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ist. Ob die Kinder-Sterblichkeit das Contingent der in dieser Jahreszeit Gestorbenen wesentlich erhöht, ist aus den amtlichen Tabellen nicht ersichtlich; im Oberschlesischen Knappschafts-Verein fällt allerdings das Maximum der Kinder -Sterblichkeit in die Monate August und September.

Wie nun die Landgemeinden von über 2000 Einwohnern für alle Abweichungen und Unregelmässigkeiten, welche Stand und Bewegung der Bevölkerung im Kreise Beuthen darbieten, eine charakteristische Quelle sind, so auch in Bezug auf die Zeit der Sterbefälle.

Es starben in diesen: 1867—1871: 19172 Personen, davon im I. Quartal 4424 oder 23,07 pCt., im II. Quartal 46G0 oder 24,3 pCt., im III. Quarial 5527 oder 28,8 pCt., im IV. Quartal 4561 oder 23,8 pCt.

Die Todesursachen.

Die officielle Statistik beschränkt sich in Preussen noch immer auf die Registrirung der Todesursachen nach dem Schema:

„Todtgeboren, an Lebensschwäche bald nach der Geburt, an Altersschwäche, durch äussere Gewalt, Verunglückung, in der Schwangerschaft und im Kindbett, an den Pocken, Wasserscheu und anderen (!) inneren Krankheiten, an inneren chronischen Krankheiten, an plötzlichen Krankheitszufällen, an äusseren Krankheiten, an nicht bestimmter Krankheit gestorben." Die Leichtigkeit der Durchführung dieses Schemas ist nicht zu bezweifeln, ebensowenig aber seine geringe Verwerthbarkeit für die Untersuchung der gesundheitsschädlichen Einflüsse eines Ortes oder Bezirks. Es dürfte deshalb wenig Licht auf die GesundheitsVerhältnisse des Kreises Beuthen werfen, wollten wir an dieser Stelle das Procent-Verhältniss jener Kategorien zur Gesammtzahl der Gestorbenen oder der Lebenden berechnen.

Auf die Todtgeborenen und lebensschwach Gestorbenen kommen wir bei der Besprechung der Kinder-Sterblichkeit des Kreises zurück.

Pocken waren stärker verbreitet in den Jahren 1861, 1867 und 1871. Es starben in denselben an dieser Krankheit je 200, 189, 430 männliche, 185, 183, 414 weibliche, 385, 372, 844 Personen überhaupt; also von 1000 männlichen Einwohnern je 2,7, 2,2, 3,8, von 1000 weiblichen je 2,5, 2,2, 3,5 Individuen und von 1000 Einwohnern überhaupt je 2,6, 2,2 und 3,6.

Von Wichtigkeit ist es, in einem so industriellen Kreise die Zahl und Häufigkeit der durch Verunglückungen herbeigeführten Todesfälle zu erforschen. Diese betrugen:

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Durch Unglücksfälle verloren demnach ihr Leben von je 10000 Einwohnern im Kreise Beuthen 1861—1870: 9,4, von je 10000 männlichen 15,8, weiblichen 2,9; in den Jahren 1852—1864: von je 10000 männlichen 8,3, weiblichen 2,2; in Preussen je 3,15 und 0,9 (Holtze). Die Häufigkeit der Verunglückungen hat somit in dem letzten Jahrzehnt zugenommen entsprechend der gesteigerten Kohlenförderung, dem Eindringen des Bergbaues in grössere Tiefen und der Vermehrung der Maschinen. Im Oberschlesischen Knappschafts - Verein (9/io Bergleute, l/io Hüttenarbeiter), von dessen Mitgliedern 81 pCt. im Kreise Beuthen wohnen, stellte sich die Zahl der durch Verunglückung zu Tode gekommenen Personen folgendermassen:

durch Verunglückung

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Eine zuverlässige Morbilitäts-Statistik bieten uns die SanitätsBerichte des genannten Vereins, denen wir nach dieser Richtung folgende Data entnehmen:

Tab. X.

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Von den Verletzungen, welche hauptsächlich in Quetschungen, Knochenbrüchen und Verrenkungen, Verbrennungen, Verstauchungen und Wunden bestehen und zu denen die mangelhafte Beleuchtung bei der bergmännischen Arbeit viel beiträgt, und dem Rheumatismus, welcher noch immer als Collectivdiagnose zu betrachten ist, abgesehen, sind Affectionen der Athemorgane, sodann der Verdauungsorgane die häufigsten Erkrankungsformen. Tuberculose ist, wie im Kreise überhaupt, selten. Wechselfieber herrschen das ganze Jahr hindurch, doch nimmt ihre Zahl allmählig mit der Cultivirung der entwaldeten Strecken und der Entsumpfung der Wiesen und ehemaligen Teiche ab; Typhus und typhoide Krankheiten sind endemisch.

Ueber die Cholera-Epidemien im Kreise Beuthen besitzen wir kein Material; persönlich hat Verfasser in seinem Wohnorte wiederholt beobachtet, dass die Seuche vorzugsweise Kellerwohnungen, Neubauten und in angeschwemmtem Lande gelegene Häuser heimsuchte, sich an einem Flusslaufe auf- und abwärts ausbreitete und den Theil der Ortschaft, welcher im nächsten Umkreise von Zinkhütten liegt, verschonte; ob in Folge der Beimischung des Hüttenrauchs zur Luft oder rein zufällig, lassen wir dahin gestellt sein.

Die Sterblichkeit nach Altersklassen.

Die Sterbenswahrscheinlichkeit ist im Kreise Beuthen in allen Altersstufen mit Ausnahme der höchsten, die wegen Kleinheit der Zahlen nicht sehr in's Gewicht fallen, grösser als im preussischen Staate. (S. Tab. XI.)

Zu ernsten Betrachtungen giebt besonders die grössere Gefährdung des Lebens der Männer während ihrer productiven Jahre Anlass, da schon vom 20. Jahre an, ganz besonders aber über das 40. Lebensjahr hinaus die Sterblichkeitsziffer erheblich diejenige des Staates überschreitet, ein nicht wohl zu leugnender Einfluss der Industrie, welche hier Tausende von Lebensfäden vorzeitig durchschneidet.

Holtze nimmt das Verhältniss der Mortalitätsziffer bei Männern in Preussen überhaupt und männlichen Arbeitern im Kreise Beuthen allein an wie 10: 13 im Alter von 21—30 Jahren, 10: 16,5 von 31- 40 Jahren, 10: 16 von 41-50 Jahren, 10: 15 von 51 — 60 Jahren.

Esstarben im Kreise Beuthen in nachfolgenden Altersklassen: Tab XI a) männliche Individuen.

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Die Sterblichkeit in den ersten Lebensjahren wird im Nachfolgenden eingehender behandelt.

Die Kinder-Sterblichkeit im Kreise Beuthen. Jedes lebende Wesen ist unmittelbar nach seiner Entstehung in seinem Fortbestehen am meisten gefährdet, insbesondere ist es der Mensch, der nach seiner Geburt und in seinen ersten Lebensjahren den ihn umgebenden Personen und Einflüssen preisgegeben

*) Preuss. Statistik. XVI. Tafel 1—4.

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