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in der Regel nicht bettlägerig sind und daher ihr Lager keiner so grossen Rücksicht bedarf, wie das von schwer Erkrankten, bei denen z. B. gute Matratzen so sehr wünschenswerth sind. Demnach würden sich die Kosten für die:

1500 Betten à 30 Thlr. auf 45,000 Thlr. belaufen, welche wie oben ebenfalls 10 pct. Instandhaltungskosten verlangen würden. Daher müssen zu der obigen Summe von:

285,075 Thlrn. noch hinzugerechnet werden ....... 4,500 woraus sich eine Gesammtsumme ergiebt von (III.) 289,575 Thlrn.

Die Ausgaben für den Sanitäts-Hof sind für:

3 Geheimrathe à 3000—4000 Thlr. . . 10,500 Thlr.,
1 mikroskopischen Assistenten ... 500
1 chemischen Assistenten . . . . . 500 -
3 Bureaubeamte à 800—1000 Thlr. .. 2,700 -
1 Kassenbeamten . . . . . . . . 900 -
Auslagen für chemische Arbeiten . . . 400 -

(IV.) Summa 15,500 Thlr. Sämmtliche Ausgaben betragen demnach:

I. Summa ... 77,700 Thlr.
II. -

. . . 600,000 -
III. - . . . 289,575 -
IV. - . . . 15,500 -

Summa summarum 982,775 Thlr. Das Budget für das Medicinalwesen beträgt jetzt 575,181 Thlr., doch befinden sich darunter Posten, die bei obiger Einrichtung des Sanitätswesens keine Berücksichtigung haben finden können. Es sind dies folgende: Wissenschaftliche Deputation für das Medicinalwesen . . .

· · · · · · · ·.: 4,900 Thlr. Provinzial- Medicinal - Collegien . . . . . 17,000 Bureauarbeiter bei denselben . . . . • 4,466 Bereaubedürfnisse . . . . . . . . . 834 Zuschuss zur Charité . . . . . . . . Zuschuss zu Provinzial - Anstalten, besonders

Irrenhäusern . . . . . . . . . . 5,501 Zuschuss zu Privat- Anstalten . . . . .

3,819 Für Hülfsärzte in Irren-Anstalten . . . . 2,000

Zuschuss zu Hebammen-Lehrinstituten ... 41,936 Thlr. Beihülfe für Hebammen

. . . . . . . 3,362 Für Impfwesen, besonders Impfinstitute .. 3,352 Für arme Kranke . . . . . . . . . 300

Summa 176,435 Thlr. Von diesen Posten muss die die Provinzial-Medicinal-Collegien betreffenden der Justizfiscus übernehmen, weil die Bedeutung dieser Collegien und ihre fast ausschliessliche Leistung eine forensische ist und die forensischen Geschäfte, wie in den Motiven weiter ausgeführt werden wird, nicht in den Bereich der Sanitätspolizei gehören. – Der Zuschuss zur Charité geschieht so sehr im Interesse des Militairfiscus, der dieselbe zur Ausbildung der Eleven des Friedrich-Wilhelm-Instituts benutzt, dass er wohl den grössten Theil davon übernehmen müsste. Das noch Uebrigbleibende, sowie die Zuschüsse zu den Irrenhäusern, für Hülfsärzte in Irren - Anstalten, zu Hebammen-Lehrinstituten und zur Beibülfe für Hebammen finden im Interesse der Ausbildung des Heilpersonals so einzig und allein statt, dass sie dorthin im Budget verwiesen werden müssen, wo die Ausgaben für die Universitäten angegeben sind. Die wissenschaftliche Deputation für das Medicinalwesen, im Grunde genommen der Hauptsache nach weiter nichts als die dritte Instanz in forensischen Dingen, würde bei der neuen Einrichtung des Sanitätswesens die Prüfungen pro physicatu nicht mehr abhalten, überhaupt mit Sachen im eigentlichen Sanitätsdienst nichts zu thun haben, sie würden daher im Sanitäts-Budget keine Position bilden, sondern der Justizfiscus müsste auch hier einen Theil übernehmen und der andere Theil könnte zusammen mit dem Zuschuss für Privat-Anstalten und für arme Kranke eine Position unter dem Namen: , für Medicinalzwecke “ bilden. Nur ein Posten für Impfwesen . . . . . . . 3,352 Thlr. verbleibt dem Sanitäts - Budget und muss der

obigen Summe von ........ 982,775 zugezählt werden, so dass sich als

Totalsumme der Ausgaben 986,127 Thlr. ergiebt.

Vierteljahrsschr. f. ger. Med. N. F. XXII. 1.

Einnabmen des Sanitätsfiscus. Für Nutzniessung der mobilen Lazarethe bezahlt der betreffende Kreis pro Kopf und Tag 20 Sgr. Bei den Ausgaben sind 30,000 Verpflegungstage gerechnet, es müssen daher ebenso viele zur Einnahme gestellt werden:

(I.) 30,000 Verpflegungstage à 20 Sgr. = 20,000 Thlr.

Die Reisekosten deckt ebenfalls der Kreis, event. werden diese Lazarethe von den Eisenbahnen frei befördert, jedenfalls können sie nicht zu den Einnahmen gerechnet werden. Etwaige Privatbenutzung, wie sie gewiss stattfinden wird, darf nur gegen Vorschussleistung gestattet werden, und würde deren Ertrag zu obiger Summe hinzutreten.

Die Reisekosten der Physiker werden ersetzt entweder von den Kreisen – bei Constatirungen epidemischer Krankheiten oder von Privaten – bei etwaigen Inspectionen —; sie figuriren daher nicht in der Einnahme.

Das Impfgeschäft bezahlt der Kreis, und da man durchschnittlich 300 Thlr. dafür wird rechnen können, so zahlen die 450 Kreise des preussischen Staates an

(II.) Impfgeld .. 135,000 Thlr. Die Kosten für die jäbrlich einmal vorzunehmenden Inspectionen tragen die Interessenten; insofern Reisekosten damit verknüpft sind, werden dieselben ebenfalls von den Interessenten vergütet; sie können jedoch nicht als Einnahmen figuriren. Durchschnittlich wird wohl ein jeder Physikus jährlich 100 Inspectionen abzuhalten baben, es würden demnach durch 300 Physiker 30,000 Inspectionen vorgenommen werden. Eine jede Inspection wird durchschnittlich mit 2 Thlrn. bezahlt; die Einnahme beträgt daher für

(III.) 30,000 Inspectionen . · 60,000 Thlr. Hierzu würden noch etwaige Ordņungsstrafen, sowie Strafen für Feilhalten nicht erlaubter Geheimmittel kommen.

Eine weitere Einnahme bieten die Prüfungsgelder der Krankenwärter und Aerzte, welche Sanitätsbeamte werden wollen. Die Einnahmen des jetzigen Medicinalwesens bestehen nur aus den Prüfungsgeldern der Aerzte, Apotheker und Physiker und belaufen sich auf 43,867 Thlr. 25 Sgr. 9 Pf. Eine nicht allzu unrichtige

Schätzung wird es sein, wenn man annimmt, dass einkommen werden für (IV.) die Prüfungen der Krankenwärter und Aerzte 5000 Thlr.

Die Behandlung etwaiger Privatkranke in den stabilen Lazarethen würde auch nur gegen Vorschusszahlung stattfinden und würde dann ebenfalls eine Einnahmequelle repräsentiren.

Schliesslich sind noch die Atteste anzuführen, die von den 263 Sanitätsbeamten ausgestellt werden. Für ein jedes Attest muss eine 2 Thaler-Stempelmarke verwendet werden, und da sich annehmen lässt, dass ein jeder Beamte durchschnittlich mindestens 20 Atteste pr. anno ausstellen wird, so beträgt die Einnahme von

(V.). 7260 Attesten . . 14,520 Thlr.
Sämmtliche Einnahmequellen:

I. . . . 20,000 Thlr.
II. . . . 135,000 -
III. ... 60,000 -
IV. ... 5,000 -

V. . . . 14,520 ergeben eine Totalsumme von 234,520 Thlrn.

Die Ausgaben beliefen sich auf ... 986,127 Thlr., davon die Einnahmen abgezogen .. 234,520 ergiebt einen Rest von ........ 751,607 Thlrn., den der Staat für das Sanitätswesen, in obiger Form gestaltet, ausgeben müsste. – Da das Budget für die Medicinal-Abtheilung eine Ausgabe nachweist (nach Abzug der Einnahmen) von

531,314 Thlrn., so würde nur erforderlich sein ein Mehr von 220,293 Thlrn., um obige Sanitäts-Reform zur Ausführung zu bringen.

Anhangsweise sei nur erwähnt, dass der Justizfiscus beinahe 20 Millionen verausgabt und etwas über 14 Millionen einnimmt, also über 54 Million von dem Staatseinkommen entlehnt. Der Sanitätsfiscus würde noch nicht 1 Million bedürfen!

- Motive. Der Entwurf geht von dem Grundsatz aus, dass das Sanitätswesen in den Zeiten der Gefahr, d. i. beim Ausbruch von Epidemien im Stande sein muss, seine volle Schuldigkeit zu thun

und namentlich für das Wobl der Unbemittelten wahrhaft segensreich wirken zu können. Bisher waren nur prophylactische Massregeln zur Verhütung des Ausbruchs oder der Weiterverbreitung derartiger Krankheiten vorgeschrieben, aber selbst wenn deren stricte Ausführung möglich wäre, würden die Epidemien nicht von der Erde verschwinden, und das Sanitätswesen muss daher in den Stand gesetzt werden, den Kampf mit ibnen aufzunehmen. Dies ist nur durch Einrichtung von Lazarethen möglich, wie sie der Entwurf ad I. zeichnet, und ihre absolute Nothwendigkeit wird Niemand in Abrede stellen, der den Jammer und das Elend der Bevölkerung auf dem platten Lande kennen gelernt hat, wenn unter ihr eine Epidemie ausbricht. Es sei mir gestattet, bier einen Passus aus meinem Aufsatz in der Deutschen Klinik No. 12. d. Js.: „Die Stellung des ärztlichen Standes im Vergleich zu der anderer Stände“, einzufügen:

„Die Besitzenden sind, sc. bei einer Epidemie, im Stande, Schutzmittel anzuwenden; sie isoliren sich und ihre Familie so gut es geht, und wenn dennoch die Krankheit bei ihnen einzieht, so haben sie Räumlichkeiten genug, um die Kranken von den Gesunden zu trennen und den ersteren das Haupterforderniss zur Heilung, gute Luft, zukommen zu lassen, sowie es auch an Pflege und stärkender Diät nicht fehlt. Wie anders bei den Armen im Dorf! Sie wohnen zusammengedrängt in Einer Stube, deren Luft oft keiner Beschreibung' fähig ist, Kranke und Gesunde in Einem Bett, ohne Pflege, ja manchmal sogar gemieden und ganz verlassen von aller menschlichen Hülfe, und zur Stärkung der Kräfte auf – Kartoffeln angewiesen. Man muss einen solchee Jammer mitangesehen haben, um so recht die Ohnmacht unserer jetzigen Sanitätseinrichtungen zu fühlen und die beschämende Stellung zu empfinden, die der Staat leider noch immer seinen Sanitätsbeamten anweist. Ein Glück, dass diese unglücklichen Armen nicht so fühlen wie wir und sich daher ihrer trostlosen Lage nicht bewusst werden, aber kommen wird die Zeit, wo sie vom Staate verlangen werden, dass er sie in solchen Krankheitsfällen ebenso wirksam unterstützt wie in Rechtsfällen. Wenn man als Sanitätsbeamter sich in solchen Lagen befindet, so kommt man sich vor, wie ein Soldat ohne Waffen, und unwillkürlich drängt sich der Ausruf auf die Lippen: hättest du doch ein Lazareth zur Verfügung, wie deren im Kriege so viele gebildet werden! Was ist

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