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treibungen, in denen die Sporen gebildet werden. Letztere werden durch Aufplatzen der Blasen frei, wonach die heimgesuchten Glieder der Pflanze wie mit Kalk bespritzt aussehen, eine Erscheinung, derentwegen man diesen Schmarotzern den deutscheu Namen „weißer Rost" gegeben hat. Die Familie umfaßt nur eine Gattung mit wenigen Arten; diese trägt den Namen Cystopus. Die häufigste hierher gehörige Art ist Cystopus candidus, ein Pilz, der namentlich auf Cruciferen, z. B. Capsella bursa pastoris (Hirtentäschelkraut), Cochlearia Armoracia (Meerrettig), Brassica rapus (Raps), Raphanus sativus (Rettig), Camelina sativa (Leindotter) u. a. verbreitet ist. Die Infektion erfolgt bei allen diesen Wirten bereits an den jungen Keimlingen, wonach der Pilz die gesamte Pflanze oder wenigstens den Teil derselben, der im Jugendzustand angesteckt wurde, durchwächst.

Peronosporaceae.

Wichtiger noch als die beiden besprochenen Familien ist für unsere Untersuchung die Familie der Peronosporaceae, weil ja zu ihr auch die Peronospora viticola gehört. Sie ist bekanntlich dadurch ausgezeichnet, daß die zu ihr zählenden Arten auf den von ihnen befallenen Pflanzenteilen meist weiße, mehl- oder puderartige Überzüge, in denen die Sporen resp. Sporangien gebildet werden, erzeugt. Von den zahlreichen in mehrere Gattungen vereinigten Arten wollen wir hier nur die wichtigsten, auf Kulturpflanzen auftretenden beachten. Von diesen kommt für uns zuerst die Phytophthora infestans in Betracht, der Pilz, der die bekannte Kartoffelfäule oder Kartoffelkrankheit verursacht. In seinem Auftreten unterscheidet er sich von den seither besprochenen Arten vor allem dadurch, daß er nicht allein das Kraut der Kartoffeln befällt, sondern daß er auch deren Knollen heimsucht und in Fäulnis überführt. Mit Knollen, die sein Mycel beherbergen, gelangt der Schmarotzer aufs Feld, wächst mit der Entwicklung der jungen Pflanze in diese hinein und bildet schließlich auf den Blättern seine Sporen resp. Sporangien, mit denen er sich den ganzen Sommer über auf dem Kartoffellaube verbreiten kann. Hierbei ist aber der Pilz, worauf von vielen Seiten hingewiesen wird, von bestimmten Verhältnissen in der Luft und im Boden abhängig, unter denen namentlich die Feuchtigkeit eine Hauptrolle spielt. Je reicher sich diese in der Umgebung der Nährpflanze vorfindet, um so intensiver ist die Erkrankung derselben. Aus diesem Grunde zeigt sich der Pilz auch besonders häufig an solchen Örtlichkeiten, an denen häufig Tau- und Nebelbildung stattfindet, sowie an Stellen, an denen sich die Feuchtigkeit längere Zeit hält, z. B. auf schwerem Boden und in eingeschlossenen Lagen. Nach den Beobachtungen von Eriksson besteht jedoch kein genauer Parallelismus zwischen der Regenmenge und der Intensität der Krankheit (cit. in Frank, Handbuch 2. S. 63). Kühn (cit. ebenda S. 65) hat beobachtet, daß während der Entwicklung der Kartoffelpflanze zwei bestimmte Zeitabschnitte existieren, in denen dieselbe am wenigsten widerstandsfähig gegen den Pilz ist. „Am schnellsten erliegen junge Triebe, sobald der Pilz wirklich in sie eingedrungen ist, also z. B. von den kranken Saatknollen aus. Erwachsene Triebe sind dagegen viel widerstandsfähiger, können also gesund bleiben, wenn sie während des Jugendzustandes vom Mycelium des Pilzes nicht erreicht worden sind. In einem späteren Stadium, gegen die Zeit der Reife des Kartoffelkrautes, tritt aber wieder eine größere Empfindlichkeit ein. die eben in dem in dieser Zeit gewöhnlich starken Ausbruch der Krankheit sich kundgibt, und womit es auch zusammenhängt, daß zu einer und derselben Zeit, z. B. Anfang August, die früheren Sorten rasch durch den Pilz getötet werden, während die späteren Sorten viel schwächer und zwar um so langsamer erkranken, je spätreifender sie sind." Auch hat Kühn die Beobachtung gemacht, daß frühe Sorten, welche ungewöhnlich spät gelegt werden, weniger erkranken, während dieselben Sorten zur gewöhnlichen Zeit gelegt, stark von der Phytophthora befallen wurden Aus diesen Tatsachen schließt Sorauer, daß der Piiz einen bestimmten Mutterboden für seine Entwicklung braucht und nur in einer bestimmten Feuchtigkeitsatmosphäre vegetieren kann. Er führt auch eine Angabe von de Bary an, nach welcher starkes Begießen der Pflanzen und feuchte Luft die Entwicklung des Parasiten außerordentlich begünstigen sollen. „Ist dieselbe für eine längere Zeit nicht gegeben, so steht die Phytophthora in ihrem Wachstum still, und wenn nachher die entsprechende Feuchtigkeit wieder eintritt, ist der richtige Nährstoff für das Gedeihen nicht vorhanden, und der Schmarotzer bleibt wirkungslos oder geht zu Grunde."' Das Gesundbleiben von aus kranken, spätgelegten Knollen entstandenen Kartoffelpflanzen findet nach Sorauer darin seine Erklärung, „daß bei länger anhaltender Trockenheit das Wachstum des Pilzes stille steht, während die Pflanze selbst weiterwächst und erstarkt, da die höhere Temperatur und der intensivere Lichteinfluß schnellere Verdickung der Zellwände hervorr ufen."

Von vielen Seiten wird endlich noch angegeben, daß Anhäufung von stickstoffhaltigen Substanzen im Parenchym der Kartoffelpflanze von günstigem Einfluß auf die Entwicklung des Pilzes ist.

Nahe verwandt mit Phytophthora infestans ist Phytophthora omnivora. Hinsichtlich der Wahl seines Wirtes ist dieser Pilz nicht wählerisch, denn er ist schon längere Zeit als ein gefährlicher Krankheitserreger der verschiedensten Pflanzen nachgewiesen worden. Lebert und Cohn beobachteten ihn als den Erreger einer Fäulnis an jüngeren Kakteenexemplaren. Hartig erkannte ihn als die Ursache des Eingehens von Bucheusämlingen. Schenk wies ihn für Sempervivum (Dachwurz) nach, de Bary stellte ihn auf den Keimpflänzchen von Oleome violacea, Alonsoa cauliata, Schizanthus pinnatus, Gilia capitata, Fagopyrum marginatum und tataricum und Clarkia elegans fest. Und endlich wurde er noch auf den SämJingen von Picea excelsa, Pinus silvestris, P. Laricio, P. Strobus, Larix europaea, Abies pectinata, sowie von Acer platanoides und A. Pseudoplatanus, Fraxinus, Robinia und anderen gefunden. Nach Hartig, der die Krankheit namentlich an Buchenkeimlingspflanzen studiert hat, äußert sich dieselbe dadurch, „daß die Sämlinge entweder schon während der Keimung im Boden von dem Keimwürzelchen an schwarz werden und absterben oder erst nach der Entfaltung der Samenlappen am Stengel oberhalb und unterhalb oder am Grunde dieser selbst dunkelgrün und mißfarbig werden oder derartige Flecken auf den Samenlappen oder den ersten Laubblättern erkennen lassen." In ähnlicher Weise tritt der Befall an den anderen Nährpflanzen in die Erscheinung. Besonders häufig zeigt sich der Pilz, wenn sich nach Buchensamenjahren reichlicher Aufschlag einfindet und zwar um so stärker, je regnerischer und wärmer die Monate Mai und Juni sind. Auch durch Beschattung jeder Art wird die Entwicklung des Parasiten begünstigt.

Die einzige Art der Gattung Bremia „Bremia Lactucae," befällt eine große Zahl von Kompositen, z. B. Lactuca sativa und L. Scariola, Lampsana communis, Senecio-, Sonchus-, Crepis-, Hieracium-, Cirsium-Arten, Leontodon, Lappa u. a. m. Besonders schädlich wird sie auf Kopfsalat, an welchem sie vorzugsweise die jungen, zarten Blättchen befällt und sie zum Abtrocknen' bringt, häufig jedoch auch bereits auf dessen Keimpflänzchen sich einstellt und sie tötet. Der Pilz fügt dem Gärtner namentlich dann schwere Verluste zu, wenn die Salatpflanzen im Winter und Frühjahr in zu feuchten Kästen herangezogen werden.

Von der Gattung Peronospora können wir endlich mehrere Arten für unseren Zweck verwenden. Wir wollen uns jedoch mit dem Hinweis auf nur eine Art, Peronospora parasitica, begütigen. Es ist dies ein gefährlicher Parasit der Cruciferen, von denen er eine ganze Anzahl von Arten, sowohl kultivierte, als auch Unkräuter heimsucht. In seinem Auftreten erinnert er insofern an die zuletzt besprochene Art, als auch er sich häufig in Gärtnereien einstellt und die hier in zu feuchten Kästen stehenden Keimlinge aller Kohlarten, namentlich im Frühjahr, befällt und zu Grunde richtet.

Beim Überblicken aller dieser Angaben über das Verhalten der genannten Peronosporeen ihren Nährpflanzen gegenüber, die sich leicht noch vermehren ließen, können wir zwei für uns wichtige Tatsachen feststellen. Nämlich erstens, daß sie sich alle in feuchter Umgebung besonders üppig entwickeln und schnell verbreiten, und zweitens, daß sich diese Pilze mit Vorliebe auf jungen, also noch weichen und zarten Pflanzeuteilen besonders häufig einstellen und an diesen den stärksten Schaden verursachen. Sie erinnern hierbei an ihre Verwandten niederen Grades, welche Pilze darstellen, die meist auf Wasserpflanzen schmarotzen, also ihre ganze Lebenszeit im Wasser verbringen. Einige Arten derselben haben sich jedoch auch an Landpflanzen angepaßt, und diese rufen an ihnen Schäden hervor, die eine große Ähnlichkeit mit denjenigen der aufgezählten Peronosporeen haben. Es sei hier nur an Olpidium Brassicae erinnert, das an in schlecht gelüfteten Kästen herangezogenen Kohlkeimptlänzchen, namentlich bei trübem Wetter im Frühjahr und bei dichtem Stand der Sämlinge ein ,,Umfallen" oder sogenannte „schwarze Beine" bewirkt, und viele Synchitrien befallen nur diejenigen Exemplare ihrer Nährpflanzen, welche an sehr feuchten Stellen stehen, während sie sich auf denjenigen trockner Standorte nicht ansiedeln.

Der Rebenpilz, die Peronospora viticola, zeigt diese Gewohnheiten seiner Verwandten nicht in so auffälliger Weise. Wohl ist auch er in seinem Auftreten von der Witterung abhängig, die ihm erst dann zusagt, wenn sie die für sein Leben notwendige Feuchtigkeit enthält, eine Bevorzugung der jungen Triebe seiner Nährpflanze tritt bei ihm jedoch nicht so offensichtlich zu Tage; er sucht sowohl die jungen, als auch die schon länger entstandenen grünen Rebteile heim. Im allgemeinen stellt er sich verhältnismäßig spät auf diesen ein, und man kann wohl Ende Juni bis Ende August als die normale Erscheinungszeit für ihn betrachten. Dabei sind jedoch Ausnahmen nicht ausgeschlossen, und gerade die beiden letzten Epidemien haben uns bewiesen, daß er sich auch bereits Ende Mai und anfangs Juni in den Weinbergen einfinden kann. Wenn wir an unserem Vergleiche festhalten, so dürfen wir für diese Schwankungen im Auftreten des Parasiten jedoch nicht allein die Witterung der einzelnen Jahre verantwortlich machen, sondern wir müssen erwarten, daß sich in denselben zu gewissen Zeiten an den grünen Rebteilen Verhältnisse vorfinden, die ihm sein Eindringen in dieselben erleichtern oder gar erst ermöglichen. Und da die Peronosporeen, wie wir gesehen haben, im allgemeinen zarte und weiche Teile ihrer Wirte bevorzugen, so kann man annehmen, daß auch die Reben um so mehr einer Infektion durch die Peronospora ausgesetzt sein werden, je weniger fest ihre Teile, die dem Parasiten als Nährboden dienen, ausgebildet sind. Daß unser Pilz im vergangenen Frühjahr allem Anschein nach solche Verhältnisse an den Reben vorgefunden hat, darauf hat bereits Zschocke (Mitteilungen des Deutschen Weinbau-Vereines 1906, S. 135) kurz hingewiesen. Er gibt an, daß damals infolge des ununterbrochen feuchten und regnerischen Wetters, des oft bedeckten Himmels und des geringen Sonnenscheines die Rebenblätter ihre Oberhaut nur schwach ausbilden konnten, wodurch sie heuer empfindlicher gegen die Peronospora waren, als in früheren Jahren. Zschocke legt allerdings dieser Prädisposition der Reben für die Peronospora keine größere Bedeutung bei. Ich möchte ihm hierin nicht ganz beistimmen, bin vielmehr der Ansicht, daß die schwache Ausbildung der Oberhaut der grünen Rebteile mit zu den Ursachen gehört, die dem Pilze eine so schnelle Verbreitung ermöglichten. Die so häufig im vergangenen Frühjahr in fast allen Weinbaugebieten beobachteten und von Muth (Mitteilungen des Deutschen Weinbau-Vereines 1906, S. 9) genauer beschriebenen Verbrennungserscheinungen an den genannten Rebteilen, die in früheren Jahren nur ganz vereinzelt beobachtet wurden, zeigen meiner Meinung nach mit aller Deutlichkeit an, daß sich damals ihre Oberhaut in einer ganz abnorm zarten Beschaffenheit befunden hat, wodurch dem Pilze das Eindringen in dieselben ungemein erleichtert wurde. Und diese meine Annahme findet eine wesentliche Stütze in einem Vergleiche der Witterungsverhältnisse der beiden letzten Jahre mit denjenigen vergangener.

c) Einfluß der Wrterung auf das Auftreten der Peronospora viticola.

Wie bereits erwähnt besteht nach den Beobachtungen Erikssons für die Pbjtophthora infestans kein genauer Parallelismus zwischen der Regenmenge und der Intensität der von diesem Pilze hervorgerufenen Krankheit. Für die Peronospora viticola liegen die Verhältnisse genau ebenso, was besonders deutlich aus den beiden letzten Jahren erkannt werden kann. 1905 litt der Rheingau nur wenig unter diesem Pilze. In den Monaten Mai, Juni und Juli dieses Jahres wurden an der Geisenheimer Wetterstation an Niederschlägen gemessen:

Mai . . . 25,2 mm

Juni . . . 54,0 ..

Juli . . . 15,7 ., 1906 trat die Peronospora im Rheingau ungemein stark auf, und wurden damals in denselben Monaten an der Geisenheimer Station folgende Niederschlagsmengen verzeichnet:

Mai . . . 52r0 mm

Juni . . . 46,8 „

Juli . . . 40,5 e,. Die Hauptausbreitung des Pilzes erfolgte in beiden Jahren im Juni, und trotzdem dieser Monat in 1906 regenärmer war, wie in 1905, war der durch den Pilz verursachte Schaden im erstgenannten Jahre doch ein sehr viel größerer. Man darf somit nicht, wie wir dies selbst im letzten Jahre getan haben, die Höhe der Niederschläge für em geringeres oder stärkeres Auftreten der Peronospora verantwortlich machen. Die Regenmenge, die innerhalb eines Monates niedergeht, kann über seine einzelnen Tage sehr ungleich verteilt sein. Sie kann sich einmal über den ganzen Zeitraum erstrecken, dann aber kann sie auch auf nur einige wenige Tage beschränkt sein. Im ersteren Falle werden wir, wie später noch gezeigt werden wird, bei entsprechenden Wärmeverhältnissen und der prädisponierenden Beschaffenheit der Rebteile mit einem epidemischen Auftreten der Peronospora zu rechnen haben, während im letzteren Falle die Bedingungen für eine allgemeine Verbreitung des Pilzes nicht gegeben. sind.

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