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1871 lebten im Kreise Beuthen von 235,800 Einwohnern 84,112, also 35,7 pCt. in der Ehe.

Die grössere Häufigkeit der Eheschliessungen erklärt sich aus der Leichtigkeit, um nicht zu sagen dem Leichtsinn, mit dem sie häufig im Arbeiterstande geschehen.

Auf die Zahl und das Procent-Verhältniss der Geburten kommen wir später zurück.

Die Sterblichkeits-Verhältnisse im Kreise Beuthen im Allgemeinen. Um einen Massstab für die Grösse der Sterblichkeit im Kreise Beuthen zu gewinnen, werden in Folgendem die Sterblichkeitsziffern desselben mit denen des Regierungsbezirks Oppeln und des Königreichs Preussen älteren Bestandes verglichen. Die Zahlenangaben sind aus den amtlichen Tabellen über Geburten, Trauungen und Sterbefälle im Kreise Beuthen resp. Regierungbezirk Oppeln, sowie aus den amtlichen Volkszählungslisten derselben und aus den Veröffentlichungen des Königl. statistischen Bureaus in Berlin entnommen. Die den Kreis Beuthen betreffenden VolkszählungsErgebnisse von 1871 verdanke ich einer privaten vorläufigen Mittheilung des genannten Bureaus. (S. Tabelle IV.)

Die Volkszählungsjahre 1861, 1864, 1867, 1871 für sich betrachtet, ergeben für den Kreis Beuthen je 42,24, 35,64, 45,56, 35,90 Todesfälle incl. Todtgeborene auf 1000 lebende Individuen, mithin so sehr von einander abweichende Zahlen, dass Durchschnitte aus mehrjährigen Zeitperioden den Vorzug verdienen.

Es starben somit incl. Todtgeborene: im Staate Preussen (1861—1867 incl.) auf 1000 Einwohner: 28,48, (1852—1864) 28,25 (Holtze), männliche: 29,76, (1850—1852) 30,4 {Oesterlen I.e. 172), weibliche: 27,^2, (1850—1852) 28,3 (ibid.); im Reg.-Bezirk Oppeln (1861—1870 incl.) auf 1000 Einwohner: 29,45, männliche: 31,84, weibliche: 27,31; im Kreise Beuthen (1861—1870 incl.) auf 1000 Einwohner: 37,003, (1852-1864) 38,5 (Holtze), männliche: 40,03, weibliche: 33,92.

Die Gesammtsterblichkeit des Staates = 100 angenommen, würde die des Kreises Beuthen 130, die des Reg.-Bezirks Oppeln 103,7 betragen.

Es sind jedoch im Kreise Benthen die gesammten Todesfälle nicht ohne Weiteres mit den bei den Volkszählungen sich ergebenden Bevölkerungsziffern in Verhältniss zu setzen, da diese im Winter stattfinden und während des Sommers mehrere tausend Menschen aus den benachbarten Kreisen und den benachbarten Staaten Oesterreich and Russland nach dem Kreise Beuthen strömen, um daselbst in Ziegeleien, Steinbrüchen, bei Strassen-, Eisenbahn- und Hochbauten Beschäftigung zu finden oder auch sich unstät umherzutreiben und denselben zum Winter wieder verlassen. Diese lassen dort ihre Todten zurück, ohne selbst mit den Einwohnern des Kreises gezählt zu werden.

Solger schätzt diese Unständigen auf ca. 5 pCt. der ansässigen Bevölkerung (Kreis Beuthen S. 161). Holtze schreibt ihnen y12 sämmtlicher Todesfälle im Kreise Beuthen zu. Diesen Schätzungen entspricht auch annähernd die ganz ungewöhnliche Erscheinung, dass im Kreise Beuthen die Zahl der Todesfälle im Sommerhalbjahr April bis incl. September diejenige des Winterhalbjahres um 9 pCt. übersteigt, während umgekehrt im Regierungsbezirk Oppeln (der doch im Allgemeinnn dieselben klimatischen und Cultur - Verhältnisse zeigt) die Sterblichkeit im Sommer von der im Winter um 5 pCt., in Preussen um 4 pCt. übertroffen wird. (S. Tab. IX.)

Diese für die Beurtheilung der Sterblichkeits-Verhältnisse des Kreises Beuthen nicht unwichtigen Factoren konnten wir an dieser Stelle nicht übergehen, ohne uns jedoch auf Schätzungen oder Wahrscheinlichkeits - Berechnungen, zn denen es an bestimmten Anhaltspunkten fehlt, einzulassen. An der Thatsache, dass die Sterblichkeit des Kreises Beuthen diejenige des Regierungsbezirks Oppeln und des Staates erheblich übersteigt, wird hierdurch nichts geändert. Um die etwaige Fehlerquelle, die aus der Berechnung der Sterblichkeitsziffer aus einer zu niedrig angesetzten Bevölkerungszahl entstehen könnte, zu vermeiden, setzen wir die Sterblichkeits-Verhältnisse nur der Winterhalbjahre für den Kreis, den Regierungsbezirk und den Staat mit einander in Vergleich, das Tab. IV.

Winterhalbjahr von October bis März gerechnet, entsprechend der Ab- und Zugangszeit jenes unständigen Theils der Bevölkerung. (S. Tabelle V.)

Es starben in den Winterhalbjahren:

im Staate Preussen 1861—67 jähri. 280936 Personen,

- Reg.-Bez. Oppeln 1861—70

- Kreise Beuthen 1861—70

- Staate Preussen 1864—67

- Reg.-Bez. Oppeln 1864—70

- Kreise Beuthen 1864—70

- Staate Preussen 1864—67

- Reg.-Bez. Oppeln 1864—70

- Kreise Beuthen 1864—70 Die Sterblichkeit d. Staates

- männl.Sterbl.

- weibl. - - - =100, = 99,7, - =110,9.

Unzweifelhaft übersteigt also die Sterblichkeit der Bevölkerung des Kreises Beuthen, insbesondere der männlichen, die des Staates nicht unbeträchtlich.

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Um den Ursachen dieser Erscheinung näher zu treten, betrachten wir die Sterblichkeits-Verhältnisse des Kreises nach den Wohnplätzen, nach den Altersklassen der Bewohner, nach der Zeit der Sterbefälle und den Todesursachen, indem wir auch nach dieser Richtung Staat und Regierungsbezirk, soweit erforderlich, in Parallele stellen.

Die Sterblichkeits-Verhältnisse des Kreises Beuthen nach den Wohnplätzen. Der gesammte Kreis Beuthen zählt 5 Städte und zwar: Beuthen, Tarnowitz, Myslowitz, Kattowitz und Königshütte. Die beiden erstgenannten haben seit Jahrhunderten städtische Einrichtungen, Bauart und Lebensweise, Myslowitz trat erst seit 1857 mit einer Städte-Ordnung in die Reihe derselben, Kattowitz 1867, Königshütte 1869. Letztere Stadt haben wir bei unseren Berechnungen jedoch den Landgemeinden zugezählt, theils weil für dieselbe eine mittlere Einwohnerzahl nicht festzustellen ist, da sie bei der Zählung 1867 als Gesammtgemeinde noch nicht bestand, theils weil dieselbe aus einer grösseren Zahl weit auseinander gelegener Arbeiter-Colonien zuammengesetzt und im Ganzen noch

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den Charakter der grossen industriereichen Landgemeinden des Kreises trägt. Die Bergwerks- und Hütten-Industrie hat nämlich eine ganze Reihe von Ortschaften theils neu geschaffen, theils so umgestaltet, dass die ursprüngliche Ackerbau treibende Bevölkerung gegen Arbeiter, Beamtete, Kaufleute und Gewerbtreibende in den Hintergrund getreten ist, auch selbst in den Beschäftigungskreis der industriellen Werke hineingezogen wurde. Zu diesen Wohnplätzen sind sämmtliche Landgemeinden mit über 2000 Einwohnern zu zählen, deren der Kreis Beuthen im Jahre 1867: 24, im Jahre 1871: 27 in sich schloss. Ans diesen werden wir 8 Ortschaften herausbeben, theils weil sie zu den dicht bevölkertsten und industriellsten gehören, theils weil uns über diese vorläufige Mittheilungen des statistischen Bureaus in Berlin, die Ergebnisse der Volkszählung von 1871 betreffend, zu Gebote stehen.

Die Sterblichkeit in den Städten. Die Zahl der männlichen Todesfälle erscheint in den Städten des Kreises Beuthen (Tab. VI.) in so auffallender Weise überwiegend (auf 1000 lebende männliche Personen: 42,23, auf 1000 lebende

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