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Punkte wie die Wahl des richtigen Terroines zur Veredelung, gewissenhafte Ausführung der Veredelung selbst und ähnliche hingewiesen. Vor allem aber möge in dieser Beziehung zum Schlüsse nochmals betont werden, was auch durch die vorliegenden Untersuchungen wieder bestätigt wurde, daß von allergrößtem Werte für das gute Anwachsen die kritische Auswahl des Veredelungsmaterials ist, durch welche sich Mängel der Methode oder der Ausführung bis zu einem gewissen Grade am ehesten wieder ausgleichen lassen.

4. Zur Anatomie der Wundschutzgewebe: Verkorkung an

Holzwunden.

Bearbeitet von F. Herse.

W. Voss hatte gelegentlich der Untersuchung von Rebveredelungen an den Querwunden, mit denen die zur Veredelung verwendeten Achsenstücke aneinander gefügt werden, eigentümliche Verkorkungserscheinungen beobachtet (vgl. Ber. d. D. Botan. Gesellsch., Bd. 22 (1904), Seite 560—563, sowie Ber. d. Geisenheimer Lehranstalt 1904, Seite 53). Im alten, vor der Veredelung gebildeten Holze werden in den Markstrahlzellen in wechselnder Entfernung von der Schnittfläche Suberinlamellen aufgelagert und zwar derart, daß eine fast lückenlose Schicht dieser verkorkten Zellen die an die Wundfläche angrenzenden, abgestorbenen Zellen von den lebenden trennt. Gleichzeitig werden auch in den vom Schnitt getroffenen und in den auf diese folgenden gefächerten Holzfasern von mindestens einer, häufig jedoch auch von mehreren Zellen gleiche Korklamellen aufgelagert. Die Zone, in welcher diese Verkorkungserscheinungen auftreten, hat in den einzelnen Fällen eine verschiedene Breite.

Diese Angaben Voss', die sich nur auf die zum Zwecke der Kopulation beigebrachten und so in gewissem Grade vor dem Austrocknen geschützten Wunden bezogen, können nunmehr dahin erweitert werden, daß ganz allgemein, auch an ungeschützten Querwunden von Vitis-Achsen die lebenden Zellen des Holzes durch eine derartige Korkschicht nach der Schnittfläche hin abgegrenzt werden. Es war dies ja von vornherein als wahrscheinlich anzunehmen, da an Wunden, die allen Einwirkungen der Atmosphärilien ausgesetzt sind, die Bedingungen, welche in jenem Falle die Ausbildung der Korkzone veranlaßten, nach allem, was wir über die Ätiologie der Korkbildung wissen, jedenfalls in noch höherem Grade gegeben sein müssen.

Es lag nun nahe, zu prüfen, ob die Art des Wundschutzes verholzter Gewebe auf die Vitis-Arten, bei denen sie bisher aufgefunden worden war, beschränkt sei, oder ob sie, wie zu vermuten, auch bei anderen Holzgewächsen in gleichen Fällen Verwendung finde. Daher wurde diesem Punkte auch bei der Untersuchung von Apfelveredelungen, an denen der Verlauf der Verwachsung verfolgt werden sollte, Beachtung geschenkt. Bei diesen Veredelungen (es handelte sich um Verbindung verschiedener Apfelvarietäten durch Kopulation) wurde eine derartige Erscheinung, wie sie hier in Frage kommt, in den meisten Fällen, wo die Schnittflächen dicht auf einander gefügt worden waren, nicht beobachtet. An einigen wenigen Veredelungen jedoch, bei denen der Spalt zwischen den Schnittflächen ziemlich breit war (jedenfalls war der Bastverband hier von vornherein nicht fest genug, oder er hatte sich nachträglich gelockert, ehe Verwachsung eingetreten war), wurden im Holze den an Rebenveredelungen gefundenen analoge Verkorkungserscheinungen wahrgenommen. In einer nahe an der Schnittfläche dieser parallel laufenden Zone hatten alle ursprünglich lebenden Zellen, also Markstrahl- und Holzparenchymzellen, ihrer Innenwand eine verkorkte Lamelle aufgelagert, und diese Korkzone setzte sich auch durch das Mark1) hindurch fort. Während aber an diesen, durch die Aneinanderfügung der Veredelungsflächen, das Umbinden der Veredelungsstelle mit Bast und die Verschmierung derselben mit Baumwachs gegen übermäßige Transpiration, Infektionsgefahr usw. geschützten Wunden Verkorkung nur in Ausnahmefällen zu konstatieren war, ergab die Prüfung der Frage an solchen

Achsen-Querwunden, denen keinerlei künstlicher Wundschutz zuteil geworden war, daß in derartigen Fällen die Ausbildung einer verkorkten Zone durch Holz und Mark hindurch nie unterbleibt. An den Wundkork anschließend, der die Rinde quer durchzieht, werden die Markstrahlzellen, sowie die des Holzparenchyms mit einer feinen Korklamelle ausgekleidet. Nicht immer erstreckt sich diese Verkorkung auf alle Zellen eines Markstrahls oder rlle aus der gleichen Kambiumfaser hervorgegangenen Holzparenchymzellen, jedoch ist stets der Zusammenhang der verkorkten Zellen in der Querrichtung so gewahrt, daß die lebenden Zellen durch die Korkzone von den von der Schnittfläche her abgestorbenen streng geschieden sind. Auch in der Markkrone und im Mark selbst rindet diese Korkgrenze ihre Fortsetzung, so daß über die ganze Querfläche des Zweiges hinweg alle lebenden Elemente durch Kork gegen die infolge der Verwundung zugrunde gegangenen Gewebeteile abgeschlossen werden und diese Korkscheide nur durch die Bastfasergruppen, sowie die durch Wundgummi verstopften Gefäße und Tracheiden unterbrochen wird (Fig. 53.)

Im Mark kann die Ausbildung der Korkwände in solchen Fällen, wo die Verwundung zu einer Zeit erfolgt, in der die Markzellen noch nicht ihre definitive Ausbildung erlangt haben, noch eine

') Drs Mark besteht bei den verschiedenen Varietäten von l'irus Malus in ausgebildeten Achsen entweder durchweg aus lebenden, dickwandigen, verholzten Zellen, oder es finden sich neben solchen größere, früh abgestorbene Zellen mit dünneren Wänden.

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Fig. 53. Korkscheide an einer Querwunde (Pims Malus L.). Schematischer Längsschnitt.

Modifikation erleiden. Es bleibt dann gewöhnlich nicht bei einer einfachen Auflagerung einer Suberinlamelle, sondern in der Verkorkungszone fächern sich zunächst alle oder ein Teil der Zellen durch eine oder mehrere, im allgemeinen der Wundfläche parallel gerichtete Zwischenwände (von einem Wachstum der ursprünglichen Zelle sind diese Vorgänge nicht begleitet). Erst diese Kammern werden nun von einer Korklamelle ausgekleidet, und zwar stets die der Wunde am nächsten liegenden, die anderen vielfach nicht. Die einzelnen Markzellen dieser Region können also ein verschiedenes Aussehen zeigen: neben ungefächerten, mit einer Suberinlamelle versehenen, findet man solche, die entweder ausschließlich verkorkte oder zum Teil unverkorkte Kammern aufweisen.

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Fig. 54. Kambialkork an Fig. 55. Korkscheide an einem geringelten

einer Quenvunde (Pirus Zweige (Pirus Malus L.)

Malus L.) Schemariseher Längsschnitt.

Einer ähnlichen Erscheinung begegnet man auch im eigentlichen Holze, und zwar dann, wenn bei Beibringung der Verwundung die zuletzt entstandenen Elemente des Holzkörpers noch nicht fertig ausgebildet sind. Man kann dann beobachten, daß in diesen Elementen, und zwar sowohl im Holzparenchym, wie auch in Anlagen von Gefäßen und Tracheiden, Fächerung durch horizontale Zwischenwände eintritt und die Kammern sämtlich oder zum Teil verkorken. Die Kambiumzellen selbst reagieren stets durch solche Querteilung und Verkorkung, so daß in dieser Hegion Holz und Rinde durch eine Schicht von Korkzellen in typischer Anordnung geschieden sind (Fig. 54). Da in der Regel die Absterbungserscheinungen in der Rinde nicht so tief hinuntergehen wie im Holze, so läuft in solchen Fällen der „Kambialkork" eine kürzere oder längere Strecke weit am Holze entlang, um dann erst in die horizontale Wundkorkschicht in der Rinde überzugehen.

Wie bei Verwundungen in der Querrichtung, so begegnet man auch an allen anderen Wunden, durch die das Holz bloßgelegt wird, bei Apfel- und Birnzweigen, dieser Erscheinung, daß nicht nur die Rinde an der verletzten Stelle von einem Korkmantel bedeckt wird, sondern daß dieser sich auch durch das Holz hindurch fortsetzt, der Wunde also in ihrer ganzen Ausdehnung folgt. Sehr schön sieht man das z. B. bei Ringelungen, wo unter der Holzblöße eine zylinderförmige Isolierzone von verkorkten Zellen bis an die obere und untere Grenze der Wunde heranreicht (Fig. 55).

Um einen gewissen Anhalt dafür zu gewinnen, ob es sich bei dieser Verkorkung im Holze nicht vielleicht um eine Erscheinung handelt, die an — unter natürlichen Bedingungen verbleibenden — Wunden von ebenso allgemeiner Verbreitung ist, wie man es für die Wundgummibildung festgestellt hat, wurden noch einige Wunden an anderen Holzarten zur vorläufigen Untersuchung herangezogen. Die Durchsicht des Materials lehrte wenigstens soviel, daß jene Annahme in so allgemeiner Fassung nicht zutrifft: das Verhalten der lebenden Zellen des Holzes inbezug auf die Ausbildung verkorkter Lamellen war bei den einzelnen Arten ein verschiedenes. Eine ziemlich breite Zone Fig. 56. Korkscheide an einer von verkorkten Zellen im Holze Querwunde (Tilia parvifohaEhrh). zeigten Querwunden von Quercus Querschnitt. pedunculata Ehrh., Juglans regia L,

Acer pseudoplatanus L. Bei Tilia parvifolia Ehrh. war sie in zwei Fällen nicht nachzuweisen, während sie in einem anderen Falle deutlich ausgeprägt war. In der Fig. 56, die ein mit Eau de Javelle behandeltes und mittels Sudan III gefärbtes Präparat wiedergibt, heben sich die Korklamellen in den Markstrahl- und Holzparenchymzellen durch ihre dunklere Färbung heraus. Gleichzeitig zeigt die Figur den das Holz nach der Rinde zu begrenzenden „Kambialkork", dem eine ähnliche Korkzone auch auf der Seite des Markes entspricht. An Querwunden von Prunus avium L. und Corylus Avellana L. waren es nur ganz vereinzelte Zellen an der Grenze zwischen dem absterbenden und dem lebend bleibenden Holze, die durch Wandverkorkung reagierten, besonders die an den Kambialkork anschließenden Markstrahlzellcn; bei Viburnum Opulus L. war wiederum nur die Markkrone durch verkorkte Zellen ausgezeichnet, während z. B. bei Platanus orientalis L. sowohl im eigentlichen Holze wie in der Markkrone nur einzelne Zellen durch ihre verkorkten Wände auffielen, dagegen durch das ganze Mark eine breite Schicht mit Suberinlamellen ausgekleideter Zellen sich hindurchzog.

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Obwohl es sich bei diesen zuletzt angeführten Beispielen nur um beiläufige, auf Einzelfälle bezügliche Beobachtungen handelt, wie nochmals betont sei, geht doch jedenfalls schon soviel daraus hervor, daß die Verkorkung lebender Zellen des Holzes an Wunden zwar bei den einzelnen Gattungen und Arten nicht in gleichem Maße in Erscheinung tritt, jedenfalls aber doch ziemlich weit verbreitet ist und bei künftigen Untersuchungen über die natürlichen Wundschutzbildungen an der Pflanze nicht mehr vernachlässigt werden darf. Wenn es danach auffallen könnte, daß diese Erscheinung früher völlig übersehen worden ist, so sei darauf hingewiesen, daß an unbehandelten Präparaten die zarten Suberinlamellen sich von der übrigen Wand nicht augenfällig abheben, vielmehr erst nach geeigneter Behandlung — längeres Verweilen in Eau de Javelle und Färbung mit Sudanglycerin (Kroemer, Wurzelhaut. Bibl. bot. Heft 59. S. 9.) — deutlich zu unterscheiden sind.

5. Über die Morphologie der Blüten von Pirns dloYca Mönch.

Bearbeitet von R. Schulz.

An neuem Material konnte im Berichtsjahre die Morphologie der Blüten von Pirus dioica Mönch. (Jahresbericht 1905, S. 214) einer ergänzenden Untersuchung unterzogen werden. Die Blüten charakterisieren sich demnach wie folgt:

Pirus dioica Mönch.: Blütenhülle einfach, nicht in Kelch und Krone gegliedert, aus zwei 5 teiligen, alternierenden Kreisen grüner, kelchartiger Blättchen bestehend, der innere Kreis jedoch als Vergrößerung eines Kronenblattkreises aufzufassen. Knospendeckung des äußeren Kreises quineuncial, rechts- oder linksläufig, zweites Glied stets median hinten. Präfloration des inneren Kreises meist cochlear in der Stellung, daß das innerste, auf beiden Seiten gedeckte Glied dem äußersten, beiderseitig deckenden zunächst steht, so zwar, daß der innerste bald rechts, bald links vom äußersten sich befindet, ganz gleich ob der äußere Kreis der Hülle rechts- oder linksläufig ist. Anschluß des inneren an den äußeren Kreis ungleichmäßig; das erste Glied des inneren steht entweder zwischen dem 2. und 4., oder dem 1. und 3., oder dem 1. und 4. Gliede der äußeren. In einigen Fällen ist die Deckung des 2. Kreises quineuncial und merkwürdigerweise umgekehrtläufig wie der äußere Kreis; erstes Glied des inneren Kreises dabei zwischen dem 1. und 4. des äußeren.

Androeceum fehlt. Gynoeceum syncarp, unvollständig unterständig, l5gliedrig, in zwei übereinander gestellten Kreisen. Die Glieder des äußeren (oberen) Kreises teilweise oder ganz, selten nicht dedoubliert, daher 5—10 an der Zahl, paarweise je einem Gliede des inneren Blütenhüllkreises superponiert. Innerer (unterer) Kreis 5 zählig, mit dem Kelchblattkreise korrespondierend, Griffel zwischen den Gliedern des äußeren hindurchragend. Jedes Fruchtblatt mit 2, bei der Reife sich nicht zu Samen entwickelnden Samenanlagen.

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