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Bericht

über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation.

Erstattet von Dr. C. von der Heide, Vorstand der Versuchsstation.

1. Untersuchung von reinen Naturweinen des Jahres 1905 aus den preußischen Weinbaugebieten.

Über die Witterungsverhältnisse dieses Erntejahres wurde das Nötige im vorigen Berichte anläßlich der Besprechung der Mostuntersuchungsergebnisse gesagt; es sei hiermit darauf verwiesen.

Die Güte der 1905er Weine reicht nicht au die des vorhergehenden Jahres heran, doch sind es im Durchschnitt Weine, die mit dem Prädikat ,.gut" zu bezeichnen sind. Es ist dies auf die nicht besonders günstigen Witterungsverhältnisse des Herbstes zurückzuführen. Die Weine wurden als Jungweine, also nach dem ersten Abstich, der Analyse unterzogen.

Die gesamten Analysenresultate werden in den „Arbeiten aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte-Berlin" veröffentlicht werden. Hier möge nur eine kurze Übersicht über sämtliche eingesandten Weine, sowie eine Zusammenstellung der in den einzelnen Weinbaugebieten festgestellten Weinbestandteile Platz finden.

Im ganzen wurden 100 naturreine Weine des Jahres 1905 untersucht; davon entfallen auf den Rheingau 36, darunter 1 Rotwein aus Geisenheim, auf das Rheintal unterhalb des Rheingaues 12 Weine, darunter 2 Rotweine aus Gielsdorf, auf das Weinbaugebiet der Mosel 32 Weine, auf das Weinbaugebiet der Nahe 4 Weine, auf das Weingebiet der Saar 10 Weine, auf das Weinbaugebiet der Ahr 4 Weine, die sämtlich Rotweine sind, und auf sonstige Weinbaugebiete 2 Weine.

In den einzelnen Weinbaugebieten wurden nachstehende Mengen an den einzelnen Weinbestandteilen festgestellt.

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Wie aus der Tabelle ersichtlich ist, wurden die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzzahlen nur in einem Falle unterschritten; ein Wein von der Mosel (er stammte aus Cues) enthielt nur 0,129 g Aschenbestandteile in 100 g.

Die Tabelle läßt die charakteristischen Unterschiede zwischen Rhein- und Moselweinen klar hervortreten. Im Rheingau entspricht einem durchschnittlichen Alkoholgehalte von 8— 10 g ein Säuregehalt von 0,6—0,8 g, während die Mosel bei 6—9 g Alkohol einen Säuregehalt von 0.9—1,1 g aufweist. Der Milchsäuregehalt läßt eine ähnliche charakteristische Differenz kaum erkennen, so daß sowohl Rhein- wie Moselweine einen ziemlich gleichen Säurerückgang erlitten haben müssen. Der durchgehend geringe Gehalt an flüchtiger Säure beweist, daß die Kellerwirtschaft in beiden Wein baugebieten auf der Höhe steht. Nur ein Wein aus Freyburg a/Unstrut, sowie sämtliche Rotweine zeigen einen etwas höheren Gehalt an flüchtiger Säure.

Die Werte für die Gesamtweinsteinsäure, verglichen mit den Werten für die Gesamtsäure, zeigen wiederum, daß es irrationell ist, die Gesamtsäure als Weinsäure zu berechnen. Es wäre auch hier vorzuziehen, an Stelle der Gesamtsäure, berechnet in Grammen Weinsäure, eine Säurezahl aufzustellen, die angibt, wieviel Kubikzentimeter Normal-Alkali zur Neutralisation der in 100 ccm Wein vorhandenen Säure nötig sind.

Die Extraktwerte liegen in diesem Jahre im Durchschnitt weit über der gesetzlichen Mindestgrenze; dasselbe gilt auch für die Mineralbestandteile, besonders für diejenigen der Moselweine. Das Alkohol-Glycerin-Verhältnis zeigt bei Rheingau- und Moselweinen einen charakteristischen Unterschied insofern, als es bei den Rheingauer Weinen zwischen 7 und 13 schwankt während es bei den Moselweinen sich zwischen 5 und 10 bewegt.

Bei den Rotweinen ist der Alkoholgehalt verhältnismäßig niedrig. Die Extraktwerte sind, verglichen mit denen der Weißweine, nicht besonders hoch. Der Gehalt an Mineralbestandteilen übertrifft jedoch den der Weißweine im Durchschnitt bedeutend.

2. Untersuchung der Moste des Jahres 1906.

Das Jahr 1906 war für den Weinbau im allgemeinen nicht günstig. Im Rheingau kam die Rebe mit gut ausgereiftem Holze in den Winter, während man an der Mosel infolge der verheerenden Wirkung der Blattfallkrankheit im Jahre 1905 große Besorgnis hegte, die sich zum Glück nicht bewahrheitete.

Im Frühjahr wurde vereinzelt über Frostschäden berichtet, die Rebe erholte sich jedoch bald wieder. Die Peronospora erschien sehr bald. Im Rheingau trat sie anfangs verheerend auf, so daß man auf das schlimmste gefaßt war. Infolge der eintretenden Trockenheit verschwand sie jedoch allmählich wieder, und der Winzer konnte noch auf eine gute Ernte hoffen. Da die Rebe sehr langsam durch die Blüte kam, richtete der Heuwurm großen Schaden an, der Sauerwurm fand ebenfalls sehr günstige Lebensbedingungen, und so kam es, daß im Rheingau fast von einer Mißernte berichtet werden muß. Es wurde nur der 7. Teil der vorjährigen Ernte erzielt. Während 1905 von 1965 ha im Ertrag stehenden Weinbergen 75035 hl geerntet wurden, betrug im Berichtsjahre die Ernte nur 10 791 hl, darunter sind 133.5 hl Rotwein von 25 ha Weinbergsland. Es wurde 1/il/M des vollen Herbstes geerntet. Die Qualität der Trauben war gut bis mittel; doch neigen die Jungweine sehr zum Rahnwerden.

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