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sich nicht allein daraus, daß sie sich nur in behandelten Weinbergen bemerkbar machten, sondern es ist dies auch daraus zu erkennen, daß diese Schäden um so stärker in die Erscheinung traten, je konzentriertere Brühen bei den Bespritzungen verwendet worden waren. Diese Erscheinungen weisen aber darauf hin. daß wir in so abnormen Frühjahren, wie das vergangene eines gewesen ist, bei der Bekämpfung der Peronospora sehr vorsichtig sein müssen. Um Beschädigungen, wie die genannten zu vermeiden, dürfen alsdann die Reben nur mit schwachen Brühen — l/, bis ili prozentigen — bespritzt werden.

Im übrigen hat die diesjährige Peronospora-Epidemie die in früheren Jahren gesammelten Erfahrungen bestätigt. Nur derjenige ist des Pilzes Herr geworden, der frühzeitig gegen ihn vorgegangen ist und seine Maßnahmen wiederholt durchgeführt hat. Es darf jedoch auch nicht verschwiegen werden, daß viele der diesjährigen Erfolge auch rein zufällige waren, denn mancher hat bekanntlich durch eine oder wenige Bespritzungen mehr erreicht, als andere mit einem halben Dutzend oder mehr. Auf diese zufällig erreichten Erfolge möchte ich jedoch besonders hinweisen, denn gerade sie zeigen uns, wie sehr ausschlaggebend der richtige Zeitpunkt bei der Bekämpfung des Pilzes ist. Wird dieser erfaßt, sei es nun durch Zufall oder besondere Mühewaltung, dann hat für uns die Peronospora viel von ihrer Bedeutung verloren; wird er jedoch versäumt, dann hilft alles Spritzen nichts mehr, und wir müssen den Verheerungen, die der Pilz anrichtet, zusehen, bis trockene Witterung seiner Verbreitung Einhalt gebietet.

Von den Brühen, die in diesem Frühjahr zur Bekämpfung der Peronospora benutzt wurden, haben sich vor allen wieder die Kupfervitriolkalk- und die Kupfervitriolsodabrühe bewährt. Sie kommen jetzt meist zweiprozentig zur Anwendung. Die Erfahrungen, die mit dem neutralen essigsauren Kupfer gemacht worden sind, widersprechen sich. Bei einigen Versuchen hat sich dieses neue Mittel gut bewährt, bei anderen hat es vollständig versagt. Diese Mißerfolge sind höchstwahrscheinlich darauf zurückzuführen, daß das Salz, wenn es auf die Reben gespritzt worden ist, erst nach einiger Zeit in eine unlösliche, festanhaftende Form übergeht. Herrscht nun nach der Bespritzung mit diesem Salz trocknes Wetter, dann hat es genügende Zeit, sich fest den grünen Rebteilen anzuschmiegen und die genannte Veränderung einzugehen, wodurch dieselben gegen eine Infektion durch den Pilz geschützt sind. Stellt sich jedoch, bevor sich das Salz umgewandelt hat, Regen ein, dann war die ganze Bespritzung umsonst. Es wird dann von den Rebteilen abgewaschen, wonach diese den Angriffen des Pilzes ebenso preisgegeben sind, als wenn sie nicht behandelt worden wären. Aus diesem Grunde, und weil das Salz auch teurer ist, wie unsere gewöhnlichen Mittel, kann seine Anwendung nicht empfohlen werden. Auch von der Verwendung des Azurins und anderer fertiger Mittel muß abgeraten werden. Sie sind alle viel teurer wie die genannten, ohne dabei von besserer Wirkung zu sein. Über die Brauchbarkeit pulverformiger Mittel für die Peronosporabekämpfung können erst Versuche, die von uns für das nächste Jahr vorgesehen sind, Aufschluß geben.

Es bleibt nunmehr noch ein sehr wichtiger Punkt zu besprechen übrig: die Zeit, in welcher die Bekämpfung der Peronospora erfolgen soll. Diese ein für allemal festzusetzen, ist schlechterdings unmöglich, denn das Auftreten des Pilzes hängt erfahrungsgemäß viel zu sehr von der Witterung ab. Die Jahreszeit ist hierbei von gar keiner Bedeutung, denn seine Ausbreitung kann erfolgen von Mitte Mai ab bis in den Oktober hinein. Bei diesem Auftreten ist nicht zu vergessen, daß wir den Befall nicht sofort wahrnehmen. Der Pilz kann bereits tagelang in den Blättern vorhanden sein, ohne daß sich äußerlich die Anzeichen der Krankheit an diesen bemerkbar machen. Erst mit der Zeit ist der schädliche Einfluß, den der Pilz auf die Blätter ausübt, auch äußerlich zu erkennen. Es erscheinen an ihnen dann gelbe, mißfarbige Flecken, aus denen schließlich und zwar nur auf der Unterseite, die bekannten weißen Schimmelrasen hervortreten, von denen aus sich der Pilz weiter verbreitet. Wir haben also den ganzen Sommer mit dem Pilze zu rechnen und daraus folgt, daß wir bei seiner Bekämpfung nicht warten dürfen, bis er sich in den Weinbergen zeigt, sondern wir müssen ihm zuvor zu kommen versuchen, wir müssen bestrebt sein, ihn von den Stöcken fern zu halten. Und da sich der Pilz zuweilen schon im Frühjahr in den Weinbergen einstellt, müssen wir auch bereits um diese Zeit an seine Bekämpfung denken. Bei ihrer Durchführung hat man sich ganz nach der herrschenden Witterung zu richten. Ist dieselbe trocken, so genügt es, wenn damit Ende Mai bis Anfang Juni begonnen wird, is$ sie dagegen warm und feucht, so ist die Behandlung schon früher, Mitte Mai, vorzunehmen. Der Winzer muß hierbei mit Überlegung vorgehen und sich stets vergegenwärtigen, daß er in einem warmen und feuchten Frühjahr stets mit einem frühzeitigen Auftreten der Peronospora zu rechnen hat.

Wird die erste Bespritzung um die genannten Zeiten ausgeführt, so ist der Kampf schon zur Hälfte gewonnen, wir verhindern damit den Pilz an der Ausbildung seiner Sporen und somit an seiner Verbreitung und vor allem erhalten wir hierdurch auch den Stöcken die Blätter, die sie zur Ausbildung ihrer Trauben benötigen. Nun bildet aber die Rebe gerade im Frühjahr ihre neue Triebe ungemein schnell aus; es kommen an ihr täglich neue Triebe zum Vorschein, die aber, weil sie nach der ersten Bespritzung erstanden sind, nicht gegen die Angriffe des Pilzes geschützt sind. Diese neu entstandenen Triebe möglichst bald mit dem schützenden Belag zu versehen, ist nun ebenso wichtig, wie die erste Behandlung, denn diese Blätter haben nicht allein für die Ausbildung der Trauben, sondern auch für die Entwicklung anderer Stockteile zu sorgen. In welcher Zeit die zweite Bespritzung der eisten zu folgen hat, hängt wieder von der herrschenden Witterung ab. Bei feuchtem Wetter soll man nicht länger als 8—10 Tago damit warten, bei trocknen kann man sie dagegen 2—3 Wochen hinausschieben.

Bei diesen ersten Bespritzungen ist vor allem dafür Sorge zu tragen, daß außer den Blättern auch die Gescheine getroffen werden, und daß die Brühe selbst möglichst gleichmäßig und fein über die Stöcke verteilt wird. Es läßt sich dies am besten dadurch erreichen, daß jede Seite einer jeden Zeile zweimal bespritzt wird, einmal von ihrem unteren Ende, das andere Mal vom oberen Ende aus, wobei der Verstäuber zu heben

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und zu senken ist. Hierdurch werden alle Stockteile gleichmäßig von der Flüssigkeit getroffen. Dies ist bei der seitherigen Behandlungsweise, bei welcher jede Seite einer jeden Zeile nur einmal bespritzt wurde, nicht der Fall. Hierbei werden stets gewisse Teile der Stöcke und zwar diejenigen, welche seitlich der Strahlrichtung liegen, weniger getroffen. Der Vorteil unserer neuen Spritzweise gegenüber der seitherigen ist aus beistehenden Skizzen zu erkennen (Fig. 38 und 89).

Um die Brühe möglichst fein aufzutragen, empfiehlt es sich für die Bespritzung den neuen ungarischen Verstäuber (Bezugsquelle Eisenbändler M. Strauß, Geisenheim, Preis 2,50 M) zu verwenden, mit dem Fuhr bei seinen Versuchen die feinste Verteilung erzielte.

Die beiden ersten Bespritzungen sind die Grundlage für die ganze Peronosporabekämpfung. Werden sie zur richtigen Zeit und mit der nötigen Sorgfalt ausgeführt, dann ist die Macht des Pilzes gebrochen. Sie werden auch unter normalen Verhältnissen genügen, um die Reben gesund zu erhalten. Sind jedoch die Entwicklungsbedingungen für den Pilz günstige, dann ist natürlich öfters zu spritzen; es können dann 5—6 Behandlungen erforderlich werden, die von der zweiten ab in Zwischenräumen von ca. 2—3 Wochen aufeinander folgen sollen. Fällt unmittelbar nach einer Bespritzung Regen und wird von diesem die Brühe von den Reben abgewaschen, so ist die Behandlung sofort zu wiederholen und zwar an allen Zeilen, deren Stöcke auf ihren Blättern Spritzflecken nicht erkennen lassen.

2. Aufgaben der Lehranstalt bezüglich der Prüfung von Mitteln zur Bekämpfung tierischer und pflanzlicher Schädlinge.

Bereits in den früheren Jahresberichten der Königl. Lehranstalt sind regelmäßig Mitteilungen gemacht worden über die Ergebnisse von Untersuchungen über verschiedenste von der Technik eingeführte Mittel zur Bekämpfung tierischer oder pflanzlicher Schädlinge, bezw. über die Brauchbarkeit und Art der Anwendung solcher Mittel. In Nummer 35 des Jahrganges 1906 von „Möllers deutscher Gärtnerzeitung'1 wird nun, unter besonderem Hinweis auf die in dem Jahresberichte für das Etatsjahr 1905 mitgeteilten darauf bezüglichen Versuchsergebnisse, der Königl. Lehranstalt die Beschuldigung gemacht, daß sie durch Anstellung und Veröffentlichung derartiger Versuche dem „Geheimmittel-Unwesen"1 Vorschub leiste.

Diese Beschuldigung ist schon aus dem Grunde nicht zutreffend, weil die Königl. Lehranstalt derartige Untersuchungen grundsätzlich niemals im direkten Auftrag von Fabrikanten ausgeführt noch über die erzielten Ergebnisse Gutachten ausstellt, welche dann zu Reklamezwecken Benutzung finden könnten. Zudem ist es bei vielen zur Schädlingsbekämpfung benutzten Substanzen, z. B. den KarbolineumPräparaten, wie es an der genannten Stelle für erforderlich erachtet wird, unmöglich, durch eine chemische Analyse Aufschluß über die genaue chemische Zusammensetzung derselben zu erlangen. Dasselbe ist aber auch nicht nötig, weil durch die Kenntnis der chemischen Zusammensetzung in einem solchen Falle für die Praxis nichts gewonnen würde und von einem billigeren Vertriebe solcher im Großbetrieb hergestellter Substanzen nicht die Rede sein kann. Es genügt zunächst festzustellen, ob derartige Mittel wirksam und für die Praxis brauchbar sind oder nicht.

Es erscheint darnach nicht nur nicht bedenklich, sondern muß sogar als Pflicht und nicht unwichtige Aufgabe eines mit ForschungsInstituten ausgestatteten, der Praxis unmittelbar dienenden Lehrinstitutes, wie es die Königl. Lehranstalt ist, betrachtet werden, durch eigne Untersuchungen und Prüfungen der aus der Praxis selbst hervorgehenden Neuerungen, seien es nun Verbesserungen bezw. Neukonstruktionen von Apparaten und Geräten, oder Neueinführungen von Mitteln für die Schädlingsbekämpfung oder für die Kellerwirtschaft empfohlene Mittel usw., sich auf dem Laufenden zu halten, um jederzeit in der Lage zu sein, der Praxis auf eigene Erfahrungen gestützten Rat erteilen zu können. Über die Ergebnisse derartiger Untersuchungen muß in dem Jahresberichte der Königl. Lehranstalt ordnungsgemäß berichtet werden. Wortmann.

3. Untersuchungen über den Einfluss des Carbolineums auf

die Bäume.

Von Dr. Gustav Lüstner.

In neuerer Zeit finden Karbolineum und Karbolineumpräparate zur Bekämpfung von auf den holzigen Teilen der Obstbäume lebenden Schädlingen und zur Behandlung von Wunden an denselben immer mehr Verwendung. Und tatsächlich haben sich diese Mittel gegen einige sehr schädliche Insekten aufs beste bewährt. Es sind jedoch auch Stimmen laut geworden, die von der Benutzung des Karbolineums als Schädlingsbekämpfungsmittel abraten, weil durch einen Anstrich der Bäume mit dieser Flüssigkeit ernste Beschädigungen an ihnen entstehen können. Diese verschiedenen Ergebnisse bei der Prüfung des Karbolineums als Heilmittel für Baumkrankheiten sind daraufzurückzuführen, daß die einzelnen Versuche nicht mit ein und demselben Karbolineum angestellt wurden, sondern daß dabei Karbolineumsorten von ganz verschiedener chemischer und physikalischer Beschaffenheit zur Anwendung kamen. Man benutzte hierbei Karbolineumsorten, die für ganz andere Zwecke, nämlich zum Haltbarmachen von totem Holze hergestellt worden waren, und man konnte infolgedessen nicht von vornherein wissen, ob dieselben vom lebenden Baume vertragen würden.

Die Herstellung des Karbolineums erfolgt durch Mischung von verschiedenen bei der Destillation des Teeres gewonnenen Ölen. Diese Mischung wird in den einzelnen Fabriken sehr verschieden vorgenommen, so daß in dem Karbolineum bald die Leichtöle, bald die Mittelöle, die Schweröle oder die Anthracenöle vorwiegen. Und je nach dieser Zusammensetzung sind die einzelneu Karbolineumsorten auch von verschiedener Wirkung auf das Leben der damit behandelten Insekten und des diese beherbergenden Baumes.

Nach Ader hold (Karbolineum als Baumschutzmittel. Deutsche Obstbauzeitung 1906, Heft 22) sollen sich die Leichtöle zum Abtöten der Schädlinge besser eignen, als die schweren, weil sie dünnflüssiger sind und deshalb besser bis zu diesen vordringen. Andererseits gibt Aderhold aber auch an, daß es allem Anscheine nach

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