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Wassersüchtige Reben findet man in den Weinbergen in feuchtem Terrain recht häufig und es ist zu verwundern, daß diese Krankheit seither in der Literatur für die Reben noch nicht angeführt wurde. Man wirft in den Kreisen der Praktiker diese Erkrankungsart allgemein mit der als Rhizomorpha subcorticalis bekannten Erscheinungsform der Dematophora necatrix zusammen. Die Untersuchungen über die Wassersucht der Reben werden fortgesetzt.

C. Sonstige Tätigkeit der Station.

Als Praktikanten (s. Statut der Anstalt Seite 14 D.) arbeiteten in der Station die Herren E. Hule aus Nikolojew (Süd-Rußland) und Gr. Kolotoff aus Petersburg (Rußland).

Der Berichterstatter hielt folgende Vorträge:

1. Neues und für die Praxis Wichtiges aus dem Gebiete der Pflanzenkrankheiten. Im Rheingauer Verein für Obst- und Gartenbau zu Erbach.

2. Über die Bekämpfung des Heu- und Sauerwurmes durch Gifte. Tn Geisenheim.

3. Über die Bekämpfung des Heu- und Sauerwurmes mittels Arsensalzen. Im landwirtschaftlichen Kasino zu Trarbach a. d. Mosel.

4. Über zielbewußte Bekämpfung der Rebenschädlinge. In der General-Versammlung des Rheingauer Vereins für Obst- und Gartenbau.

5. Über die Bekämpfung der Rebschädlinge. In der Generalversammlung der Vereinigung Rheingauer Weingutsbesitzer in Hattenheim.

6. Über Gemüsekrankheiten und Gemüsefeinde. In der GärtnerGenossenschaft zu Sachsenhausen a. Main.

7. Über ein neues Verfahren zur Bekämpfung des Heu- und Sauerwurmes. Im landwirtschaftlichen Kasino zu Traben.

8. Über die Rebonschildlaus und ihre Bekämpfung. Ebenda.

Der Reblaus-Kursus für die Schüler und der öffentliche Reblaus-Kursus, die beide von dem Berichterstatter geleitet wurden, waren zusammen von 88 Personen besucht.

In der Handhabung des Apparates zur Desinfektion von Reben mittelst Schwefelkohlenstoff wurden 3 Personen ausgebildet.

Auf Veranlassung des Herrn Oberpräsidenten der Rheinprovinz fand in der Zeit vom 31. Mai bis 2. Juni ein Kursus über Krankheiten der Obstbäume statt, an dem Herr Landrat von NasseKrenznach und Herr Regierungs-Assessor Abicht-Coblenz teilnahmen.

Für den Obstbau-Kursus hatte der Berichterstatter 10 Vorträge über Feinde und Krankheiten der Obstbäume übernommen.

Mitte Juli wurden von dem Berichterstatter die im Parke, den Gewächshäusern und dem Obstmuttergarten der Anstalt stehenden Reben auf das Vorhandensein der Reblaus hin untersucht, wobei verdächtige Erscheinungen nicht beobachtet wurden.

Auch in diesem Jahre stand die Station in regem Verkehr mit der Praxis. Die Zahl der sich auf Schädlinge und Krankheiten der Kulturpflanzen und Bekämpfungsmittel beziehenden Anfragen belief sich im Etatsjahr auf 598. Davon entfielen auf Obst- und Gartenbau 271, auf Weinbau 144, auf Landwirtschaft 22, auf Forstwirtschaft 7, auf chemische und technische Mittel zur Schädlingsbekämpfung 154. Dazu kommen noch 51 von den Sammlern eingeschickte Meldeblätter. Die Zahl der im ganzen an die Biologische Anstalt zu Dahlem bei Berlin eingesandten Meldeblätter betrug 123. Längere Berichte, resp. Gutachten wurden erstattet:

1. An das Ministerium für Landwirtschaft. Domänen und Forsten zu Berlin: Über die Bekämpfung der Reblaus mittels Elektrizität.

2. An das Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten zu Berlin: Über die Peronospora-Epidemie des Jahres 1906.

3. An das Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten zu Berlin: Über die Bekämpfung von Obstbaumschädlingen mittels Carbolineum.

4. An das Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten zu Berlin: Über die Einfuhr von Pflanzen und Pflanzenteilen aus Japan.

5. An das Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten zu Berlin: Über die Mies'schen Versuche zur Bekämpfung der Reblaus.

6. An das Königl. Oberpräsidium in Cassel: Über die Organisation des Pflanzenschutzes im Reg.-Bez. Wiesbaden.

7. An das Königl. Oberpräsidium in Cassel: Über das Ergebnis einer Besichtigung der Rebendesinfektionsanstalten.

8. An die Königl. Regierung zu Wiesbaden: Über die Bekämpfung der Peronospora.

9. An die Königl. Regierung zu Wiesbaden: Über die Bekämpfung der Peronospora. 2. Bericht.

10. An die Königl. Regierung zu Wiesbaden: Über die Neuorganisation des Pflanzenschutzes im Reg.-Bez. Wiesbaden.

11. An die Königl. Regierung zu Wiesbaden: Über die Verwendung von Arsenbrühen zur Heuwurmbekämpfung.

12. An die Großherzogl. Regierung des Fürstentums Birkenfeld: Über die Neuorganisation des Pflanzenschutzes im Fürstentum Birkenfeld.

Veröffentlichungen der Station.
a) Vom Vorstande Dr. Lfistner.

1. Erkennung und Bekämpfung der Blattfallkrankheit der Reben. Amtsblatt der Landwirtschaftskammer zu Wiesbaden 1906.

2. Der Apfelwickler. Ebenda.

3. Über vom ungleichen Borkenkäfer hervorgerufene Schäden an Obstbäumen. Ebenda.

4. Über eine ansteckende Krankheit der Runkelrüben. Ebenda.

5. Die Bekämpfung der Hopfenblattlaus. Ebenda.

6. Über die Kohlschabe. Ebenda.

7. An die Winzer! Aufforderung zur Bekämpfung der Peronospora. Ebenda.

8. An die Winzer! Aufforderung zur Bekämpfung des Oidiums. Ebenda.

9. An die Winzer! Warnung vor der Anwendung der Lohkalkbrühe. Ebenda.

10. Über Erbsenfeinde. Ebenda.

11. Über den Kropf des Kohles oder die Kohlhernie. Ebenda.

12. Über Feinde und Krankheiten der Gemüsepflanzen. Geisenheimer Mitteilungen über Obst- und Gartenbau 1906.

13. Über Miniermotten. Ebenda.

14. Vorsicht beim Bezuge von Stachel- und Johannisbeersträuchern. Ebenda.

15. Die rote austernförmige Schildlaus, ein gefährlicher Feind der Obstbäume. Ebenda.

16. Ein Beitrag zur Ansiedlung nützlicher Vögel in den Weinbergen. Mitteilungen über Weinbau- und Kellerwirtschaft 1906.

17. Erkennung und Bekämpfung der wichtigsten Feinde und Krankheiten der Reben. Ebenda 1907.

18. Obstbaumschädlinge. Drei Vorträge. Verlag vou E. Ulmer. Stuttgart.

19. Ein gefährlicher Obstbaumfeind. Neues Frankfurter Lesebuch.

b) Vom Assistenten Dr. E. Motz.

20. Neue Erfahrungen bei der Bekämpfung der Peronospora. Landw. Zeitschrift für Rheinhessen 1906.

21. Einige Bemerkungen zur Bekämpfung der Perouospora. Mitteilungen über Weinbau und Kellerwirtschaft 1906.

22. Die Pocken- und Milbenkrankheit der Rebe. Ebenda.

23. Über Blattbräune und Laubröte der Reben. Ebenda.

24. Einige Bemerkungen über die Bekämpfung der Peronospora. Ebenda.

25. Die Graufäule der Reben und ihre Bekämpfung. Ebenda.

26. Über die Entstehung der durch Sclerotinia fructigena erzeugten Schwarzfäule. Bakt. Centralblatt 1906.

27. Zur Frage der pulverförmigon Kupfermittel. Weinbau und Weinhandel 1906.

28. Die Feinde und Krankheiten der Rebe. Jahresbericht über Neuerungen auf dem Gebiete des Pflanzenschutzes.

e) Von Dr. Dewitz.

29. Versuche über die Wirkung des arsensauren Bleies auf die Raupen der Traubenwickler. Mitteilungen über Weinbau- und Kellerwirtschaft 1906.

30. Ein neues Bekämpfungsmittel für den Springwurmwickler. Weinbau und Weinhandel 1906.

Um die beteiligten Kreise über die Lebensweise und Bekämpfung wichtigerer Krankheitserreger zu unterrichten, wurden in den „Geisenheimer Mitteilungen über Obst- und Gartenbau" besondere „Mitteilungen der pflanzenpathologischen Station" in jeder Nummer veröffentlicht. Dortselbst ist auch ein sog. „Schädlingskalender" eingerichtet worden, in welchem der Praxis die in dem betr. Monat zur Ausführung kommenden Bekämpfungsmaßnahmen mitgeteilt werden.

D. Neuanschaffungen.

P. et H. Sydow, Monographia Uredinearum (Fortsetzung).

P. Wytsman, Genera insectorum (Fortsetzung).

Centralblatt für Bakteriologie, Parasitenkunde und Infektionskrankheiten (Fortsetzung).

Arbeiten aus der Kaiserl. Biol. Anstalt für Land- und Forstwirtschaft zu Dahlem (Fortsetzung).

Naturwissenschaftliche Zeitschrift für Land- und Forstwirtschaft (Fortsetzung).

Annales mycologici (Fortsetzung).

Praktische Blätter für Pflanzenbau und Pflanzenschutz (Fortsetzung).

Erfurter Führer im Obst- und Gartenbau (Fortsetzung).

Sorauer, Lindau und Reh, Handbuch der Pflanzenkrankheiten (Fortsetzung).

France, Das Leben der Pflanze (Fortsetzung).

Fischer, Vorlesungen über Bakterien.

Mangin et Viala, La Phthiriose de la vigne.

Lern ström, Elektrokultur.

Schröder u. Reuß, Die Beschädigung der Vegetation durch Rauch und die Oberharzer Hüttenrauchschäden.

Brunet, Les maladies et insectes de la vigne.

Prillieux, Maladies des plantes agricoles. 2 Bände.

Boisduval, Essai sur Pentomoiogie horticole.

Nitschke, Pyrenomycetes germanici.

Frank, Kampfbuch gegen die Schädlinge unserer Feldfrüchte.

Ein Binoculares Mikroskop von Zeiß-Jena.

Ein photographischer Apparat, Minimum-Palmos mit Stativ von Zeiß-Jena.

Ein Wärmeschrank.

Bericht

über die Tätigkeit der pflanzenphysiologischen Versuchsstation.

Erstattot von Dr. Karl Kroemer, Vorsteher der Station.

A. Wissenschaftliche Tätigkeit.
1. Über die Bewurzelang der Rebe.

Seit mehreren Jahren bereits sind in der Versuchsstation Untersuchungen über die Wurzelentwicklung der Rebe im Gange, die sich wegen der Schwierigkeit des Untersuchungsgegenstandes notwendig auf einen größeren Zeitraum erstrecken müssen. Die Beobachtungen der früheren Jahre betrafen zunächst die Morphologie des Wurzelsystems und bezogen sich u. a. auf die Tracht der Bewurzelung, die Stellung der Wurzeln an ein- und mehrjährigen Wurzelreben, die Ausbildung und das Zahlenverhältnis der einzelnen Glieder des Systems, sowie auf die Anatomie der Wurzeln, Erscheinungen, über die Näheres in den Jahren 1903 — 1905 berichtet wurde. Außerdem wurden die Wachstumsvorgänge der Wurzeln verfolgt, auf die Vegetations- und Ruheperioden im Wurzelwachstum, die Ergänzungsfähigkeit, den Tiefgang und die Flächenausbreitung der Wurzeln im Boden geachtet. Insbesondere auf diesem Gebiete wurden im letzten Jahre die Beobachtungen fortgesetzt, weil gerade die Wachstnmserscheinungen der Wurzel schwieriger zu verfolgen und nur durch umfassende, sich über mehrere Vegetationsperioden erstreckende Forschungen klarzulegen sind.

Über die Periodicität des Wurzelwachstums wurden bereits im Bericht des Jahres 1904 einige Angaben gemacht, aus denen zu schließen war, daß für die Bildung neuer und das Spitzen wachstum älterer Wurzeln durchschnittlich die Zeit von Anfang Mai bis Ende September in Betracht kommt. Im letzten Jahre wurden durch die Beobachtungen im Wurzelhause und durch Nachgrabungen im Freiland neue Belege für diese Annahme erbracht. In den Versuchskästen des Wurzelhauses stand die Wurzelentwicklung während der Monate Dezember bis März vollkommen still, und auch bei Weinbergsreben ließ sich in dieser Zeit Spitzenwachstum an den Wurzeln nicht feststellen. Untersucht wurden nach dieser Richtung ältere Riesling- und Burgunderreben eines auf Löß stehenden Weinberges, in dem Grabungen bis zu 1 m Tiefe vorgenommen wurden.

Der eigentliche Abschluß des Längenwachstums scheint jedoch bereits in den Monaten September bis Oktober zu erfolgen, denn in diesen Monaten sind nur selten noch stärkere oder feinere Wurzelspitzen zu finden, die durch ihre Form und Färbung andeuten, daß sie noch im Wachstum begriffen sind. Bei geschützt stehenden Topfreben verschiedener Europäersämlinge ließen sich allerdings noch am 18. Oktober 1906 relativ zahlreich wachsende Wurzelspitzen

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