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Zum Vergleich mag auch der Blütenbau des gewöhnlichen Apfelbaumes kurz beschrieben werden: Pirus Malus L. Kelch in der Knospe offen. Krone cochlear, oft absteigend oder quincuncial, sowohl rechts- als linksläufig. Anschluß des Kronenkreises an den Kelchkreis bei cochlearer wie quincuncialer Stellung verschieden; das erste Blatt bald zwischen dem 2. und 4., bald zwischen dem 1. und 4., bald zwischen dem 3. und 5. Blatte des Kelchkreises; bei absteigender Deckung zwischen dem 2. und 5. Blatte. Androeceum 20—l5gliedrig, in 3 oder 5 Kreisen; der äußere 10zählig, Glieder paarweise mit den Kelchblättern korrespondierend, der zweite 5 zählig, über den Krongliedern stehend, der dritte wiederum 5zählig, über den Kelchblättern oder fehlend. Gynoeceum 5 zählig, synkarp, unterständig, die Glieder über den Kelchteilen. Jedes Fruchtblatt mit 2, sich zu Samen entwickelnden, centralwinkelständigen Samenanlagen.

6. Über Stlckstoffniangel von Apfelmosten als Ursache schleppender Garung.

Bearbeitet von K. A. Gren.

Die unvollkommene Vergärung von Apfelmosten, wie sie bei der Herstellung von Apfelweinen im Kleinbetrieb häufig zu beobachten ist, wird gewöhnlich auf einen Mangel an geeigneten Gärungserregern zurückgeführt, während als gärungshemmendes Moment Nährstoffmangel der Moste im allgemeinen nicht angenommen wird, sofern die Moste nicht etwa durch das Diffusionsverfahren gewonnen wurden oder einen unzulässigen Wasserzusatz erfahren haben. So berechtigt dieser Standpunkt an sich erschien, so mußte es doch auffallen, daß häufig von der Praxis über mangelhafte Durchgärung von unverdünnten Apfelmosten berichtet wurde, obwohl diese Moste vor Beginn der Gärung einen Zusatz gärkräftiger "Weinhefe erhalten und bei geeigneter Gärtemperatur gelagert hatten. Als im Berichtsjahre wieder ein derartiger Fall der Station zur Kenntnis kam, erschien es zweckmäßig, die Erscheinung näher zu untersuchen. Es handelte sich dabei um Apfellikörweine aus unverdünnten Mosten, die durch Pressen von Marktäpfeln unter Zusatz von annähernd 5% Speierlingen gewonnen und durch Trockenzuckerung auf einen Zuckergehalt von 24—27 Prozent gebracht worden waren. Sämtliche Moste hatte man in vorschriftsmäßiger Weise mit Reinhefe in Gärung gebracht, indem 3 Liter vorgezüchteter Hefe der Rasse Piesport oder Steinberg 1893 auf je 100 1 frisch gekelterten Most zugesetzt wurden. Die Temperatur des Mostes war nach den Mitteilungen des Gärleiters dauernd auf 18—210 C. gehalten, die Hefe wiederholt aufgerührt und im Verlaufe von zwei Monaten durch zweimalige Lüftung in ihrer Gärtätigkeit angeregt worden. Trotzdem blieb die Gärung von Anfang an schleppend und der Vergärungsgrad nach drei Monaten noch durchaus unzureichend. Die Weine hatten um diese Zeit nach Untersuchungen an eingesandten Proben die in folgender Tabelle wiedergegebene, chemische Zusammensetzung:

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Der Produzent hatte beabsichtigt, die Weine bei der Gärung auf einen Alkoholgehalt von 11—12% zu bringen, um einen möglichst einheitlichen Typ von Weinen zu erhalten und diese von vornherein gegen Nachgärungen und Erkrankungen sicher zu stellen. Wie die Tabelle zeigt, wurde jedoch dieser Vergärungsgrad in keinem Falle erreicht, sondern der Alkoholgehalt blieb mit einigen Ausnahmen sogar ganz erheblich unter der gewünschten Grenze.

Es mußte natürlich mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß durch Versehen bei der Gärleitung und dadurch hervorgerufene Krankheiten das ungünstige Ergebnis der Gärung bewirkt worden war, wenn dies auch von vornherein ziemlich unwahrscheinlich blieb, da die Gärung zum Teil unter der Kontrolle des Referenten (Gren) gestanden hatte. Bei einer chemischen Untersuchung ergab sich auch, daß der Gehalt der Weine an flüchtiger Säure in durchaus normalen Grenzen blieb. Dagegen stellte sich bei einer mikroskopischen Untersuchung des miteingeschickten Trubs heraus, daß neben glykogenreicher, gesunder Hefe in nicht unbeträchtlichen Mengen noch Apiculatushefen vorhanden waren. Die zugesetzte Hefe hatte also bei ihrer langsamen Vermehrung die Entwicklung der Apiculatushefen nicht zu unterdrücken vermocht.

Da bei der Kelterung ein Teil der Moste sterilisiert und der Station später für ihre Ermittlungen zur Verfügung gestellt worden war, ließ sich das in der Praxis erzielte Ergebnis der Vergärung auch im Laboratorium durch exakte Gärversuche nachprüfen und dabei gleichzeitig feststellen, ob der Most überhaupt für die Vermehrung der Hefe geeignet war. Es wurden zu diesem Zwecke eine größere Anzahl der gärkräftigsten Helen auf ihre Entwicklungsfähigkeit in dem filtrierten und sorgfältig sterilisierten Moste untersucht und dabei gefunden, daß die Vermehrung bei allen Hefen außerordentlich langsam erfolgte und zur Entstehung eines abnorm körnigen Hefedepots führte. Einige Rassen, wie zum Beispiel die Hefe „Winningen", bildeten an der Innenwand der Kulturgefäße stark an der Wand haftende, runde Kolonien, die durch kräftiges Schütteln nicht gleich zerstört werden konnten. In keinem Falle konnte dabei aber eine normale Gärung erzielt werden. Ein ähnliches Ergebnis hatten Versuche, bei welchen durch Mischen mehrerer Weine zunächst ein Verschnitt von relativ geringem Alkoholgehalt hergestellt worden war, der dann mit geringeren und größeren Mengen von Hefe auf seine Vergärbarkeit geprüft wurde.

Es lag nach diesen Beobachtungen die Annahme nahe, daß Nährstoffarmut der Apfelmoste die Entwicklung der Hefen erschwert und damit den Stillstand der Gärung verursacht hatte. Um diese Annahme auf ihre Richtigkeit zu prüfen, wurden mehrere Versuchsreihen aufgestellt, über die hier nur das wesentlichste mitgeteilt werden kann.

Um zunächst den Einfluß etwa vorhandenen Stickstoffmangels am Ausgangsmaterial der Gärung selbst festzustellen, wurde der sterile Most in drei Versuchsserien von je 5 Versuchsgefäßen 1) ohne weiteren Zusatz, 2) nach Zusatz von 0,03% Ammoniumphosphat und 3) nach Zusatz von 0,03 °/0 Chlorammonium mit Reinhefen von 5 verschiedenen Rassen geimpft. Bei der ersten Reihe stellte sich nur spärliche Vermehrung und ganz zögernde Gärung, dagegen in allen Versuchen der Serie 2 und 3 sehr bald normale Hefevermehrung und flotte Gärung ein.

Ein ganz ähnliches Ergebnis hatten Versuche, bei welchen ein Verschnitt der Weine vor und nach dem Entfernen des Alkohols mit Hefen versetzt wurde. Immer löste der Zusatz von Ammoniumverbindungen Hefevermehrung und normale Gärung aus. In einem Verschnittwein von 5 Gewichtsprozenten Alkohol wurden dabei 5—6 g Alkohol auf je 100 ccm Wein neugebildet, und fast derselbe Erfolg trat ein. als der Verschnittwein nur einen Stickstoffzusatz, jedoch keine Hefeimpfung erhielt. Es fanden dann die eigenen Hefen des Weines die Möglichkeit sich zu vermehren und die Vergärung weiterzuführen.

Der Stickstoffzusatz hatte also in allen Versuchen die Gärungshemmung aufgehoben, wobei ein wesentlicher Unterschied zwischen den beiden, zur Anwendung gekommenen Salzen nicht zu bemerken war. In einigen Fällen hatte sicher Chlorammonium die günstigere Wirkung ausgeübt. Die Ursache der abnormen Gärung des Mostes war demnach offenbar der Mangel an geeigneten Stickstoffverbindungen, wie sie zur Ernährung der Hefe notwendig sind.

Daß ein derartiger Stickstoffmangel auch bei Apfelmosten vorkommt, ist an und für sich nicht so befremdlich, da der Gehalt der Obstarten an verwertbaren Stickstoffverbindungen von den Sorteneigentümlichkeiten, den Ernährungsverhältnissen des Baumes und dem Reifestadium der Früchte in hohem Maße abhängig und daher unter bestimmten Verhältnissen wohl auch in abnormer Weise vermindert sein dürfte.

B. Sonstige Tätigkeit der pflanzenphysiologischen Versuchsstation.

1. Verkehr mit der Praxis.

Der Verkehr der Station mit der Praxis hat im Berichtsjahre zugenommen. Außer der Beantwortung von Anfragen lag der Station häufig die biologische Kontrolle von Obst- und Gemüsekonserven und die mikroskopische Untersuchung von "Weinen ob.

2. Kurse in der Versuchsstation.

a) Um Personen, die bereits mit der nötigen Vorbildung versehen sind, Gelegenheit zu geben, sich über in das Gebiet des Wein-, Obst- und Gartenbaues einschlagende wissenschaftliche Fragen zu informieren, bezw. weiter auszubilden, oder aber selbständige, wissenschaftliche Untersuchungen auszuführen, sind in der Versuchsstation sog. Laborantenkurse eingerichtet. Im Laufe des verflossenen Etatsjahres arbeiteten als Laboranten die Herren: Alexius Sewrikow aus Wladikawkas in Rußland; Hermann Reichard aus Frankfurt a. M.; Fritz Herse aus Großlichterfelde; Karl Gren aus Helsingfors; Dr. Geza Austerweil aus Arad in Ungarn; Andreas Krupa aus Krakau in Galizien; N. Prostosserdow aus Kaukasien in Rußland; Wilhelm Weißer aus Geisenheim; Otto Schmidt aus Bannholz in Baden.

b) An dem Unterrichtskursus über „Gärungserscheinungen, Anwendung von reingezüchteten Hefen für die verschiedenen Zwecke der Weinbereitung, sowie über Weinkrankheiten", der vom 5. bis 17. November abgehalten wurde, beteiligten sich 46 Herren und zwar aus Preußen 25, aus Baden 4, aus Hessen 3, aus Bayern 2, aus Elsaß 2, aus Bremen 1, aus Sachsen 1, aus Siebenbürgen 1, ans Frankreich 1, aus Rußland 1, aus Kapland 5.

3. Vorträge.

Von dem Berichterstatter wurden folgende Vorträge gehalten:

1. „Über das Wurzelleben unserer Kulturpflanzen.'' In der Gartenbaugeselischaft zu Frankfurt a. M., am 5. Oktober 1906.

2. „Über Pflanzen und Ameisen." In der Garten baugesellschaft zu Mainz, am 15. Oktober 1906.

3. „Über reintönige Gärung und Säuregang des Weines." In der Sitzung des Vereins der Weinhändler an der Nahe in Kreuznach, am 5. Dezember 1906.

4. Neuanschaffungen.

Von wertvolleren Neuanschaffungen sind zu nennen: 1 Thermoregulator nach Meyer; 1 Dampfentwickler nach Kulisch;

1 Alkohol-Bestimmungsapparat für 5 Bestimmungen; 1 Körtingluftpumpe.

Für die Handbibliothek wurden angekauft:
Jahrbuch für wissenschaftliche Botanik, Bd. 1906;

Flora, Bd. 1906.

Naturwissenschaftliche Zeitschrift für Land- und Forstwirtschaft, Bd. 1906;

Sorauer: Handbuch der Pflanzenkrankheiten, Lieferung 5—10e;
Harz: Samenkunde;

Lotsy: Vorlesungen über Descendenztheorien;

Ascherson: Synopsis der mitteleuropäischen Flora, Fortsetzung;

Just's Botanischer Jahresbericht XXIX;

Hertwig: Allgemeine Biologie;

Linsbauer: Vorschule der Pfianzenphysiologie;

Lafar: Handbuch der technischen Mykologie;

De Vries-Klebahn: Arten und Varietäten.

5. Publikationen.

Im Berichtsjahre wurde veröffentlicht:

1. K. Kroemer: „Das Wurzelleben unserer Kulturpflanzen." Jahresbericht des Gartenbau-Vereins zu Frankfurt a. M. 1906.

2. K. Kroemer: „Die Herstellung der Rotweine nach dem neuen Gärverfahren von Fuchs-Dattenberg." Mitteilungen über Weinbau und Kellerwirtschaft. 1907, Heft 2. Seite 35.

3. K. Kroemer: „Über reintönige Gärung und Säuregang des Weines." Rheinische Weinzeitung. 1907, No. 14.

4. C. Altmannsberger: „Die künstlichen Dünger und ihre Anwendung in der Praxis." Mitteilungen über Weinbau und Kellerwirtschaft. 1906, Heft 5.

5. F. Herse: „Ein eigentümlicher ,kernloser Apfel'." Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 1907, Seite 72.

6. F. Herse: „Über den Bau des Fruchtholzes der Kernobstbäume." Deutsche Obstbauzeitung. 1907, Seite 8.

7. F. Herse: „Die Wundheilung bei unseren Obstbäumen." Geisenh. Mitteilungen für Obst- und Gartenbau. 1906, Heft 8, S. 113.

8. F. Herse: „Die Anfänge der Obstkultur in Deutschland." Geisenheimer Mitteilungen für Obst- und Gartenbau. 1906, Heft 12, Seite 177.

9. F. Herse: „Über den Verwachsungsprozeß bei der Veredelung der Obstbäume." Geisenheimer Mitteilungen für Obst- und Gartenbau. 1907, Heft 2, Seite 24.

6. Personalveräuderungen.

Am 1. November 1906 trat der seitherige Assistent Dr. Karl Altmannsberger aus der Station aus. Sein Nachfolger wurde am 1. Januar 1907 Dr. Reinhold Kirchner, Assistent an der agrikulturbotanischen Versuchsstation und Samenkontrollstation der Landwirtschaftskammer für die Provinz Schlesien in Breslau. Am 7. Mai trat der Volontärassistent, Herr Gottfried Liebau aus der Station aus; am 1. Mai trat Herr Fritz Herse als Volontärassistent, am 1. Oktober Herr K. Aug. Gren in gleicher Eigenschaft in die Station ein.

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