganzen übrigen Rheingau Mißernten erzielt wurden. Es brachte nämlich der bespritzte Weinberg auf 1617 qm 2228 kg Trauben, während eine in der Nähe liegende Parzelle bei 1008 qm nur 702 kg Trauben gab. Das sind im bespritzten Garten fast doppelt soviel als im unbespritzten! Die beiden Gärten sind infolge der gleichen Bepflanzung mit Gutedel und infolge des gleichen Alters sehr gut miteinander vergleichbar.

Dewitz hat somit bewiesen, daß bei sorgfältiger Durchführung der Bespritzung der Heu- und Sauerwurm tatsächlich vergiftet werden kann. Es ist somit zu hoffen, daß man auch in der Praxis durch rechtzeitiges und geeignetes Bespritzen der Reben dieses Schädlings Herr werden könne, wenn ja auch ein so sorgfältiges Vorgehen, wie J. Dewitz es ausführte, im Großbetriebe vollständig ausgeschlossen ist.

Die zweite Frage, ob das arsensaure Blei nicht durch andere Verbindungen ersetzt werden kann, zu beantworten, ist bis jetzt noch nicht unternommen worden. Die Ausführung dieser Versuche müßte sich in folgender Richtung erstrecken. Zunächst wäre zu prüfen, ob nicht das voraussichtlich bedeutend billigere Bleiarsenit

') Versuche über die Wirkung des arsensauren Bleis auf die Raupen der Traubenwickler, Mitteilung über Weinbau und Kellerwirtschaft, 1906, 18. 177; sowie: L'action de learsenite de plomb sur les larves de l'Eudemis et de la Cochylis, Progres agricole et viticole, 1906, 33. 366.

an Stelle des Bleiarseniats treten könnte. (Nach Merck-Darmstadt kosten beispielsweise 100 kg Arsensäure 136 M, während arsenige Säure schon zu dem Preise von 39 M pro 100 kg bezogen werden kann.) Aus später zu erörternden Gründen wäre ferner zu prüfen, ob es nicht unter Weglassung des Bleis mit Arsenverbindungen allein schon gelingt, die Würmer zu vergiften. Man könnte dann sehr leicht die Arsenbespritzung mit einer Kupferbespritzung vereinigen; denn Bleiarsenit oder Bleiarsenat lassen sich zusammen mit Kupfervitriol und Kalk wegen Bildung des fast unlöslichen Bleisulfats wohl kaum vorteilhaft in Anwendung bringen.

Vom chemischen Standpunkt aus ist denn wohl die auch von J. Dewitz erwähnte Vorschrift von Fr. Henri (Revue de viticulture 1903. 19, 665) am empfehlenswertesten. Henri schreibt vor: 100 g arsenige Säure,

143 g Soda (wasserhaltig) [oder dafür 53 g Soda (wasserfrei)],

2 kg Kupfervitriol,
448 g ungelöschten Kalk.

Verfährt man genau nach der von Dewitz gegebenen Vorschrift (Mittig. über Weinbau und Kellerwirtschaft, 1906. 18. 28), so dürfte es kaum gelingen, die arsenige Säure in Lösung zu bringen. Die Vorschrift muß richtig folgendermaßen lauten:

In 1 1 kochend heißen Wassers trägt man zunächst 143 g Kristallsoda oder 53 g wasserfreie Soda ein. (Die Zahlen im Original sind durch Druckfehler entstellt.) Hat sie sich gelöst, so werden unter fleißigem Umrühren 100 g arsenige Säure in möglichst fein gepulvertem Zustande eingetragen. Sobald vollständige Lösung eingetreten ist, gießt man die Flüssigkeit in eine Bütte, in der vorher 2 kg Kupfervitriol in 100 1 Wasser gelöst worden ist. Der abgewogene ungelöschte Kalk wird in einem besonderen Gefäß mit einer genügenden Menge Wasser gelöscht und dann langsam und unter fleißigem Umrühren in das Kupfer-Arsen-Gemisch eingetragen. Besser ist es, den Kalk nicht abzuwägen, sondern solange gelöschten Kalk zuzusetzen, bis, wie bei Bereitung der Kupfervitriolkalkbrühe, eine schwach alkalische Reaktion eintritt.

Das zur Auflösung des Arsens benutzte Gefäß darf zu keinen anderen Zwecken mehr verwandt werden!

Sollten sich die Arsenverbindungen überhaupt in der großen Praxis bewähren, so kann nicht oft und dringend genug auf ihre Giftigkeit hingewiesen werden. Die weiße Farbe der Arsenverbindungen und die vollständige Geschmacklosigkeit der arsenigen Säure kann zu verhängnisvollen Irrtümern führen. So beschreibt schon W. Mestrezat in Feuille viuicole de la Gironde 1906, No. 33, unter dem Titel „Vins renfermant de learsenic" einen Fall, bei dem sich verschiedene Personen infolge Arsengehaltes eines Weines vergifteten. Durch Nachforschung wurde festgestellt, daß Kellerarbeiter den Arsenit für Soda gehalten und damit Weinfässer ausgeschwenkt hatten!

Falls Fabriken dazu übergehen, Arsenverbindungen für Bespritzungszwecke im großen herzustellen, muß von Seite des Staates unbedingt gefordert werden, daß die Arsenverbindungen mit einem grünen Farbstoff versetzt werden, vor welcher Farbe in Genußmitteln der Laie bekanntlich eine merkwürdige Furcht hat.

Von dem Besitzer des von J. Dewitz bespritzten Weinbergs wurden uns in dankenswerter Weise Trauben, Most, Trester, Jungwein und Trub zur Verfügung gestellt.

I . Analyse der Trauben. Zunächst wurden die gesamten Trauben der Untersuchung unterworfen. Eine gewogene Menge der Trauben wurde in 3 prozentige Natronlauge gelegt, wodurch das aufgespritzte Arsen als Natriumarseniat, das Blei als Natriumplumbit in Lösung gehen mußte. Nachdem die Trauben 48 Stunden in der Natronlauge gelegen waren, wurden sie herausgenommen, durch Eintauchen in destilliertes Wasser abgespült und schließlich mit destilliertem Wasser abgewaschen. Die Waschwässer wurden mitsamt der Natronlauge eingedampft und schließlich unter zeitweiligem Zusatz von geringen Mengen Salpeter in einer Nickelschale zur Zerstörung der organischen Substanzen niedergeschmolzen. Die Schmelze wurde in Wasser gelöst und mit Salzsäure zur Entfernung der Salpetersäure und zur Abscheidung der vorhandenen Kieselsäure wiederholt zur Trockne eingedampft. Schließlich wurde mit verdünnter Salzsäure aufgenommen und filtriert. In das erhitzte Filtrat wurde Schwefelwasserstoff eingeleitet. Die abgeschiedenen Sulfide wurden durch einen gewogenen Neubauer-Platintiegel filtriert, mit Alkoholäther getrocknet und mit Schwefelkohlenstoff zur Entfernung des ausgeschiedenen Schwefels gewaschen. Hierauf wurde der Niederschlag nochmals mit Äther nachgewaschen, im Trockenschranke bei 105° getrocknet und nach dem Erkalten gewogen. Auf diese Weise wurde die Summe des vorhandenen Bleisulfids und Arsensulfids festgestellt. Zur Trennung der beiden Sulfide wurde der im Neubauertiegel befindliche Niederschlag gründlich mit Natriumsulfid behandelt, wodurch das Arsensulfid als Natrinmarsenat in Lösung ging und das Blei als Bleisulfid zurückblieb, das nach entsprechendem Auswaschen und Trocknen wieder zur Wägung gebracht wurde. Aus der Differenz berechnet sich die Menge des vorhandenen Arsenpentasulfids. Zur Kontrolle wurde das in Lösung befindliche Sulfarseniat mit Salpetersäure oxydiert, zur Trockene verdampft und mit Salzsäure aufgenommen. In die salzsaure Lösung wurde nochmals Schwefelwasserstoff eingeleitet, der gebildete Niederschlag in einem Neubauertiegel gewaschen und getrocknet und schließlich zur Wägung gebracht. Nach Beendigung der quantitativen Analyse wurde das Arsensulfid zur Identitätsprüfung nochmals mit Salpetersäure oxydiert und nach der Gutzeitschen Methode die Anwesenheit von Arsen einwandsfrei festgestellt.

In Arbeit genommen wurden 700 g Trauben:

Es wurden gefunden in 100 g Trauben:

0,00074 g metallisches Blei,
0,00026 g metallisches Arsen.

II. Analyse der Beeren und Rappen getrennt. In einer weiteren Traubenprobe wurden die Beeren von den Kämmen getrennt und Kämme und Beeren für sich geprüft. Abgewogene Mengen der Beeren und Stile wurden wiederum mit Natronlauge übergossen und 48 Stunden stehen gelassen, sodann die Lauge vorsichtig abgehebert und die zurückbleibenden Bestandteile wiederholt und sorgfältig mit Wasser gewaschen; die erhaltenen Filtrate wurden wie oben beschrieben eingedampft, niedergeschmolzen und in bekannter Weise auf Arsen und Blei geprüft. Verarbeitet wurden 750 g Beeren; 100 g enthielten:

0,00035 g Blei,
0,00016 g Arsen.

Ferner wurden verarbeitet 300 g Bappen; 100 g davon enthielten:
0,0107 g Blei,
0,0071 g Arsen.

III. Analyse der Blätter. Schließlich wurden auch die Blätter einer Untersuchung auf die Anwesenheit von Metallen unterzogen. Eine abgewogene Menge Blätter wurde mit Natronlauge übergossen und extrahiert; die Flüssigkeit wurde wie oben untersucht. Dabei zeigte sich die merkwürdige Erscheinung, daß auch das Kupfer, das durch Bespritzung mit Bordelaiser-Brühe auf die Blätter gelangt war, durch die Lauge abgewaschen worden war. Es wurden daher die gesammelten Sulfide von Arsen, Kupfer und Blei in folgender Weise getrennt. Der gesammelte Niederschlag wurde mit Schwefelkohlenstoff vom abgeschiedenen Schwefel befreit und gewogen. Durch Behandeln mit farblosem Ammonsulfid wurde das Arsen in Lösung gebracht, in der üblichen Weise im Filtrat wieder gefällt, filtriert, vom abgeschiedenen Schwefel befreit und schließlich gewogen.

Der in Ammonsulfid unlösliche Rückstand wurde zur Kontrolle gewogen, sodann mit Salpetersäure oxydiert, die Salpetersäure durch wiederholtes Abrauchen mit Schwefelsäure entfernt und der Rückstand in gewohnter Weise mit wenig Wasser aufgenommen und filtriert; das im Neubauertiegel zurückgebliebene Bleisulfat wurde dann noch mit wenig Wasser und Alkohol gewaschen, um das Kupfer möglichst vollständig zu entfernen. Die gesammelten Filtrate wurden eingedampft, mit wenig Schwefelsäure angesäuert und nochmals mit Schwefelwasserstoff gefällt. Der entstandene Kupfer-Niederschlag wurde im Papierfilter abfiltriert, mitsamt dem Filter im Porzellantiegel geglüht und gewogen.

In Arbeit genommen wurden 485 g Blätter in frischem Zustande. 100 g enthielten: 0,0477 g Blei,

0,0271 g Kupfer, 0,0164 g Arsen. Stellen wir die bisher erhaltenen Zahlen zusammen, so ergibt sich folgendes:

In 100 g enthalten an Metallen in Milligrammen:

Trauben Beeren Rappen Blätter
Blei .... 0,7 0,3 10,6 48
Arsen . . . 0,3 0,2 7,1 16

Kupfer ... — — — 27

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