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B. Geschenkt:

Von dem Kalisyndikat G. m. b. H. Leopoldshall -Staßfurt zwei Plakate betreffend: ,, Winter-Goldparmäne", „Viktoria-Pflaume".

Von C. E. Schmidt-Lauffen a. N.: Versandkorb.

Von Herrn Geheimen Kommerzienrat Troitzsch-Berlin: Porträts Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin.

Von May & Sohn-Groß-Waldita: Muster von Holzstoff-Postversandkisten.

Auf Veranlassung des Herrn Ministers für Landwirtschaft. Domänen und Forsten, Berlin: Anatomische Tafeln über die Honigbiene (von Eduard von Lacher).

Von Albert Schaper-Hannover: Gär- und Abfüllspund „Optimus".

II. Tätigkeit der Anstalt nach innen.

Bericht

über die Tätigkeit in Weinbau und Kellerwirtschaft.

Erstattet von dem Betriebsleiter Weinbaulehrer Fischer.

A. Weinbau.
1. Jahresübersicht.

Der Winter 1905/06 zog sich sehr in die Länge. Da besonders hohe Kältegrade nicht zu verzeichnen waren, überwinterten die Reben sehr gut. Die kräftige, gesunde Beschaffenheit der Triebe berechtigte zu den schönsten Hoffnungen. Der Rebschnitt ging anfänglich schnell vorwärts, um dann gegen Mitte März durch einen schueereichen, kalten Nachwinter auf längere Zeit unterbrochen zu werden. Seine Ausführung erfolgte wie auch früher im Tagelohn. Die Kosten für ein sehr sorgfältiges Schneiden mit gleichzeitigem Abbürsten des alten Holzes mittels Stahlbürsten beliefen sich durchschnittlich auf 21 M pro preußischen Morgen (25 a).

Infolge der warmen Witterung in der ersten Hälfte des April kamen die Weinberge schnell zum Austrieb. Die berers gegen Mitte dieses Monats anschwellenden Augen der Reben bedingten ein beschleunigtes Sticken und Gerten. Ende April und Anfang Mai wurde es indessen wieder ziemlich kühl. Selbst leichte Fröste mit Reif fehlten um diese Zeit nicht. Doch sank das Thermometer nicht unter 1 0 C., so daß die Gefahr der Frühjahrsfröste glücklich vorüberging.

Herrschten schon im April mehrere Gewitter, so wiederholten sich diese besonders häufig im Mai und Juni. Die Folge dieser elektrischen Entladungen waren gewöhnlich nachfolgende kühle Tage bei bedecktem Himmel. Ein mitunter recht kalter Nordwind beherrschte die Witterung und bedingte allgemein niedere Temperaturen, so daß trotz des frühen Austriebs der Stöcke die Blüte erst spät begann. Mit dem Öffnen der kleinen Blütchen setzte jedoch besseres Wetter ein, wodurch der Blütonverlauf überall ein schneEer, gleichmäßiger und guter war. Beginn und Ende sind für einzelne Sorten und Lagen in nachfolgender Tabelle zusammengestellt.

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Die Motten des einbindigen Traubenwicklers waren sehr häufig in den Weinbergen zu beobachten. Demgemäß ließen auch die Heuwürmer an Zahl nichts zu wünschen übrig. Trotzdem vermochten diese infolge des schnellen Verlaufs der Blüte wenig Schaden anzurichten. Nur einzelne, starktriebige Weinberge in den Lagen ,,Altbaum", „Hohenrech" und „Decker' litten durch diesen Schädling in nennenswerter Weise.

Die ersten Spuren von Peronospora waren schon vor der Blüte an den Reben zu finden. Zu Anfang Juli nahm die Krankheit eine geradezu erschreckende, im Rheingau nie gekannte Ausdehnung an. Man setzte sofort mit der Bekämpfung ein, allein die herrschende Witterung eischwerte diese sehr. Infolge der vielen Niederschläge war wegen allzu großer Nässe vielfach das Bespritzen der grünen Teile nicht möglich, oder der eintretende Regen hinderte an der Fortsetzung des begonnenen Bordelaisierens und verwischte die Spuren und damit die Wirkung getaner Arbeit. Im Laufe der Vegetationsperiode wurde fünf-, teilweise sogar sechsmal mit 1- und 11/t prozentiger Brühe gespritzt.

Oeidium wurde in den von uns administrierten Weinbergen zum erstenmal am 8. Juli beobachtet. Es trat indes nur stellenweise und da nur spärlich auf. Ein Schaden durch diesen Pilz war durch wiederholtes Schwefeln abgewendet worden.

Die bis dahin verhältnismäßig günstigen Herbstaussichten wurden durch das starke Auftreten des Sauerwurms sehr herabgedrückt . Die verheerende Arbeit dieses Schädlings wurde besonders dadurch begünstigt, daß infolge der stets feuchten Luft die angestochenen Traubenbeeren sehr schnell in Fäulnis übergingen. In einzelnen Lagen waren die Motten mit Klebfächern gefangen worden, allein bei der großen Parzellierung des Gutes war es unmöglich, diese Arbeit allgemein durchzuführen. Zudem wäre der Erfolg dieser Bekämpfungsmaßnahmen in den kleinen Parzellen verhältnismäßig gering, zumal in den letzten Jahren der viel behendere bekreuzte Traubenwickler mehr als früher im Rheingau auftritt . Um indes die Überhandnahme des Schädlings im letzten Jahr zu illustrieren, sei angeführt, daß 1905 auf der 3^ Morgen großen „Flechf 617, im Jahre 1906 dagegen 16 298 Motten gefangen wurden. Die große Anzahl der Raupen vermochte dadurch besonders unheilvoll zu wirken, daß die Entwicklung der Tierchen in den Beeren infolge der kühlen Witterung außerordentlich langsam vor sich ging. Durch diesen Umstand ward dem kleinen Schädling viel Zeit gegeben, sein Zerstörungswerk auszuüben.

Die gesund gebliebenen Beeren gingen in ihrer Entwicklung sehr langsam voran. Die ersten weichen Trauben wurden daher sehr spät gefunden und zwar in den einzelnen Lagen nach Angabe folgender Tabelle:

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Demgemäß erfolgte auch der Eintritt der Reife selbst noch 10—14 Tage später als in dem in dieser Beziehung ebenfalls ungünstig gewesenen Vorjahre. Die Lese wurde vorgenommen:

Für Spätburgunder am 9. Oktober.

Für den Sämling: Riesling x Burgunder am 22. Oktober.
Allgemeine Lese am 25. Oktober.

Der quantitative Ertrag war minimal, mehr die Folge des Sauerwairm- als Peronosporaschadens. Von 25 im Ertrag stehenden Morgen Weinberg ergab die Ernte 2600 1. In ungefähr 10 Morgen war die Lese überflüssig geworden, in weiteren 10—15 Morgen ersetzte der Ertrag kaum die Lesekosten. Nur in den beiden Lagen ,,Flecht'1 und „Mäuerchen", in denen der Mottenfang mittels Klebfächer durchgeführt worden war, vermochte die Ernte einigermaßen zufrieden zu stellen. Die Bekämpfungsmaßnahme rettete mindestens 2 Halbstück Wein, die zusammen mit 1200 M angerechnet werden können. Die Kosten für den Mottenfang beliefen sich auf 121,50 M, es bleibt sonach eine durch die Bekämpfung veraulaßte Mehreinnahme von 1048,80 M.

Infolge des wenigen in den Beeren enthaltenen Saftes und der dicken Beerenhülsen war im Berichtsjahr eine große Menge Maische zur Erzielung eines bestimmten Quantums Most notwendig. Wir benötigten zu 1200 1 Most ca. 34 Ztr. Trauben.

Die Witterung während und nach der Lese war sehr günstig. Das Holz reifte gut aus; die Düngung konnte rechtzeitig und richtig vorgenommen werden.

2. Neuanlagen.

Im Frühjahr 1906 wurden die Wustfelder „Decker" und „Flecht" neu angelegt. Die Umarbeitung der brach gelegenen Weinberge erfolgte auf 80 cm Tiefe, wobei sich die Kosten pro Morgen, im Tagelohn vergeben, auf 490 bezw. 510 M beliefen.

Die Pflanzung erfolgte im „Decker'' teils mit veredelten, teils unveredelten Sylvaner-Wurzelreben. Es soll hier probiert werden, wie sich die Qualität der Produkte auf veredelten zu unveredelten Beben stellt. Das Einbringen der Pflänzlinge in den Boden geschah mit dem Spaten, auf 20 a waren dazu 14 Arbeitstage mit einem Gesamtlohn von 35 M erforderlich.

Die „Flecht" erhielt Riesling-Wurzel- und Blindreben. Das Blindholz war aus verschiedener Höhe der einjährigen Reben entnommen, um festzustellen, wie die einzelnen Längen in Menge und Güte des Ertrages voneinander abweichen.

Beide Jungfelder sind mit 95 °/0 angewachsen und konnten durch fast wöchentlich vorgenommenes Spritzen von Peronospora beinah völlig freigehalten werden. Während Jungfelder in der Umgebung vielfach eingingen, zeigten unsere Reben gleichmäßige, starke, verschiedentlich 1 m lange Triebe.

Im „Steiuacker", „Langenacker" und auf der „Platte" wurden Drahtgestelle an die dreijährigen Pflanzen angebracht. Es besteht die Absicht, soweit tunlich immer mehr zu Drahtanlagen überzugehen. Die niedere Ausführung mit drei Drähten, wie sie im Jahresbericht 1904 beschrieben ist, wurde im „Langenacker" und „Steinacker" aufgestellt, da sich diese Art sehr gut bewährte. Dagegen erwies sich das von der Firma Valentin Waas, Geisenheim, konstruierte System als verbesserungsbedürftig. Neben einer geringen Haltbarkeit besitzt es den Nachteil, daß das Passieren der Durchgänge infolge der 30 cm über dem Boden angebrachten Verbindungsdrähte sehr erschwert ist. Im Verein mit Schlossermeister J. Weber, Geisenheim, vervollkommneten wir daher den Durchgang. Die verbesserte Vorrichtung besteht, wie Fig. 1 zeigt, aus zwei T-Eisen, welche durch leichte Flachstäbe miteinander in Verbindung stehen. Diese Konstruktion ist sehr stabil, gestattet ein bequemes Durchgehen und macht außerdem das Einsetzen der Stäbe im Beton entbehrlich.

Der Preis der ganzen Vorrichtung stellt sich bei einer Länge von 1,80 m aus T-Eisen mit 25 : 25 und 3 mm Stärke auf 3,20 M. Bei einer Stärke der End- und Durchgangsstäbe von 85 : 35 : 4 und einer solchen der Mittelstäbe von 25 : 25 : 3 belaufen sich die Kosten der niederen Anlage pro Morgen auf 620 M. Die höhere Anlage, deren Stäbe von derselben Stärke gewählt wurden, stellte sich pro Morgen auf 840 M. Die hohen Preise der Gestelle sind wesentlich bedingt durch die Durchgänge. Ließe man diese in Wegfall kommen, so würde pro Morgen eine Ersparnis von l5O—200 M gemacht werden (Materialkosten, Arbeit der Aufstellung usw.).

Wenn diese Zahlen für den Moment auch hoch erscheinen, stellen sich Drahtanlagen im Laufe der Jahre doch billiger wie Pfahlerziehung. Die Kosten für Beschaffung, Anfahren, Austeilen und Einschlagen der Pfähle belaufen sich im Rheingau pro Morgen

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Fig. 1. Webertcher Durchgang.

auf ca. 000 M, die jährlich vorzunehmende Arbeit des Stickens auf 8 M. Rechnen wir bei einem Alter von 50 Jahren eine einmalige Erneuerung sämtlicher Pfähle mit ca. 600 M, so würde die Schaffung und Erhaltung der Pfahlanlagen in den 50 Jahren auf 1600 M zu stehen kommen. Dabei haben wir bei unserer Rechnung die angegebenen Werte für Drahtanlagen als oberste Grenze angenommen. Zudem wird man in weniger wertvollen Lagen und leichten Böden, in denen die Reben ein geringeres Alter erlangen, ein einfacheres und dadurch billigeres Drahtgestell errichten können.

3. Beobachtungen und Erfahrungen über die Bekampfung der Blattfallkrankheit im Berichtsjahr.

Das im Zeichen der Blattfallkrankheit stehende Weinjahr 1906 ließ eine Reihe bemerkenswerter Schlüsse bezüglich der Bekämpfung der Krankheit zu, welche hier wiedergegeben werden sollen.

Zunächst muß betont werden, daß, wie in keinem andern Jahr, Verbrennungserscheinungen an Blättern durch die Kupfervitriol

Geisenheiimer Bericht 1906. 2

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