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12 Jahren zu regelmässiger Fabrikarbeit nicht angenommen werden dürfen, ist indess elastisch und verschieden, im Interesse des Arbeitsgebers und zum Schaden des Arbeiters, zu interpretiren. – Die Schweiz allein fixirt gesetzlich den Beginn der Fabrikarbeit der Kinder auf das vollendete 14. - Jahr im wohlverstandenen hygienischen und pädagogischen Interesse. Trotz der Opposition der Fabrikherren und wohl auch der Eltern muss die schulpflichtige Jugend von der Fabrikarbeit ferngehalten, allenfalls bis zur Ueberleitung der Sache nicht unter die Grenze von 12 Jahren gegangen werden.

2. Die Arbeitsdauer. Der Normalarbeitstag läuft in England von 6 Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends mit 13 stündiger Unterbrechung; in Deutschland dürfen die Arbeitsstunden nicht vor 53 Uhr Morgens beginnen und nicht über 8 Uhr Abends dauern, und die noch nicht 14jährigen nicht über 6 Stunden täglich bescbäftigt werden. Referent, zieht die englische Arbeitsdauer vor.

3. Ohne den Nachweis der körperlichen Tüchtigkeit zur Fabrikarbeit durch ein Gesundheits- resp. Revaccinationszeugniss darf kein Kind angenommen werden.

4. Gewisse Beschränkungen für einzelne Fabrikzweige bezüglich der Altersgrenze und der Grösse des Arbeitstages hat das Gesetz aufzunehmen.

5. Von gewissen Fabrikarbeiten (Glasstampfereien, Nadelschleifereien, Shoddy., Bronzefarben-, Mühlstein -, Chlorkalkfabriken, Glasätzereien, sind jagendliche Arbeiter überhaupt auszuschliessen,

Hirt schliesst mit einer Bemerkung Virchow's, dass noch sehr viel Detailarbeit auf diesem Gebiete nöthig, jede dankbar anzunehmen sei, denn ibr Inhalt ist ein Cardinalpunkt der künftigen Gesetzgebung. –

Die Discussion bleibt der nächstjährigen Versammlung, für welche als Mitglieder der die Tagesordnung vorbereitenden Commission: Beneke, Gauster, Mosler, Sachs, Spiess sen., Virchow und Wasserfuhr gewählt werden, vorbehalten.

Die Arbeiten und Resolutionen der Section fallen vielleicht günstig mit den an massgebender Stelle aufgestellten Entwurfsvorschlägen zusammen. Aeusserem Vernehmen nach hat die Reichs-Cholera Commission und die Reichs - Commission für Medicinal - Statistik vor Kurzem ihre Arbeiten vollendet; letztere betreffen u. A. auch die Mortalitäts-Statistik mit Unterscheidung der Todesursachen im Anschluss an die obligatorische Leichenschau.

Kreisphysikus Dr. Winkel.

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IV. Literatur.

Statistische Sanitätsberichte über das XII. (Königlich

Sächsische) Armeecorps für die Jahre 1872 und 1873.
Bearbeitet von der Königlichen Sanitätsdirection in Dresden
1875. 4. 50 S. mit 2 chromolithogr. Tafeln. Verlag von
Conrad Weiske in Dresden.

Diese Berichte enthalten in einer Form, mit welcher diejenige der Königl. Preuss. Armee-Sanitätsberichte der Vergleichbarkeit wegen nachgeahmt worden ist, die tabellarischen Darstellungen der Krankenbewegung, der Ursachen der Dienstuntauglichkeit, der Ursachen der Halb- und Ganz-Invalidität, des Bestandes, Zugangs und Abgangs des militärärztlichen, pharmaceutischen und rossärztlichen Personals, ferner aphangsweise die der stattgefundenen Impfungen und Wiederimpfungen, der Krankenbewegung bei den Dienstpferden und endlich die des Arzneimittelverbrauchs für die erkrankten Personen des Soldatenstandes.

Um nur einen Augenblick bei den allerwichtigsten Ziffern dieser Berichte - bei den Sterblichkeitsziffern -- zu verweilen, so finden wir, dass die Sterblichkeit des Königl. Sächs. Armeecorps sich im Jahre 1872 auf 131 = 6,4 pct. und im Jahre 1873 nur auf 108 = 4,95 pCt. der Iststärke belaufen hat, - Verhältnisse, welche denjenigen der meisten Preussischen Armeecorps annähernd entsprechen und welche, im Hinblick auf die im Gange befindliche bauliche Herstellung zeitgemässer Unterkunftsräume für das Sächsische Militär, voraussichtlich weitere günstige Wandlungen erfahren werden.

Es bezeichnen diese Berichte einen Schritt weiter zu der eher oder später nothwendigermassen sich vollziehenden Einheit der Deutschen Militär- und Mediciñalstatistik, d. b. derjenigen wissenschaftlichen Forschungsmethode, welche die Wege eröffnet, auf welchen der Militärmedicinaldienst seiner höchsten Aufgabe – der Hebung der nationalen Wehrkraft – näher gerückt wird.

Topographisch-anatomischer Atlas. Nach Durchschnitten

an gefrornen Cadavern herausgegeben von Dr. med. Wilh.
Braune, Professor an der Universität Leipzig. Mit fünfzig
Holzschnitten im Texte. Leipzig 1875. Fol. 218 S. und
XXXI. Tafeln Abbildungen. Verlag von Veit u. Comp. in
Leipzig.

Bekanntlich ist Professor Braune zu dem Zwecke, die Bestandtheile des menschlichen Körpers in grösster Naturtreue bildlich veranschaulichen

zu können, so verfahren, dass er menschliche Leichen in gefrornen Zustand übergeführt, dann die aufzunehmenden Theile in den interessantesten Richtungen blossgelegt und die Zeichnungen auf den gefrornen Präparaten durchgepaust hat. Die Hauptergebnisse dieser Arbeiten hat Prof. Braune in seinem in 2. Auflage erschienenen „Topographisch - anatomischen Atlas nach Durchschnitten an gefrornen Cadavern“ – mit 33 colorirten Tafeln Imp. Fol. und mit 50 Holzschnitten im Text (120 Mark) niedergelegt. Um diese werthvollen Ergebnisse allgemeiner zugängig zn machen, hat der Verfasser die anthropotomische Literatur mit dem Eingangs erwähnten kleineren Atlas, der die Abbildungen des grossen Atlas in photographischer Nachbildung verkleinert wiederbringt, bereichert. Es ist dieser Atlas in der That nicht bloss eine gewöhnliche Vermehrung, sondern zugleich eine Bereicherung, eine bedeutende Ergänzung unserer anatomischen Lernmittel. Und zwar muss diese Bereicherung grade auf dem Gebiete der angewandten Medicin um so freudiger begrüsst werden, als die Ausübung der letzteren nicht mehr mit isolirten anatomischen Präparaten, mit in sich homogenen Einheiten, sondern vielmehr mit topographischen Proportionen zu rechnen pflegt, und als ferner namentlich die verantwortungsschweren Arbeiten der Staatsmedicin diejenigen topographischen Veranschaulichungen am meisten begehren müssen, welche sich durch die grösstmögliche Naturtreue auszeichnen. Um den Inhalt dieses kleinern Atlas nur nach seiner Vielseitigkeit zu kennzeichnen, so finden wir Flächen - Darstellungen von medianen, transversalen, sagittalen, frontalen und schrägen Schnitten durch den ganzen Körper, durch den Kopf, den Hals, die praktisch wichtigsten Bezirke der Brust- und Bauch-Eingeweide, durch die Gliedmassen und ihre Gelenke, ja selbst durch den Körper einer Hochschwangern und durch die untere Hälfte des Körpers einer Gebärenden, - alle mit erläuterndem Zwischentexte und ausserdem mit auf den Tafeln selbst seitlich eingefügten anatomischen Benennungen versehen. In wenigen Minuten ruft dieser Atlas, dieser gleichsam auseinandergelegte Menschenleib, die gesammte Anatomie in das Gedächtniss zurück und lässt auf den ersten Blick schon erkennen, dass man in ihm für zumal gutachtliche Arbeiten einen unentbebrlichen Rathgeber besitzt.

H. Frölich.

Die Lage der Bauch-Organe des Menschen von Hubert

v. Luschka. Mit 5 Tafeln. Carlsruhe, 1873.

An das Braune’sche Werk schliesst sich eine Arbeit des hochverdienten, leider schon verstorbenen Anatomen v. Luschka an, welche für den gerichtlichen Arzt von besonderem Interesse ist, da sie auf eine lichtvolle Weise den Situs viscerum vor Augen führt.

Elbg.

V. Amtliche Verfügungen.

I. Verf. des Ministers der geistlichen etc. Angelegenheiten, betreffend

die Series medicaminum, vom 13. Juli 1874. (I. V. Sydow.)

Auf den Bericht vom 22. Mai cr. eröffne ich der Königlichen Regierung, dass nicht nur Acidum citricum, Zincum oxydatum purum und Liquor ferri sulphurici oxydati, sondern auch Acetum scillae, Emplastrum lithargyri simplex, Sacharum pulveratum und Hydrargyrum sulphuratum nigrum in der bei den Apothekenrevisionen zu verwendenden Series medicaminum mit einem Stern bezeichnet werden müssen. Ausserdem sind Hydrargyrum sulphuratum rubrum, Succus liquiritiae crudus, Liquor bydrargyri nitrici oxydulati, Oleum phosphoratum und Ferrum jodatum, Präparate, welche durch längere Aufbewahrung sich zersetzen und nach der Pharmacopoea Germanica nur ex tempora angefertigt werden sollen, irrthümlicher Weise in die Series aufgenommen, Castoreum sibricum, Castoreum sibricum pulveratum und das Wort pulveratum bei Semen sinapis aber aus Versehen ausgelassen, auch Emplastrum „fuscum“ als Emplastrum „fusum“ bezeicbnet.

Was dagegen die Prüfung derjenigen Tincturen anbetrifft, welche nach der Pharmacopoea Germanica aus frischen Pflanzen angefertigt werden sollen, so giebt es für dieselben, wie bei allen übrigen galenischen Mitteln ausser der Farbe und dem Geruche kein Kriterium. Auch sind Differenzen, welche sich bei den in nassen Jahren dargestellten Tincturen herausstellen, überhaupt nicht zu vermeiden und wird der Apotheker demnach dergleichen Tincturen, wenn er selbst sie anzufertigen ausser Stande ist, von anderen anerkannt tüchtigen und zuverlässigen Apothekern entnehmen müssen.

Die Königliche Regierung wolle das Vorstehende für die Zukunft beachten und thunlichst bald zur Kenntniss der Apotheker und Physiker des dortigen Verwaltungs-Bezirkes bringen.

II. Verf. der Ministerien der Finanzen (I. A. v. Lentz), der Justiz (I. V. Friedberg), der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten (Dr. Falk), sowie der landwirthschaftlichen Angelegenheiten (I. A. Schellwitz), betreffend den §. 5. des Gesetzes vom 9. März 1872,

vom 18. Juli 1874, Das Gesetz vom 9. März 1872, betreffend die den Medicinal - Beamten für die Besorgung gerichtsärztlicher, medicinal- oder sanitätspolizeilicher Geschäfte zu gewährenden Vergütungen, bestimmt im §. 5., dass, wenn die im §. 3. erwähnten Verrichtungen in einer eine Viertelmeile übersteigenden Entfernung vom Wohnort des Medicinal-Beamten vorgenommen worden sind, dieser die Reisekosten (§. 2 b.) und nach seiner Wahl entweder die Gebühren (§. 3.) oder die Tagegelder · (s. 2 a.) zu liquidiren hat.

Dieser Paragraph hat seit dem Erlass des Gesetzes zu verschiedenen Beschwerden Veranlassung gegeben, indem von einzelnen Behörden in wörtlicher Auslegung desselben bei Liquidationen für Reisen, welche auf der Eisenbahn, resp. dem Dampfschiff zurückgelegt wurden, nur der Betrag der wirklichen Reisekosten ($. 2 b.) zugestanden, dagegen der Betrag der Nebenkosten für Zuund Abgang (S. 2 c.) gestrichen worden ist. Dies hat offenbar nicht in der Absicht des Gesetzes gelegen, in dessen erstem Entwurf die Nebenkosten im §. 2. sub b mit inbegriffen gewesen sind. Bei der ersten Berathung im Abgeordnetenhause wurde die Theilung in a., b. und c. vorgenommen und dabei eine entsprechende Aenderung des in Rede stelienden §. 5. lediglich übersehen.

Mit Rücksicht hierauf ermächtigen wir die Königliche Regierung bei Berechnung der in dem mehrgenannten § 5. des Gesetzes vom 9. März 1872 erwähnten Reisekosten, sofern die Reise auf Eisenbahnen oder Dampfschiffen zurückgelegt worden ist, in Zukunft immer auch die Nebenkosten nach §. 2c. zu bewilligen.

Dieser Erlass ist in geeigneter Weise zur öffentlichen Kenntniss zu bringen.

III. Verf. der Ministerien des Innern (Graf zu Eulenourg) und der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal - Angelegenheiten (I. V. Sydow), betreffend die Behandlung der sog. Haltekinder, vom 18. Juli 1874.

Aus den in Folge unserer Circular - Verfügung vom 15. October 1872 erstatteten Berichten über die Behandlung der sog. Haltekinder geht hervor, dass, wenn schon nicht überall, so doch in einzelnen Bezirken das Bedürfniss vorliegt, diese Angelegenheit vom sanitätspolizeichen Standpunkt anderweit zu regeln. Am wirksamsten würde dies ohne Zweifel geschehen durch den Erlass eines Gesetzes, welches die Aufnahme von Kostkindern gegen Entgelt von einer, nöthigenfalls der Zurücknahme unterliegenden polizeilichen Berathung abhängig macht. Nachdem aber bei Berathung der Gewerbe-Ordnung vom 21. Juni 1869 ein in diesem Sinne gestellter Antrag die Zustimmung des deutschen Reichstages nicht gefunden hat, ist von neuen legislativen Verhandlungen ein Erfolg nur dann zu erwarten, wenn sich ergeben sollte, dass die den Verwaltungsbehörden zu Gebote stehenden Mittel nicht ausreichen, um den Gefahren vorzubeugen, von welchen Leben und Gesundheit der Haltekinder durch die Behandlung ihrer Kostgeber vielfach bedroht sind.

Da der $. 1. der Gewerbe - Ordnung den Betrieb eines Gewerbes Jedermann gestattet, soweit nicht in ihr Ausnahmen oder Beschränkungen vorgeschrieben oder zugelassen sind, der Aufnahme von Kostkindern aber in der Gewerbe-Ordnung weiter keine Erwähnung geschieht, so ist es zur Zeit nicht statthaft, das gewerbsmässige Halten von Kostkindern im Wege der Polizei - Verordnung von

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