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kalkbrühe zahlreich beobachtet werden konnten. Selbst bei der geringsten Konzentration der Brühe blieben solche Schäden nicht aus. Die Ursache dieser Erscheinung dürfte, wie bereits anderwärts betont, in der mangelhaften Cuticularisierung der Blätter, hervorgerufen durch ein zu rasches Wachstum, zu suchen sein.

Wie sehr die Zeit der Bespritzung für den Erfolg mitspricht, konnte gelegentlich in der „Flecht" festgestellt werden. In dieser Lage wurde die Ausführung des zweiten Spritzens durch eingetretenen Hegen unterbrochen. Erst am folgenden Tage war es möglich, die Arbeit fortzusetzen. Nach einiger Zeit zeigte es sich, daß die vor dem Regen behandelten Reben üppig grün und gesund geblieben waren, während der am folgenden Tag gespritzte Rest unter Peronospora stark zu leiden hatte. Daraus resultiert, daß, im geeigneten Moment alle Mann mit Spritzen bewaffnet, vor allen andern Arbeiten das Bordelaisieren vornehmen müssen. Nach ausgiebigen Regenfällen und vor Eintritt trüber Witterung ist das Kupfern zu wiederholen.

Ein Versuch im „Mäuerchen" zeigte, daß 1-, 2- und 3prozentige Lösungen gleich stark pilztötend zu wirken vermögen. Die stärkere Konzentration der Brühe bedingt allerdings eine länger andauernder üppiger grüne Belaubung und bürgt für längere Wirkung, da die Spritzflecken länger haften bleiben. Es dürfte sich demnach, abgesehen von der direkten Wirksamkeit auf den Pilz, in regenreichen Jahren empfehlen, eher die 2- als die 1 prozentige Brühe zu verwenden.

An Präparaten, die im Kampf gegen die Peronospora empfohlen

Villefranche und „Agens"', eingesandt von Zink, Freiburg im Breisgau. Beide Substanzen vermochten uns nicht zu befriedigen, ihre Wirksamkeit blieb trotz des hohen Preises hinter der Kupferkalkbrühe zurück.

Der Distrikt „Morschberg" besitzt einen sehr schweren bindigen Tonschieferboden. Um die physikalischen Eigenschaften der obersten Bodenschicht günstiger zu gestalten, wurde eine Überschotterung des Bodens mit Steinkohlenschlacken vorgenommen. Die Lage wurde in drei Parzellen eingeteilt, deren eine 15, deren andere 5 cm hoch mit Schlacken überfahren wurde, wähl end das dritte Stück als Kontrolle unbehandelt blieb. Die beiden letztgenannten Teile wurden regelmäßig wie sonst gegraben, der hoch überschüttete Boden soll vorläufig ohne Bearbeitung bleiben. Die Schlacken waren von der chemischen Fabrik Winkel gratis erhältlich. Das Anfahren kostete bei einer Entfernung des Feldes von 3 km von der Fabrik für 5 a 36 bezw. 108 M.

Die Wirkung der Schlackenbedeckung war eine ganz überraschende. Auf Fig. 2 ist links der hoch aufgeschüttete Teil als besonders üppig gewachsen zu erkennen. Vor allem fiel die grüne

werden, wurden

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V. Vermorel in

4. Versuch mit Schlackenbcdeckting.

Belaubung dieser Stöcke auf. Der mittlere Teil des Weinbergs war unbehandelt geblieben. Das Wachstum dieser Reben blieb gegenüber dem linken Teil offensichtlich zurück, während das 5 cm hoch überfahrene, rechts gelegene Stück die Mitte zwischen beiden ein

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nahm. Das zahlenmäßige Resultat des Versuches ist aus folgender Tabelle ersichtlich:

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Wie aus den Zahlen ersichtlich ist, trat der Unterschied der

verschiedenen Behandlung besonders im zweiten Jahr hervor.

Qualität und Quantität des Ertrages wurden ebenfalls festgestellt und ergaben:

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Die Tabelle zeigt, daß 1905 Ertrag und Qualität der Moste aus den behandelten Parzellen jene aus den unbehandelten übertrafen. Im Herbst 1906 ergab sich das Entgegengesetzte. Diese Tatsache findet ihre Erklärung darin, daß das überschotterte Stück infolge seines üppigeren Wuchses und dichteren Standes unter Sauerwurm mehr zu leiden hatte. Vor Auftreten des Schädlings übertraf die Anzahl der Trauben in den überfahreneu Parzellen jene in den nicht behandelten.

Soviel steht heute schon fest, daß die physikalische Beschaffenheit schwerer Böden durch Schlackenbedeckung viel günstiger gestaltet werden kann. Vielleicht vermag man auf diese Weise auch die Lebensdauer alter rückgängiger Weinberge zu erhöhen. Wie bekannt, führt man die Wirkung der Schlacken auf die ständige Offenhaltung sowie auf den erhöhten Feuchtigkeitsgehalt des Bodens zurück. Wie sich die Wirkung nach Jahren gestaltet und wie die Behandlung in leichtem Boden wirkt, wird die Zukunft zeigen.

J. Hefner.

B. Kellerwirtschaft.

Einzelne Weine des Jahrgangs 1904 haben sich zu Hochgewächsen entwickelt und zeigen eine reife, vornehme, feinblumige und elegante Art.

Die 1905 er bauen sich sehr schnell aus. Ihre Säure beginnt angenehm zu werden; sie besitzen kräftige Art und zeichnen sicli vor allem durch eine saubere Gär aus.

Über die Kreszenz des Jahres 1906 läßt sich noch nicht viel mitteilen; allem Anschein nach werden die Weine sauberer und reintöniger, als man gehofft hatte.

Im Frühjahr 1906 wurde zwecks Veräußerung einzelner Weine der Lehranstalt und Domäne eine öffentliche Versteigerung abgehalten. Am 23. Mai wurden 20 Halbstück 1904 er und 15 Halbstück 1905 er ausgeboten. Da der Besuch der Versteigerung ein guter war, konnten sämtliche Weine in anderen Besitz gegeben werden. Das Halbstück 1904 er kam durchschnittlich auf 1448 M, jenes der 190")er auf 639 M; der Gesamterlös betrug 38 530 M.

1. Prüfung von eingegangenen Mitteln und Materialien.

a) Durabisol.

Von der Firma Edmund Simon, Dresden A.4, wurde uns ein im Kampf gegen die Schimmelpilze an Holzgeräten empfohlenes Mittel, Durabisol, eingesandt. Es stellt eine klare, gelblich grüne Flüssigkeit dar, die einen strengen, an gekochten Fisch erinnernden Geruch abgibt, der sich aber beim Gebrauch größtenteils verliert. Zur Verwendung wird das Mittel mit heißem Wasser gemischt und auf die zu behandelnden Gegenstände aufgetragen. Um seine Wirksamkeit festzustellen, wurden aus Weiden geflochtene Umhüllungen von Korbflaschen sowie auch Fässer behandelt.

Das Weidengeflecht von drei in einem feuchten Keller aufgestellten Korbflasehen wurde mit 5-, 10- und 50prozentiger Lösung angestrichen. In keinem Fall hat Durabisol die Schimmelbildung verhüten können. Nrch 3 — 5 Wochen waren alle drei mehr oder weniger angelaufen. Jedoch hatten die Schimmelpilze auf dem behandelten Geflecht nie so stark gewuchert, als an einem in unmittelbarer Nähe des Versuches aufgestellten neuen unbehandelten Korb.

Zwei Hektofäßchen wurden aufgeschlagen, mit 5- bezw. 50 prozentiger Mischung innen und außen angestrichen, wieder eingebunden und mit Wein gefüllt. Beide Weine wurden durch das Mittel in ihrer Helligkeit und Farbe nicht beeinflußt, hatten jedoch einen sehr unangenehmen Beigeschmack angenommen. Die 5Oprozentige Lösung war im stande, den eingelagerten Wein wertlos zu machen. Die Schimmelbildung konnte durch die Behandlung nicht verhütet werden.

Demnach ist es wegen der nachteiligen Wirkung auf den eingelagerten Wein völlig ausgeschlossen, Durabisol zur Faßbehandlung zu benützen, während das Mittel andrerseits die Haltbarkeit des Holzes an nicht mit Wein in Berührung kommenden Geritten nur um ein geringes erhöht.

b) Paraffin als Mittel gegen Schimmel.

In letzter Zeit war verschiedentlich angeraten worden, Paraffin im Kampfe gegen die Schimmelpilze an Holzgeräten zu verwenden. Ein Versuch sollte dessen Brauchbarkeit für den angegebenen Zweck klarlegen. Ein stark verschimmeltes Faß, von ca. 50 1 Inhalt, wurde aufgeschlagen, kalt gebürstet, der Boden eingesetzt, das Faß gebrüht und gewässert und nun mit Paraffin behandelt. 250 g des Fettes wurden geschmolzen, in das Faß gegeben und letzteres nun gerollt, so daß das Paraffin als eine gleichmäßige, lückenlose, 1—2 mm dicke Schicht den innern Raum des Fasses bekleidete. Sobald das Fett erstarrt war, wurde das Faß in üblicher Weise eingeschwefelt, wobei sich zeigte, daß die Verbrennungsgase des Schwefels keinerlei Einfluß auf das Paraffin auszuüben vermögen. Der nun eingefüllte Wein zeigte nach 8 wöchentlicher Lagerung in der Farbe keine Veränderung, geschmacklich dagegen war er sehr verschlechteit und erinnerte schwach an Petroleum. Sonach ist wegen der geschmacklichen Beeinflussung des Weines das Paraffin zur Behandlung der Fässer ausgeschlossen.

c) Schwefeisch nitten „Record".

Es muß immer noch als ein Fehler in der Kellerwirtschaft bezeichnet werden, daß viele Kellermeister die ihnen so sehr „ans Herz gewachsenen" dicken Schwefelschnitten womöglich mit Tuchoder Papiereinlage benützen. Schon seit verhältnismäßig langer Zeit werden von verschiedenen Fabrikanten die sehr viel besseren ..Asbest-Schwefelschnitten" in den Handel gebracht, die sich jedoch bedauerlicherweise nicht in dem Maße einführten, als sie es verdient hätten. In neuerer Zeit verfertigt die chemische Fabrik A. Becker & Co., Worms am Rhein, nicht abtropfende Schnitten, „Recordee mit Asbesteinlage. Die genannte Firma hat uns zur Begutachtung einzelne überlassen. Bei deren Benutzung konnte festgestellt werden, daß die Verbrennung des Schwefels eine vollständige ist; ein Abtropfen findet auch nicht in kleinen Spuren statt, was von den allgemein gebräuchlichen Schnitten, wie bekannt, keineswegs gesagt werden kann. Die Einlage ist unverbrennlich und läßt sich leicht aus dem Faß entfernen. Papiereinlagen bleiben meist im Faßraum zurück. Bei dünnen Schnitten ist die Menge der zurückbleibenden Schwefelträger im Verhältnis zum Quantum des verbrannten Schwefels bedeutend größer als bei Verwendung einer geringen Anzahl dickerer Schnitten. Man dürfte in diesem Umstand vielleicht den Grund zu suchen haben, warum die dicken Schnitten beliebter sind als eine größere Anzahl besser wirkender dünner. Die Schwefelschnitte „Record" kann nach unseren Erfahrungen in der Kellereipraxis bestens empfohlen werden. 1 kg von ca. 300 Schnitten kostet 1,50 M.

2. Prüfung von Geräten und Maschinen.

a) Der Loossche Faßdämpfapparat.

Seit drei Jahren benutzt die Anstalt den in größeren Weinhandlungen schon verschiedentlich aufgestellten Loosschen Faßdämpfapparat (Fig. 3). Er besteht aus einem Metallmantel, welcher unten einen hohlen Feuerungsraum und oben einen Hohlraum als Rauchabzug besitzt. Beide sind durch eine nach der Größe des Apparates wechselnde Anzahl von metallenen Röhren miteinander verbunden, durch welche die Wärme nach oben steigt. Die Umgebung der Röhren dient zur Aufnahme des zur Bereitung des Dampfes dienenden Wassers, dessen Höhe an einem vorn angebrachten Standglas ersichtlich ist. Links auf dem Bilde zweigt ein ein- oder mehrfach gebogenes Standrohr vom Apparat ab. Wo es den Kessel verläßt, ist ein Sicherheitsventil eingefügt. Rechts in der Abbildung ist oben ein mit einem Gummischlauch versehener Stutzen ersichtlich, welcher zur Einleitung des Dampfes in die Fässer dient. Unterhalb dieser Dampfableitung sind eine oder zwei in verschiedener Höhe abzweigende Röhren angebracht, aus welchen warmes Wasser entnommen werden kann. Der Apparat besitzt nämlich den Vorzug, daß er gleichzeitig zur Erzeugung von warmem Wasser und Dampf dienen kann. Bei der Benutzung hat man nur darauf zu achten, daß vor Inbetriebsetzung das vom Sicherhersventil nach unten gehende Rohrstück mit Wasser angefüllt ist, da sonst der Dampf schon bei geringem Druck durch das Standrohr entweichen würde. Wenn mau den Kessel in einem niederen geschlossenen Raum aufstellen will und die Ableitung des aus dem Standrohr ausströmenden Dampfes nach außen nicht bewerkstelligen kann, so legt man in einiger Höhe vom Boden eine Metallscheibe in das Standrohr ein oder man sucht diesem eine zweckentsprechende Länge dadurch zu verleihen, daß man die Röhre einigemal auf- und abwärts führt . Sollte je ein Verrosten der inneren Kesselauskleidung stattfinden, was man daran

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