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sich noch ungünstigere Resultate. In Berlin starben 1871 mehr Menschen an Blattern (5086 oder 15,71 pC't. aller Sterbefälle) als im ganzen Königreiche Bayern. Im Stadtkreise Königsberg betrug die Sterblichkeit 9,25, im Landkreise 22,78 pCt.; im Stadtkreise Dauzig 18,89, im Landkreise 27,36 pCt.; im Stadtkreise Posen 22,75, im Landkreise 26,90 pCt.

G. Typhus. Hieran starben im Jahre 1872 3065 Personen - gegen 3954 im Vorjahre — und 3042 im Durchschnitte 186S —TO. Die Zunahme des Typhus im Jahre 1871 ist hauptsächlich den Kriegsereignissen und der durch sie veranlassten Einschleppung typhöser Kranken zuzuschreiben, welche im Jahre 1872 weggefallen ist, weshalb die Typhus - Sterblichkeit wieder das Normalmass erreicht hat. Am häufigsten ist der Typhus in Oberbayern (1872 mit 905 Sterbefällen oder 108 auf 100,000 Seelen), am seltensten in Oberfranken (mit 225 Sterbefällen oder 41 auf die angegebene Seelenzahl). In München allein starben 407 Personen am Typhus oder 46 pOt. der gesammten TyphusMortalität des Kreises, während die Bevölkerung der Hauptstadt nur 20 pCt. der Kreisbevülkerung beträgt.

Häufig wurden wieder Orts- und Hausepidemien beobachtet, welche sich auf schlechtes Trinkwasser, fehlerhafte Anlage der Aborte, Verunreinigung des Bodens mit organischen Abfallstoffen, ungünstige Ortslage u. s. w. zurückführen Hessen. — Am meisten vom Typhus heimgesucht ist immer das Alter von 20 bis 30 Jahren, in welchem im Jahre 1872 über 20 pCt. gestorben sind (im Vorjahre sogar 25 pCt., darunter viele Militärpersonen). Im Vergleich mit der Gesammtzahl der Lebenden jeder Altersclasse steigt jedoch die Sterblichkeit am Typhus bis zum Alter von 60 bis 70 Jahren. — Die Anwendung der Kälte zur Verhütung der nachtheiligen Folgen des Fermentationsprocesses wird nach und nach eine allgemeine. — Von sämmtlichen am Typhus Gestorbenen wurden fast 93 pCt. ärztlich behandelt. Kaum bei einer anderen Krankheit können die statistischen Angaben einen solchen Grad von Genauigkeit und Wahrheit beanspruchen, als beim Typhus.

7. Brustentzündungen (Pneumonie, Bronchitis, Pleuritis). Hieran starben im Jahre 1873 9702 Personen gegen 11713 im Vorjahre und 10668 im Durchschnitte. Diese Krankheiten haben in dem milden Jahre 1872 entschieden abgenommen. Am häufigsten sind dieselben immer im Februar, März und April (1872 mit 37 pCt.), am seltensten im Juli, August und September (kaum 15 pCt.). Am verderblichsten treten sie in Mittelund Unterfranken auf (267 bezw. 269 Sterbefälle auf je 100,000 Seelen im Jahre 1872), am gelindesten in Niederbayern und in der Oberpfalz (154 bezw. 172 Sterbefälle auf die erwähnte Seelenzahl).

Beide Geschlechter waren im Jahre 1872 ziemlich gleichmässig an dieser Todesart betheiligt; im Vorjalu-e hat aber die Sterblichkeit des männlichen Geschlechtes die des weiblichen um 10 pCt. übertreffen. Sicher haben damals die Kriegsgefangenen einen ansehnlichen Beitrag dazu geliefert, was schon daraus hervorgeht, dass im Alter von 20 bis 30 Jahren 552 männliche und nur 222 weibliche Personen gestorben sind, eine Geschlechtsdifferenz, wie sie in keiner anderen Altersperiode beobachtet wurde. Auf das erste Lebensjahr allein trafen im Jahre 1872 25,6 pCt. der Gestorbenen, wahrscheinlich ist aber in diesem zarten Alter die Sterblichkeit an Brustentzündungen noch grösser als in den Todtenscheinen angegeben ist, da mancher Fall von Bronchitis zum Keuchhusten gerechnet werden wird. Auch in der folgenden Altersclasse vom 2. bis 5. Lebensjahre ist die Sterblichkeit an Entzündungen der Respirationsorgane noch gross (15 pCt.). Nun fällt aber dieselbe rasch bis zum 20. Jahre (von 10 bis 20 Jahren beträgt sie nur 2 pCt.). Von da an hebt sie sich wieder und erreicht ihr zweites Maximum im Alter von 60 bis 70 Jahren (17 pCt.), um dann wieder stetig zu fallen. Im Verhältnisse zu der Zahl der Lebenden jeder Altersperiode steigt aber die Sterblichkeit an Pneumonie — und um diese handelt es sich hier vorzugsweise — bis in das höchste Greisenalter, in welchem bekanntlich nur sehr wenige von dieser Krankheit Befallene mit dem Leben davon kommen. — Aerztlich behandelt wurden 77 pCt. der Gestorbenen. Die ohne vorhergegangene ärztliche Behandlung Gestorbenen werden grösstentheils den ersten Lebensjahren angehören.

8. Lungentuberkulose. Hieran starben im Jahre 1872 10893 Personen gegen 10993 im Vorjahre und 9515 im Durchschnitte. Diese Krankheit hat demnach im Vergleich mit der Durchschnittsperiode zugenommen. Aber auch bei dieser Todesart ist der Einfluss der Militärbevölkerung bemerkbar, namentlich im Jahre 1871, wo im Alter von 20 bis 30 Jahren 1322 männliche und nur 945 weibliche Personen der Krankheit erlegen sind. Ueberhaupt ist das männliche Geschlecht weit mehr zum tuberkulösen Processe disponirt als das weibliche (im Jahre 1872 im Ganzen 6044 männliche und nur 4849 weibliche Sterbefälle). Dieses Vorwiegen des männlichen Geschlechtes ist besonders nach dem 40. Lebensjahre stark ausgeprägt, während im Alter unter 20 Jahren absolut und relativ mehr weibliche Personen der Tuberkulose erliegen als männliche; besonders scheint die Pubertätsentwicklung beim weiblichen Geschlechte die Ausbildung der Tuberkeln zu befördern.

Die Tuberkulose nimmt am häufigsten einen letalen Ausgang in den drei Monaten März bis Mai (im Jahre 1872 3090 Sterbefälle = 31 pCt.), am seltensten in den Monaten August bis Oktober (2232 Sterbefälle = 20 pCt.). Die Differenz zwischen Maximum und Minimum der Sterblichkeit ist daher bei der Lungentuberkulose nicht so gross als bei der Lungenentzündung. — In Oberbayern ist die Sterblichkeit an Lungentuberkulose um das Doppelte grösser als in Niederbayern. Auf die hohe Sterblichkeit in Oberbayern hat die Hauptstadt München den grössten Einfluss, da chronische Lungenleiden in allen grossen Städten mehr oder weniger heimisch sind: in den ländlichen Bezirken Oberbayerns dagegen dürfte die Tuberkulose nicht besonders häufig sein, aui wenigsten in den Bezirken des Alpcngebietes. Die niederbayerische Bevölkerung, ein im Durchschnitte sehr kräftiger .Menschenschlag, »dabei wohlhabend und fa;-t bloss vom Betriebe der Landwirtschaft lebend, aber bigott und abergläubisch und ziemlich indolent gegen jeden geistigen Fortschritt, ist von der Lungentuberkulose am meisten verschont. — Diese Krankheit ist im ersten Lebensjahre eine Seltenheit (dann angeboren, hereditär), sie nimmt von da ab bis zum Alter von 20 bis 30 Jahren (1Ö72 mit 20 pCt.) zu und bleibt nun fast auf gleicher Höhe bis zum Alter von 50 bis 60 Jahren: von da an nimmt ihre Häufigkeit merklich ab und nach dem 80 Jahre kommen nur noch vereinzelte Fälle vor. Im Verhältnisse zur Zahl der Lebenden jeder Altersclasse steigt aber die Sterblichkeit bis zum Alter von Uü bis 70 Jahren, wenn gleich diese Steigerung eine geringere ist als bei der Lungenentzündung. Jedenfalls führt die Tuberkulose in jüngeren Jahren, wo der Lebensprocess ein rascherer ist, schneller zum Tode als im höheren Alter. — Aerztlich behandelt wurden 80 pCt. der Gestorbenen. Wirklich auffallend ist das Gleichbleiben dieses Verhältnisses in den einzelnen Jahren.

Ausserdem sind an allgemeiner Tuberkulose (die ihren Sitz nicht bloss in den Lungen, sondern zugleich auch in anderen Organen — dem Gehirn, dem Darme, dem Bauchfelle, der Leber etc. — aufgeschlagen hat) im Jahre 1872 1288 Personen gestorben gegen 2015 im Vorjahre und 1539 im Durchschnitte. Im Vergleich zum Vorjahre hat sich diese Todesart erheblich vermindert; es ist jedoch wohl zu beachten, dass es in manchen Fällen zweifelhaft ist, welche von beiden Diagnosen — Lungentuberkulose oder allgemeine Tuberkulose — bei der Leichenschau zu adoptiren ist. Es dürfte daher zweckmässig sein, beide Todesarten zusammenzufassen; in diesem Falle treffen auf je 100,000 Seelen im Jahre 1872 251, im Jahre 1871 268, im Durchschnitte 229 Sterbefälle, wonach sich in den beiden letzten Jahren eine Zunahme der tuberkulösen Affectionen ergeben hat. Auch die allgemeine Tuberkulose eulminirt in den Frühlingsmonaten und wird im Sommer und Herbst seltener; doch ist der bezügliche Unterschied nicht so bedeutend wie bei der Lungentuberkulose. Die allgemeine Tuberkulose ist im Alter unter 20 Jahren verhältnissmässig etwas häufiger, als die Lungentuberkulose, was darauf schliessen lässt, dass sie öfter als diese eine angeborene, hereditäre Krankheit ist.

9. Chronische Krankheiten des Herzens und der grossen Gefasse. Hierher gehören namentlich die Todesfälle an Hypertrophie und an Klappenfehlern des Herzens, Aneurysmen der Aorta und der grossen Gefässe, wohl aucli Herzbeutelwassersucht. Es sind dies Todesarten, die meist nur von wissenschaftlich gebildeten Aerzten während des Lebens richtig diagnosticirt werden können; ohne Zweifel sind sie daher in der Wirklichkeit häufiger, als sie bei der Leichenschau, die noch oft genug vom niederärztlichen Personale und sogar hie und da von Laien gehandhabt wird, constatirt werden, wogegen die Sterbefälle an mehreren anderen Krankheiten, namentlich an Wassersucht, Altersschwäche etc. in zu grossen Zahlen sich repräsentiren. Demungeachtet ist es merkwürdig, in welchen engen Grenzen die Zahlen der in einzelnen Jahren an Herzleiden Gestorbenen sich bewegen; im Jahre 1872 starben hiervon 2211, im Jahre 1871 2187, in der Durchschnittsperiode 2033 Personen, auf je 100,000 Seelen beziehungsweise 46 — 45 — 42.

Der Tod durch Herzleiden scheint zu jeder Jahreszeit fast gleich häufig vorzukommen; in örtlicher Beziehung findet sich aber eine grosse Verschiedenheit. Die grösste Sterblichkeit fällt alljährlich auf Oberbayern (im Jahre 1872 auf 100,000 Seelen 73), die geringste auf die Pfalz und auf Oberfranken (je 35 und 29). Ohne Zweifel sind Herzkrankheiten in Gebirgsgegenden häufiger als in weiten Ebenen. In Oberbayem mag übrigens auch die Stadt München einen verhältnissmässig hohen Beitrag hierzu liefern, zumal als hier Herzkrankheiten fast ohne Ausnahme in ärztliche Behandlung gelangen und sicher auch ärztlich diagnosticirt werden. Das weibliche Geschlecht ist diesen Leiden etwas mehr ausgesetzt als das männliche. Das Contingent der Todesfälle an Herzfehlern jeder Art steigt bis ins höchste Alter, namentlich wenn man deren Zahl mit den im gleichen Alter Lebenden vergleicht. — Ueber 80 pCt. der Gestorbenen werden alljährlich ärztlich behandelt.

10. Hirnschlagfluss. Hieran starben im Jahre 1872 4233 Personen gegen 4775 im Vorjahre und 4251 im Durchschnitte. Der Schlagfluss ist in der kalten Jahreszeit durchschnittlich etwas häufiger als in der warmen. Grösser ist auch hier der locale Unterschied; immer ist der Schlagfluss in Oberund Niederbayern häufiger (im Jahre 1872 je 109 und 110 Sterbefälle auf 100,000 Seelen), als in der Pfalz (63), was sich einfach daraus erklären lässt, dass in den erstgenannten Regierungsbezirken verhältnissmässig mehr Lebende des höheren Alters sich befinden, als in der Pfalz. Es treffen nämlich im Jahre 1872 mehr als 77 pCt. der Gestorbenen auf das Alter über 50 Jahren, noch über 61 pCt. auf das Alter über 60 Jahren und noch über 32 pCt. auf das Alter über 70 Jahren.

Beim männlichen Geschlechte ist der Schlagfluss fast um 20 pCt. häufiger als beim weiblichen, was darin begründet ist, dass organische Abnormitäten des (iehirns, die nicht selten einen plötzlichen letalen Ausgang bewirken, dem männlichen Geschlechte öfter zukommen als dem weiblichen — im Gegensatze zu den vielen hydropischen Leiden, zu denen die Frauen, besonders iin höheren Alter, vorwiegend disponirt sind. — Aerztlich behandelt wurden 48 pCt. oder nicht völlig die Hälfte aller am Schlagflusse Gestorbenen.

IL Kindbettfieber. Dieser Krankheit sind im Jahre 1872 660 Frauen erlegen gegen 549 im Vorjahre und 600 im Durchschnitte; es stirbt etwa 1 Gebärende von 300 am Kindbettfieber. Fasst man jedoch alle Todesarten zusammen, die in Folge der Schwangerschaft und des Kindbettes eingetreten sind (Eklampsie, Verblutung, Gebärmutterentzündung, Kindbettfieber, Erschöpfung), so sind hiervon im Jahre 1872 1357 Frauen gestorben, d. i. I von 148 Gebärenden. Stets ist das Kindbettfieber in den Wintermonaten häufiger als zur Sommerszeit, vielleicht weil im Winter die Zimmer der Wöchneiinnen, besonders auf dem Lande, gewöhnlich stark überheizt werden und die hier so notwendige Lufterneuerung nicht gehandhabt wird.

Nach dem Alter starben am Kindbettfieber: unter 20 Jahren 2 pCt., von 20 bis 30 Jahren 39 pCt., von 30 bis 40 Jahren 47 pCt., von 40 bis 50 Jahren 12 pCt. Diese Verhältnisse werden denen der Gesammtzahl der Gebärenden jeder Altersclasse wohl ziemlich entsprechen. Vergleicht man aber hiermit die übrigen in Folge der Schwangerschaft und des Kindbettes eingetretenen Todesfälle, so stellt sich heraus, dass die letzteren verhältnissmässig etwas später eintreten, als die Kindbettfieber; es treffen nämlich auf die oben erwähnten Todesfälle zusammen im Alter unter 20 Jahren 1 pCt., von 20 bis 30 Jahren 30 pCt., von 30 bis 40 Jahren 47 pCt., von 40 bis 50 Jahren 21 pCt. und noch über 50 Jahren 1 pCt. Es scheint dieses Ergebniss ein beständiges zu sein, da es auch in den Vorjahren sich geltend gemacht hat. Hieraus dürfte zu folgern sein, dass das Kindbettfieber bei Erstgebärenden relativ häufiger vorkommt, als die übrigen der Kindbettkatastrophe angehörenden Todesarten. — Die Diagnose des Kindbettfiebers dürfte in hinreichendem Masse gesichert sein, denn von sämmtlichen hieran gestorbenen Frauen wurden 92 pCt. einer ärztlichen Behandlung unterzogen; bei den übrigen Todesfällen in Folge des Kindbettes war dies mir bei 84 pCt. der Fall. Auch diese Verhältnisse bleiben sich ziemlich gleich von einem Jahre zum anderen.

12. Selbstmord. Dieser gewaltsamen Todesart erlagen im Jahre 1872 405 Personen gegen 419 im Vorjahre und 432 im Durchschnitte; der Selbstmord hat sich demnach etwas gemildert; ob dies auch im Jahre 1873 der Fall sein wird, ist mindestens sehr zweifelhaft, da in diesem Jahre plötzlich eine ausserordentliche Preissteigerung aller Lebensbedürfnisse eingetreten ist.

Die Selbstmorde sind immer in der heissen Jahreszeit häufiger als in der kalten, beim männlichen Geschlechte um das Vier- bis Fünffache häufiger als beim weiblichen, bei den Protestanten fast dreimal häufiger als bei den Katho

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