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„Anfang Juli war. da wieder leichte Peronospora auftrat, ein zweites Spritzen notwendig. Auch diesmal griff jedoch die Krankheit nicht um sich, sondern trat nur in ganz leichter Form auf, um wieder zu verschwinden, was bei der Trockenheit des Juli vorauszusehen war."

Ebenda S. 13: „Anfang September trat die Peronospora zum drittenmal auf und griff in kürzester Zeit sehr stark um sich, konnte aber großen Schaden nicht mehr anrichten."

1903 S. 13: „Bald darauf, den 13. Juni, zeigte sich auch zum ersten Male die Peronospora, ohne jedoch weiter um sich zu greifen. Da jedoch durch die heftigen und häufig aufeinanderfolgenden Gewitterregen die Bekämpfungsmittel, besonders der Schwefel, bald abgewaschen waren, mußte eino 2. und 3. Bespritzung und Schwefelung rasch hintereinander folgen."

„Mitte Juli trat noch einmal das Oidium und die Peronospora auf und breiteten sich rasch aus. Da wieder starke Regengüsse dazwischen kamen, mußte verschiedene Male gespritzt und geschwefelt werden."

1904 S. 15: „Besonders häufig zeigte sich anfänglich die Peronospora, und mußte man mit dem Spritzen bei der Hand sein. Wo nach den Regentagen eine zweite Kupfervitriolbespritzung versäumt wurde, zeigte sich bald ein Schaden an den jungen Trauben und manche Lage hatte darunter empfindlich gelitten.

Aus diesen Berichten geht hervor, daß das Auftreten der Peronospora je nach den Jahren ein sehr wechselndes ist; sie kann sich von Juni ab bis in den September hinein in den Weinbergen einstellen. Im allgemeinen war das Auftreten des Pilzes, von den beiden letzten Jahren abgesehen, in unserem 10jährigen Zeitraum ein schwaches, nur im Jahre 1898 fand er Gelegenheit sich weiter zu verbreiten. Ein Blick in unsere Tabellen und Kurventafeln besagt uns, daß der damaligen Epidemie genau dieselben Ursachen zu Grunde gelegen haben, wie der letzten, und wenn damals der von dem Pilze hervorgerufene Schaden nicht die Höhe desjenigen von 1906 erreichte, so ist dies allem Anscheine nach nur darauf zurückzuführen, daß er damals anfangs in den Weinbergen eine nicht so hohe Temperatur antraf und die Reben auch nicht so häufig benetzt wurden, wie im vergangenen Jahre. Aus den Tabellen ergibt sich, daß 1898 die Zahl der Tage mit Niederschlägen und die Regenhöhen der in Frage kommenden Monate sehr groß waren; sie gingen, namentlich in den Monaten Mai und Juni, hoch über das 10jährige Mittel hinaus. Dasselbe gilt von der relativen Feuchtigkeit; in allen 4 Monaten wurde von ihr das 10jährige Mittel überschritten. Die Temperatur blieb, abgesehen vom August, in allen Monaten hinter dem Mittel zurück, und der Sonnenschein war, außer im August, in allen Monaten ein geringerer, wie im Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Der Mai 1898 war der sonnenscheinärmste Monat der letzten 10 Jahre; die Dauer des Sonnenscheines blieb in ihm 72,3 Stunden gegen das 10jährige Mittel zurück. Hiermit dürfte auch das in diesem Jahre von Zweifler beobachtete Auftreten der Peronospora in den Gescheinen stark wachsender Stöcke, denen der wenige Sonnenschein noch von darüber liegenden Blättern genommen wurde, zurückzuführen sein.

Die geringe Sonnenscheindauer ist aber noch nach einer anderen Richtung hin von großer Bedeutung für das Zustandekommen einer Peronospora-Epidemie. Wie wir bereits gesehen haben, zeichnen sich Peronospora-Jahre u. a. besonders durch die große Zahl der Tage mit Niederschlägen aus. Nur wenn die Feuchtigkeit längere Zeit auf den Reben erhalten bleibt, resp. hier oft erneuert wird, vermag sie der Pilz zu infizieren. Es ist leicht einzusehen, daß hierbei aber auch die Besonnung der Reben eine große Rolle spielt. Je länger dieselbe anhält, umso eher werden die Reben abtrocknen, während sie bei kürzerer Dauer derselben längere Zeit naß bleiben. Im ersteren Falle wird es dem Pilze nicht gelingen, in die Reben einzudringen, während im letzteren die Infektion ungehindert erfolgen kann. Hiermit dürfte es auch zusammenhängen, daß bei den letzten Peronospora-Epidemien die Gescheine so stark von dem Pilze heimgesucht wurden. Daß dieselben infolge ihrer Schattenstellung und des an sich geringen Sonnenscheines besonders prädisponiert für die Krankheit waren, haben wir schon gesagt. Es kommt aber noch hinzu, daß aus denselben Gründen die an ihnen haftende Feuchtigkeit sehr viel später abtrocknete, wie von dem Blattwerk, weshalb an ihnen sehr viel günstigere Bedingungen für die Entwicklung des Pilzes vorhanden waren, wie an diesem.

Daß jedoch auch die von uns aufgestellte Regel nicht ohne Ausnahme ist, und die Peronospora auch unter Verhältnissen auftreten kann, die von den im Vorstehenden beschriebenen abweichen, zeigt uns ein Vergleich der Epidemien, unter denen in den Jahren 1905 und 1906 der Weinbau der Mosel gelitten hat.

Über die Witterungsverhältnisse, die damals an der Mosel herrschten, geben nachfolgende Tabellen Aufschluß. Diejenigen über die Höhe der Niederschläge, Zahl der Tage mit Niederschlägen, relative Feuchtigkeit und Temperatur enthalten die Beobachtungen der Station Trier, diejenigen über die Dauer des Sonnenscheines die Beobachtungen der Stationen Avelerberg und Ockfen.

1, Höhe der Niederschläge (Trier).

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Wie aus diesen Tabellen zu erkennen ist, bestehen zwischen den Witterungsverhältnissen der Jahre 1905 und 1906 an der Mosel (Trier und Umgebung) große Unterschiede. 1905 war der Mai regenarm, der Juni sehr regenreich, im Juli war die Regenhöhe normal und im August blieb sie hinter dem 4jährigen Durchschnitt zurück.

1906 zeichnete sich der Mai durch eine große, der Juni dagegen durch eine geringe Regenhöhe aus, und im Juli und August waren die Niederschläge bedeutend stärker wie im Vorjahre.

Ebenso verschieden war die Zahl der Tage mit Niederschlägen.

In 1905 war sie im Mai gering, im Juni sehr groß, im Juli entsprach sie dem vierjährigen Mittel und im August war sie größer wie dieses.

In 1906 fällt vor allen Monaten der Mai durch die große Zahl der Tage mit Niederschlägen auf; in den übrigen Monaten waren dieselben normal.

Die relative Feuchtigkeit war 1905 durchgängig eine sehr viel geringere wie 1906; im letzten Jahre ging sie weit über den vierjährigen Durchschnitt hinaus.

Die Temperatur war 1905 im Mai dem vierjährigen Mittel ungefähr gleich, im Juni überstieg sie dieses sehr stark und blieb auch im Juli und August noch über ihm stehen. 1906 herrschte im Mai dieselbe Temperatur wie in diesem Monat des Vorjahres, während sie im Juni, Juli und August viel geringer wie um dieselbe Zeit des Vorjahres und auch geringer wie im vierjährigen Durchschnitt war.

Die Dauer des Sonnenscheines war 1905 sowohl in Ockfen als auch in Avelerberg in allen Monaten außer im August, eine längere, 1906 dagegen außer im August eine kürzere wie im vierjährigen Mittel.

Vergleichen wir diese Befunde mit den Ergebnissen unserer Untersuchungen über die Witterung im Rheingau während der letzten Peronospora-Epidemie, so finden wir, daß nur diejenigen des Jahres 1906 mit ihnen übereinstimmen. Auch an der Mosel (Umgebung von Trier) zeichnet sich das Peronospora-Jahr 1906 vor allem aus durch die große Zahl der Tage mit Niederschlägen, die hohe relative Feuchtigkeit und die geringe Dauer des Sonnenscheines.

Während des Peronospora-Jahres 1905 hatte die Witterung an der Mosel einen ganz anderen Charakter. In diesem Jahre wies der Juni die größten Niederschlagsmengen und neben dem August die meisten Regentage auf; die relative Feuchtigkeit war in allen Monaten eine geringere, die Temperatur eine höhere und die Dauer des Sonnenscheines eine längere wie 1906. Allem Anscheine nach ist damals das epidemische Auftreten des Pilzes allein durch die abnorm hohe Feuchtigkeit und die außerordentlich hohe Temperatur des Monats Juni ausgelöst worden, während dies bei den anderen hier untersuchten Epidemien höchstwahrscheinlich schon im Mai erfolgte.

Bei unseren Untersuchungen haben wir jetzt allein das Auftreten der Peronospora während der letzten 10 Jahre berücksichtigt. Wenn wir hierbei noch weiter zurückgehen und unsere Betrachtungen auch auf die diesen vorausgegangenen 10 Jahre ausdehnen, so finden wir in den Jahresberichten unserer Anstalt über das Verhalten des Pilzes in den einzelnen Jahren folgende Angaben vor:

1885/86 S. 47. <Peronospora viticola wurde erst am 13.Oktober im Rebsortiment bemerkt, r

1886/87 S. 43. °Von den pflanzlichen Parasiten trat in diesem Jahre zum ersten Male die Peronospora viticola in schadenbringender Weise, namentlich bei Elbling auf. Die Krankheit wurde am 17. August zuerst an Riesling wahrgenommen und verbreitete sich in kurzer Zeit überall.«

1887/88 S. 48. <Der falsche Meltaupilz (Peronospora viticola) hat sich in sehr geringer Menge bemerkbar gemacht.«

1888/89 S. 54. <Von pflanzlichen Weinstockschädlingen ist spät (September) und nur in ganz geringe Grade schädigend die Peronospora viticola aufgetreten.«

1889/90 S. 48. <Von pflanzlichen Rebschädlingen ist die Peronospora viticola früher und stärker aufgetreten als im Vorjahre: am 20. Juni wurde die erste Infektion aufgefunden.«

1890/91 S. 52. <Peronospora viticola ist nur schwach aufgetreten und hat nur die nach der Bespritzung gewachsenen obersten, ohnehin abfallenden Gipfeltriebe beschädigt.«

1891/92 S. 31. <Der falsche Meltau ist in diesem Jahre früher und stärker aufgetreten als seither.«

1892/93 S. 43. <Wohl der trockenen Witterung ist es zuzuschreiben, daß die Peronospora gar nicht aufgetreten ist.«

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