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muthete, dass nämlich durch Fabrikbeschäftigung die Sterblichkeit überhaupt und insonderheit die der Kinder vermehrt werde, indem er hinzufügt (1. c. S. 250): „Der Lohn in Fabriken pflegt frühe und leichtsinnige Heirathen und unvorsichtige Zeugungen zu begünstigen. Der Fabrikarbeiter lebt oft bald ausschweifend, bald in grosser Noth. Die beständige Abwesenheit zerstört alle Häuslichkeit. Kleine Kinder müssen unfehlbar in hohem Grade verwahrlost werden. Dazu kommt, dass viele schon schwächlicher von Geburt sein mögen und dass uneheliche nur zu häufig sind, dazu endlich, dass das Fabriksystem jüngere Kinder schon brauchbar macht und viele daher viel zu frühe und zu übermässiger Arbeit angehalten werden", — hat durch Engers Untersuchungen, die Sterblichkeit in den industriellen Bezirken Sachsens betreffend, volle Bestätigung gefunden. Auch in England stellen die in den ersten fünf Lebensjahren Gestorbenen da, wo Fabrikbetrieb herrscht, die Hälfte, wo der Ackerbau überwiegt, nur ein Drittel des Todtencontingents (Oesterlen 1. c. S. 150). In Mühlhausen im Elsass starb 1823—1834 die Hälfte aller Geborenen, ehe sie 8 Jahr alt waren und bei den in Spinnereien, Webereien Beschäftigten sogar innerhalb der ersten 15 Monate (?) (ibid. S. 150).

Die nachfolgenden Berechnungen lassen auch im Kreise Beuthen die Kinder-Sterblichkeit als eine betrübend hohe, ja sogar excessive erscheinen.

Die Gesammtzahl der Todesfälle incl. Todtgeborenen betrug in diesem Kreise 1861—1870: 67,675 (Tab. IV.), ohne die Todtgeborenen 64,527 und von diesen starben in den ersten fünf Lebensjahren 40,825 (Tab. XII.), also nicht weniger als 6;>,3 pCt. Fast zwei Drittel sämmtlicher Gestorbenen waren demnach Kinder unter 5 Jahren, ein Verhältniss, wie es sich nicht leicht irgendwo wiederholen dürfte.

In Preussen betrug in den Jahren 1864—1867 die Zahl der nach der Geburt Gestorbenen 2,181,908, davon waren Kinder unter 5 Jahren 1,018,484, also 46,68 von 100.

Wappaeus berechnet (Th. 1. S. 182 u. f.) den Antheil, den die Kinder unter 5 Jahren mit den Todtgeborenen an der Gesammtsterblichkeit haben, auf 45 pCt., ohne die letzteren (4,75) also etwa 40 pCt. für Preussen in den Jahren 1816, 1825, 1834, 1843 und 1849: auf 43,49 pCt.

Der Antheil jedoch, den die Kinder-Sterblichkeit an der Gesammt-Sterblichkeit bat, giebt uns keine genügende Aufklärung über die Grösse der ersteren selbst; zu einer solchen gelangen wir erst, wenn wir:

1) die Zahl der Todtgeborenen zu der sämmtlicher Geburten,
2) die Zahl der in den ersten fünf Lebensjahren gestorbenen

zu den in diesem Alter stehenden, 3) die Zahl der vor Ablauf des ersten Lebensjahres gestorbenen

zu den lebend geborenen und 4) die Zahl der nach dem ersten und bis zum fünften Lebens

jahre gestorbenen zu den in diesem Alter lebenden Kindern in Verhältniss setzen.

Eine besondere Betrachtung werden wir der Kinder-Sterblichkeit bei den Mitgliedern des oberschlesischen Knappschafts-Vereins widmen.

Die Todtgeborenen. Unter der Gesammtzahl der im Kreise Beuthen in den Jahren 1861-1870 Gestorbenen von 67,665, davon männliche 36,998 und weibliche 30,677, befanden sich Todtgeborene: 3148, davon männliche 1812, weibliche 1336; dieselben betrugen also 4,9 pct. aller männlichen, 4,35 pCt. aller weiblichen, 4,65 pct. aller Todesfälle überhanpt. In Preussen starben 1864-1867: männliche Personen 1,203,346, weibliche 1,108,835, Summa 2,312,181; unter diesen waren männliche Todtgeborene 73,780, weibliché 56,493, Summa 130,267; es waren somit unter 100 Gestorbenen überhaupt 5,63, unter 100 männlichen 6,13, unter 100 weiblichen 5,09 Todtgeborene.

Die Zahl der Geburten überhaupt betrug im Kreise Benthen 1861–1870: 100,461, davon waren Knaben 51,401, Mädchen 49,060 (104,7 pct. Knaben); todtgeborene Knaben 1812, Mädchen 1336, Summa 3148. – Auf 100 Geburten kamen somit 3,1 todte Kinder; von 100 Knaben wurden 3,5, von 100 Mädchen 2,7 todtgeboren; also schon im Mutterleibe und bei der Geburt eine grössere Lebensgefährdung der Knaben, die durch das ganze Kindesalter bemerkt wird.

In Preussen stellte sich 1864-1867 incl. die Zahl der Geburten auf: männliche 1,624,891, weibliche 1,534,768, Summa 3,161,659; hierunter waren todtgeboren: 73,780 Knaben, 56,493 Mädchen, überhaupt 130,267; also 4,54 pCt, Knaben, 3,68 pct. Mädchen, überhaupt 4,12 pct.

Wenn für den Kreis Beuthen auch angenommen werden muss, dass ein Theil der Todtgeborenen als lebend geboren und gleich nach der Geburt an Lebensschwäche gestorben in die CivilstandsRegister gelangen, weil die Hebammen vielfach auch an ersteren die Nothtaufe vollziehen (Adam oder Eva sind dann die gegebenen Namen), so ist immerhin in dieser Beziehung, und wohl nur in dieser einen, der Kreis unter dem allgemeinen Niveau der Sterblichkeit.

Für den Zeitraum 1852—1864 giebt Holtze auf 100 Geburten für Preussen 4,11, für den Kreis Beuthen 3,4 todte Kinder an.

Von 3270 in den Jahren 1860—1866 unehelich geborenen Kindern waren: Knaben 1677, Mädchen 1593; todtgeboren: 210, Knaben 114, Mädchen 96; also Kinder 6,4 pCt., Knaben 6,8 pCt., Mädchen 6 pCt.

Im Regierungsbezirk Oppeln wurden 1859—1866 geboren: 222,182 männliche, 210,853 weibliche, zusammen 433,035 Kinder; hiervon todt: männliche 7429, weibliche 5584, Summa 13,013; also von 100 Knaben: 3,34, von 100 Mädchen: 2,65, von 100 Kindern überhaupt: 3,0.

Die Sterblichkeit in den fünf ersten Lebensjahren.

Während in Preussen, welches an sich in Bezug auf KinderSterblichkeit zu den weniger begünstigten Ländern gehört, von 1000 in den ersten fünf Lebensjahren stehenden Kindern 97,2 im Durchschnitt jährlich starben, fielen im Kreise Beuthen 133,9 von 1000 Kindern derselben Altersstufe dem Tode zum Opfer, ein Verhältniss von 100:137,7. (S. Tab. XII.)

Es hat jedoch den Anschein, dass die Kinder-Sterblichkeit im Kreise Beuthen im Verlaufe des letzten Jahrzehnts trotz der grösseren Verdichtung der Bevölkerung abgenommen hat.

Untersuchen wir nun näher, welche Periode des frühesten Kindesalters im Kreise Beuthen die am meisten gefährdete ist.

Die Sterblichkeit im ersten Lebensjahre.

Von denjenigen Schädlichkeiten und Krankheiten, welche auf das zarteste Kindesalter vielfach anderswo einwirken, wie häufige Unehelichkeit und Heimlichkeit der Geburt, in Pflege geben und die absichtliche Verwahrlosung kleiner Kinder, Findelhaus - Erzie

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hung, künstliche Auffütterung, Syphilis, Krämpfe und Rose der Neugeborenen, ist im Kreise Beuthen wenig zu merken.

Fast alle Mütter stillen selbst, enthalten sich indess auch während dieser Function nicht des Alkohols, an den auch die kleinsten Kinder sich gewöhnen müssen.

Von 100,461 in den Jahren 1861–1870 erfolgten Geburten waren uneheliche: 4748 (männliche 2411, weibliche 2337), also von 100: 4,72; in dem Zeitraume 1852—1864: 5,52, in Preussen 8,0 (Holtze). Der grösste Theil der unehelichen Kinder wird im Kreise Beuthen durch nachträgliche Eheschliessung legitim gemacht.

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eben für P,

,597 Leben

vor Voir

Von 61,287 in den Jahren 1860-1866 incl. im Kreise Beuthen lebendgeborenen Kindern starben im 1. Lebensjahre: 13,630, also von 1000: 222,4; von 31,177 lebendgeborenen Knaben: 7552, also 242,2 von 1000; von 30,110 lebendgeborenen Mädchen: 6078, also 201,8 von 1000. Holtze giebt für die Jahre 1852-1864 den Sterblichkeitssatz der lebendgeborenen Kinder im 1. Lebensjahre für den Kreis Beuthen auf 213, für Preussen auf 200 von 1000 an. Unsere Zusammenstellungen ergeben für Preussen, dass (1864—1866 incl.) von 2,285,597 Lebendgeborenen 483,086, also 211,36 von 1000 vor Vollendung des 1. Lebensjahres wieder gestorben sind.

Die Höhe der Sterblichkeitsziffer des 1. Lebensjahres würde. demnach im Kreise Beuthen die des Staates nicht wesentlich überschreiten.

Im Regierungsbezirk Oppeln wurden in den Jahren 1859 bis 1866 lebend geboren : 420,032, hiervon Knaben 214,753, Mädchen 205,269; im 1. Lebensjahre starben von diesen: 92,730 Kinder, 51,234 Knaben, 41,496 Mädchen.

Von lebendgeborenen Kindern starben hiernach im 1. Lebensjahre: 220,7, Knaben 238,5, Mädchen 202,1 von 1000; also annähernd ebenso viele als im Kreise Beuthen.

Bei den unehelich geborenen Kindern stellt sich, wie überall, die Sterblichkeit im 1. Lebensjahre höher wie bei den ehelichen.

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