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trifft. Am geringsten ist die Sterblichkeit vom 6. bis zum 20. Lebensjahre; sie nimmt aber von da an wieder zu bis ins höchste Alter. Das männliche Geschlecht ist besonders in der Kindheit, dann aber auch im vorgerückten Alter, besonders vom 40. bis zum 60. Jahre, mehr gefährdet als das weibliche. Nach dem 60. Jahre sterben zwar, absolut genommen, mehr Weiber als Männer; es sind aber auch unter der Gesammtbevölkerung dieses Alters die Weiber beträchtlich in der Mehrzabl, und wenn man diesen Umstand berücksichtigt, so ist doch auch im hohen Alter die grössere Sterblichkeit auf Seite des männlichen Geschlechts. Im Alter von 20 bis 40 Jahren ist jedoch, wenigstens in gewöhnlichen Jahren, die Sterblichkeit beim weiblichen Geschlechte grösser als beim männlichen, wozu ohne Zweifel die Kindbett-Katastrophe mit ihren Folgen Vieles beiträgt.

Nimmt man Rücksicht auf die einzelnen Monatsgruppen des ersten Lebensjahres, so erhält man für das ganze Königreich, mit Unterscheidung der beiden Geschlechter, so wie der Ehelich- und Unehelich-Geborenen folgende Sterblichkeit in Procenten der Geborenen:

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Nach vorstehender Berechnung war die Kindersterblichkeit des Jahres 1872 niedriger als die des Vorjabres und zwar in allen Monatsgruppen, jedoch vorzugsweise in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres, wo die Sterblichkeit an Blattern und anderen exanthematischen Krankheiten eine geringere war, als im Jahre 1871. Immer aber sind die Knaben und die unehelichen Kinder in der ersten Periode ihres Daseins mehr gefährdet als die Mädchen und die ehelichen Kinder.

Für die einzelnen Regierungsbezirke ergibt sich im Jahre 1872 folgende Sterblichkeit des ersten Lebensjahres auf je 100 Geborene (bei Zusammenfassung beider Geschlechter und der ehelichen und unehelichen Kinder):

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Alljährlich hat die Pfalz die geringste Sterblichkeit im ersten Lebensmonate aufzuweisen, in den folgenden Monatsgruppen wird jedoch dieser Kreis von Oberund Unterfranken überflügelt. Die Pflege der Kinder in den ersten Lebenswochen muss demnach in der Pfalz als die zweckmässigste anerkannt werden; wahrscheinlich werden fast alle Kinder in dieser ersten Lebenszeit von ihren Müttern gestillt, nur scheint diese naturgemässe Auferziehung in der Pfalz nicht so nachhaltig zu sein, als namentlich in Ober- und Unterfranken. Oberbayern und Schwaben nehmen in allen Monaten des ersten Lebensjahres die ungünstigste Stelle ein.

Wir kehren noch einmal zur Sterblichkeit der unehelichen Kinder zurück, indem wir in der folgenden Tabelle berechnen, wie sich die Sterblichkeit der unehelichen Kinder im ersten Lebensjahre und in den einzelnen Monatsgruppen desselben zur Gesammtzahl der in dieser ersten Lebensperiode gestorbenen Kinder verhäit; beigefügt ist das Verhältniss der unehelichen Kinder bei der Geburt:

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Die Unehelich-Geborenen zeigen sowohl im ganzen Königreiche als in jedem Regierungsbezirke eine grössere Sterblichkeit des ersten Lebensjahres, als ihnen im Verhältnisse zur Geburtsziffer zukommen sollte. Es ist dies eine längst bekannte Thatsache; was man aber nicht erwarten sollte, ist das weitere Ergebniss, dass die höchste Sterblichkeit der Unehelich-Geborenen nicht auf den ersten Lebensmonat, sondern erst auf die folgende Monatsgruppe, den zweiten und dritten Lebensmonat fällt, und zwar zeigt sich diese höhere Sterblichkeit in jedem einzelnen Regierungsbezirke und im Jahre 1872 wie im Vorjahre. Die Fehler, die von Geburt an bezüglich der Kindespflege gemacht werden, kommen demnach erst nach Ablauf von mehreren Wochen zum verstärkten ziffermässigen Ausdrucke. In der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres verringert sich allmählig die Sterblichkeit der unehelichen Kinder, was zum Theile daher rühren mag, dass in diesem Lebensabschnitte bereits mehrere Kinder durch nachfolgende Verheiratbung der Eltern legitimirt worden und nun, wenn sie sterben, unter den ehelichen Kindern figuriren. Auch ist es ganz natürlich, dass wenn in den ersten Lebensmonaten eine unverhältnissmässig grosse Zahl unehelicher Kinder stirbt, eine um so geringere Zahl in die folgenden Monate als lebend eintritt und daher auch nur in geringerem Verhältnisse sterben kann.

Nach Monaten und Jahreszeiten ergibt sich für das Jahr 1872 gegenüber dem Vorjahre sowie der dreijährigen Durchschnittsperiode 1868 bis 1870 folgende Sterblichkeit, woraus zugleich erhellt, um wie viel die Sterblichkeit in den erstgenannten beiden Jahren die der Durchschnittsperiode übersteigt oder hinter ihr zurückbleibt:

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Wie sich aus den vier letzten Spalten vorstehender Tabelle ergibt, hat besonders die erste Hälfte des Jahres 1871 (namentlich der Januar, April, Mai und Juni) die Grösse der Jahresmortalität bedingt, während in der zweiten Jahreshälfte nur dem September eine den Durchschnitt weit überragende Sterblichkeit zukam. Am geringsten war die Zunahme der Sterblichkeit im vierten Quartal, zu welcher Zeit die epidemischen Einderkrankheiten nicht besonders zahlreich waren und die Winterkälte ihren Einfluss auf die Respirationskrankheiten noch nicht geltend gemacht hatte. Dagegen zeigte der September eine beträchtliche Zunahme der Sterbefälle; in diesem Monate waren die sommerlichen Unterleibsaffectionen, namentlich Ruhr, Brechruhr, Durchfall, Eklampsie der Kinder etc., auch Typhus, häufiger als es sonst in diesem Monate der Fall ist. Am grössten war aber die Zunahme der Sterblichkeit in den Monaten Mai und Juni (um 17 bis 18 pCf, denen sich der Januar (mit 15 pCt.) anschliesst. Im letzteren Monate, der durch grosse Kälte ausgezeichnet war (durchschn. Temperatur —5°R. in München), starben viele Personen an Altersschwäche, dann aber auch an entzündlichen Krankheiten der Respirationsorgane; im Mai und Juni traten die Tuberkeln häufiger auf als sonst um diese Jahreszeit; auch die Blattern culminirten in den Frühlingsmonaten. Mit dem December, dem ganz besonders eine niedrige Temperatur zukam (—V R.) begann wieder eine Steigerung der Winterkrankheiten.

Gegenüber dem Jahre 1871 zeichnete sich das Jahr 1872 durch grosse Wärme aus. Die mittlere Jahrestemperatur betrug nach den Aufzeichnungen an der Sternwarte zu Bayerhausen bei München 6,91°R., um 1,90° mehr als im Vorjahre und um 1,18° mehr als im 20jährigen Durchschnitte 1840/60. Die Wärme war besonders in den drei letzten Monaten des Jahres (October bis December) eine ungewöhnlich hohe, so dass an manchen Orten der December mehr einem Frühlings als einem Winter-Monate glich, kein Wunder, dass die Mortalität im Allgemeinen und speciell im vierten Quartale eine sehr geringe war.

Die Tabellen über die Gestorbenen nach Krankheiten enthalten in Bayern zwei gesonderte Rubriken für diejenigen Todesfälle, bei welchen eine ärztliche Behandlung vorherging und bei welchen der Tod ohne vorausgegangene ärztliche Hilfe eingetreten ist. Wir beschränken uns hier vorerst auf die Zahl der Gestorbenen überhaupt, welche von Aerzten behandelt worden sind, ohne auf die einzelnen Krankheits- und Todesarten Rücksicht zu nehmen. Zugleich fügen wir die Zahl der Aerzte (Civil- und Militär-Aerzte) eines jeden Regierungsbezirkes nach dem Stande vom 1. Januar 1873 bei nebst einer Berechnung, wie sich die Aerzte auf die Einwohnerzahl und den Flächenraum vertheilen:

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Aerztliche Hilfe wird immer in Oberbayern am häufigsten, in der Oberpfalz am seltensten beansprucht, was in dem Umstände zu suchen ist, dass in Oberbayern verhältnissmässig die meisten Aerzte (hauptsächlich wegen der Hauptstadt München), in der Oberpfalz die wenigsten Aerzte den Kranken zur Seite stehen.

Es ist dieses Ergebniss für Oberbayern um so günstiger, als in diesem Kreise (zugleich mit Schwaben) die Sterblichkeit der Neugeborenen am grössten ist, bei dem sonst nach allgemeiner Erfahrung in Krankheitsfällen nur selten ärztlicher Beistand in Ansprach genommen wird. In der Pfalz steht zwar das Verhältniss der ärztlich Behandelten unter den Gestorbenen (56,5 pCt.) beträchtlich über dem Durchschnitte des Königreiches (53,6 pCt.), und doch treffen dort auf 100,000 Seelen weniger Aerzte (25), als im Gesammtdnrcbschnitte (33). Allein es ist wohl zu beachten, dass in der Pfalz die Bevülkerungsdichtigkeit unter allen Kreisen am grössten ist; es kann daher dort durchschnittlich "ein Arzt einer grösseren Einwohnerzahl seinen Beistand gewähren, als dies in den diesrheinischen Regierungsbezirken der Fall ist. Nach der letzten Spalte obiger Tabelle ergibt sich daher auch, dass, obwohl in der Pfalz im Verhältnisse zur Einwohnerzahl weniger Aerzte sich befinden, dennoch der geringste Flächenraum auf einen Arzt dort trifft, oder mit anderen Worten: dass bei gleichem Flächenraum die Pfalz die meisten Aerzte aufzuweisen hat. Das Causalverhältniss zwischen der Zahl der Aerzte und der Zahl der Gestorbenen, die von Aerzten behandelt worden sind, ist daher ausser aller Frage. — Im Ganzen sind 54 bis 55 pCt. aller Gestorbenen in den letzten Jahren ärztlich behandelt worden. In manchen ländlichen Bezirken der Oberpfalz sinkt jedoch das Verhältniss der ärztlich Behandelten bis auf 10 bis 12 pCt. herab, was wohl als ein Beweis grosser Indolenz und geringen Bildungsgrades der dortigen Bevölkerung betrachtet werden kann.

Nach diesen allgemeinen Betrachtungen über die Sterblichkeit in Bayern überhaupt gehen wir zu einer kurzen Darlegung der Sterblichkeit nach einzelnen Krankheiten und Todesursachen über. Da es jedoch einen zu grossen Raum beanspruchen würde, wenn wir sämmtliche im bayerischen Schema aufgeführten 90 Todesarten einer speciellen Besprechung unterziehen wollten, so beschränken wir uns hier bloss auf einige wichtigere und in grösserer Häufigkeit vorkommende Krankheiten. Zu diesem Behufe folgt vorerst eine Uebersicht über die in den Jahren 1871 und 1872, sowie in der Durchschnittsperiode 1868 bis 1870 an Krankheiten der eben bezeichneten Art Gestorbenen, nebst Beifügung einer Berechnung der Sterblichkeit im Verhältnisse zur Einwohnerzahl:

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