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Bekleidungsgegenstände der Leiche, Hemd und Strümpfe, waren mit Wasser getränkt. Nach dem aufgenommenen Obduetionsprotokoll war die Hautfarbe bleich, Todtenflecke nur über den Rücken verbreitet, Oberhaut bis auf eine Abschürfung am Kreuzbein wohl erhalten, der Körper in dürftigem Ernährungszustande, Muskulatur spärlich und schlaff.

An Kopf, Rückfläche und Extremitäten keine Verletzungen, linkes Bein massig geschwollen; am Bauch findet sich in der Mittellinie zwischen Nabel und Symphyse etwa 2£ Zoll unterhalb des erstem eine mit Heftpflaster verklebte, 3—4 Linien lange Wunde.

In der Bauchhöhle fanden sich frische Verklebungen des Netzes und der Bauchdecken, ferner festere und ältere des Netzes mit der Geschwulst, welche schwartenförmig eine feste Verwachsung der genannten Theile darstellten. Die in den Bauchdecken befindliche Wunde penetrirte nicht bis in die Höhlung der Geschwulst oder in die Bauchhöhle, was seine Erklärung darin findet, dass die früher in derselben befindliche Röhre einen Tag vor dem Tode entfernt wurde, zeitig genug, um noch eine Verklebung der inneren Wundseite durch faserstoffige Ausschwitzungen zu Stande kommen zu lassen. Die übrigen Organe der Bauchhöhle zeigten nur unwesentliche Veränderungen; der Bauchfellüberzug der Gedärme in der Nähe der Geschwulst zeigte nur stellenweise geringfügige Anzeichen einer entzündlichen Reizung. Auf der Schleimhaut des Magens und Darms fand sich hie und da massige Injicirung der kleinen Blutgefässe, stärkere Injection oder seröse Durchtränkung war nicht vorhanden. Das grosse Netz war verdickt und beiderseits mit granulösen Auflagerungen bedeckt. Milz und Nieren waren normal, erstere etwas grösser, beide von geringem Blutgehalt.

Die hintere Wand der Blase mit der Geschwulst fest verwachsen, in der Blase ein Esslöffel voll trüben Urins. Die Gebärmutter von gewöhnlicher Grösse, an ihrem freien Theile aussen wie im Innern von normaler Beschaffenheit; ebenso die Eierstöcke und Muttertrompeten, welche mit der Geschwulst nicht in Verbindung stehen. Der Unterleib war neben den zurückgedrängten Därmen fast vollständig ausgefüllt durch die 10 Zoll lange Geschwulst, deren Durchmesser 6—7 Zoll betrug. Dieselbe erwies sich als von der vorderen Fläche im unteren Theile der Gebärmutter ausgehend und mit der hinteren Blasenwandung verwachsen. Der untere grössere Theil derselben war von consistenter, am Grunde etwas serös durchtränkter Beschaffenheit. Nachdem die Einstichöffnung im oberen Theil der Geschwulst eröffnet ist, ergiebt sich dieselbe als eine etwas gelbflüssigen Inhait haltende Höhlung. Ihre innere Fläche ist mit gelbweissen, schwartigen, leicht abzulösenden Auflagerungen bedeckt. Durch Einschnitte, welche von der vorderen Fläche der Geschwulst aus in dieselbe gemacht werden, ergiebt sich, dass dieselbe von durchaus fester Consistenz und fleischähnlicher Beschaffenheit ist.

In der Kopfhöhle zeigten sich die mittleren Theile des Grosshirns im Zustande breiiger Erweichung. Im Uebrigen bestand bemerkliche Blutleere der Gefässe sowohl, als auch der Blutleiter der Schädelbasis.

In der Brusthöhle ein seröser Erguss von etwa \ Liter in jeder Brustfellhöhle, von mehreren Unzen in dem Herzbeutel.

Der linke untere Lungenlappen war von festerer Consistenz, auf der Schnittfläche ergoss sich reichlich rothgefärbtes Serum; Luftgehalt gering. Im Uebrigen waren die Lungen normal. — Am Herzen Muskulatur schlaff, Klappenapparate gesund; in beiden Ventrikeln wenig dickflüssiges Blut, ebenso in den Hohladern.

Es hat demnach die Obduction Abweichungen vom Normalen in allen drei Körperhöhlen ergeben. Es ist jedoch zunächst die im Gehirn aufgefundene breiige Erweichung der Gehirnbrücke und der nächstliegenden Theile als einfache Leichenund Fäulnisserscheinung aufzufassen; eine Erscheinung, wie sie am 13. Tage nach dem Tode nicht befremden kann; ferner ist auch die Veränderung des linken unteren Lungenlappens nur als eine den Tod complicirende, vielleicht erst in den letzten Lebensstunden oder gar erst nach dem Tode zu Stande gekommene anzusehen. Der Tod erfolgt bei vielen Sterbenden, abgesehen von ihrer Krankheit, unter den Erscheinungen eines sogenannten Lungenödems, d. h. eines Zustandes, bei dem, hervorgerufen durch den schwindenden Tonus der Gefässe und Gewebe, eine Abscheidung oder ein förmlicher Erguss von wässeriger Flüssigkeit in die Körperhöhlen, wie Brustfellsack, Herzbeutel etc., und die Lungen selbst eintritt. Ein Lungentheil, in den ein solcher Erguss stattgefunden hat, behält den Eingerdruck, fühlt sich derb an, knistert nicht, ist blutleer, zeigt auf der Schnittfläche keinen Schaum, sondern es quillt blutig gefärbte, wässerige Flüssigkeit heraus, wie es hier der Fall war.

Bemerkenswerth war ferner die im ganzen Körper sichtliche Blutleere. Die Gefässe der Hirnhäute, die Blutleiter des Kopfes, die grossen Ha'.sgefässe, endlieh das Herz in beiden Hälften und die grossen Hohladern waren zum Theil leer, zum Theil hielten sie nur wenig dunkles dickflüssiges Blut; Erscheinungen, die sowohl der beginnenden Verwesung, als auch der scheinbaren Blutarmuth des Körpers überhaupt zugerechnet werden müssen. Die in der Bauchhöhle vorgefundenen Abweichungen, die Verklebung des Netzes mit den Bauchdecken, die in der Ausdehnung ungefähr der Grösse der darunter liegenden Geschwulst entsprach, die festere Verwachsung des Netzes mit der äusseren Fläche der Geschwulst (es musste hier die Lostrennung präparatorisch mit dem Messer erfolgen), endlich auch die stellenweise bemerbare Injectiou d^r umliegenden Gedärme, die granulösen Auflagerungen auf dem- Netz und den diesen entsprechenden Seiten der Bauchdecken und der Geschwulst sind Erscheinungen, wie sie bei der Entzündung des Bauchfells gefunden werden. Bei derselben kommt es zur Ausscheidung eines faserstoffigen Exsudats auf die freie Fläche der ergriffenen Bauchfelltheile, dieselben werden matt, glanzlos, rauh, es kommt zu Verklebungen mit benachbarten Theilen, wie sie hier aufgefunden wurden.

Nach Zurückschlagung de? Netzes imponirte ähnlich der schwangeren Gebärmutter die schwulstige Neubildung. Dem anatomischen und mikroskopischen Befunde nach ist dieselbe als ein Cystofibroid der Gebärmutter anzusehen, d. h. als eine aus Binde- und Sehnengewebe mit eingelagerten Muskelfasern bestehende, am oberen Umfange eine cystöse Höhlung mit Ansammlung von Flüssigkeit bergende Geschwulst, welche von der vorderen Fläche und aus der Substanz der Gebärmutter hervorgehend im Laufe der Zeit, wohl von Jahren, zu der schliesslichen Grösse angewachsen ist. Ueber die Innenfläche der Cyste verbreitet fanden sich schwartige Exsudatablagerungen. Die Wand der Höhlung war erweicht und leicht zerreisslich; Erscheinungen, welche eine Entzündung der Cyste bedeuten. Von den entzündlichen Veränderungen scheinen diejenigen der Cyste die primliren und anfänglich bestandenen zu sein, wie aus der Beschaffenheit der dicken, gelben undurchsichtigen Fibrinauflagerungen und aus der Erweichung der Cystenwandung hervorgeht; die Entzündung des Bauchfells ist erst secundär und neueren Datums entstanden, wie die dünnen Lauen geronnener Ausschwitzung, welche das Netz und den Bauchfellüberzug der Bauchwand leicht trennbar verklebten, beweisen.

Die übrigen Organe der Bauchhohle waren normal oder wichen in ihrem Verhalten nicht so vom Normalen ab, dass darin eine Todesursache zu erblicken gewesen wäre.

Neben den anatomischen Resultaten der Autopsie, welche eine Entzündung der Cyste und des Bauchfells bekunden, sind ferner auch das ursächliche Moment, sowie die spärlichen Mittheilungen über die Krankheitsgeschichte der Frau W. auf eine solche Affection zu beziehen. Verletzungen des Bauchfells sind in jedem Falle an sich nicht gleichgültig und stets zweifelhafter Prognose, und inwiefern in diesem Falle, wo mit Wahrscheinlichkeit die Erkrankung als eine von der entzündlich afficirten Cystenwandung übertragene anzzsehen ist, eine erhöhte Gefahr für den Eintritt einer Bauchfellentzündung gesetzt wurde, wird später gezeigt werden. Die Mittheilungen des Ehemannes ferner und der Wärterin K. enthalten Thatsachen, welche wohl als Symptome eines acut in der Bauchhöhle aufgetretenen entzündlichen Zustandes anzusprechen sind. Die Patientin bekam, nachdem sie sich die erste Zeit nach der Operation recht wohl gefühlt hatte, in der Nacht zum Sonnabend einen starken Frost, fing an über Schmerzen im Leibe zu klagen und seitdem wechselten Frieren und Hitze, Erscheinungen, die von der Umgebung wohl mit Recht auf den Eintritt des Fiebers gedeutet wurden.

Im weiteren Verlaufe war Stuhl Verstopfung vorhanden, der Leib wurde wieder stärker, war stets schmerzhaft, endlich (wie die ungenauen Angaben über den Fortgang der Krankheit lauten) am Sonnabend, 3 Tage vor dem Tode, sei die Sprache weg gewesen und Bewusstlosigkeit eingetreten, welche bis zu dem am Dienstag erfolgenden Tode andauerte.

Es ist deshalb zweifellos, dass der Tod der Frau W., wie bereits im summarischen Gutachten geäussert wurde und zumal keine andere Todesursache ermittelt worden ist, an einer Bauchfellentzündung erfolgte, welche wiederum die Folge der Entzündung der der Geschwulst angehörenden Cyste und mittelbar der an der Verstorbenen vorgenommenen Operation der Paracentese und der dieselben complicirenden Massregeln gewesen ist.

Was nun den Krankheitszustand der Verstorbenen angeht, so gehört derselbe zu den Affectionen, wo eine im Leib sich bildende, ihrer Natur nach wuchernde, beständig an Umfang zunehmende Geschwulst den sicheren Untergang des Individuums in sich trägt, wenn nicht ihre Entfernung durch eine Radicaloperation Hülfe bringend geschehen kann. Es sei deshalb schon hier erwähnt, dass im anderen Falle, d. h. wo unüberwindliche Hindernisse der Entfernung der Geschwulst entgegenstehen, zumal wenn dieselbe bereits eine Grösse erreicht hat, wie im vorliegenden Falle, der Tod häufig nur eine Frage der Zeit sein kann, und dass der Arzt, der an die Behandlung eines solches Falles herantritt, in dem Zustand, wenn er ihn richtig erkannt hat, eine Aufforderung zur höchsten Aufmerksamkeit und Vorsicht, unter Umständen ein noli me tangere erblicken, auf der anderen Seite aber alles für die Erleichterung und Hinhaltung der Kranken Mögliche mit Gewissenhaftigkeit zu erfüllen sich verpflichtet sehen wird.

Geschwülste in der weiblichen Bauchhöhle können verschiedenen Ursprungs sein, oft gehen sie von den Eierstöcken aus, deren cystöse Degenerationen sie darstellen, oder von der Gebärmutter selbst. Im vorliegenden Falle hatte sich von dem Körper der Gebärmutter ab und aus dem Gewebe derselben hervorwuchernd eine aus consistentem, bindegewebigem und muskulösem Gewebe bestehende, im oberen Theil cystenartig veränderte Geschwulst entwickelt, deren Ausgangspunkt mit Wahrscheinlichkeit unter dem Bauchfellüberzug der Gebärmutter etwa an der Uebergangsstelle des Halstheils in den Körper derselben zu suchen ist; eine Annahme, welche den engen Zusammenhang mit der Blase erklären würde; ein Zusammenhang, der zwar nicht sicher diagnosticirt werden, wohl aber bei der inneren Untersuchung hätte vermuthet werden können, und von vornherein den Gedanken an eine Radicaloperation ausschloss. Vor Jahren bereits hatte die Frau W. über ein Gefühl von Schwere und Druck im Unterleibe geklagt, später war der Leib stärker und endlich dem einer schwangeren Frau ähnlich geworden; Wahrnehmungen, die sich auf das allmähliche Entstehen und ständig fortschreitende Wachsthum der Geschwulst beziehen. Mit der Zeit waren die Belästigungen durch das Uebel derartig geworden, dass Hülfe und Befreiung von demselben gesucht wurde. Es war nun für den behandelnden Arzt Aufgabe, zunächst die Natur und den Ausgangspunkt der Geschwulst festzustellen. Durch ihren Umfang und durch die Ansammlung einer abgesackten Flüssigkeitsmenge in ihrem oberen Theile, welche durch die physikalische Untersuchung leicht nachweisbar ist, musste die Geschwulst einen ähnlichen Eindruck machen, wie die weit häufiger vorkommenden sogenannten Ovariencysten, Degenerationen des einen oder des anderen Eierstocks mit Bildung eines nach Umständen grossen, häutigen, im Innern Flüssigkeit absondernden Sackes, obwohl angenommen werden muss, dass es durch die innere Untersuchung in Gemeinschaft mit der äusseren auch an der Lebenden möglich gewesen wäre, zu constatiren, dass die die Bauchhöhle auftreibende Geschwulst nur in ihrem oberen Theile den Charakter eines Flüssigkeit haltenden Tumors, in ihrem unteren Theile jedoch eine festere consistente Beschaffenheit habe. Es mag dahingestellt sein, inwieweit die Unterscheidung über die Natur und den Ausgangspunkt der Geschwulst dem 6'. gelungen ist; immerhin war eine Operation, welche den Zweck hat, durch Entfernung der Flüssigkeit aus dem Leibe der bedrängten Patientin Erleichterung zu schaffen, und wie sie auch von S. vorgenommen worden ist, als solche vollständig berechtigt und angezeigt.

Dieselbe, die Operation der Punction, ist nun, wenn auch chirurgisch eine einfache und leicht auszuführende, doch keineswegs eine gleichgültige und ohne Gefahr in ihren Folgen. Frühere Zusammenstellungen haben ergeben, dass einmal von 130 Fällen 22, mithin 17 pCt. wenige Stunden oder Tage nach der einfachen Punction zu Grunde gegangen sind, und wenn auch die neuere Zeit bei vervollkommneter Methode und Beobachtung aller Cautelen bessere Resultate aufzuweisen hat, so sind damit doch die drohenden Gefahren immer dieselben geblieben. Dieselben bestehen vorzüglich in einem durch die schnelle Veränderung der Gleichgewichtslage der Theile im Körper verursachten Collapsus, plötzlichen Kräfteverfall, aus dem die Kranke sich nicht wieder erholen kann, und in der in Folge der Verletzung des Bauchfells auftretenden Entzündung desselben, welche in häufigen Fällen zum Tode führt. Abgesehen aber von den Gefahren der Operation an sich, sind auch die ihr nachfolgenden Consequenzen nicht ohne Bedeutung. Es ist eine bekannte Erfahrung, dass nach erfolgter Entleerung der Flüssigkeit aus cystösen Geschwülsten die Ansamm

Vierteljahrsscbr. f. ger. Med. N F. XXII. 1. 4

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